Chuang-tzu: negativ ohne positiv ist unmöglich

yDiejenigen, die Recht haben wollen ohne sein Korrelat Unrecht oder eine gute Regierung ohne ihr Korrelat Missherrschaft, verstehen daher nicht die großen Prinzipien des Universums und das Wesen der ganzen Schöpfung. Man könnte ebenso von der Existenz des Himmels ohne die Erde sprechen oder vom negativen Prinzip ohne das positive, und das ist offenkundig unmöglich. Dennoch hören die Menschen nicht auf, davon zu reden; solche Menschen müssen entweder Narren sein oder Schurken.

Chuang-tzu

Eigentlich … eigentlich ist das alles arschklar … also theoretisch, aber praktisch sind wir alle samt und sonders Narren oder Schurken. Wenn jemand etwa daher faselt von der Achse des Bösen, die es zu bekämpfen und zu besiegen gelte, Ist er wahrscheinlich ein Narr und ein Schurke zugleich.
yyAlso wer den Physikunterricht nicht ganz verschlafen hat, weiß, dass es einen Plus- und einen Minuspol braucht, damit elektrischer Strom fließen kann, weiß, dass es einen Plus- und einen Minuspol braucht, damit es zu einer magnetischen Anziehung bzw. Abstoßung kommen kann.

Nun sind wir ja alle Gott sei Dank keine Regierenden, nehme ich jedenfalls leichtsinniger Weise mal an, und so glauben wir vielleicht, nicht davon Betroffene zu sein. Aber Pustekuchen. Es gibt nichts und niemanden, der nicht davon betroffen wäre. Nehmen wir ein Paar, das sich gerade im Rosenkrieg befindet. Da haben wir es dann in der Regel, auf beiden Seiten mit einer Achse des Bösen zu tun, auf der gegenüberliegenden Seite steht selbstverständlich immer das reine Böse. Ich BIN das Recht und nur das Recht, du BIST das Unrecht und nur das Unrecht. In der Verliebtheitsphase war das alles eher umgekehrt.

Ein schönes Beispiel ist im Moment Mahatma Gandhi. Wie die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigte, gab es ein anderes Gesicht des Mahatma, das bisher immer verschwiegen wurde. Hier ein ttt-Beitrag zum Thema:



https://syndikalismus.wordpress.com/2014/12/25/mahatma-gandhi-zwischen-rassismus-kastensystem-und-hinduwahn/

Wird Gandhi nun vom Sockel gestürzt, geschleift und bespuckt werden? Wird aus dem Nur-Guten ein Nur-Böser gemacht werden? Sein Satz „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“ – ist er deshalb unrichtig, weil er als Kind seiner Zeit dem in Indien üblichen Kastendünkel verhaftet war? Schon werden seine früheren Anhänger seine Richter und sind damit schon wieder die Guten. Wie lange ist es her, dass wir unserem Kastendünkel verhaftet waren? Ist dieser Dünkel überhaupt je Vergangenheit bei uns geworden? Heute ist es vielleicht der Geld-Adel gegenüber dem Blauen-Blut-Adel. Aber geht es noch viel weiter: Irgendein Filialleiter gegenüber einer Kassiererin zum Beispiel oder ein Schulleiter gegenüber einem Schüler, … eben jeder, der sich im Recht fühlt gegenüber dem, der angeblich überhaupt kein Recht hat.

Zeige mir jemanden, der keine zwei Seiten hat, der nicht polar angelegt ist, und ich spendiere dir eine Kiste Bier oder auch nicht, um polar zu bleiben. Unsere Sucht nach dem idealen Idol, nach dem fehlerlosen Messias treibt uns alle in den Wahnsinn. Mit religiös hat das mal wieder absolut nichts zu tun. Nur mit blöde.

