Urvertrauen


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Gestern hat mich jemand gefragt, was Urvertrauen sei, und dabei ein Gute-Nacht-Gebet aus der Kindheit erwähnt:


.
Abends, wenn ich schlafen geh,
Vierzehn Engel um mich stehn:
Zwei zu meinen Häupten,
Zwei zu meinen Füßen,
Zwei zu meiner Rechten,
Zwei zu meiner Linken,
Zweie, die mich decken,
Zweie, die mich wecken,
Zweie, die mich weisen,
Zu Himmels Paradeisen.

Ach ja, das könnte schööön sein! Aber wie ist es? Mord und Totschlag, Lüge, Verrat, Betrug allenthalben, Klimaerwärmung, Tsunamis, Unfälle, Krankheiten, …. Wo sind nur all die Engelein, die mich beschützen sollen? Wenn der Traum vorbei ist, folgt das böse Erwachen und die bittere Erkenntnis, dass der versprochene Rosengarten ein leeres Versprechen war. Ein Trösterchen für kleine Kinder, eine Lüge der Erwachsenen. Da waren Grimms Märchen schon ein anderes Kaliber – und welches Kind liest sie nicht mit Begeisterung? Aber die Erwachsenen wollen ihre Ruhe haben, stecken dem Kind einen Schnuller in den Mund oder ein Stück Schokolade und erzählen ihm Lügengeschichten.

Nein, Urvertrauen wird so nicht aufgebaut. Urvertrauen, das jederzeit zusammenbrechen kann, ist kein Urvertrauen. Mit all diesen netten Lügengeschichten werden nur verblendete Gedanken und Gefühle, nur falsche Erwartungen, werden nur Neurosen gezüchtet. Später schwärmen dann die Erwachsenen davon, was sie doch für eine wunderbare Kindheit hatten, und sind todunglücklich.

Urvertrauen kann nicht an die Person gebunden sein. Die Person ist nur ein Irrlicht. Wenn die Person als das gesehen werden kann, was sie ist, ist nicht einmal Vertrauen nötig, auch kein Urvertrauen. Dann genügt einfach, was ist: Krieg und Frieden, Hunger und Sättigung, Überfluss und Mangel. Dann ist jeder Augenblick sich selbst genug.

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9 Antworten zu Urvertrauen

  1. Nitya schreibt:

    Hexenwürde

    http://dietagespresse.com/papst-ja-zu-hexenverbrennungen-aber-wuerdevoll/

    Das darf doch alles nicht wahr sein!

    Religioten aller Länder vereinigt euch!

    (Reine Satire oder auch ein bisschen wahr?)

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  2. Marianne schreibt:

    Lieber Nitya,

    für mich ein spannendes Thema, das menschliche Urvertrauen …

    Ich stimme dir voll und ganz zu, dass es in den Bereich des „Persönlichen“ gehört.
    Entwicklungspsychologisch wird es hier allerdings in einer sehr frühen Zeit geprägt, wo noch gar kein separates Ich-Erleben vorhanden ist, es ist also nicht unbedingt ein duales Phänomen (= jemand hat Ur-Vertrauen oder keines).
    Eher: ES ist da oder halt nicht … oder: es gibt große „Löcher“ im Erleben, wo keines da ist … Angst-Löcher… Existenz-Angst. Die werden schnell getriggert, wenn „jemand“ oder „etwas“ als nicht vertrauenswürdig erscheint.

    Deinen letzten Abschnitt finde ich tröstlich: Ja, dem gegenwärtigen Augenblick können wir immer vertrauen …🙂

    Mit herzlichem Gruß
    Marianne

    P.S. Wenn der Papst wirklich glaubt, dass es Hexen gibt, dann hat er vermutlich ein „Thema“ mit seinem Ur-Vertrauen …😉

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  3. punitozen schreibt:

    Eine wundersame Begegnung – jene Engelerfahrung ,
    wenn “ Man(n)n vollkommen im Arsch ist – sich alles Anklammern am Selbstgestrickten
    Selbstgewobenen in Luft auflöst, und der Abgrund unter den Füßen sich öffnet .
    Tiefstes Bedrückt-Verwirrung sich breit macht und der Schlussakkord aus dem Seitenausgang des Lebens löckt .
    Dann jener Moment- Impuls sich meldet , der seine Es ist so wie es ist – Botschaft ins “ Oberstübchen “ eindringen lässt . Dann kapitulierste als Selbstkonzept – Bastler . Dann schnaufste durch , heulst Rotz und Wasser und freust Dir das Du lebst – einfach lebst .
    Ein magisches Momentum – so wie früher , als ein Kiesel mehr als ein Kiesel war .
    Wenn du verstehst – isses gut , wenn nicht – auch gut ,
    Dies nenne ich ein Engelskraft – Erleben . Nicht schön – aber selten !
    Besser auf neuen Wegen etwas stolpern
    als in alten Pfaden auf der Stelle zu treten.
    Herzlichst
    PUNITO

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  4. froeschin schreibt:

    Hänsel und Gretel waren ja zum Fürchten – ich habe die ganze Zeit darauf gewrtet, dass das Mädel einen hinter dem Rücken verborgenen Dolch zieht.
    Hm, also dass der Glaube an den Weihnachtsmann oder eben Engel das Urvertrauen zerstört ist so, wie Du es beschreibst, total klar. Letztlich übergebe ich einem anderen die Kraft oder Macht, die eigentlich in mir selber steckt und werde dadurch ohn-mächtig. Ein Freund hat mich gerade mal wieder auf die Macht der Affirmationen aufmerksam gemacht. Dass ich mich im Grunde selber ständig mit (negativen) Affirmationen beriesel, war mir dabei gar nicht klar. Ich hatte zunächst Zweifel an der Wirkung von positiven Affirmationen – aber sein Argument zog natürlich – ich sehe ja de Auswirkung meiner ständigen Affirmationen.

    Aber sind nicht auch diese Affirmationen sowas wie „Ein Engel links, einer rechts“? Ist nicht auch dieses Gebet eine Affirmation? Und würde das dann nicht bedeuten, dass auch hier Urvertrauen zerstört wird. Oder bin och da auf einem falschen Dampfer?

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    • Nitya schreibt:

      Liebe Fröschin,

      Jesus hat gesagt: Dein Glaube hat dir geholfen. Nicht die Affirmation, sondern der Glaube daran, dass die Affirmation die reine Wahrheit beschreibt. Also ich muss das jetzt mal selbst probieren: „Ich bin ein Vogel und kann fliegen. Ich bin ein Vogel und kann fliegen. Ich bin ein Vogel und kann fliegen. Ich bin ein Vogel und kann fliegen. Ich bin ein Vogel und kann fliegen. Ich glaube fest daran, nein ich weiß, dass ich fliegen kann.“ Das werde ich gleich mal ausprobieren. Morgen berichte ich über das Ergebnis.

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