Die Realität der Welt


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Ich weiß nicht mehr, ob ich’s mal erwähnt habe, Wolfgang Schmidtbauer hatte irgendwann in den 80-ern eingeladen und wir hockten auf irgendeinem Berg rum und beschäftigten uns mit der Frage, was das überhaupt für einen Sinn mache, mit seinen Patienten/Klienten Nabelschau zu betreiben, während außerhalb der Praxisräume, die harte Realität auf sie warten würde. Die Frage stellt sich natürlich auch, wenn sich jemand auf den spirituellen Weg macht und dann zählt möglicherweise nur noch sein bisschen Erleuchtung und sonst nichts mehr auf der Welt. Ich vermute mal der Erleuchtungstrip ist für die Familie und die Freunde des Erleuchtungsstrebers genauso nervig wie der Therapie- oder Selbstverwirklichungstrip der Emanzipationswilligen.

Und draußen/drinnen tobt „die Welt“:

  • Zwei Tage nach der öffentlichen Auspeitschung eines Bloggers haben Vertreter der saudi-arabischen Regierung offenbar in Paris am Trauermarsch für die Opfer der Attentate teilgenommen – der auch ein Zeichen für Meinungsfreiheit war.
  • Der saudi-arabische Blogger Raif Badawi war am Freitag wegen „Beleidigung des Islam“ mit 50 Peitschenhieben bestraft worden. 950 sollen folgen.
  • Der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zufolge nimmt der Druck auf interne Kritiker in Saudi-Arabien massiv zu. Badawi sei insofern ein Einzelfall, als seine Bestrafung ungewöhnlich brutal sei und zudem öffentlich vollstreckt wurde.

Quelle Süddeutsche

Die Welt

Die Süddeutsche prangert zurecht die Hechelei der Saudis an. Aber zeige mir jemanden, der nicht dieselbe Heuchelei praktizieren würde. Unsere Kanzlerin etwa war in Paris auch bei dieser peinlichen Politiker-Demo dabei, auf der die Fahne der Presse und Meinungsfreiheit hochgehalten wurde, um auf diese Weise diesen besonderen Wert innerhalb der westlichen Wertegemeinschaft zu dokumentieren. Hier will sie den Gotteslästerungsparaphen nicht anrühren. Schließlich will man nicht die Gefühle der Gläubigen verletzen. Als ob sich Politiker je für die Gefühle der Bürger interessiert hätten! Dass wir von der NSA und unseren eigenen Geheimdiensten abgehört werden, obwohl unser Grundgesetz uns doch eigentlich davor schützen soll – wen interessiert’s, dass sich viele Bürger dadurch verletzt fühlen? Nur mal so als Beispiel. Wenn wir uns die Welt anschauen, müssen wir feststellen, dass bei uns schon längst die totale Willkür bzw. das mafiöse Recht des Stärkeren herrscht.

Und das ist der Rahmen, in dem spirituelle Suche oder Selbstfindung stattfindet. Diese beiden Bereiche sollten nicht getrennt werden, schon allein deshalb, weil die Welt ein unverzichtbarer Spiegel ist. Zum Beispiel ein Spiegel für den eigenen Materialismus, zu dem ja auch der Materialismus gehört, den Chögyam Trungpa Rinpoche spirituellen Materialismus genannt hat.

„Mein Reich ist nicht von dieser Welt“, das ist dieser Nicht-Ort, an dem jedwede Art von Materialismus, jedwede Art von Objekthaftigkeit gegenstandslos ist. Beide Welten da sein lassen und als eine Welt sehen zu können, ist die kunstlose Kunst. Mein Vater hätte sie wahrscheinlich „brotlose Kunst“ genannt, wie alles, was mich je wirklich interessierte.

G

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4 Antworten zu Die Realität der Welt

  1. zaungast schreibt:

    Der Gauck(ler) sei keine Pfeife? Da habe ich Zweifel…
    http://quer-denken.tv/index.php/480-der-gauckler

    Gefällt mir

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