Uwe Schade: In Spannung und Entspannung erklingt die Harmonie der Welt


Schade-HeraklitWillst Du in der Welt ruhen
Mußt Du den Geschmack der Welt lieben
Willst Du den Geschmack der Welt lieben
Mußt Du ihn kennenlernen
Willst Du ihn kennenlernen
Mußt Du feinfühlig werden
Willst Du feinfühlig werden
Mußt Du allen Widerstand aufgeben
Willst Du allen Widerstand aufgeben
Mußt Du auf dem Fleck sitzenbleiben
Mußt stehenbleiben, wo Du stehst –
Das Festgehaltene weicht von Dir
Das Unterdrückte gesellt sich zu Dir
Dein Ich stirbt tausend Tode
Die Welt wird in Dir geboren .
In Deinem Widerstehen spannt sich die Welt
In Deinem Streben erhebt sich die Welt
In Deinem Wirken verwandelt sich die Welt
In Deinem Sterben entspannt sich die Welt
In Spannung und Entspannung erklingt
Die Harmonie der Welt .

aus: Uwe Schade, „Die Harmonie der Welt

Die verborgene Harmonie ist besser
als die offensichtliche.
Aus Zwietracht entsteht Eintracht,
aus Missklang entsteht die Höchste Harmonie.
Erst durch dauernden Wechsel
kommen die Dinge zur Ruhe.
Die Menschen sehen nicht,
dass alles, was sich widerspricht,
Dadurch mit sich in Einklang kommt.
Es liegt Harmonie im Widerstreit,
das zeigen Bogen und Leier.
Der Name des Bogens ist Leben,
aber sein Werk ist Tod.

aus: Fragmente der überlieferten Worte Heraklits

Es ist … eigentlich … nur ein Bewegtwerden … und noch nicht mal das … ist da doch kein Subjekt/Objekt, das durch ein anderes bewegt würde … es ist … letztlich die Bewegung selbst … die aber auch nur erscheinendes Resultat einer gespannten, also energiegeladenen Situation im Ganzen ist … und auch das stimmt … so nicht … denn es ist auch nix „geladen“ … müsste es dazu doch „vorhanden“ sein … herrje … was denn nun ? … keiner da … und auch keines da … nur diese …. Vibration … wie soll sich da ein Mensch zurechtfinden ….“

Fredo gestern in einem Kommentar

Wenn keiner da ist, lieber Fredo, wie könnte sich dann überhaupt ein Mensch zurechtfinden – ist doch keiner da? Kein Mensch, kein Subjekt, kein Objekt, nix und niemand? Und wer hat überhaupt deinen Kommentar geschrieben? Du nicht? – Ramana sagt in seinen vierzig Versen: „Was soll das Streiten, ob die Welt nur Schein, ob Wirklichkeit? Ob ihr Bewusstsein eigen, ob nicht – und ob sie Freude oder Leid bedeute? Gilt doch für alle gleich das Glück: Die Welt zu lassen, um das Selbst zu finden, und ohne <ich> und ohne alles Streiten in jenem höchsten Stande <Selbst> zu sein.“ Ich halt’s da ganz mit Nagarjunas Catuṣkoṭi. Ich schau mir alles aus jeder für mich erdenklichen Perspektive an. Und so kann alles wahr und nicht wahr sein bzw. das Thema „wahr oder nicht wahr“ taucht überhaupt nicht auf.

