Plädoyer für die völlige Trennung von Staat und Kirche


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Vorgestern fand ich im Blog M7 von Gerhard Mersmann einen sehr lesenswerten Beitrag mit dem Titel „Plädoyer für ein gottloses Leben„. Gestern haben Vertreter der drei mosaischen Religionen sich beeilt, der Welt zu versichern, dass sie jede Gewalt ablehnen und ihre Religion eine Religion des Friedens und der Liebe sei. Ja ja, da muss man ja bloß in ihre Heiligen Bücher schauen, auf die sich immer berufen und die alle von Gott, dem Herrn, stammen sollen, dann weiß man, was man davon zu halten hat. Ein Blick in Tanach, Bibel, Koran genügt – kein Wunder, dass Karl-Heinz Deschner 10 Bände brauchte, um die „Kriminalgeschichte des Christentums“ aufschreiben zu können. Fertig geworden ist er dennoch nicht. Ja, aber, das sei ja alles Schnee von gestern, wird gesagt. Pustekuchen. Aus meiner Sicht ist das einfach Quatsch. Die Gewalt der mosaischen Religionen ist systemimmanent. Wenn man ein bisschen an der Oberfläche der Heuchelei kratzt, wird auch einem Blinden mit Krückstock klar, um was für geradezu mafiöse Strukturen es sich da handelt. Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein. Damit sind die Strukturen gemeint und nicht die bisweilen absolut integren Individuen. Ja, die gibt es auch.brownshirtbomba600 KopieDa gibt’s ja diesen Witzbold Bobby Henderson aus Oregon, der eine neue Religion gestiftet hat mit einem allmächtigen Schöpfer natürlich, den er das fliegende Spaghetti-Monster  genannt hat. Hier gibt’s einen kleinen Artikel über dieses Phänomen, dessen Lektüre zu einigem Frohsinn anregen kann:  Hätte Witzbold Bobby Henderson aus Oregon nicht sein fliegendes Spagethetti-Monster schon erfunden, irgendjemand wäre sicher auch auf diese Idee gekommen. Sie drängt sich einem ja auch förmlich auf. Ich hatte das schon mal erzählt, dass ich mir im zarten Knabenalter, angeregt durch die Geschichte von Queequeg und seinem Götzen in Mobby Dick, ebenfalls einen Götzen geschaffen hatte, dem ich immer alle meine Wünsche vortrug, die dieser mir gefälligst zu erfüllen hatte. Ich hatte ja sonst niemanden, der dies für mich erledigen wollte.

goetzeAlso, da hat irgend so so’n Typ die Idee, dass das „Gott“ gewesen sein muss, der ihm da diese angeblich heiligen Worte in sein krankes Hirn geblasen hat, und er findet, das müsse unters Volk gebracht werden und so erklimmt er im Hyde-Park in London eine Apfelsinenkiste und erzählt dem hoffentlich staunende Publikum seine heilige Geschichte. Manchmal fallen diese Worte auf fruchtbaren Boden und dem Erwachten gelingt es, ein kleines gläubiges Häufchen um sich zu scharen. Wenn die Sterne günstig stehen, kann aus dem kleinen Häufchen ein großer Haufen werden, der irgendwann sogar zur Weltreligion anwachsen kann. Die Kirche des fliegenden Spaghetti-Monsters ist vielleicht schon auf dem besten Wege dahin, was ich ihr von Herzen gönnen würde. Aber man könnte natürlich auch den Weihnachtsmann auf den Thron des Herrn setzen oder vielleicht einen Gartenzwerg?
Hauptsache es ist mein Herr, dem ich ergebenst dienen kann, am besten, indem ich alle seine Feinde um die Ecke bringe. Dann hat mich der Herr vielleicht auch lieb.

1Vorgestern las ich bei Michael Schmidt-Salomon: Gemäß der heute geposteten Meldung habe ich eine Petition zur ersatzlosen Streichung von § 166 StGB beim Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags eingereicht. Und auf der GBS-Seite ist zu finden: Nach Anschlag auf „Charlie Hebdo“: Gotteslästerungsparagraph 166 StGB abschaffen! / Der Staat sollte die Kunstfreiheit schützen – nicht die Gefühle religiöser Fanatiker. Gestern schrieb Markus Becker auf Spiegel Online: Der Anschlag auf „Charlie Hebdo“ zeigt, wie gefährlich es ist, sich über Religion lustig zu machen – selbst in Europa. Umso skandalöser, dass Gotteslästerung in Deutschland noch immer unter Strafe steht.

Ist es das schon? Manchmal nimmt auch die „Kunst“ geradezu religiöse Züge an. Auch hier gibt es Päpste, die ganz genau wissen, was Kunst ist und was nicht. Nein, das ist aus meiner Sicht viel zu wenig. Was wir brauchen ist endlich die völlige Trennung von Kirche und Staat. Aber ach – hat nicht auch der Staat einen geradezu religiösen Machtanspruch? Kirche von unten scheint so wenig Einfluss zu haben wie Staat von unten. Aber immerhin wäre es vielleicht ein erster Schritt in die richtige Richtung. Vollständige Trennung von Kirche und Staat könnte bedeuten, dass die Kirchen ihre Machtposition verlören und könnte in einem weiteren Schritt bedeuten, dass auch der Staat ins Wanken geriete. Denn was ist die Kirche ohne Staat, was ein Staat ohne Kirche? Dieser Waffen segnende Pfarrer Gauck ist wirklich ein leuchtendes Abbild für die unheilvolle Verquickung von Kirche und Staat.

Was bleibt unterm Strich? Da gibt es diese Vision Gandhis:

Wenn einmal das Leben der Menschen so vollkommen sein wird, dass es sich von selbst regeln wird, sind keine Repräsentanten mehr nötig. Wir werden dann eine aufgeklärte Anarchie haben. In einem solchen Staat wird jeder sein eigener Herrscher sein. Jeder wird sich dann so regieren, dass er seinen Nachbarn nie im Wege steht. Im idealen Staat wird also keine politische Macht vorhanden sein, weil überhaupt kein Staat mehr besteht.

Für den Moment wesentlicher ist wohl sein Satz:

Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt

Und die Empfehlung von Paul Goodman:

Freie Aktion bedeutet, in der bestehenden Gesellschaft so zu leben, als sei sie eine natürliche.

Und die Religion? Da fällt mir im Moment nur der alte Fritz ein:

Jeder soll nach seiner Façon selig werden.

Am besten in seinem stillen Kämmerlein, füge ich noch hinzu.

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2 Antworten zu Plädoyer für die völlige Trennung von Staat und Kirche

  1. punitozen schreibt:

    Die Kreuzwegpredigt
    War auch ein Kauderwelsch nur
    In all der Stille.
    ISSA

    http://www.landbote.com/sonderveroeffentlichungen/recht_und_gerechtigkeit.html

    L.G.
    PUNITO

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