Bankei: ich und du, Müllers Kuh, Müllers Esel, der bist …


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Du erzeugst deine Zornausbrüche, wenn die Organe deiner sechs Sinne [Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Berühren und Denken] durch äußere Umstände erregt werden und dir eingeben, dich gegen andere Menschen zu wenden, um deine eigenen Ideen, die dir so kostbar sind, durchzusetzen. Haftest du nicht am Ich, so gibt es keine Täuschungen. Dies muss dir vollkommen klar sein.

Alles, was deine Eltern dir bei deiner Geburt gaben, war der Buddha-Geist. Sonst nichts. Was hast du damit gemacht? Schon als du ein kleines Kind warst, hast du beobachtet, wie die Menschen in deiner Umgebung manchmal in Zorn gerieten. Du bist darin regelrecht geschult worden und hast dich selbst daran gewöhnt, leicht aufzubrausen. Heute lässt du dich einfach gehen und gibst jeder Zornesregung nach. Es ist jedoch töricht zu glauben, das liege in deiner Natur. Wenn du aber jetzt deinen Irrtum erkennst und deinem Zorn nicht mehr Raum gibst, wirst du dich um kein aufbrausendes Temperament mehr zu sorgen zu haben. Anstatt es also bessern zu wollen, bringe es lieber gar nicht erst hervor. Das ist der schnellste Weg, meinst du nicht auch? Etwas daran ändern zu wollen, wenn es einmal da ist, bringt nur neue Schwierigkeiten mit sich und ist außerdem vergeblich. Werde gar nicht erst zornig, dann ist da nichts, was geheilt werden müsste.

Hast du das klar erkannt und hörst auf, deinen Zorn zu schüren, so wirst du sehen, dass du auch keinen anderen Täuschungen mehr unterliegst – selbst wenn du es wolltest -, weil du dann ständig im ungeborenen Buddha-Geist lebst. Da ist sonst nichts.

aus: Bankei Eitaku, „Die Zen-Lehre vom Ungeborenen“

Bankeis Tipp, um mit all diesen Zuständen der Täuschung ein für alle Mal Schluss zu machen, ist, dreißig Tage im Ungeborenen zu verbleiben. Hatte ich hier schon mal drin letztes Jahr im März. Hand hoch, wer hat sich darauf eingelassen? Aha, dachte ich mir doch. Dabei geht es um etwas ganz Einfaches. Seng-ts’an: „… enthaltet euch nur eurer Meinungen!“ (Sucht um Gottes willen nicht „das Ungeborene“!)
TaeuschungBankei spricht hier etwas an, was die meisten Menschen sehr gut kennen. Komischerweise will fast niemand auf seinen Tipp hören. Die Psychotherapeuten und Coaches würden sehr schnell ihre Arbeit verlieren und ihre Patienten und Klienten ihre leidbringenden Glaubenssysteme. So glauben beide Seiten etwas zu verlieren, wenn sie Bankeis Tipp umsetzen würden. Weil sie das aber meist gar nicht wollen, machen sie lieber weiter wie bisher. An hilfreichen Ausreden fehlt es dabei nicht.

Eine in spirituellen Kreisen sehr beliebte Ausrede liefert der Buddhismus oder Advaita selbst. „Es gibt kein Ich.“ Bankei spricht doch allem Anschein nach Personen an: „Versuche, dreißig Tage im Ungeborenen zu verbleiben. Sobald du dich daran gewöhnt hast, wirst du es unmöglich finden, vom Ungeborenen getrennt zu leben.“ Na, wer soll denn das versuchen, wenn da doch da gar niemand nicht ist, der überhaupt irgendetwas versuchen könnte. Und wir alle wissen doch seit Buddha: „Handlungen geschehen, doch gibt es keinen Handelnden.“ Ergo: „Es wird geschehen oder es wird nicht geschehen. Ich jedenfalls wasche meine Hände in Unschuld und harre der Dinge, die da kommen werden.“ Wer – ich?

Wer seine Hände in Unschuld waschen kann, der kann auch noch ganz andere Sachen. Jedenfalls ist da immer noch der Glaube, der Handelnde zu sein. Das sind alles so Spiegelfechtereien, die eines Winkeladvokaten würdig sind, aber doch nicht eines fortgeschrittenen spirituellen Schülers. Oder doch – oder gerade?

Bankei übergibt jedenfalls dem Leidenden die volle Verantwortung für sein Leiden und er weiß dabei sehr wohl, dass es keinen Handelnden gibt. Er weiß es, weiß es auch der Leidende, der die ganze Zeit die Verantwortung für sein Leiden den Umständen, den Eltern, der Gesellschaft, seinen Genen, oder was weiß ich wem zuschiebt – weiß es der auch? Ich fürchte nein. Das ist jetzt keine Schuldzuweisung an den „Egomanen“. Es gibt keine Schuld. Es ist nur ein Angebot an den Leidenden. Für den Nicht-Leidenden – wie hat es Osho ausgedrückt: „All euer Leiden ist ein Witz.“
hihihahahoho

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2 Antworten zu Bankei: ich und du, Müllers Kuh, Müllers Esel, der bist …

  1. punitozen schreibt:

    Lieber Nitya ,
    noch ein kleines “ ZEN – Weihnachtstellerchen “ mit Zimtzutaten “ vom ollen Meister Yudo .
    Mit angeregten Gruß
    PUNITO

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    • Chantal schreibt:

      Lieber Punito, danke für das ZEN-Weihnachts-Tellerchen. Es gibt Menschen, durch welche die Worte fliessen, wie Musik. Und da gibt es das verstehende Ohr, wie das sehende Auge, das empfängt. Einfach den Worten lauschen und still sein. Wie schön.

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