Ego

 

SGestern schrieb ich: „Das Ego ist ein Faschist, ein Mafiaboss, ein Lügner, Betrüger, Heuchler, Räuber, Mörder, … bis erkannt wird, dass dieses sich von allem abgetrennt glaubende Phantom nur eine geträumte Identität ist, die das allumfassende Bewusstsein vorübergehend angenommen hat. Kann das Ego, das glaubt, das verstanden zu haben, irgendetwas daran ändern?“ und „Ego ist Ego, gleichgültig, in welcher Maske es gerade erscheint.“

Da oben können wir so zwei spirituelle Masken sehen und da unten auch. Und obwohl der Karneval schon vorbei ist, weigern sie sich die Kostümträger vermutlich, ihre Kostüme wieder im Kostümverleih zurück zu geben. Warum? Weil sie sich für das halten, was sie gerade darzustellen versuchen. Guckt euch bloß diese wichtigtuerischen, ernsten Gesichter an!
PIch könnte natürlich auch Menschen in Uniform oder in Arztkitteln oder im Blaumann nehmen. Es ist eigentlich piepegal, was für ein Kostüm jemand trägt. Wichtig ist allein, ob jemand glaubt, zu sein, was er darstellt. Tja, Kleider machen Leute. Glauben jedenfalls die meisten Menschen.

FMag sein, dass diese Schöne aus Rio für eine kurze Zeit glaubt, das zu sein, was sie darstellt. Aber sie weiß, dass sie gerade ihren Traum lebt. Das ist ihr so wertvoll, dass sie bereit ist, viel dafür zu opfern. Auch das Brautkostüm wird nur für einen winzigen Moment getragen und wandert dann für den Rest seiner Tage in einen Kleiderschrank. Eine Braut hört auf, eine Braut zu sein, wenn sie den Ehevertrag unterschrieben hat, ein Priester ist Priester bis zu seinem Tode. Armer Priester – was Wunder, wenn er glaubt, ein Priester zu sein. Damit hat er sich schon alles verbaut. Wie soll er je erfahren, dass er absolut grenzenlos ist, wenn er sich für so etwas Begrenztes wie einen Priester hält?

Ein Priester ist kein Priester, ein General ist kein General, ein Künstler kein Künstler, eine Prostituierte keine Prostituierte, ein Erleuchteter kein Erleuchteter, … Als Hakuin beschuldigt wurde, ein Mädchen geschwängert zu haben und ihm die empörten Eltern des Mädchen das Neugeborene brachten, rechtfertigte er sich mit keinem Wort, obwohl er völlig unschuldig war, nahm das Baby und versorgte es. Wie hätte dies geschehen können, wenn Hakuin mit Hakuin, dem großen Zen-Meister identifiziert gewesen wäre?

Wer weiß, dass er nicht ist, was er zu sein scheint, kann mit allen Rollen spielen und dieses Spiel von Herzen genießen, so genießen, wie Kinder es genießen, wenn sie etwa Hochzeit feiern. Dann verliert alles seine Schwere und alle freuen sich über das Happyend. Wie kann jemand Leute totschießen, wenn für ihn alles „nur“ ein Spiel ist? Schäuble kann nicht spielen. Umso mehr ärgert ihn jemand wie dieser griechische Finanzminister Gianis Varoufakis, der sehr engagiert für seine Sache und die seiner Landsleute kämpft und doch völlig spielerisch mit der ganzen Situation umgehen kann. Was für eine Freude, dass auch solche Menschen wie Varoufakis das Politikpokerspiel spielen und nicht nur solche sauertöpfischen, menschenverachtenden Leute wie unser Finanzminister. Also ich finde, in diesen Varoufakis kann man sich richtig verknallen.

V

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3 Antworten zu Ego

  1. Chantal schreibt:

    Lieber Nitya
    Hier ein paar verzauberte Ego’s. Waren für 10 Tage zu sehen in diesem Jahr am Karneval in Venedig.

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  2. Jens Gantzel schreibt:

    Ja ja, die Selbstbilder und die Selbstinszenierung…
    Schäuble ist halt das personifizierte Sparbrötchen mit dicke Brieftasche. Als was mag er sich selbst sehen? Als passenden Party wohl wirklich nicht.
    Vielleicht wirklich als Sparbrötchen? Hm, dann wären ja Selbst- und Fremdbilder gar nicht so weit auseinander…
    Selbstbilder:
    https://wuenschenwollentun.wordpress.com/2013/05/24/die-seeschlacht-in-der-zeit-selbstbilder-festhalten-und-loslassen/

    Und dazu die ewige Unzufriedenheit mit sich selbst: dies will ich sein, das will ich sein… nur nicht ich selbst… nervig:
    https://wuenschenwollentun.wordpress.com/2014/06/13/es-grunt-so-gelb-reifen-wie-die-paprika/

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