Ikkyû Sôjun: Buddhas bösartiges Geschwätz

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Unser Geist kennt keinen Anfang und kein Ende.
Der ursprüngliche Geist
kann nicht Buddha-Natur werden.
Die ursprüngliche Buddha-Natur
ist Buddhas bösartiges Geschwätz,
der ursprüngliche Geist fühlender Wesen
ist deren Täuschung.

aus: Ikkyû Sôjun, „Geschichte von der verrückten Wolke“

Hoffentlich fragt mich jetzt niemand, was dieser aus dem südlichen Sibierien stammende tuvinische Kehlgesang mit Buddhas bösartigem Geschwätz zu tun haben soll? Woher soll ich denn das wissen? Was hat überhaupt irgendetwas mit irgendetwas zu tun? Doch nur das, was irgendein Verstand da für Verknüpfungen herstellt.

Was weiß ich denn überhaupt? Weiß ich, wie Ikkyû seine Zeilen verstanden haben will? Ich bin doch kein Deutschlehrer. Ich kann so etwas nur lesen und dann tauchen irgendwelche Gedanken dazu auf oder auch nicht. Vielleicht denkt es: „Was soll der Quatsch?“ und ich geh einfach zur Tagesordnung über. Oder irgendein Teufel reitet mich und ich versuche, die Worte zu verstehen. Aber das ist natürlich dann nur, was ich den Worten für einen Sinn verleihe und hat nicht das Geringste mit Ikkyû und dem, was er ausdrücken will, zu tun.

Wieso kann der Ursprüngliche Geist nicht Buddha-Natur werden? Weil der Ursprüngliche Geist schon immer Buddha-Natur ist. Wie kann man etwas werden, was man ist? Wieso ist die ursprüngliche Buddha-Natur Buddhas bösartiges Geschwätz? Weil die ursprüngliche Buddha-Natur nur eine Karotte ist, die jeder Esel zu erreichen versucht. Und wieso ist der ursprüngliche Geist fühlender Wesen eine Täuschung eben dieser Wesen? Weil der ursprüngliche Geist keine Eigenschaft fühlender Wesen ist, sondern fühlende Wesen im ursprünglichen Geist erscheinen. Unser Geist, also wir, kennt keinen Anfang und kein Ende, kein A und kein Ω. Und das bedeutet vollkommenes Nichtwissen. Und so finde ich es wunderschön dem tuvinischen Kehlgesang einfach nur zu lauschen ohne irgendetwas zu verstehen oder verstehen zu wollen. Ich finde die Kehlkopfsinger herrlich.

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3 Antworten zu Ikkyû Sôjun: Buddhas bösartiges Geschwätz

  1. punitozen schreibt:

    Lieber Nitya ,
    Heute bin ich radikal – müde !

    Herzlichst
    PUNITO

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  2. Brigitte schreibt:

    Mir hat das so gut gefallen, deshalb hier ein Ausschnitt aus dem neuen Video mit Daniel Stötter auf Jetzt-TV:

    Papageiengeplapper

    Es geht um Papageiengeplapper. Es ist deshalb Papageiengeplapper, weil hier diese Tendenz ist,
    etwas auszudrücken, etwas zu sagen, was unsagbar ist, was nicht begreifbar ist. Etwas zu
    beschreiben, was nicht beschreibbar ist. So, deshalb ist es dasselbe, wie wenn der Papagei etwas plappert. Alles was hier rauskommt an Gesagtem ist wie Papageiengepfeife. Also, kümmere dich nicht drum, was hier gesagt wird. Es wird nie das beschreiben können, DAS, das Unsagbare.

    Und es hat was Frustrierendes eventuell, weil es nicht vermittelt werden kann. Ich kann es nicht von hier nach dort transportieren, weil es nicht „hier“ ist und nicht „dort“ ankommt. Und das Interessante dabei ist auch, dass es mit Allem, was gesagt wird, schon vermittelt ist. So, jeder Laut, der hier rauskommt, ist schon die Vermittlung von DEM, was hier vermittelt wird. Was hier vermittelt werden möchte, keine Ahnung. So, Papageiengepfeife oder Sprechen ist immer diese eine Vermittlung.

    Es ist auch etwas, was nicht verstanden werden kann. Der Verstand kann nicht mit dem. Vielleicht merkt er das jetzt schon, dass er teilweise nicht versteht, was hier gesagt wird. Und so eine reduzierte Aussage ist: „Das ist alles.“ Das ist alles, was es gibt. Mehr ist nicht und nicht weniger. Weil das ist absolut vollständig. Es ist Fülle. Mehr geht nicht als das.

    Daniel Stötter

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  3. Brigitte schreibt:

    Hier noch der Link zum Video, wer Lust verspürt es anzuschauen.
    http://www.jetzt-tv.net/fileadmin/video/vimeoplayer.php?id=117711029

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