Bhagwan: Sprengt den Fels der Unbewusstheit!


bummPrem Prabhu: Ich habe das Gefühl, dass ich manchmal ganz falsch bin … und ich fühle mich auch zwischen diesen beiden Polen – allein zu sein und nicht zu wissen, ob ich einsam bin oder das Alleinsein suche – hin und hergerissen. Das ist alles miteinander vermengt.

Bhagwan: Fange an, folgendes zu tun – versuche nicht, es zu ändern. Sei ganz bewusst falsch, übertreibe es …

aus: Bhagwan Shree Rajneesh, „Sprengt den Fels der Unbewusstheit“

Das Buch nennt sich „Darshantagebuch“. Lauter Fragen und Antworten. Hier also eine Frage, die so oder ähnlich wahrscheinlich schon vielen durch den Kopf geisterte. Ich muss gerade an das Buch denken „Ich bin o.k. – Du bist o.k.“ von Thomas A. Harris, einem Transaktionsanalytiker. Scheint wirklich eine Frage zu sein für viele Menschen und sie hat natürlich mit dem mentalen Zwang zu tun, alles zu bewerten. Ratschläge, wie man etwa das miese Gefühl, nicht okay zu sein, los wird, gibt es zuhauf.

Bhagwans Rat zielt genau in die entgegengesetzte Richtung. Man könnte es so sagen: Ein Gefühl will einfach gefühlt werden. Wenn es in seiner ganzen Tiefe wahrgenommen und damit in seiner Existenz angenommen wurde, zieht es ohne irgendwelche Manipulationen ganz von allein einfach weiter. Was das Gefühl mit einiger Wahrscheinlichkeit festhält, ist der dringende Wunsch, es solle verschwinden und zwar möglichst plötzlich bitteschön.

Bhagwans Rat klingt wie ein simpler psychologischer Trick. Isser auch, aber er ist gleichzeitig viel mehr. Wenn Bhagwan gesagt hätte: „Hafte an nichts. Nimm alles an, wie es erscheint.“ hätte es vermutlich eine ganz andere Wirkung. Das klingt zwar sehr spirituell, ist aber – nehme ich mal an – so unwirksam wie die Aufforderung eines Chiropraktikers, sich verdammt noch mal endlich zu entspannen. Bhagwan hält den Mind beschäftig, anstatt ihm zu sagen, er solle endlich seinen Geist aufgeben. Er sagt ihm: Übertreibe einfach das, was dich so stört! Sei wie ein Schauspieler, der versucht, etwa die Rolle des Schurken so zu spielen, dass auch noch der Zuschauer in der letzten Reihe sofort versteht, was für ein Typ das ist. Ich hatte den Judith Malina-Text hier schon mal drin. Weil’s aber so gut passt, bringe ich ihn hier noch einmal:

Wenn wir nach ‚Paradise now‘ verhaftet wurden, haben wir zu den Polizisten gesagt: Du spielst den Officer und ich die Verhaftete. Die Polizisten antworteten immer dasselbe: ‘Look Lady, I’m not in your play‘. Aber sie ließen nicht nach, die Schauspieler des Living Theater, sondern lobten die Bullen auch dann noch, wenn sie wütend waren, für ihren guten Akt eines wütenden Bullen. Schauspiel und Leben interferieren und vermischen sich. Diese Interferenzen und Spiegelungen sind es ja auch, was ‚Die Kinder des Olymp‘ so großartig macht. Judith Malina ist sich bewusst, wie willkürlich und beliebig diese Grenzsetzungen sind, und wie komisch die Interferenzen sein können. (Quelle: Süddeutsche Zeitung)

Genau um diesen Punkt dürfte es Bhagwan wohl mit seinem Rat gehen: Wenn auf ganz spielerische Weise ein bisschen mehr Bewusstheit im Spiel ist, macht das Bewusstsein einfach ganz von allein sein Ding. Das fließt dann ganz von selbst hinein in dieses berühmte „Tun ohne Tun“. Und ganz nebenbei nimmt es den Ernst aus dem „Spiel“, macht es zum wirklichen Spiel und lockert vielleicht die Identifikation mit dem Problemlöser.

6

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Bhagwan: Sprengt den Fels der Unbewusstheit!

  1. fredo0 schreibt:

    Änlich wirkt ein Trick … der mich schon seit Jahren durch mein Leben begleitet …
    ich nenne es Neugier oder mit besserer Wortbedeutung englisch Curiosity …
    den Ereignissen ( damit auch Gefühlen, Gedanken, Identifikation ) wird mit schlichter aber intensiver Neugier begegnet “ na da will ich doch mal sehen, was heute wieder auf dem Programm steht“ .
    Da diese Neugier aber >fortlaufend zum nächsten Ereigniss ist, führt sie zwar zu einer Forzierung oder Intensivierung des Ereignisses aber nicht zu dessen Fixierung, da ja … bereits das neue … zu beneugieren ist, in seiner Kuriosität …
    So wie ein Fluss niemals die gleiche Welle erzeugt , sondern jede Welle in einmaliger Kuriosität erscheint, so verdient unser Leben diese Neugier auf seine ungeheure Orginalität …
    es wird damit zum Leben … eben !
    und ich, als „Belebter“ erfahre eine merkwürdige vorher unentdeckte Freiheit in dieser Haltung.

    und nix bleibt wies ist
    und nix muss anders sein
    und nix ist was besonderes
    das einzig Bemerkenswerte ist diese unermessliche Originalität des Lebens in seiner unermüdlich fortdauernden Kuriosität .

    was für eine Show😀 !

    Gefällt mir

  2. fredo0 schreibt:

    fein🙂

    Gefällt mir

    • Nitya schreibt:

      Vorsicht! Das ist hochexplosiv. Was, wenn dir der Würfel befiehlt, irgendeinen Menschen um die Ecke zu bringen oder eine Frau zu vergewaltigen? Hat dieser Luke Rhinhart, wenn ich mich recht erinnere, in seinem Buch gemacht.

      Gefällt mir

  3. punitozen schreibt:

    So`ne Frankl- Paradoxe Interventions- Verschreibung vom Meistäär
    kein schlechter Wttz- !🙂

    Morgens ne Tasse heißen Kaffee am Küchentisch ,
    kann ohne Übertreibung ingänze NICHT- falsch sein .
    Herzlichen Gruß
    PUNITO

    Gefällt mir

    • Nitya schreibt:

      Lieber Punito,

      bei Kaffeeentzug hört bei mir der Spaß auf.
      Wer wäre ich ohne Kaffee?
      Immer noch der, der ich bin.
      Wer wäre ich mit Kaffee?
      Immer noch der, der ich bin.
      So habe ich nmeine 92-jährige Mutter in Erinnerung:
      In einer Hand ’ne Zigarette, in der anderen einen Kaffee
      und vor sich ein Tafel Schokolade.
      Und sie war immer noch die, die sie war.

      Danke für das Video!

      Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s