Hermann Hesse: die Magie der Liebe


hesse


.
Je weniger ich
an unsere Zeit glauben kann,
je mehr ich das Menschtum
verkommen und verdorren zu sehen meine,
desto weniger stelle ich diesem Verfall
die Revolution entgegen,
und umso mehr glaube ich
an die Magie der Liebe.

Hermann Hesse

Hermann Hesse – nur ein Träumer? Nun, sind wir das nicht alle? Gestern wurde Obama mit den Worten zitiert: „Wissen Sie, traditionell war die US-Außenpolitik in Realistenlager und das Idealistenlager geteilt.“ War Hesse einfach einer aus dem Idealistenlager und gehörte damit, wie wir alle zu wissen glauben, zu den ewigen Losern? Oder zeigte er mit seinen Zeilen, dass er im Grund ein totaler Realist war? „Je mehr ich das Menschtum
verkommen und verdorren zu sehen meine, …“ desto reflexhafter scheint sich der Gedanke an Revolution einzustellen.
che„Wehrt euch!“, erschallt es aus allen Ecken von den sog. Wutbürgern. „Empört euch!“ – „Ruft alle aus dem Fenster: ‚Ihr könnt mich alle mal am Arsch lecken!'“ – „Geht auf die Straße!“ – „Wir sind das Volk.“ – …..


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Wir wissen ja, wie das weiterging: „Wer hat uns verraten?“ – Noch nie hat eine Revolution ein Problem gelöst. Die Menschen auf der einen Seite waren weder besser noch schlechter als die auf der anderen Seite. Was sollte bei dem ganzen Gezeter schon herauskommen? Gandhis Hinweis war deshalb eigentlich völlig logisch: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“ Nun, was wünschen sich denn all diese Wutbürger? Frieden, Gerechtigkeit, Mitmenschlichkeit, Freiheit, …


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Muss sich da nicht jeder Einzelne fragen, inwieweit er selbst dem entspricht, was er sich für die Welt wünscht, oder ob er vielleicht nur hofft, dass die anderen sich gefälligst ändern werden? Ist das etwa realistischer als das, was sich Hermann Hesse erträumt?

„Aber die Welt ist nun mal, wie sie ist!“, schallt es jedem Apostel der Liebe entgegen. „Da kann der gute Mann lange warten mit seiner Liebe.“ Kann schon sein. Aber Hesse spricht hier nicht als politischer Mensch, sondern einfach als er selbst: „… umso mehr glaube ich an die Magie der Liebe.“ Sagt sich so leicht oder singt sich so leicht und bewirkt so ein wundervoll erhebendes Gefühl: Auch ich gehöre zu den Guten.


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Aber an die Magie der Liebe glauben oder die Macht der Liebe anbeten, ist es nicht. Shri Dattatreya sagt in der Avadhuta Gita:

Wozu die Gottheit anrufen
oder sich niederwerfen?
Was soll die Verehrung
mit Blumen und Räucherungen?
Wozu ist es wichtig,
zu meditieren
und Hymnen zu murmeln?
Wie kann es sein, dass etwas
sich selbst anbetet,
also die Verehrung
einer äußeren Gottheit?

 Wer an die Magie der Liebe glaubt oder die Macht der Liebe besingt, scheint nicht zu wissen, dass er noch nie etwas anderes war als reine Liebe. Allerdings nicht diese zuckersüße, sentimentale Liebe, sondern die, auf die Heraklit hinweist mit den Worten: „Gott ist Tag und Nacht, Winter und Sommer, Krieg und Frieden, Überfluss und Mangel.“

„Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“ Sei, was du schon immer bist, aber völlig vergessen hast, dass du es bist.

 

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7 Antworten zu Hermann Hesse: die Magie der Liebe

  1. punitozen schreibt:

    Unruhiges Herz …

    Als alles in die Brüche ging , besoffen , bekifft – sentimental
    Mittendrin im Beziehungsliebeskitsch- Scherbenhaufen sitzend –
    am Thresen einer “ Absturzbar “ .

    Zorniges Herz…..

