wenn meine Tante Räder hätte …


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Eine Mutter bekommt ein Zeugnis zugeschickt. „Ihr Kleiner ist hochintelligent“, steht im Begleitbrief der Lehrerin, „aber er möchte immer nur mit den Mädchen spielen. Aber ich bin dabei, mir etwas zu überlegen, wie ich ihm diese Gewohnheit austreiben kann.“

Die Mutter schickt das Zeugnis unterschrieben und mit der Randbemerkung zurück: „Lassen Sie es mich wissen, ob’s funktioniert hat. Ich würde Ihre Methode gern an seinem Vater ausprobieren.“

Sobald ihr keine anderen mehr kontrollieren wollt – ob Gatte oder Gattin, Sohn oder Vater, Freund oder Feind -, sobald ihr jede Kontrollabsichten aufgebt, verliert euer Verstand immer mehr die Gewalt über euch, weil er dann nicht mehr gebraucht wird. Er wird gebraucht, um Kontrolle über die Welt auszuüben. Er wird gebraucht, um Kontrolle über die Gesellschaft auszuüben.

aus: Osho, „Zen – den Klang der Stille hören“

Ich hab ja keine Ahnung, was sich Osho dabei gedacht hat, das zu erzählen, ich nehme es einfach mal ernst, was er da vom Stapel gelassen hat. (Ich hab das total aus dem Zusammenhang gerissen, sag ich mal sicherheitshalber, und bis jetzt auch nicht weitergelesen. Ich missbrauche also mal wieder einen Text für meine üblen Zwecke.) Er hat ja völlig Recht, wenn er sagt, dass der Verstand in dem Maß seine Gewalt über die Menschen verliert, wie diese damit aufhört, andere kontrollieren zu wollen. (Aber wenn Osho Recht hat, muss man immer besonders auf der Hut sein.) Was haben die von der Eifersucht Geplagten jetzt davon, wenn sie das hören? Werden sie jetzt mit dem Kontrollieren aufhören? Dass ich nicht kichere! Sie werden vermutlich munter andere weiter kontrollieren, jetzt aber mit einem schlechten Gewissen und Schuldgefühlen. „Oh, was bin ich für ein Versager! Ich kann einfach nicht damit aufhören, andere kontrollieren zu wollen.“ Ich erinnere mich gerade daran, wie die AAO um Otto Mühl herum versucht hat, mit dem Vorschlaghammer den Leuten die Eifersucht auszutreiben. „Sieh zu, wie deine Liebste, dein Liebster mit anderen rumvögelt! Das wird dich von der Eifersucht kurieren.“ Nichts wurde so je kuriert. Die Hölle wurde erzeugt. Abspaltung, Abstumpfung, Verlust jeglicher Intimität, ein verblödetes Rumgerammel … das kann’s ja wohl nicht sein.

Wenn ich jetzt nur diesen Textausschnitt für das Ganze nehme, würde ich sagen: Didaktisch-methodisch der falsche Ansatz. So geht das nicht. Mit Unterdrückung der Gefühle wird alles nur noch schlimmer. Ram Dass würde jetzt vermutlich sagen: „Das ist alles Schrot für die Mühle!“

Weder wird die Lehrerin den kleinen Jungen ändern können noch die Mutter den treulosen Vater des kleinen Jungen noch werden Lehrerin und Mutter sich selbst ändern können. Wenn das akzeptiert wird, ist das möglicherweise der Beginn des Verstehens für den Satz von Ram Dass. In dem Buch mit dem Titel „Ich hab dir nie einen Rosengarten versprochen“ wird genau das thematisiert und auch der Weg zur Heilung aufgezeigt: „Der Weg zur Heilung besteht darin, die reale Welt auch dann zu akzeptieren, wenn sie kein „Rosengarten“ ist. (Wikipedia)

Aber genau das möchte kein Mind auf der Welt sehen und schon gleich gar nicht akzeptieren. Der Mind sehnt sich immer nach dem Paradies, dem Nirvana, dem Glück, der Vollkommenheit (was er halt für Paradies, Nirvana, Erleuchtung, Glück, Vollkommenheit … hält). „Ich will alles und zwar sofort.“ Das ist die Wurzel allen Leidens. „Ja aber, ja aber … muss ich mir denn jetzt alles gefallen lassen?“ begehrt er auf. Muss er natürlich nicht. Er muss gar nichts. Leider kann er auch gar nichts. Und wieder einmal steht er vor dieser absolut inakzeptablen Lösung: Es gibt keine Lösung außer „der Lösung“! Und die „Lösung“ besteht einfach darin: Suche nicht nach der Lösung, enthalte dich nur der Vorstellung, dass etwas gelöst werden müsste.

Ja aber, ja aber: Wie ist das nun mit dem Massaker in Paris? Da muss man doch was tun! Muss man? Muss man wirklich? Reiz – Reaktion – Reiz – Reaktion – Reiz – …………………

ichbincharlie
http://www.charliehebdo.fr/index.html

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10 Antworten zu wenn meine Tante Räder hätte …

  1. Eno Silla schreibt:

    Was für ein reicher Tag! Erst der schöne Text von Nitya, mit einem Osho Witz, dann der Text von Herrn Wolf und noch ein Newsletter von Herrn Ablass mit einem Hinweis auf diese Alan Watts Youtube Videos und nun treffe ich mich noch mit einem lieben Freund zum Kaffee… Was für ein reicher Tag!

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  2. punitozen schreibt:

    Lieber Nitya ,
    weil ich keinen Geburtstagskalender- führe , frag ich mal eben : “ Haste nicht Heute
    Geburtstag ? “ Wenn NEIN , dann sagste NICHTS – wenn ja : HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH
    und alles , alles Gute dir !

    PUNITO

    P.S. Die Med.- Therapie macht mich zur Zeit “ fix und alle “ mittels der Nebenwirkungen
    habe ich heftigste Konzentrationsstörungen . Hierbei muß ich mich stets vergewissern
    ob im Bad das Licht gelöscht , oder das Merken meines Bankkartenpin – manchmal blöd , wenn ich mit Leere im Kopp vor dem Automaten stehe und grüble wie isser denn – der Pin ?
    Die seit Monaten andauernden Überprüfungen der Laborparameter – daran habe ich mich gewöhnt , andereseits kontrolliert zu werden im Staate – sich daran zu gewöhnen , macht mir großes Unbehagen .
    Neulich schicktest du mr das Video-Tape “ Das neue dunkle Zeitalter ! “
    Heute sage ich : “ Wir sind wieder mittendrin im Schlamassel ! „

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  3. Nitya schreibt:

    Lieber Punito,

    nein ich habe nicht Geburtstag. Ich hab überhaupt keinen Geburtstag. Ich lass es mir aber trotzdem gut gehen. Danke trotzdem für deinen frommen Wunsch!

    Was deine Konzentrationsstörungen betrifft: Kenn ich seit Jahren. Is’n bisschen lästig, aber auch ganz lustig. Wenn man das 3. Mal geguckt hat, ob die Herdplatte ausgeschaltet ist oder schon das Haus brennt, hat man echt was zum Lachen. „Du oller Trottel! Alzheimer oder wat?“ murmle ich dann in meinen Bart.

    Kontrolle vom Staat, ja, is echt gewöhnungbedürftig. Ich könnte auch jedes Mal einen Aufstand machen.

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