Uwe Schade: Ergreifen und Nichtergreifen

 

 Ideenturm
Die Arbeit Deiner Sinne ist Ergreifen und Widerstand

Drum entstehen Schönes und Häßliches
Wohlklang und Mißklang, Schmackhaftes und Schmackloses
Die Arbeit Deines Denkens ist Ergreifen und Widerstand
Drum entstehen Verstehen und Nichtverstehen .

Dein Lieben ist Nichtergreifen
Dein Sterben ist Nichtergreifen
Dein Weltoffensein ist Nichtergreifen –
Diesem gilt Deine verborgene Sehnsucht .

Deine Zellen sind permanenter Austausch
Dein Blut ist permanenter Fluss
Dein Hirn ist permanente Reaktion
Deine Idee ist der Versuch, alles anzuhalten .

Die Basis Deines Ideenturmes ist Dein Widerstand
Die Steine Deines Ideenturmes sind Deine Vorstellungen
Der Mörtel ist Dein Ergreifen
Die Spitze ist Dein ICH .

aus: Uwe Schade, „Die Harmonie der Welt“

Heute findet bei mir die Umstellung von Telekom zu 1&1-Internet-Telefonie statt. Keine Ahnung, wie das über die Bühne geht. Falls ihr nichts mehr von mir hört, hat es nicht geklappt mit der Umstellung oder ich bin mal um die Ecke gegangen, Zigaretten holen. Ich komme gerade zu gar nichts mehr. Außerdem arbeitet mein Hirn immer langsamer und ist möglicherweise kurz davor, seinen Geist aufzugeben. Mitten im Satz bin ich weg, guck in die Zweige der Bäume oder in den Himmel und sitz einfach so rum, denk nix, tu nix, fühl nix Besonderes, … Wo das nur hinführt?

Also der Uwe Schade, Ergreifen und Nichtergreifen. Nicht, dass jetzt jemand denkt: Nichtergreifen gut, Ergreifen schlecht und man sollte damit aufhören. Schon ein Neugeborenes ergreift mit Händen und Mund die Mutterbrust. So ist Ergreifen gewissermaßen schon seine erste Tat. Die Arbeit deiner Sinne und deines Denkens ist Ergreifen und Widerstand, sagt er. Man kann also sehen, dass es hier keinen Aufruf zur Einstellung des Wahrnehmens und Denkens gibt, einfach, weil dies gar nicht umzusetzen wäre. Uwe Schade stellt einfach nur fest: Das ist Ergreifen und Widerstand und das nicht. Lieben, Sterben, Weltoffensein sind Nichtergreifen. Zellen, Blut und Hirn sind in ständigem Austausch, Fluss, Reaktion. Und das Denken versucht sich ständig einzumischen und alles zu kontrollieren. Aus Widerstand, Vorstellungen und Ergreifen ist der Ideenturm des Ego gebaut.

Um das also geht es Uwe Schade. Wenn ein Säugling nach der Mutterbrust greift, geschieht dies nicht aus seinen Vorstellungen heraus. Es geschieht einfach, weil es so angelegt ist. Ob es sich nur um kleine Ferkel handelt oder um menschliche Säuglinge, ihr Ergreifen ist im Sinne Uwe Schades gar kein Ergreifen. Es geschieht nicht aus Widerstand und Vorstellungen heraus, sondern aus dem Fluss des Seins.

Ich muss wieder an den Satz meines Fahrlehrers denken: „Verkehr muss fließen.“ Und ich erlebe es immer wieder auf der Autobahn, wie es sich anfühlt, wenn viele der anderen Verkehrsteilnehmer alles tun, um genau diese Fluss zu behindern. Oder ich muss an diesen letztes Jahr zu Tode gekommenen Dr. med. Walter Mauch denken, auf den ich kürzlich im Internet gestoßen bin, und der uns z.B. hier seine sehr empfehlenswerten Gesundheits-Ratschläge hinterlassen hat, wie man mit den Steinen umgehen kann, die wir uns selbst in den Weg gelegt haben. Da kann ich mich mal gleich an die eigene Nase fassen und die Autofahrer vergessen. Ob ich diese oder andere Gesundheits-Empfehlungen umsetzen kann oder gesundheitlich schon zu sehr aus dem Fluss geraten bin … keine Ahnung.

Man könnte die Zeilen Uwe Schades vielleicht so zusammenfassen: Folge dem Tao und nicht deinem Ideenturm! Da sind dann Gesundheits-Empfehlungen eine interessante Geschichte: Wenn ich ihnen folge, folge ich dann dem Tao oder dem Ideenturm? Oder anders gefragt: Kann ich, indem ich dem Ideenturm folge, wieder in Einklang kommen mit dem Fluss des Tao?

 

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3 Antworten zu Uwe Schade: Ergreifen und Nichtergreifen

  1. Jens Gantzel schreibt:

    „(…) Mitten im Satz bin ich weg, guck in die Zweige der Bäume oder in den Himmel und sitz einfach so rum, denk nix, tu nix, fühl nix Besonderes, … (…)“
    Wie wunderbar, dachte ich eben, als ich diesen Satz las. Früher fand ich solche Augenblicke komisch und fragte mich, was in mir vorgeht. Inzwischen geschieht es einfach und ich mach nix dagegen, stelle manchmal fest, dass ich’s gut finde… manchmal noch nicht mal das…😉
    Ein artverwandte Erlebnis hab ich am Sonntag beschrieben:
    https://wuenschenwollentun.wordpress.com/2015/02/09/meins/

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    • Nitya schreibt:

      Lieber Jens,

      wie du siehst, braucht es nicht einmal eine Atommeditation dafür. Es ist das „Normalste“ auf der Welt, nur wird dies in unserer Leistungsgesellschaft nicht unbedingt positiv bewertet. Aber wen juckt’s?

      Gefällt 1 Person

      • Jens Gantzel schreibt:

        Ja, unsere Gesellschaft der Leistung, Konkurrenz und anspruchsvollen Selbstbildnis hat da wenig für übrig.
        Hab mich übrigens gestern mit jemand getroffen, der über deinen Blog auf meinen aufmerksam geworden war und wir konnten gleich über das Thema Innehalten, Atmen, Wahrnehmen plaudern. Wie schön! Das ist doch mal social web!🙂

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