70 Jahr ein Greis

u10 Jahr ein Kind,
20 Jahr ein Jüngling,
30 Jahr ein Mann,
40 Jahr wohlgetan,
50 Jahr stille stahn,
60 Jahr geht’s Alter an,
70 Jahr ein Greis,
80 Jahr schneeweiß,
90 berührt vom Tod,
100 beim lieben Gott.

 Also, wer bin ich denn nur? Nach dieser Lebensuhr ein Greis. So ganz allgemein muss ich sagen, ich liege ganz gut in der Zeit. Ich habe das ziemlich genau mitverfolgen können, wie in den sechziger Jahren das Alter losging. Die Zähne verabschiedeten sich langsam, die Haare wurden lichter, Schlaganfall, Herzinfarkt und dergleichen mehr sorgten dafür, dass es mir nicht zu langweilig wurde. In den siebziger Jahren bekam ich in meinem Fersenbeinbruch-Fuß immer stärker Arthrose, sodass meine Bewegungsbedürfnis schon fast zu Null hin tendiert, Haut und Lunge zeigen mir ziemlich genau den Grad meiner sorgfältig angesparten Giftstoffe, mein Herz vermittelte mir immer stärker, dass ich so gut wie keine Belastung mehr vertrage und in der Birne ist immer mehr gar nix mehr, was nichts mit hochspiritueller Leere zu tun hat, sondern mit Gaga oder Alzheimer oder was weiß ich. Ich vergesse immer öfter, was ich gerade sagen oder tun wollte …

So, jetzt Schluss mit der Aufzählung von Behinderungen. Das könnte jetzt noch endlos so weitergehen. Aber das ist mir zu langweilig. Also, ich bin ein Greis, da beißt die Maus keinen Faden ab. 10, 20, 30, 40, 50, 60, 70, … das spult sich alles so ganz von allein ab und ich gucke leicht befremdet zu, was da mit diesem Nitya so abgeht.
0Mein Interesse an dem Kerl ist ziemlich zurückgegangen, je älter ich geworden bin. Aber nicht nur an dem Kerl, sondern eigentlich an allem, wofür sich anständige Leute so zu interessieren scheinen. Ich muss sterbenslangweilig für sie sein. Es wäre falsch, zu sagen, dass der kleine weiße Punkt inmitten der Lebensuhr das ist, was mich als Einziges interessieren würde. Er ist einfach. Was soll ich sagen? Versinke ich in völliger Gleichgültigkeit? Nicht einmal ein paar handfeste spirituelle Dramen? Was soll ich denn um all das für ein Gewese machen? Satchitananda? Ach Gott ja. Alles erscheint und versinkt. Ja, ja, das sind halt so G’schichten, wie mein verehrter Heinz Butz immer zu sagen pflegte.

Max Stirner beginnt mit den Worten: „Ich hab‘ Mein‘ Sach‘ auf Nichts gestellt. Was soll nicht alles Meine Sache sein! Vor allem die gute Sache, dann die Sache Gottes, die Sache der Menschheit, der Wahrheit, der Freiheit, der Humanität, der Gerechtigkeit; ferner die Sache Meines Volkes, Meines Fürsten, Meines Vaterlandes; endlich gar die Sache des Geistes und tausend andere Sachen. Nur Meine Sache soll niemals Meine Sache sein. – Die Sache der Gesundheit hat er glatt vergessen. Brahma, Vishnu, Shiva, als ob sie für die drei Lebensalter des Menschen stehen. Und immer dreht sich das Rad der Wiedergeburten. Ja und?

