Chuang-tzu: einmal als Drache, ein andermal als Schlange

 

sssDie Mitte zwischen Wert und Wertlosigkeit scheint ein guter Ort zu sein, er ist es aber nicht wirklich – hier wird man nie aus Unannehmlichkeiten herauskommen. Ganz anders wäre es freilich, wenn einer den Pfad der Tugend erklimmt und dann hierhin und dorthin schweift, weder gelobt noch verurteilt, einmal als Drache, ein andermal als Schlange, mit der Zeit gehend und nie festgelegt auf nur eine Richtung. Wer einmal oben, einmal unten ist, die Harmonie als Maßstab nimmt, hierhin und dorthin schweift mit dem Ahnherr der zehntausend Dinge, wer die Dinge als Dinge behandelt, aber sich von ihnen nicht als ein Ding behandeln lässt, wie könnte der in Schwierigkeiten geraten?

Chuang-tzu

Ach ja, vorweg: Mit „Tugend“ meint Chuang-tzu ganz bestimmt nicht, was hier im Westen unter dieser moralinsauren Tugend verstanden wird.

Ich hoffe, ihr verzeiht mir meine Wiederholungen, aber das ist so ein wesentlicher Punkt, den kann man gar nicht oft genug ins Bewusstsein holen. Zwei Fragmente der Aussagen von Heraklit:

Gott ist Tag und Nacht, Winter und Sommer, Krieg und Frieden, Überfluss und Mangel.

und

Die Menschen sehen nicht, dass alles, was sich widerspricht, dadurch mit sich in Einklang kommt.

Gott ist nicht die Mitte zwischen Tag und Nacht, nicht die Mitte zwischen Winter und Sommer, zwischen Krieg und Frieden, Überfluss und Mangel. Gott ist die Spannung zwischen den Polen. Gott ist der lebendige Widerspruch, der nicht zu irgendeinem Tandaradei-Friede-Freude-Eierkuchen-Einklang führt, sondern immer schon der spannungsgeladene, tanzende Einklang ist.

Ich kenne deine Taten, dass du weder kalt noch heiß bist. Ich wünschte, du wärst kalt oder heiß. Weil du nun lau bist und weder heiß noch kalt, werde ich dich aus meinem Mund ausspeien. (Off. 3, 15-16)

Wirkliche Religion hat weder etwas mit wohltemperiertem Anstand, noch mit Mildtätigkeit noch mit sog. Altersweisheit zu tun, die sanft ermahnt, den Einheitsbrei des „Weges der Mitte“ zu genießen, sondern mehr mit diesem Radikalinski Jesus, der die, die weder heiß noch kalt sind, aus seinem Munde ausspeien will. Da hat er Chuang-tzu und Heraklit ganz an seiner Seite. Die Buddhisten und die Christen müssen da wohl irgendetwas „falsch verstanden“ haben.

Vielleicht hätte der Übersetzer den immer wieder missverstandenen Satz von Heraklit lieber so übersetzen sollen: „Spannung (Krieg) ist aller Dinge Vater, aller Dinge König. Die einen macht er zu Göttern, die anderen zu Menschen, die einen zu Sklaven, die anderen zu Freien.“ Ohne Spannung kein Strom. Ohne Spannung tote Hose, die Hose der Lauen, der Menschen, der Sklaven.

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5 Antworten zu Chuang-tzu: einmal als Drache, ein andermal als Schlange

  1. Ingeborg schreibt:

    Ein ,weches,Bild der Kegelrobben.Technik ist Kacka.Naja jedenfalls geht die Robbenkamera wieder und es können sogar Jungtiere und eben noch ließ sich ein Seeadler am Stand nieder.
    Aber wie Sie sehen Sie nichts.

    LG. Ingeborg

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  2. punitozen schreibt:

    …….. Gott ist Tag und Nacht, Winter und Sommer, Krieg und Frieden,
    Überfluss und Mangel. …….

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  3. fredo0 schreibt:

    Gott >ist gar nix , da Gott nicht etwas ist … noch nicht einmal die Spannung zwischen interdepenten Gegensätzen …

    Gott ist Gott … und selbst da ist das „ist“ bereits verzerrend , da über die Istigkeit Gottes nix spezielles gesagt werden kann … ( noch nichtmal das Gott Gott ist ) denn jedes spezielle ist immer ausschließend …

    Gott ist auch nicht Alles … denn hier wird das Alles bereits durch Betrachtung zum Objekt ( auch wenn dieses Objekt , quasi die Gesamtheit aller Objekte darzustellen versucht , ist es doch selber auch ein Objekt )

    jedoch … Gott ist halt kein Objekt … und auch keine Quelle der Objekte … da mit dieser Begrifflichkeit ja wieder zwischen Objekten und ihrer Quelle unterschieden wird …

    Ja , was ist denn nun Gott ?

    ich tendiere zu der Karl Renzschen Unterhose …
    😀

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    • Nitya schreibt:

      Gott ist auch gar nix, ist auch etwas, ist auch die Spannung zwischen interdepenten Gegensätzen, ist auch Gott, ist auch das Verzerrende, ist auch das, worüber nix Spezielles gesagt werden kann, ist auch das Ausschließende, ist auch Alles, alle Objekte, auch die Quelle der Objekte, auch Karls Unterhose und auch der mit jedem Wort irgendwas ausschließenden Fredo.

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