In diesem Zeichen wirst du siegen

Konstantin
Religion bedeutet, das eigene Leben völlig frisch und neu zu leben, ohne sich von irgendetwas an der Leine herumführen zu lassen.

Kodo Sawaki

Und was ist mit jemandem, der sich nicht mehr an der Leine herumführen lassen will? Wenn er einmal sich an einer abrahamitischen Leine zwangsweise oder freiwillig hat herumführen lassen, ist er ein sog. Apostat. Und was passiert mit einem Apostaten? Nun, nicht nur der IS kennt darauf nur eine Antwort, die Todesstrafe. Auch Saudi Arabien, dessen als so freundlich gerühmter Herrscher Abdullah eben beigesetzt wurde, ließ diese bewährte Methode praktizieren. Aber bevor mich jetzt wieder jemand vorschnell in den Reihen der Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes mitmarschieren sieht, möchte ich daran erinnern, dass es fast schon ein gottwohlgefälliger Brauch bei den abrahamitischen Religionen war, Leute zu massakrieren oder zu versklaven, die nicht demselben Einen Gott huldigen wollten, wie sie selbst es im Bewusstsein der absoluten Wahrheit taten. Manchmal findet man ja auch in DIE ZEIT einen wirklich lesenswerten Artikel.

Wer also gegen die Islamisierung des Abendlandes marschiert, sollte sich bewusst machen, dass der Ursprung des Debakels bei allen abrahamitischen Religionen liegt. Was unser sog. christliches Abendland betrifft, ist zu sagen, dass es die römischen Terroristen waren, die ihre Staatsreligion in ziemlich unchristlicher Weise mit Feuer und Schwert über dieses später christlich genannte Abendland verbreiteten. Bis heute lassen wir uns in Europa, und nicht nur da, von diesen „Christen“ an der Leine herumführen und kämpfen die Kämpfe der untereinander heftig verstrittenen Flügel der abrahamitschen Glaubensgemeinschaften. Angefangen hat es 312, als Kaiser Konstantin einen Sieg gegen seinen Rivalen brauchte und sich erhoffte, dass das christliche XP sich als stärkeres Feldzeichen durchsetzen würde. Hätte Konstantin nicht diesen komischen Einfall gehabt, würden wir heute vielleicht nicht eine der abrahamitischen Religionen ertragen müssen, sondern hätten das Vergnügen mit der griechisch-römischen Religion. Immerhin war die, wenn ich richtig unterrichtet bin, wesentlich toleranter.

Ich bin evangelisch-lutherisch getauft worden. Gefragt hat mich damals niemand. Meine Eltern waren beide evangelisch. Die ersten vier Jahre in der Volksschule verbrachte ich in einer evangelischen Knabenklasse. Irgendwo sollten auch noch Katholiken leben und sogar Mädchen. Gesehen habe ich so gut wie keine. In der Stadt gab es zwei humanistische Gymnasien, ein evangelisches und ein katholisches. Ich war natürlich im evangelischen. (Wir hatten sogar einmal bis zu drei Mädchen in der Klasse!) Das Knaben-Internat war total evangelisch. Natürlich wurde ich konfirmiert. Aber da war ich schon so halbwegs vom rechten Glauben abgefallen. Immer mehr schwante mir, dass das Christentum so gut wie nichts mit der Person zu tun hatte, auf die sie sich alle beriefen. Als mir Bertrand Russels „Warum ich kein Christ bin?“ zwischen die Finger kam, war ich begeistert. „Religion“ wurde für mich zum absoluten Unwort. Komischerweise zahlte ich später brav meine Kirchensteuer. Der Widerspruch meines Verhaltens fiel mir nicht einmal sonderlich auf. Ich musste erst ca. 30 werden, als ich aus der Kirche austrat. Da lief so ein Don Camillo und Peppone-Spiel zwischen einem Schulleiter und CSU-Ortsvereinsvorsitzenden und mir als Fortbildungsleiter und SPD-Ortvereinsvorsitzenden. Das war dann die Gelegenheit. Aber schwer fiel es mir doch, so als hätte diese Kirche irgendeinen Bindungszauber über mich ausgesprochen. Ich kam mir im Moment meines Austritts vor wie der letzte Verräter. Ich staunte selbst nicht schlecht.

Erst viel später erfuhr ich über einen Gen-Test, dass ich Miraväterlicherseits von irischen und mütterlicherseits von deutschen Kelten abstammen sollte. Ich hatte mich nie im Besonderen für die Kelten interessiert, jetzt aber guckte ich doch mal, was meine Altvorderen so gedacht und getrieben hatten und stieß alsbald auf die Druiden, deren nur mündlich überlieferte Lehren erstens von niemandem verstanden wurden und zweitens doch an die Lehren der alten hinduistischen Rishis erinnert haben sollten. Wir haben es also vermutlich mit einer Hochkultur zu tun und nicht mit irgendwelchen Barbaren, die man unbedingt hätte zwangsmissionieren müssen. Aber mit diesem Schicksal waren ja nicht nur die Kelten geschlagen. Interessant war übrigens, dass viele irische Druiden ganz offen waren für das, was Jesus gesagt hatte und diese druidisch-urchristliche Botschaft der Liebe durch sie auf dem Kontinent auf eine sehr sanfte, liebevolle Weise verbreitet worden sein soll, was Rom natürlich ein Dorn im Auge war und alsbald durch römische Terrortruppen unterbunden wurde.