2

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Chuang-tzu: negativ ohne positiv ist unmöglich

  1. SUCHER schreibt:

    Lieber Nitya
    Die welt besteht nicht aus polen – minus,plus, schwarz,weiß – negativ ,positiv, sondern aus einen Kontinuum. in der Elektrik gibt es keine zwei dinge wie Minuspol und Pluspol sondern viele Elektronen fliesen zum ort wo wenige Elektronen sind, das ist Spannung, wir leben in keiner welt der polaren gegensätze sondern eines Kontinuums das die gesamte Bandbreite der Eigenschaften abdeckt gut und böse gibt es nicht ,das sind nur willkürlich herausgegriffene Beispiele bzw Momentaufnahmen des einen Kontinuums, nennt man es LEBEN BEWUSSTSEIN oder GOTT

    Gefällt mir

    • Nitya schreibt:

      Lieber Sucher.

      vielen Dank für deinen Hinweis! Ich kann dir nur völlig zustimmen.

      Es ist eine starke Vereinfachung. Schwarz und Weiß sind nur die Extremformen. Dazwischen liegen alle Grautöne. Und wenn wir die Farbkugel hinzunehmen, auch alle Farben.

      Gefällt mir

  2. fredo0 schreibt:

    jedoch … in diesem kontinuum gib es ein dynamisches prinzip … und dies meint ja das berühmte yin-yang-symbol des dao … es >gibt keine gegensätze ( als echten zustand oder gar als eigenständige ist-heit )… sondern alles erscheinende unterliegt dem dynamische prinzip der kulmination … die dann mit gegensatz yin-yang lediglich umschrieben wird …

    sämtliche entwicklungen (bewegungen) führen stets zu kulminationen , die dann in ihrem klimax völlig zwangsläufig in richtung ( ! ) korrespondierendes gegenteil umkippt ( ohne es jedoch je zu erreichen, da bereits vor dem „erreichen“ die ebenso zwangsläufigen gegenbewegung einsetzt . )
    in linearer betrachtung erscheint das bild der welle , die ja auch keinen zustand kennt , sondern deren jeweils erscheinende bewegung aus dem jeweils korrespondierenden mehr und weniger von hoch und niedrig resultiert … und da dies stets in fließendem korespondierenden übergang geschieht entsteht eine faszinierende harmonie in all diesen bewegungen und der hinweis der interdependenten ( quasi im dauergespräch befindlichen ) bewegungstendenzen wird erkennbar .

    damit >gibt es den Gegensatz als etwas vorhandenes nie , es >gibt immer nur ein zeitweilige mehr oder wenig intensive annäherung …
    das resultat dieses „fast dran und kurz davor wieder zurück“ – bewegungsprinzig ist eine pendelbewegung ( bei quasi zweidimensionaler betrachtung ) … die in addition der bewegungen eine art „rhytmische musik“ des kosmos erzeugt.

    Gefällt mir

    • Nitya schreibt:

      „damit >gibt es den Gegensatz als etwas vorhandenes nie , es >gibt immer nur ein zeitweilige mehr oder wenig intensive annäherung …“

      Der menschliche Verstand bringt dieses Kunststück fertig. Ganz schwarz, ganz weiß, ganz gut, ganz böse. Gäbe es diese menschliche Fähigkeit nicht, gäbe es keinerlei Probleme.

      Gefällt mir

  3. Jens Gantzel schreibt:

    Hat dies auf Wünschen. Wollen. Tun. rebloggt und kommentierte:
    Gegensätze, Widersprüche… damit leben können ist die Aufgabe, nicht, sie aufzulösen.
    Danke für den Artikel, Nitya.🙂

    Gefällt mir

  4. punitozen schreibt:

    Lieber Nitya ,
    Ghandi-Nachtratsch liegt mir nicht .
    Bevor ich mich über Unzulänglichkeiten der Anderen gänzlichst erhitze
    betrachte ich die meinigen – Tag um Tag .
    Herzlichst
    PUNITO

    Gefällt mir

    • Nitya schreibt:

      Lieber Punito,

      Osho lag anscheinend Gandhi-Nachtratsch mehr als dir:

      „Ich habe Adolf Hitler mit Mahatma Gandhi verglichen. Natürlich ist das schwer zu verstehen, denn die beiden scheinen einander total entgegengesetzt zu sein. Aber dieser Gegensatz ist nur Schein.“

      Herzlichst
      Nitya

      Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s