Buddha: Alle Lehren, die ich euch gebe, sind ein Floß.


kNoch fünfhundert Jahre nach dem Hinscheiden des Tathagata wird es Menschen geben, die sich daran erfreuen, die Regeln zu befolgen. Hören solche Menschen diese Worte, werden sie den Glauben und das Vertrauen besitzen, dass diese Worte die Wahrheit sind. Wir müssen wissen, dass solche Menschen nicht nur während der Lebzeit eines Buddha heilsame Samen gesät haben oder während der Lebzeiten von zwei, drei, vier oder fünf Buddhas, sondern dass sie die guten Samen während der Lebzeiten von Zehntausenden von Buddhas gesät haben. Der Tathagata sieht und erkennt jede Person, die beim Hören dieser Worte des Tathagata reines, klares Vertrauen in sich erweckt – und sei es auch nur für eine Sekunde -, und diese Person wird, weil sie versteht, unermessliches Glück erfahren.

 Warum? Weil Menschen dieser Art nicht in die Vorstellung von einem Selbst, einer Person, einem Lebewesen oder einer Lebensspanne verstrickt sind. Sie sind weder in der Vorstellung von einem Dharma noch in der Vorstellung von einem Nicht-Dharma gefangen. Sie sind nicht in die Vorstellung verstrickt, dass dies ein Zeichen sei und jenes kein Zeichen. Warum? Wenn du der Vorstellung von einem Dharma verhaftet bist, dann bist du auch der Vorstellung von einem Selbst, einer Person, einem Lebewesen und einer Lebensspanne verhaftet. Bist du in die Vorstellung verstrickt, dass es keine Dharmas gebe, dann bist du noch immer in der Vorstellung von einem Selbst, einer Person, einem Lebewesen und einer Lebensspanne gefangen. Darum dürfen wir uns den Dharmas nicht verhaften, noch der Vorstellung, dass Dharmas nicht existierten. Das ist die verborgene Bedeutung dessen, wenn der Tathagata sagt: ’Bhikkhus, ihr müsst wissen, dass alle Lehren, die ich euch gebe, ein Floß sind.’ Alle Lehren müssen aufgegeben werden, ganz zu schweigen von den Nicht-Lehren.

aus dem Diamant-SutrafWas ist ein Floß? Was will Buddha mit diesem Bild sagen? Ich denke an den Lech, der mich meine ganze Jugend lang begleitet hat. Am Hochablass gab es eine eigene Floßgasse, damit die Flößer ihr Holz durch diese Staustufe bringen konnten. Es gibt ja auch das Bild vom Boot, mit dem man von einem zum anderen Ufer gelangen kann. Beim Floß fehlt dieses andere Ufer. Der Flößer bewegt sich einfach stromabwärts mit dem Fluss. Während das Boot am anderen Ufer zurückgelassen wird, wird das Floß irgendwann zerstört und die einzelnen Stämme ihrer weiteren Bestimmung übergeben. Die Symbolik der beiden Bilder ist ziemlich ähnlich: Es geht weder um Boot noch um Floß. Also, worum geht es dann?

„Alle Lehren müssen aufgegeben werden, ganz zu schweigen von den Nicht-Lehren.“ Das Boot, das Floß „müssen“ losgelassen werden. Ja, nicht einmal das. Es genügt zu sehen, was sie sind. Dann verschwinden alle diese Vehikel ganz von selbst. Vorsichtshalber: Keiner muss irgendetwas. Es ist nur eine freundliche Empfehlung hinzuschauen. Warum auch die Nicht-Lehren aufgegeben werden müssen? Natürlich weil auch die Nicht-Lehren Lehren sind. Ein Eichhörnchen fragt weder nach Lehren noch nach Nicht-Lehren. Es lässt sich einfach treiben wie ein Floß auf dem Fluss. Übrigens: Flößer war kein Ausbildungsberuf. In Flößer musste einfach völlig präsent sein, wenn er irgendwie heil durchs Leben kommen wollte. Eichhörnchen sein ist auch kein Ausbildungsberuf. Basil: „Äh nein, ich wollte sagen, was sind Sie von Beruf?“ – Alexis Sorbas: „Na hören Sie mal. Ich habe Hände, Füße, Kopf, die tun die Arbeit. Wozu brauch ich da’n Beruf?“

Im oben zitierten ersten Abschnitt sagt Buddha: „Noch fünfhundert Jahre nach dem Hinscheiden des Tathagata wird es Menschen geben, die sich daran erfreuen, die Regeln zu befolgen. Hören solche Menschen diese Worte, werden sie den Glauben und das Vertrauen besitzen, dass diese Worte die Wahrheit sind.“ Einerseits sagt er: „Glaubt mir kein einziges Wort von dem, was ich sage, nur weil ich Buddha, eine Autorität für Euch bin. Zweifelt es ruhig an, aber haltet es einfach für möglich, probiert es dann aus und seht, erfahrt alles selbst!“ Andererseits spricht er vom Vertrauen, dass seine Worte wahr sind. Wie denn nun? Ich würde sagen, diejenigen, die dieses unerschütterliche Vertrauen kennengelernt haben, wissen wie wahr Buddhas Hinweis ist. Diejenigen, die dieses Vertrauen nie erfahren haben, tun gut daran den anderen Hinweis für sich in Erwägung zu ziehen.

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