Bankei: Der Buddha-Geist ist alles andere als gleichgültig


Heinz-Butz
Ein Mönch: Ihr fordert die Menschen auf, im Ungeborenen zu verweilen, doch mir scheint, das würde bedeuten, dass man den Dingen gegenüber vollkommen gleichgültig bleibt.

Bankei: Nehmen wir an, während du mich anschaust und mir arglos zuhörst, käme unverhofft jemand von hinten und hielte einen glühenden Scheit an deinen Rücken – würde das brennen?

Mönch: Gewiss würde es das.

Bankei: Dann bist du nicht gleichgültig. Wie könnte jemand, der Hitze empfindet, gleichgültig sein? Du empfindest Hitze, weil du nicht gleichgültig bist. Du kannst heiß und kalt ohne weiteres unterscheiden, brauchst nicht erst einen Gedanken zu fassen, um diese Unterscheidung zu fassen. Der bloße Umstand, dass du eine Frage über das Gleichgültigsein stellst, zeigt schon, dass du nicht gleichgültig bist. Du kannst mühelos selbst unterscheiden, ob du gleichgültig bist oder nicht – eben weil du nicht gleichgültig bist. Du siehst also, der Buddha-Geist mit seiner erleuchtenden Weisheit kann die Dinge mit wunderbarer Treffsicherheit unterscheiden. Er ist alles andere als gleichgültig. Wie könnte irgendein Mensch, der fähig ist zu denken, gleichgültig sein? Ein wirklich gleichgültiger Mensch würde nicht denken. Ich kann dir versichern, dass du nicht gleichgültig bist und es nie warst.

aus: Meister Bankei: „Die Lehre vom Ungeborenen“

sDer Stoiker Seneca brachte seine Sicht so auf den Punkt: „Wer die Einsicht besitzt, ist auch maßvoll; wer maßvoll ist, auch gleichmütig; wer gleichmütig ist, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen; wer sich nicht aus der Ruhe bringen lässt, ist ohne Kummer; wer ohne Kummer ist, ist glücklich: also ist der Einsichtige glücklich, und die Einsicht reicht aus für ein glückliches Leben!“ Erhalten geblieben ist bei den meisten Menschen von der Lehre der Stoiker im Wesentlichen nur der Ausdruck „stoisch“. Und das könnte man dann verstehen als ein Verhalten, dass dem eines Ölgötzen gleicht. Die bekannte Schweizer Psychologin Alice Miller schrieb ein Buch mit dem Titel: „Du sollst nicht merken“. Bei dem Titel fällt mir immer der Satz meiner Mutter ein: „Ach Junge, das bildest du dir noch nur ein!“ Oder der Hinweis meiner Söhne, dass ich ein unbelehrbarer Verschwörungstheoretiker sei.
2Gerade fallen mir die Napolas ein. Etwas in der Art gab und gibt es überall, wo es um die Erziehung zu einer militärischen Elite geht.


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Eines hat „der Führer“ ja in seiner Aufzählung vergessen: Schlank und rank, flink wie Windhunde, zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl und absolut ohne Mitgefühl. Nichts merken, nichts fühlen, kein Mitleid.

Bankei muss etwas über den ungeborenen Geist erzählt haben, der völlig eigenschaftslos ist. Und genau an diesem Punkt beginnt das Missverständnis. Das, was konzeptuell getrennt werden muss, ist in Wahrheit untrennbar eins. Da ist nicht auf der einen Seite der ungeborene Geist ohne Eigenschaften und auf der anderen Seite bist du mit all deinen Empfindsamkeiten. Der Verstand kann nicht anders, als zu dieser dualistischen Sicht zu kommen, er kann also nur missverstehen. Nein, Bankei meinte keine Ölgötzen. Bankei meinte keine Leute, die brav zur Wahlurne schreiten und immer wieder Mutti Merkel wählen – ganz gleich, ob diese alles an die Wand fährt. „Du sollst merken!“ ist eine geradezu revolutionäre Herausforderung. Oder eben „Spüren S‘ die Spannung?“ Alles andere geschieht dann ganz von allein.

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Eine Antwort zu Bankei: Der Buddha-Geist ist alles andere als gleichgültig

  1. punitozen schreibt:

    Vom “ herangezogenen neuen Geschlecht “ habe ich ein Exemplar
    tagtäglich über 16 Jahre erleben dürfen ..
    Grausam , grausam , – jener Buddha-Geist .
    Hart sich selbst gegenüber – sentimental wenn das Kerzenlicht den Weihnachtsbaum
    erleuchtete .
    Funktional wie das Uhrwerk einer Stempeluhr . .
    Haltung bewahrend bei Anlässen , wo es was zum Weinen gab .
    Warmherzige Männer – “ alles Waschlappen , Pfeifen , Memmen ! “ ( O-Ton ) .
    Anstelle von Arztbesuchen – Selbstdiagnosenfindung und Aufsuchen einer Handauflegerin .
    Nach der Glaubensfragestellung : “ Ich bin Buddhist ! “
    So , hab `ich ihn erlebt , jenen flinken , zäh-ledernden Buddha .🙂
    L.G.
    PUNITO

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