Rumi: Er ist es


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Er ist es,
der in mir
an Seiner Anwesenheit leidet.

Der durch mich
nach Sich selber ruft.

Das seltsamste,
das heiligste Mysterium —
Wir sind uns nah
über alle Vorstellung hinaus.

Dschalal ad-Din Muhammad Rumi

Ich weiß nicht, ob das Wort „nah“ sinngemäß das trifft, was Rumi ausdrücken wollte. Mit „nah“ assoziiere ich immer noch Abstand. Aber mit jedem Wort bewege ich mich natürlich selbst schon wieder im Reich der Vorstellungen. Nur – was kann ich tun? Ich versuche ein Wort zu finden, das sich für mich stimmiger anfühlt und dann – vergesse ich das Wort und versinke in dieser wortlosen Stimmigkeit.

Da ist schon wieder ein Wort, an dem ich kurz stocke. Es ist das Wort „leiden“? Wieso leidet Er in mir? Ist da nur ein Leiden? Ist da nicht auch Lachen und Tanzen und überhaupt alles? Wäre da „Fühlen“ nicht stimmiger für mich? Er ist es, der in mir fühlt?

Er ruft durch mich sich selber. Wieder kann ich an den Worten hängen bleiben. Kann anfangen, etwas hören zu wollen. Höre ich da einen Ruf? Schon wieder fühlt es sich nicht stimmig an. So ist das halt mit der Sprache, die immer alles aufspaltet, hier in einen Rufenden und in einen Hörenden. Dabei ist es einfach Lauschen, ein Verschwinden in sich selbst, bis auch das verschwunden ist.

Manchmal stößt man ja ganz unverhofft auf dieses Thema, wo man es am wenigsten vermutet hätte. Gestern stolperte ich im Netz über den Begriff „Präsenzmedizin“. Das hat mich natürlich sofort interessiert. Wer sich auch dafür interessiert, kann sich ja mal dieses Video angucken:

 

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13 Antworten zu Rumi: Er ist es

  1. fredo0 schreibt:

    ich mag das auch … dieses Worte erspüren … hineingleiten in ihre Deutungsebene …

    und auch ich bin oft an diesem „nah“ hängen geblieben … denn es demonstriert ja Distanz und Unterschiedlichkeit, wenn auch nah dran …
    ja woran denn nah dran …

    ein feines Wort für mich wurde Unmittelbarkeit ( wobei auch dies ja auch wieder zwei suggeriert , die ohne Mittel direkt beeinflusst sind ).
    wenn man es aber nicht nur zeitlich , wie gewöhnlich begreift , sondern zusätzlich räumlich , gewinnt es an Hinweis …

    also immerhin … so halbwegs …😀

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    • nitmoeglich schreibt:

      na ja, was immer wir erzählen: wir können ja schon froh sein, wenn wir dem ein bisschen nah kommen, was wir irgendwie wahrgenommen zu haben glauben

      wer mit diesem Rumgestammel irgendwie klar zu kommen versucht, tut mir jetzt schon leid 😀

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  2. fredo0 schreibt:

    oja … das mit stammeln zu bezeichnen , was da mitzuteilen versucht , was unwörterbar ist , scheint mir sehr passend …

    damit klar kommen zu wollen , scheint mir jedoch geradezu kontroproduktiv …
    wenn dies stammeln den mut zum ungefähr beim zuhörer stimulieren mag , ist es wohl getan , mit dem stammeln …😀 i

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  3. Elwood schreibt:

    Das Rumgestammel von Volker Mann erfreut mein Analytikus…
    Da vergess ich glatt wo ich hin wollte…..

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    • nitmoeglich schreibt:

      Uiuiui, ich bin ja richtig angestrengt beim Zuschauen. Das ist ja kaum auszuhalten, wie die Lady versucht, mit diesem Mann Schritt zu halten und sich auch als Bescheidwisserin zu präsentieren. Ja, ja, das Selbstbild.

      Danke für das Video. Hatte ich noch gar nicht gesehen.

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  4. Chantal schreibt:

    Lieber Nitya, und alle hier Präsenten,
    es wird gestammelt, ich fahre damit fort.
    Habe mir gerade das 1.Video von Volker Mann angeschaut. Klingt wie: Sein in Präsenz. Schön, wenn junge Mediziner jetzt bereit sind, der Intelligenz der Natur zu vertrauen.
    Auf meinem Nachtisch liegen fast nur spirituelle Bücher, meine Nacht-Nahrung, die ich vor dem Einschlafen gern zur Hand nehme, um mich wegführen zu lassen, oder am Morgen den Tag damit einleite. In der Essenz zielen alle Schreibenden auf das Eine, das nicht Sagbare hin. Und weil es nicht sagbar ist, oder paradox klingt, fallen mir beim Lesen schnell die Augen zu, bis sich der andere Raum auftut, das Gewahrsein von „ich bin“, das einfache, geborgene Gefühl, da kann ich nicht rausfallen und dann bin ich weg. Einschlafen gilt ja in der Spiri-Sprache als „Nicht Erwacht“.!!! Bei Ramana aber ist der Tiefschlaf heilig.
    Die Crux der Worte. Überall sind es die Gedanken, die zu viel sind. Aber ohne Gedanken, keine Hinweise, keine Kommunikation. Darum lese ich ja auch hier.🙂
    Darum werde ich weiter zu diesen Spiri-Texten greifen. Auch wenn es ein nicht zu lösendes Kuan bleibt. Belehrende Worte sind für mich eher, wie gute Nachtgeschichten, etwas zum Einschlafen, das Aufwachen findet auf einer anderen Ebene statt. Eben in der Präsenz.
    Euch allen einen guten Rutsch.
    Morgen bin ich in den Bergen, darum jetzt schon.

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    • nitmoeglich schreibt:

      Liebe Chantal,

      wenn du morgen in den Bergen bist, wünsch ich dir mal vorsichtshalber keinen guten Rutsch, sondern vielleicht ein „Komm gut rüber“ oder sowas. Und belaste dich nicht mit allzu vielen Büchern, die ziehen schon allein durch ihr Gewicht mächtig nach unten.😉

      Einen herzlichen Gruß
      Nitya

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      • Chantal schreibt:

        Lieber Nitya,
        danke für die guten Wünsche.
        Meine Bücher habe ich meistens in mehrere Teile zerschnitten, dass ihr Gewicht mich nicht runterziehen kann. Sie sind dann oft die Kopfbedeckung im Schlaf. 🙂

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  5. punitozen schreibt:

    Ich versuche ein Wort zu finden, das sich für mich stimmiger anfühlt und dann – vergesse ich das Wort und versinke in dieser wortlosen Stimmigkeit.

    Dieses innere Erleben , so wie es sich anfühlt durchlebe ich dieser Tage .
    Innerhalb weniger Stunden sind zwei meiner vertrautesten Freunde , Jutta und Hans ,
    in die Verwandlung gegangen .
    Ich trauere
    PUNITO

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