Shibli wurde gefragt: Wer hat dir den Weg gezeigt?

 

dShibli antwortete: Ein Hund. – Ich sah ihn, wie er eines Tages am Rand des Wassers stand – halbtot vor Durst. Jedes Mal, wenn er trinken wollte, schrak er vor seinem eigenen Spiegelbild im Wasser zurück, weil er glaubte, einen anderen Hund vor sich zu haben. Schließlich wurde seine Not so groß, dass er alle Furcht beiseite warf und ins Wasser sprang … woraufhin sich das Spiegelbild auflöste. Der Hund fand, dass das einzige Hindernis zwischen ihm und dem, was er suchte, sich aufgelöst hatte – nämlich er selbst.

Genauso verschwand auch das, was mich gehindert hatte, als ich begriff, dass es allein das war, was ich für mein eigenes Ich gehalten hatte. So wurde mir mein Weg geoffenbart durch das Verhalten eines Hundes.

hIch sehe in dich hinein … und kann dort kein anderes Hindernis erkennen als dich selbst. Du stehst dir selbst im Weg. Und solange du das nicht verstehst, ist inneres Wachstum nicht möglich. Wenn das Hindernis ein anderer wäre, könntest du ihm ausweichen, könntest du ihn umgehen, Wenn jemand anders dich hindern würde, hättest du längst davon laufen können. Aber das Hindernis bist du. Du kannst nicht ausweichen – wer sollte wem ausweichen? Du kannst nicht daran vorbeigehen – wer sollte an wem vorbeigehen? Du kannst nicht davonlaufen, denn wohin du auch gehst, du nimmst dich selbst mit. Was dich hindert, bist du. Und das wird dich verfolgen wie ein Schatten.

aus: Bhagwan, „Nicht bevor du stirbst …


.
Ja, ja, Wunder gibt es immer wieder – aber genauso viele Hindernisse, die sie dich nicht sehen lassen. Meine Fresse, wenn ich jemanden frage, nach einem Hindernis, das ihn all die Wunder nicht sehen lässt, die ihn umgeben, dann fällt ihm sofort mindestens eines ein. Im Zweifelsfall seine Frau, wie Ernie gerade stolz auf Facebook verkündet. Und wenn es dieses Hindernis gerade nicht geben sollte, dann gibt es genug andere.

Ein Hindernis oder tausend Hindernisse, Osho sagt: „Ich sehe in dich hinein … und kann dort kein anderes Hindernis erkennen als dich selbst.“ Kunststück, da braucht man nicht sehr tief in jemanden hineinschauen, wenn es überhaupt nur ein Hindernis gibt. Dich selbst. Das stimmt in jedem Fall, wie immer dieser auch gelagert sein mag.

Der Hund sieht ein Bild. Dass es ein Spiegelbild ist, kann er nicht erkennen. Er hat Angst vor diesem fremden Hund, der das Wasser zu bewachen scheint und traut sich trotz seines Durstes nicht ins Wasser. Es ist dieselbe Geschichte wie die Sache mit dem Seil, das für eine Schlange gehalten wird. In diesem Fall zwingt der Durst zu einer Verzweiflungstat. Der Hund springt, das Spiegelbild ist verschwunden und der Hund kann endlich seinen Durst stillen. Da ist weit und breit kein Hindernis. „Nicht bevor du stirbst …“ Das ist, was geschehen ist. Im Augenblick seines Sprungs, war die Angst des Hundes verschwunden. Er starb, bevor er starb. Zen-Meister weisen bisweilen auf diese Vorbedingung für Meisterschaft hin: Die Angst vor dem Tod ist verschwunden. Die Sufis hätten dazu wohl lächelnd genickt und gesagt: „Ja ja, nicht bevor du stirbst …“

Ach ja, sicherheitshalber: Meister sind keine Selbstmordkandidaten.
g

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7 Antworten zu Shibli wurde gefragt: Wer hat dir den Weg gezeigt?

  1. Elwood schreibt:

    Jeden Morgen, gleich nach dem Aufstehen schmeiß ich mich gleich wieder weg. Ist aber auch nicht zu gebrauchen dieser Schisser, hat eh von nix ne Ahnung und will trotzdem immer im Mittelpunkt stehen. Läuft super knorke auch ohne ihn, das hätte sich dieses Trotzkind einfach nicht vorstellen können. Naja nachdem er das mit der Ahnung kapiert hat, wurde er schon etwas gelassener und irgendwie hab ich ihn trotzallem ganz doll lieb. Er ist halt so gewachsen, kann ja nicks dafür und immer öfters können wir auch zusammen drüber lachen, dass wir so ahnungslose Trottel sind, da schmeißen wir uns einfach nur wech…..

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    • Nitya schreibt:

      Lieber Elwood,

      also dem Joschka widerspreche ich schon mal aus Prinzip. Der hatte ja von allem nicht nur eine Ahnung, der hatte ein fundiertes Wissen. Und Meinungen hatte er natürlich zuhauf. Der Herr bewahre uns vor den „Wissenden“!

      Lieber Elwood, schönen Gruß an den ahnungslosen Trottel. Was für ein sympathischer Bursche!

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  2. Jens Gantzel schreibt:

    Super!🙂🙂

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  3. punitozen schreibt:

    Lieber Nitya ,
    erlöst – entbunden vom Religionskonstrukt lutherischer Glaubensverwissenschaftlichung –
    sage ich nochmals “ Danke Nitya „, das du mir diese Worte schenktest : “ Gleichgültig, was die alten Gefühle einem da ins Ohr flüstern und wie der Bauch revoltiert . “
    Ich habe die Gefühle zugelassen und das was in mir “ herumgeisterte “ betrachtet- , um wahrzunehmen was da vorbei-zieht .
    Es war ein selbst-iches Hirngespinnst , das Muster oller Familienwertevorstellungen , das
    sich beim Ein und Ausatmen in Nichts auflöste .
    Kurz und gut : Seit vergangenen Freitag bin ich raus aus der Kirche .

    Herzlichen Gruß
    PUNITO

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    • Brigitte schreibt:

      … ein Katzensprung, gell Punito?
      Und vorher denkt man, es wäre ein Abgrund zu überqueren🙂

      „Der Verstand schafft den Abgrund, das Herz überwindet ihn.“

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    • Nitya schreibt:

      Lieber Punito,

      ich vermute mal, es ist das eherne mütterliche Gebot: „Du darfst mich nie verlassen!“ Einen Vater darf man verlassen, eine Mutter niemals. Es ist fast, als ob es da eine Todesdrohung gäbe, wenn du deine Mutter verlässt, jedenfalls ist es eine große Sünde, wenn nicht sogar die größte Sünde. us seiner Glaubensgemeinschaft auszutreten wurde und wird häufig mit dem Tode bestraft.

      Meinen Glückwunsch zu dieser mutigen Tat und einen herzlichen Gruß
      Nitya

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