Und dann guck ich einem Eichhörnchen zu, wie es einen gewaltigen Satz macht auf einen schwankenden Zweig. Wie wunderbar!
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22 Antworten zu 70 Jahr ein Greis

  1. Marga Till schreibt:

    Hi Nitya, meine Hochachtung, wie du mit Leben und Vergänglichkeit, Form und Formlosigkeit umgehst. Kommt eine gewisse Leichtigkeit rüber:-) Liebe Grüße, Marga Till

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  2. Eno Silla schreibt:

    Rezept (von Mascha Kaléko)

    Jage die Ängste fort
    und die Angst vor den Ängsten.
    Für die paar Jahre
    wird wohl alles noch reichen.
    Das Brot im Kasten
    und der Anzug im Schrank.

    Sage nicht mein.
    Es ist dir alles geliehen.
    Lebe auf Zeit und sieh,
    wie wenig du brauchst.
    Richte dich ein.
    Und halte den Koffer bereit.

    Es ist wahr, was sie sagen:
    Was kommen muss, kommt.
    Geh dem Leid nicht entgegen.
    Und ist es da,
    sieh ihm still ins Gesicht.
    Es ist vergänglich wie Glück.

    Erwarte nichts.
    Und hüte besorgt dein Geheimnis.
    Auch der Bruder verrät,
    geht es um dich oder ihn.
    Dein eignen Schatten nimm
    zum Weggefährten.

    Feg deine Stube wohl.
    Und tausche den Gruss mit dem Nachbarn.
    Flicke heiter den Zaun
    und auch die Glocke am Tor.
    Die Wunde in dir halte wach
    unter dem Dach im Einstweilen.

    Zerreiss deine Pläne. Sei klug
    und halte dich an Wunder.
    Sie sind lang schon verzeichnet
    im grossen Plan.
    Jage die Ängste fort
    und die Angst vor den Ängsten.

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  3. Eno Silla schreibt:

    „…halte dich an Wunder“:

    *FREU* heute waren beide Seeadler zu Hause!
    Danke an Ingeborg, das wird ein schöner Frühling mit diesen wunderbaren Vögeln!

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  4. Nitya schreibt:

    Wie um mir zu beweisen, dass ich wirklich ein tütteliger, nicht mehr ganz zurechnungsfähiger Greis bin, hab hab ich heute Morgen beim Rückwärtsfahren aus der Garage mein Auto ramponiert und mich und die Versicherung insgesamt um ca. 2.600 Euro ärmer gemacht. Oder hat’s gar nix mit dem Greis zu tun, sondern mit Freitag dem 13.? Oder damit, dass meine weiblichen Anteile zu groß sind? Fragen über Fragen.

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  5. Nitya schreibt:

    Seeadler

    Jetzt hab ich sie auch endlich erwischt und sogar am Nachmittag. Ja, danke Ingeborg. Und danke auch dir, Eno, dass du uns erinnert hast.

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  6. Brigitte schreibt:

    Hey Nitya,

    du hast es drauf, mir so richtig Mut zu machen..;-)

    Das Alter und seine „Mitbringsel“ konnte ich ja bisher ganz gut ausblenden. Damit ist es nun auch vorbei. Bei diesen düsteren Aussichten vergeht mir das Lachen ganz schnell:-/

    Da nehm ich mir doch glatt das Rezept von Mascha zu Herzen und halte mich an Wunder.

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  7. Elwood schreibt:

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  8. punitozen schreibt:

    Lieber Nitya ,
    vielleicht hältste mich für bekloppt – aber ich mag diesen Zustand des in`s “ Alter hineinfließen “ .
    Will mal sagen : “ Punito lebt Narrenfreiheit ! “ . Ohne Armbanduhr , kein Frühmorgen-Weckergerappel , keine Patienten-besprechungen um 6 Uhr in der Frühe . Schön !
    Ich hab manches nach meiner O.P. umgestellt .
    Meditationszeit 24 Stunden Zwangloses Nichts – Tun . Aaah !
    Bei allem was geschieht , ist es so wie es ist .
    Kein Vergleichen – mit X oder Y . Mach ich m ir ein X für ein U – ? Is piepe-egal , meine Sach !
    Sagt der Augenarzt : Da bildet sich im rechten Auge allmählich ein “ Grauer Star aus ! “
    Sag ich : “ Seh ìck – deswegen sitze ich ja vor Ihnen ! “
    Sagt der Transplantantionsmediziner beim Abtasten des Bauchraumes :
    “ Sie haben eine Hernie ! “ Sag ich : “ Fühl `ick , spür “ ick ! “
    So viele Dinglich und Nickeligkeiten gehen mir am Allerwertesten vorbei .
    Ja , die Alterszipperleiden sind in mir angelangt . Hier mal ein Reißen , da mal ein Zwicken ,
    lauf ich den Berg hoch , gibt es Momente wo die Waden schmerzen , kurzer Halt dann weiter ,
    wie ein oller Lastesel . Dann die Innere Stimme :
    “ Weiter , immer weiter – überwinde den Schmerz ! “ Und es klappt – zwar nicht jeden Tag –
    aber es ist gemütlicher als neulich ratzeplatt im Intensivstations-Pflegebett !
    Geh ich durch das Kleinstädtchen vermeide ich das Zusammentreffen mit einigen meiner
    Altersgenossen : Ich habe keinen Bock drauf mir das Gejaule über Prostatabeschwerden anzuhören . Merk ich selber mehrmals täglich auch nächtens , wenn der Harndrang mich aus dem Bett treibt . Darüber rede ich mit dem Arzt persönlich – Mir stellt sich eher der Gedanke ein :
    Warum werden einige Männer so furchtbar leidsam , wenn sie über 60 sind ?
    Vor wenigen Jahren noch “ die Vitalsten unter der Sonne , wenn nur ein hübsch anzusehendes
    Weibsbild um die Ecke kam – und Heute : Blei in den Beinen , Silber im Haar und Gold in den
    Zähnen !🙂 . Sei dir selbst ein Witz – im Älter-Werden , ein prima Tipp vom verwandelten OSHO .
    HEUTE ist ein GUTER TAG
    Herzlichst
    PUNITO
    P.S. : Letzte Meldung : “ Der Virus ist nicht mehr nachweisbar ! „

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    • Nitya schreibt:

      „Der Virus ist nicht mehr nachweisbar!“

      Lieber Punito,

      herzlichen Glückwunsch!

      „Vielleicht hälste mich für bekloppt – aber ich mag diesen Zustand des in`s ”Alter hineinfließen.“

      Nö. ich htte dich für bekloppt gehalten, wenn’s anders gewesen wäre.

      Herzlichst
      Nitya

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  9. fredo0 schreibt:

    „““Nix Herr“““

    da hätt ich ja wahrlich drauf kommen müssen .
    schließlich wird mein halbrussische enkelin maria ja auch mascha genannt …

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  10. Savitri schreibt:

    Kennt Ihr schon den Tipp mit dem Kurkuma?
    Das möchte ich Euch „ans Herz legen“… wäre schön, wenn man da etwas aufhalten oder rückgängig machen könnte.
    http://www.lifeline.de/news/medizin-gesundheit/alzheimer-curry-gewuerz-kurkuma-repariert-das-gehirn-id139440.html
    Man sollte sich dann das Gewürz dann irgendwo sichtbar hinstellen, damit man auch nicht vergisst es zu nehmen…;-)
    Liebe Grüße am Valentinstag
    Savitri

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  11. Brigitte schreibt:

    Dieses Lied hab ich als Kind geliebt. Eigentlich ein Karnevalslied. Doch ich finde, es berührt tief im Innersten die Wahrheit des ewigen Wandels.

    Heile, heile Gänsje
    Es is bald widder gut,
    Es Kätzje hat e Schwänzje
    Es is bald widder gut,
    Heile heile Mausespeck
    In hunnerd Jahr is alles weg

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  12. Eno Silla schreibt:

    tief beunruhigt
    so schrecklich dunkle wolken
    am horizont

    die stille unbekümmertheit
    des seeadlerpärchens
    läßt mich entspannen

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