Und das Licht leuchtet in der Finsternis


dunkel

Heute ist Weihnachten. Hab sogar ich mitgekriegt. Man sagt, mit der Geburt von Jesus sei das Licht in die Welt gekommen. Jesus selbst, so berichtet Johannes in 8,12, soll gesagt haben: „Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finster­nis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ Und in 1,5: „Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht begriffen.“ Dann in 3,19 „Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Werke waren böse.“

Ich erinnere mich mit Freude an die Bibelgruppe im Internat in Windsbach, in der wir mit Lust und Wonne solche Bibeltexte in Frage gestellt haben. Lauter kleine Ketzer. Wie wirken diese Zitate auf mich? Als Erstes springt mich an, dass hier sehr stark gewertet wird. Licht = gut, Dunkelheit = böse. Und im Hinterkopf taucht bei mir sofort der Ausspruch des wiedergeborenen Christen George W. Bush auf vom „Kampf gegen die Achse des Bösen“. Wer war denn nun böse, wenn ich diese Wertung überhaupt einführen will? Da mundet mir Goethes Mephistopheles schon entschieden besser mit seinem: „Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“ Oder umgekehrt, würde ich hinzufügen wollen.

Eben hatten wir die Wintersonnenwende. Ein Wendepunkt wurde erreicht und machte damit sichtbar, dass sich alle Existenz von einem Pol zum Gegenpol wendet. Was bleibt denn da übrig von jeder Wertung. Ist etwa der Winter böse und der Sommer gut? Ich denke an den Aton-Hymnus oder den Sonnengesang des Franz von Assisi:


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Es gibt auch Verehrer der Dunkelheit. So veröffentlichten Gia-Fu Feng und Jane English diese Version des ersten Kapitels des Tao Te King:

Der Weg, der mitgeteilt werden kann, ist nicht der ewige Weg.
Der Name, der genannt werden kann, ist nicht der ewige Name.
Das Namenlose ist der Anfang von Himmel und Erde.
Das Benannte ist die Mutter der zehntausend Dinge.
Allzeit ohne Wünsche, sieht man die Erscheinungsformen.
Ihr Ursprung ist derselbe, unterschiedlich sind ihre Namen,
sie erscheinen Dunkel.
Dunkelheit inmitten von Dunkelheit.
Das Tor zu allem Geheimnis.

 Da fällt mir gerade Mose 2, 8-9 ein: Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Morgen und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, lustig anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.

Wir erinnern uns: Vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollten Adam und Eva nicht essen. Das ist für mich ein deutlicher Hinweis auf den stets urteilenden Verstand. Ohne diesen öffnet sich unmittelbar der Zugang zum Baum des Lebens. Und hier begegnen wir der Quelle von jedweder Existenz. Der Quelle: Dunkelheit inmitten von Dunkelheit, dem Tor zu allem Geheimnis.

Üblicherweise wird der Baum der Erkenntnis interpretiert als ein Gebot, zu werten und sich zu entscheiden für das Gute und gegen das Böse. Wie aber, wenn er genau dafür nicht steht? Noch einmal der Hinweis von Jesus: „Es sei denn, dass ihr umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.“ Ist ein Kind nicht geradezu ein Symbol für das Leben und für einen nichtwertenden Verstand?

Wenn wir Licht als Symbol für die Aufklärung, für den Verstand und die Erfahrungen der Sinne nehmen, und Finsternis für die Quelle des Lebens – könnte man dann nicht viel eher sagen, dass Weihnachten das Fest der ewigen Geburt der Dunkelheit ist?

Ich wünsche euch allen … nichts.

.

Also ich will mich mal nicht so anstellen. Euch allen


 

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15 Antworten zu Und das Licht leuchtet in der Finsternis

  1. punitozen schreibt:

    Lieber Nitya ,
    ich wünsche Die ebenfalls NICHTS zu Weihnachten ,
    In diesem NICHTS sollte ALL-ES enthalten sein , was Dein Herz frommt und DAS Besondere
    dich tanzen und jauchsen lässt , im Hellen und in der Dunkelheit .
    Zu Deinem Dunkel-Licht-Gedankenfluß
    sage ich Heute nichts –
    weil `s so is wie es is
    L-G. PUNITO

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    • nitmoeglich schreibt:

      Lieber Punito,

      herzlichen Dank für das Geschenkpaket voller NICHTS / ALLES, das du da für mich geschnürt hast. Ich leg’s mal unter den imaginären Weihnachtsbaum und guck erst heute Abend rein, wenn das Glöckchen ertönt. Und dann erhebe ich mein Glas und trinke auf deine Gesundheit.

