Das Arschloch schämt sich nicht dafür ein Arschloch zu sein


tuuuuutDen Buddhadharma zu leben, bedeutet volle Aktivität im Unwissen: Der Berg denkt nicht, dass er hoch ist. Das Meer denkt nicht, dass es weit und tief ist. Alles entfaltet seine volle Aktivität im Universum. Das Lied des Vogels, das Lachen der Blume entfalten sich von selbst, ganz unabhängig vom Menschen, der am Fuß des Felsens in Zazen sitzt. Der Vogel singt nicht, um den Menschen in Zazen mit seinem Lied zu beehren. Die Blume blüht nicht, um vom Menschen für ihre Schönheit bewundert zu werden. Genauso sitzt auch ein Mensch nicht in Zazen, um Satori zu bekommen. Jeder einzelne von uns verwirklicht sich einfach selbst durch sich selbst zu sich selbst.

Religion bedeutet, das eigene Leben völlig frisch und neu zu leben, ohne sich von irgendetwas an der Leine herumführen zu lassen.

Oi, was glotzt du in die Gegend? Merkst du nicht, dass es um dich geht?

Das Arschloch braucht sich nicht dafür zu schämen, das Arschloch zu sein. Die Füße haben keinen Grund, in den Streik zu treten, nur weil sie bloß Füße sind. Der Kopf ist nicht der Allerwichtigste. Und der Nabel braucht sich nicht einzubilden, der Vater aller Dinge zu sein.

aus: Kodo Sawaki, „an dich“

Gestern hatte ich hier den Nadeen drin mit dem Hinweis auf die Ausgeglichenheit von Plus und Minus, wie sie in der Elektrizität zu finden ist. Und Fredo brachte die Sache so auf den Punkt: „Ich teile die Meinung des Herrn Nadeen … Die Vorstellung einer Verbesserung, sei es quantitativ oder qualitativ, ist nicht nur stets einer Kurzsichtigkeit geschuldet, sondern geradezu die Wurzel des Übels, und erschafft genau das, was Herr Buddha (so es denn ihn historisch gab) das ‚Leiden‘ nannte.“ Heute weist Kodo Sawaki darauf hin, dass alles im Universum seine volle Aktivität ganz von selbst und in völligem Nichtwissen entfaltet. Wenn das so ist, sind Plus und Minus ausgeglichen und alles ist perfekt.

Dann aber taucht in diesem friedlichen Bild der Satz auf: „Religion bedeutet, das eigene Leben völlig frisch und neu zu leben, ohne sich von irgendetwas an der Leine herumführen zu lassen.“ Hat das die Pegida begriffen mit ihrer Islamfeindlichkeit? Der eine ist gegen den Islam, der andere gegen das Christentum, der dritte gegen das Judentum oder für das eine oder das andere – wie sinnlos alle diese Auseinandersetzungen sind! Sie sind alle auf dem Holzweg. Da gibt es irgendeinen Mindfuck und dann wird daran geglaubt oder man bekämpft es und die Eichhörnchen kümmern sich einfach nicht die Bohne um den Quatsch. Habe ich jetzt schon wieder gegen den Gotteslästerungs-Paragraphen verstoßen? Was für eine Lachnummer! Was ist das überhaupt – Religion? Kodo Sawaki bietet eine wundervolle Definition an. Aber was bedeutet sie? Wenn die Eichhörnchen draußen auf den Lärchen herumtoben, und sich die Eichelhäher, Elstern, Meisen und all die anderen Vögel auf ihrem Futterplatz mit frischen Nüssen und Samen versorgen, dann ist das Religion, Gottesdienst. Mehr tut nicht not. Alle Tiere leben ihr Leben völlig frisch und neu, ohne sich von irgendetwas an der Leine herumführen zu lassen. Nur der Mensch spaltet sich ständig in tausend Teile und versucht, ihnen gerecht zu werden. Die Folge sind endlose Krieg für nix und wieder nix. Ums Futter streiten sich auch die lieben Vögelein, aber nicht um irgendeinen Mindfuck namens Religion.

Ist der Mensch nun einfach eine evolutionäre Fehlentwicklung? Oder sorgt er auf diese Weise selbst für die Korrektur seines grenzenlosen Wachstums, das u.a. daraus hervorging, dass er so erfolgreich all seine wachstumsbegrenzenden natürlichen Feinde ausgerottet hat? Oder quält sich die Menschheit gerade aus ihrem jahrtausendealten Zustand der Verpuppung heraus, um endlich als vollendeter Schmetterling in die grenzenlose Freiheit zu fliegen? Oder ist er längst frei und hat es bloß irgendwie verschlafen?

Kodo Sawaki sagt: „Das Arschloch braucht sich nicht dafür zu schämen, das Arschloch zu sein.“ Das „kleine Arschloch“ auch nicht? Vielleicht nicht einmal ich? Das kleine Arschloch ist einfach vollkommen als das, was es ist? Ein vollkommenes kleines Arschloch? Ist dieser kleine Schritt, seiner eigenen immer schon vorhandenen Vollkommenheit gewiss zu sein, schon alles, was die verpuppte Raupe zum vollkommen freien Schmetterling macht, schon alles, worum es geht?

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2 Antworten zu Das Arschloch schämt sich nicht dafür ein Arschloch zu sein

  1. punitozen schreibt:

    Lieber Nitya ,
    deine Einladung zur Sonntags-Arschlochmeditation – wunderbar .
    Einen Menschen als Arschloch zu bezeichnen , ist eine Beleidigung ,
    nicht für den Menschen , vielmehr für das Arschloch .
    Vom Arschloch lernen heißt
    Selbst – Genügsamkeit leben –
    sauber bleiben – und mehr ist nicht zu tun .
    PUNITO
    P.S. Holywood hat auch `ne Lösung🙂

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