Mein offizieller Austritt aus der evangelisch-lutherischen Kirche hat mich zum Apostaten werden lassen. Eigentlich bin ich des Todes würdig. Aber ich hab ja Glück. Im Augenblick lebe ich in einer Zeit und in einem Land, das versucht, sich einigermaßen demokratisch darzustellen. Aber unter einer hauchdünnen Schicht von scheinbarer Zivilisation lauert der Wahnsinn. Und dann zeigt sich, dass es nicht nur um abrahamitische Religionen geht, sondern auch um faschistischen Nationalismus und ähnliche Abartigkeiten. Ich frage mich bisweilen, ob es sich hier überhaupt um Abartigkeit handelt oder ob dies nicht zutiefst menschliche Eigenart ist, die sich nicht nur in semitischen Ländern offenbart, sondern auch im angeblich so aufgeklärten Europa. Wenn ich dann von Staaten und ihren staatsterroristischen Aktivitäten absehe und auf den einzelnen Menschen blicke, erlebe ich hier nicht genau dasselbe und zwar nicht nur bei den Muslimen? Ist das Grundproblem  nicht eigentlich der Glaube an die Existenz des Ego? Egomanen aller Länder vereinigt oller-Sackeuch! Können vor Lachen. Bleibt also nur: Egomanen aller Länder macht euch gegenseitig platt?

Meine Güte, was dieser alte Sack heute wieder alles zusammengesabbelt hat! Aber so isses halt, wenn alte Säcke ins Sabbeln kommen, finden sie einfach kein Ende mehr.

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15 Antworten zu In diesem Zeichen wirst du siegen

  1. punitozen schreibt:

    Lieber Nitya ,
    ich befinde mich noch immer im Klärungsprozess ( Kirchenaustritt ) .
    Alle meine Argumente die für den Austritt sprechen sind im gesamten betrachtet stimmig .
    Warum bin ich nur so verzagt – die Austrittsdokumente im Kirchenamt zu unterschreiben .
    Ich habe so eine düstere , ursächliche Ahnung im Solar-Plexus .
    Eine diffuse Angst – einen Verrat an meiner Mutter zu begehen , die mich vor über 65 Jahre ev . luth. taufen ließ – anders formuliert : Nicht die Kirche ist meine Mutter – es ist die Angst
    einen Verrat zu begehen . Bin gespannt , wenn du diese Thematik an anderer Stelle wieder
    aufnimmst , ob ich dann endlich schreiben kann : “ Ja – ich hab `s schwarz auf weiß – die Austritts-bestätigung vom Dekanat.
    Es ist vermutlich eine zutiefst menschlich-archaische Eigenart – unter irgend einem Motto
    Unterdrückung und Totschlagsituationen herstellen zu wollen .
    Mit herzlichen Gruß
    PUNITO

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    • Nitya schreibt:

      Lieber Punito,

      zutiefst menschlich.archaische Eigenart hin oder her –
      was hindert dich, es sofort zu tun?
      Und wenn du dabei heulen und kotzen musst.

      „Bin gespannt, wenn du diese Thematik an anderer Stelle wieder aufnimmst“

      Als ich mal ausprobierte, mit dem Brotessen aufzuhören, war ein ähnliches Gefühl da. Oder bei den Kartoffeln. Eigentlich bei allen Kohlehydraten. Der Psychoanalytiker Michael-Lukas Moeller nannte das auch einmal die Angst vor dem Verlust der Mutter. Mit dem Rauchen ging es mir übrigens ähnlich.

      Tja, wie hört man auf? Indem man aufhört.

      Und wie tritt man aus der Kirche aus? Indem man austritt.

      Gleichgültig, was die alten Gefühle einem da ins Ohr flüstern und wie der Bauch revoltiert.

      Die Nabelschnur endlich durchtrennen.

      Einen herzlichen Gruß
      Nitya

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      • punitozen schreibt:

        Du Nicht-.möglicher Nitya ,
        Ging mitten durch die Brust ins Auge – deine Antwort ,
        Den „Abnabelungs- Selbstbehinderungsgedanken “ den Garaus machen .
        Hab mich auf den Kopf gestellt und das kam dabei raus :
        Punito : Schluß – ich trete aus der Kirche aus – Punkt ! “
        Der Innenquasseler : Ja , aber deine Mutter hat es doch nur ….!“
        Punito : “ Wat weißt du von meiner Mutter ? “
        Innenquasseler : “ Wirst schon sehen …. ! “
        Punito : “ Meine Mutter hat mich nie in die Kirche gezerrt – und übrigens ,
        heute nach 49 Jahren ihrer Verwandlung sagt sie nix !

        So – jetzt noch zum Amtsgericht – 25 EURO für die Austrittsurkunde auf den Tisch legen – und gut is !