    Vertrautes pulsieren …

    and last not least…..

    NOW-HERE

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  2. fredo0 schreibt:

    liebe ? … ist das dieses warme gefühl ? …
    erlebte zuwendung ? … zuneigung ?
    gar begehren ? und dessen erfüllung ?

    oder ist es diese geborgenheit ?
    oder dieses sich selbst vorfinden in dem was da gerade so „lebt“ ?
    ist die liebe dann von – nach gerichtet ?
    oder ist es gar genau dieses sich (nur) selbst vorfinden im „gerade nun“ was man auch „liebe“ nennen kann ? quasi eine liebe die (nur) sich selbst liebt ? … ja lieben kann ?

    ich , dieser fredo … mag ja dies wort „liebe“ nicht besonders …
    denn es gibt kaum ein missbrauchteres vokabulum , und ein häufiger missverstandenes … auch durchaus von mir … immer wieder , immer noch … deshalb hab ich wohl begonnen es einfach zu vermeiden … (… was mich ja nicht dran hindert „das warme gefühl“ zu bemerken , dass den fredo … so oder so durchschleicht , wenn leben mal wieder als leben bemerkt wird …:D)

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  3. Eno Silla schreibt:

    die magie der liebe
    liebe
    ach ja
    ich weiß nicht was sie ist
    also ich könnte sie nicht wirklich beschreiben
    jedenfalls nicht so
    dass nicht sofort von überall ein ABER-UND-ODER-VIELLEICHT auftaucht
    aber ich fühle
    wenn sie auftaucht ist da nicht der geringste zweifel
    jenseits aller spiritueller phrasen
    all dem angelesenangehörten zeug
    treibt es mich umher
    hin und her geworfen
    vom süßen ins bittere
    und es ist so deutlich
    so erschreckend klar
    das eine gibt es nicht ohne das andere
    was für ein verrückter tanz
    ich liebe ihn so sehr
    wie ich ihn verabscheue

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  4. Eno Silla schreibt:

    ich durchstreife
    das weltenall
    wenn ich bin
    wach traum schlaf
    ist was ich bin
    so durchstreife ich
    das weltenall
    immer auf der suche
    nach dem kick
    nach dem neuen
    dem – das ist es
    und dass neue
    wird das alte
    auf ein neues
    altes

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  5. Brigitte schreibt:

    Da draußen wirst du alles erkennen,
    die offenen Enden treffen zusammen,
    werden wieder heil und du bist du selbst,
    dein ganz und gar geformtes,
    doch ständig sich verwandelndes,
    tiefstes Selbst.

    Jeder Blick zurück, noch so unbeholfen, wird sich lohnen.
    Mit jeder Träne, die du weintest,
    – weinen wolltest -,
    werden deine Knochen, die zerbrachen,
    wieder ganz.

    Die Reise deines Herzens,
    du brauchst sie nicht mehr zu verstecken
    hinter stählernen Trägern,
    mächtigen Feigenbäumen oder gar unter Reispapier.

    Du benötigst nicht soviel ,
    wie den Flügel einer Libelle,
    um diese schwergeprüfte Stelle zu bedecken, dein Geheimnis zu schützen,
    das du so sehr liebst und durch all die Jahre scheinbar schonungsloser Drangsal
    unversehrt zu bewahren hoffst.

    Geh nun lebe und liebe in Frieden,
    mein Freund,
    denn gewiss gibt es die Liebe,
    um dich einzuhüllen,
    und das Leben, auf das du es genießt,
    dein Anteil daran ist unermesslich.
    Die Liebe wird „mehr“ sein, als du ersehntest.

    Wenn es soweit ist, wirst du verstehen,
    du wirst dich selbst so lieben,
    wie kein Liebender je das Herz hatte,
    dich zu lieben.

    Und die Wärme, die du dir wünschtest,
    wird dein Kopfkissen füllen,
    auf dem Fenstersims tanzen,
    sich verbergen vorne in deinen Strümpfen,
    um deine Zehen zu erwarten.

    Deborah Mears

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