Krishna: Untätigkeit in den Handlungen, Tätigkeit im Nicht-Tun


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Derjenige,
der die Untätigkeit in den Handlungen erkennt
und die Tätigkeit im Nicht-Tun,
ist wahrlich ein Weiser.
Selbst wenn er Handlungen ausführt,
verweilt er in der Gelassenheit des Selbst.

aus der Bhagavad Gita, Kap. IV, 18

„Derjenige, der die Untätigkeit in den Handlungen erkennt und die Tätigkeit im Nicht-Tun, ist wahrlich ein Weiser.“ Worum geht’s? Manche fragen: „Wie soll ich das machen, dieses Nicht-Tun? Das geht doch gar nicht. Selbst wenn ich den ganzen Tag auf der Bärenhaut liege, muss ich irgendetwas tun. Ich muss essen und trinken, auf die Toilette gehen, gucken, ob ich eine neue E-Mail erhalten habe, … na gut, auf Letzteres könnte ich vielleicht mal verzichten. Aber Verzichten ist ja auch schon wieder ein Tun. Nicht-Tun – nein, das ist unmöglich.“

Natürlich ist schon die Fragestellung falsch. Krishna spricht nicht davon, Nicht-Tun zu machen oder nicht zu machen. Krishna spricht vom Erkennen, nicht vom Machen. Nicht-Tun tun, wäre ja schon wieder ein Tun. Im Augenblick ist es draußen dunkel. Ich sehe das und dieses Sehen ist ein Erkennen. Muss ich irgendetwas tun oder machen, um das sehen, um das erkennen zu können? Nein. Da fällt es mir leicht zu sagen: Dieses Sehen, dieses Erkennen geschieht ganz von selbst. Oder ich nehme die Zimmertemperatur. Es ist gemütlich warm im Zimmer. Woher weiß ich das? Muss ich dafür irgendetwas tun? Nein, ich friere nicht, ich schwitze nicht, alles ist bestens. Und ich muss absolut nichts tun, um das erkennen zu können.

Krishna sagt: Derjenige ist ein Weiser, der auch die Tätigkeit im Nicht-Tun erkennt. Nun, wenn die Untätigkeit in den Handlungen erkannt wurde, bedeutet das natürlich nicht, dass keine Handlungen mehr stattfinden würden. Wer das annimmt, hat auch den ersten Teil der „Hausaufgabe“ nicht erfüllt. Der Bekannte Hinweis von Buddha bringt dies sehr genau auf den Punkt. „Handeln geschieht, doch gibt es keinen Handelnden.“ Es geht also nicht um das Tun oder Nicht-Tun, sondern um das Erkennen, dass es keinen Handelnden gibt.

Was bedeutet das: Es bedeutet, dass sich das Leben selbst lebt, dass Handlungen ganz von selbst geschehen oder nicht geschehen. Warum sich also um die Zukunft sorgen? Das Leben wird einfach spannend. Was wird als nächstes geschehen? Eben krabbelt ein winziger Käfer über meinen Bildschirm. Jetzt ist der Gedanke da, dass ich mir immer noch nicht dieses Knobi-Vital besorgt habe, das mir mein Doc empfohlen hat. Meine Haut könnte es gut vertragen, die juckt schon wieder wie blöd. Jetzt kommt mir in den Sinn, mir einen Kaffee zu machen. Na, das passt ja wieder: Entgiftungskur und Kaffee, denke ich. Mittwoch in einer Woche darf ich nicht vergessen: Umstellung auf Internet-Telefonie. Gestern habe ich zweimal vergessen, die Herdplatte wieder auszustellen – Alzheimer lässt grüßen? Ich wechsle meine Sitzposition, bevor mir mein Bein einschläft. …Was ändert sich also nach der epochalen Entdeckung, dass ich nicht der Handelnde bin?

Nichts. Nichts ändert sich – und alles. Jedenfalls ist jede Erwartung, was sich nach dieser Erkenntnis alles geändert haben müsste, so was von absurd. Erleuchtet, ewiges Satchitananda, das Paradies auf Erden, das Ende der Reise, … – ha, ich bin derselbe Idiot wie eh und je.

Gott sei Dank!

Ach ja, Krishna: „Selbst wenn er Handlungen ausführt, verweilt er in der Gelassenheit des Selbst.“ – „Er“, das ist der Weise. Was heißt das: Er verweilt in der Gelassenheit des Selbst? Nun, der, der Untätigkeit in den Handlungen und Tätigkeit im Nicht-Tun erkennen kann, der, der sieht, dass er nicht der Handelnde ist, auch wenn er handelt, der sieht, dass alles von selbst geschieht – auch das Handeln, ist einfach Zeuge seines Lebens, wie immer sich dieses auch gerade gestalten mag. Also:

babaMeher Baba

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5 Antworten zu Krishna: Untätigkeit in den Handlungen, Tätigkeit im Nicht-Tun

  1. Jens Gantzel schreibt:

    Ich mag ja den Abenteurergeist sehr, von dem im Huna-Schamanimus die Rede ist: Nimm, was da kommt, sei neugierig und sieh alles zuerst einmal als Erfahrung, nicht zuerst als gut oder schlecht. Das dockt hier an.
    Ich bin ja in soweit auch dem Machen verhaftet, dass ich froh bin, wenn ich mal Momente des Erkennens statt des Machens habe…
    Im vorigen Sommer hat mich ein artverwandte Thema zum Bloggen angeregt: manchmal nicht weiter wissen:
    https://wuenschenwollentun.wordpress.com/2014/08/15/ratlosigkeit-zulassen/
    Mitunter entspannt das sehr, das Nicht-Machen und das Nicht-Wissen.

    Gefällt mir

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