        Danke Nitya
        PUNITO

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    • Ingeborg schreibt:

      Lieber Punito,
      endlich kann ich auch mal was schreiben.
      Ich bin ,noch bevor ich hier gelesen habe,heute morgen aus der KKKirche ausgetreten.
      Nach 42 Jahren Gemeindeglied können die mich mal ganz gepflegt am Arsch …
      Mir war ein wenig komisch zumute, aber auch als ich aus der Krankenschwesterei
      ausgetreten bin, war mir komisch zumute und ich habs überlebt und grüne Punkte habe ich auch nicht davon gekriegt.
      Immer wenn ich etwas vermeintlich VERBOTENES mache,wird mir komisch zumute
      um nicht zu sagen ganz plümerant.
      Lieben Gruß Ingeborg

      kirchenaustritt

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  2. Elwood schreibt:

    Lieber Nitya, lieber Punito,
    Ich hatte keine Probleme beim Austritt aus der Kirche mit 30 Jahren, obwohl oder wegen des „Gott sieht alles“, das noch in mir wirkte. Vieleicht ist auch meine Jesus-Erscheinung aus dem 4ten oder 5ten daran beteiligt. Als Errinnerung schlummerte noch dunkel in mir das Gefühl meiner Vollkommenheit und Angenommenseins ohne wenn und aber. Ich empfand die Dogmatik der Kirche immer als Verrat, nicht nur an die Person auf die sie sich beriefen, sondern an uns alle.
    Und um das fürchten zu lernen brauche ich sie auch nicht, dass mach ich schon selbst…..
    Apostasie empfinde ich als natürliche Reaktion..

    Liebe Grüße Elwood

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  3. fredo0 schreibt:

    ich wurde 14 … und bin 1 tag später zum amtsgericht , um aus der evangelischen kirche auszutreten.
    war wohl ein frühentwickler .😀

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  4. Bea schreibt:

    staunend lese ich hier – dass der Kirchenaustritt bezahlt werden muss … hier in der CH wirst du befreit von Kosten – nämlich von der Kirchensteuer🙂 war damals – für mich – noch ein Grund mehr auszutreten ….😀

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    • punitozen schreibt:

      ….staunend lese ich hier – dass der Kirchenaustritt bezahlt werden muss …
      Liebe Bea ,
      heute Vormittag habe ich im Amtsgericht eines Wohnortes meinen Kirchenaustritt urkundlich erklärt . Für den <papierkram und der urkundlichen Beglaubigungsbescheinigung dem Vorlesen und genehmigen sowie der Besiegelung
      des Austrittformulares wurde eine Gebühr von 25 EURO von mir abverlangt .
      Auch die Säkularisierung hat ihren Preis🙂 .
      Herzlichst
      PUNITO

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  5. Chantal schreibt:

    „Herr, einmal Austreten bitte.“ Ich muss mal…. Das war vor 45 Jahren, als ich mit einem damals bekennenden Kommunisten, meinem ersten Mann, in die Schweiz gezogen bin. Er lebt nicht mehr. Seine Asche ist irgend wo verstreut. Er wollte kein Grab, das in der Nähe von einer Kirche war. Er hat mir die Entscheidung aus der Kirche auszutreten, als Bedingung gemacht. Ihn oder die Kirche. Ich habe ihn gewählt. Dann 7 Jahre später, habe ich mich vom Kommunismus verabschiedet und auch von ihm. Frei nach Kodo Sawaki: „Kommunismus ist die grösste Lüge aller Zeiten“. Lieber Nitya, lieber, dass alte Säcke sabbeln, als sich aufblähen. Es lässt sich wunderbar atmen hier. Ab morgen für 3 Wochen auf La Palma. Keine Leine, aber on line. Je vous salu.

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    • Nitya schreibt:

      Liebe Chantal,

      Keine Kirchenanhängerin mehr, keine Kommunistin mehr – was bist du denn überhaupt noch. Irgendwas muss der Mensch doch sein!

      Oder doch nicht?

      La Palma klingt gut. Ich wünsch dir viel Vergnügen!

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      • Chantal schreibt:

        Lieber Nitya,
        Die Sonne anbeten, sein, es sein lassen… Mit Welan hier unten, ist doch nicht so mein Fall. Lieber wandern. Aber immer mal wieder hier reinschauen. Robert Adams habe ich in meinem Gepäck. Bei Peter Orban habe ich mal auf Lanzarote einen Kurs vor vielen Jahren gemacht. Er war der einzige, der den „Süchtigen“ in seiner Therapie nicht wegtherapieren wollte. Das hat mich bei ihm besonders angesprochen.
        Sonnengrüsse aus La Palma

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      • Nitya schreibt:

        Liebe Chantal,

        ein „Therapeut“, der etwas „wegtherapieren“ will, ist eigentlich gar kein Therapeut, sondern sowas wie ein Pädagoge, der seinen armen Schützlingen irgendwelche Lernziele aufs Auge drückt, statt ihnen ihre freie Entfaltung zu ermöglichen.

        Ach ja, wandern … sollte ich auch mal wieder. Gut, dass du nicht so ein Sesselfurzer bist wie ich!
        Schönen Gruß an die Sonne!

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