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      • punitozen schreibt:

        Lieber Nitya ,
        das Du unter deinem imaginären Weihnachtsbaum ein Gläschen auf meine
        Gesundheit trinkst – das , berührt mich zutiefst .
        Ich danke Dir von Herzen für dieses wunderbare Geschenk .

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  2. Chantal schreibt:

    Lieber Nitya
    Wunsch oder Wunschlos. Aber einen Liebesgruss schicke ich dir, weil ich einfach an dich denke und mich hier mal beDanke, für die tägliche Geistesnahrung, die du schenkst. Lass das NICHTS durch dich fliessen. Es kann nicht nichts sein.
    Chantal

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    • nitmoeglich schreibt:

      Liebe Chantal,

      ganz herzlichen Dank für deinen Liebesgruss voller NICHTS. Du hast ja völlig recht, wenn du sagst, dass das NICHTS nicht nichts sein kann, auch wenn darüber nicht diskutiert werden kann. Das Durchströmt-Werden von diesem NICHTS wird entweder wahrgenommen oder nicht wahrgenommen.

      Einen herzlichen Gruß vom Nitya

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  3. zaungast schreibt:

    Allen ein fröhliches (Nichts-) Fest!
    Möge die Dunkelheit stets das Alte ver-nicht-en und Raum für die Fülle des Neuen schaffen…

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  4. Brigitte schreibt:

    Lieber Nitya,
    ich habe kein Geschenk für Dich. Außer ein DANKE dafür, dass du mir jeden Morgen einen Grund gibst aufzustehen, um deinen Inspirationen zu lauschen. Mir ist grad gar nicht nach Weihnachten. Trotzdem auch dir eine besinnliche und friedliche Zeit.

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    • nitmoeglich schreibt:

      Liebe Brigitte,

      danke, dass du KEIN Geschenk für mich hast !!! Weihnachten war schon in meiner Kindheit das Fest des Grauens. Ich habe es gegen den hartnäckigen Widerstand freundlicher Mitmenschen schon lange aus meinem Leben verbannt. Es findet einfach nicht mehr statt. Mit deinem zarten Hinweis, dass ich dir morgens vielleicht ein wenig das Aufstehen erleichtere, hast du mir dann aber doch ein Geschenk gemacht.

      Ich verzeihe dir großmütig.

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  5. fredo0 schreibt:

    die bescherung ist vorbei … jetzt ham wir de bescherung …😉

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  6. fredo0 schreibt:

    meine acht kids samt anhang sind dies jahr bei den jeweiligen müttern versammelt … und noch keiner der saubande hat bei mir angerufen …
    nicht dass mir das unangenehm wäre …
    da kann ich wenigstens ein wenig internette nichtigkeiten austauschen …😀

    dafür darf ich dann nächstes jahr das fullhouse verkraften …

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    • nitmoeglich schreibt:

      8 Kids mit Anhang, ach du meine Fresse. Hättet ihr das nicht ein bisschen aufteilen können? 4 Kids dieses Jahr und 4 im nächsten im Wechsel? Aber du liebst es vermutlich lieber ein bisschen barock. Alles oder nix?

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      • fredo0 schreibt:

        yep … als leicht traumatisiertes einzelkind hab ich immer gerne die rolle des don alfredo am riesentisch samt riesenanhang im visier gehabt …
        nun ja … jetzt leb ich singulär und werde nur ab und an von meinen kids samt beutekids überfallen … das aber dann schon zu meiner freude …

        und wenn ich mich dann bei denen so richtig unbeliebt machen möchte, fange ich bei tisch an zu philoschwätzieren übers nix … da iss es schnell vorbei mit der ehrenvollen don-position … da hör ich „klugscheisserei“ … und es heißt dann nur … ach du immer … nimm mal deine blutdruckpillen und spiel mit den enkeln .. war halt wieder nix mit dem nix …😦

        gut dass es dies plätzchen hier gibt …😀

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      • nitmoeglich schreibt:

        Da war ich anscheinend wesentlich erfolgreicher in der Abschreckung meines Nachwuchses. Bei mir kam noch der „Verschwörungstheoretiker“ hinzu, der gar nicht gut ankam. Na ja, da ich kein traumatisiertes Einzelkind war, sondern wenn schon dann eher ein traumatisiertes Nesthäkchen, stand mir irgendwie nie so recht der Sinn nach einem Don. So habe ich es glatt geschafft, dass ich Weihnachten für Weihnachten ungeschoren davon komme.

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