Bankei: es bedarf keines Fortschritts


B
Ein Laie: ich habe lange Zeit eifrig geübt, aber wenn ich einen Stand erreicht zu haben glaube, von dem aus ich nicht mehr zurückfallen kann, bleibt diese Neigung doch bestehen, und manchmal falle ich wirklich zurück. Wie kann ich so werden, dass ich nicht mehr zurückfalle?

Bankei: Lebe im ungeborenen Buddha-Geist. Dann gibt es keinen Rückschritt. Und es bedarf keines Fortschritts. Jede Vorstellung von Fortschritt ist schon ein Rückschritt fort vom Ort des Ungeborenen. Ein Mensch des Ungeborenen hat weder mit Fortschritten noch mit Zurückfallen etwas zu schaffen. Er ist stets jenseits beider.

aus: Bankei Eitaku, „Die Zen-Lehre vom Ungeborenen“

In westlichen Mysterienorden findet sich sehr häufig ein Aufbau, in dem sich der Adept stufenweise hochzuarbeiten hat, bis er irgendwann den Meistergrad erworben hat. Ausgangspunkt ist immer der Gedanke, dass wir Mängelwesen sind, die hart an ihren Mängeln zu arbeiten haben, um diese Stück für Stück beseitigen zu können. Dieses Denken findet sich natürlich auch in höchst weltlichen Bereichen, etwa im Handwerk, in dem der Lehrling über die Gesellenzeit zur Meisterschaft gelangen kann, oder im Schul- und Universitätswesen, in dem über unterschiedliche Schulabschlüsse die Möglichkeit angeboten wird, über die Hochschulreife etwa zur Promotion oder Habilitation zu gelangen. „Schlechtes“ soll eliminiert, „Gutes“ erworben werden.

Bankei geht es weder um das eine noch um das andere. Er sagt: „Ein Mensch des Ungeborenen“ ist stets jenseits von Fortschritt und Zurückfallen. Ja, mehr noch – er sagt: „Jede Vorstellung von Fortschritt ist schon ein Rückschritt fort vom Ort des Ungeborenen.“ Jeder Gedanke, wie ich etwas erreichen könnte, ist bewusstseinsmäßig bereits eine Abwendung von dem, was ist und immer schon war. Die Frage des Laien „Wie kann ich so werden, dass ich nicht mehr zurückfalle?“ zeigt Bankei sofort, dass dieser Laie noch völlig dem Weg des Habens folgen will. „Ich will Erleuchtung haben.“ Er hat noch keine Ahnung, was das überhaupt sein soll, und weiß noch nicht, dass Erleuchtung kein Ding und nicht zu haben ist. „Sein oder Haben?“ ist ihm noch nicht einmal eine Frage. Er hat ein Ziel und ist bereit, sich dafür anzustrengen. Viele spirituelle Schüler bemühen sich redlich über Jahrzehnte und wundern sich sehr, dass der erhoffte Erfolg ausbleibt. Zu ihnen gehörte auch einmal Siddharta Gautama, der irgendwann jedoch die Vergeblichkeit seiner Anstrengungen einsah. Und dann „passierte es“: Er konnte sehen, dass er „durch die vollkommene, unübertreffbare Erleuchtung wahrlich nichts dazu gewonnen hatte“, was ihn augenblicklich zum Erwachten, zum Buddha machte.

Dieses Sehen katapultiert auf der Stelle den Sehenden in den ewigen Augenblick. Das bedarf nicht der geringsten Anstrengung. Der ehemalige Stern-Journalist Satyananda (Jörg A. Elten) fasste seine Sannyas-Erfahrungen in Poona in seinem damals sehr bekannten Buch „Ganz entspannt im Hier und Jetzt“ zusammen, was ganz dem Ausspruch Oshos entsprach „Easy is right“. Die letzten Worte Meher Babas vor seinem Schweigegelübde waren „Don’t worry, be happy!“, aus denen Bobby McFerrin seinen weltbekannten Hit gebastelt hat.

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3 Antworten zu Bankei: es bedarf keines Fortschritts

  1. Chantal schreibt:

    Die Schneedecke von gestern wie heute morgen
    bedarf auch keines Fortschritts.

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