Uwe Schade sagt: „In Spannung und Entspannung erklingt die Harmonie der Welt. Und Heraklit: „Aus Zwietracht entsteht Eintracht, aus Missklang entsteht die Höchste Harmonie.“ An anderer Stelle sagt er: „Krieg ist aller Dinge Vater, aller Dinge König. Die einen macht er zu Göttern, die anderen zu Menschen, die einen zu Sklaven, die anderen zu Freien.“ Wer die Polarität alles Existierenden annehmen kann als die Grundvoraussetzung allen Seins, wird von Heraklit als einer der Götter oder als Freier bezeichnet. Wer sklavisch an nur einem der Pole klebt, ist für Heraklit nur ein Mensch, nur ein Sklave. Sein Ausspruch kann also nicht als Aufruf zum Krieg verstanden werden, wie das oftmals geschehen ist, sondern als Hinweis auf die verborgene Harmonie, die im scheinbaren Widerspruch der Dinge liegt. Würde dieser Widerspruch fehlen, wäre die ganze Welt verschwunden. Nennen wir es mit Uwe Schade „Spannung und Entspannung“ oder mit Heraklit „Krieg“ oder mit Fredo „Vibration“ … es ist alles ein und dasselbe: Die Harmonie der Welt.

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6 Antworten zu Uwe Schade: In Spannung und Entspannung erklingt die Harmonie der Welt

  1. fredo0 schreibt:

    des fredos worte fortführend …..
    ….
    doch braucht es überhaupt ein zurechtfinden ?
    ist nicht genau dieser wunsch, dies bedürfnis, verstrickung ?
    ist denn befreiung, wie es manche der alten nennen, nichts anderes wie das abfallen dieses wunsches ?
    und wenn er nostalgisch dann doch mal wieder zurückkehrt, mag er ruhig auch seinen teil am leben haben … um danach wieder im impulsgewitter des augenblicks zu vergehen … denn wo einmal der urgrund der leere deutlich wurde, lässt sich schwerlich festhalten am zu-recht-en .

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  2. punitozen schreibt:

    …….An anderer Stelle sagt er: “Krieg ist aller Dinge Vater, aller Dinge König. Die einen macht er zu Göttern, die anderen zu Menschen, die einen zu Sklaven, die anderen zu Freien.” Wer die Polarität alles Existierenden annehmen kann als die Grundvoraussetzung allen Seins, wird von Heraklit als einer der Götter oder als Freier bezeichnet. …

    Wer sklavisch an nur einem der Pole klebt, ist für Heraklit nur ein Mensch, nur ein Sklave……

    Sein Ausspruch kann also nicht als Aufruf zum Krieg verstanden werden, wie das oftmals geschehen ist, sondern als Hinweis auf die verborgene Harmonie, die im scheinbaren Widerspruch der Dinge liegt. Würde dieser Widerspruch fehlen, wäre die ganze Welt verschwunden……..

    Lieber Nitya ,
    hilf mir mal auf die Sprünge , ob ich`s auf neudeutsch recht verstehe :
    Kein Mensch ist frei von irgendwelchem Begehren .
    Alles Sich-Aneignen-wollen ist ein Ausgehen in`s Unnatürliche ,
    dessen Entgipfelung ,der Materialismus , im Kapitalismus mündet .
    Börsianer und Wirtschaftswissenschaftler scheuen weder Krieg noch Frieden ,
    zum Erreichen ihrer Zieles – Vergrösserung des Mehrwertes .
    Sie verdienen an jedem Gesellschaftszustand .
    Hinter vorgehaltener Hand , manchmal auch öffentlich , erklären Sie den Krieg
    zum Vater aller Dinge – weil`s hier am anstrengungslosesten zu verdienen gibt – dank der
    Kurzsichtigkeit jener , die mittels politischer Mächtigkeit zur Durchsetzung des Dinglichkeitstheorie-Ideal , das letzte Mittel der Vernunft gegen anders Denkende anwenden.
    Auch jene Andersdenkenden haben Dinglichkeit verinnerlicht , wenn sie ìhre Ideal- Vorstellung der Weltverbesserung unter s Volk verbreiten – und “ notfalls “ den Krieg zum Vater aller
    Dinge erklären , wie im Kosovo , Afghanistan und Irak bereits geschehen ist .

    L.G.
    PUNITO

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    • nitmoeglich schreibt:

      „Kein Mensch ist frei von irgendwelchem Begehren .Alles Sich-Aneignen-wollen ist ein Ausgehen in`s Unnatürliche , dessen Entgipfelung ,der Materialismus , im Kapitalismus mündet .“

      Lieber Punito,

      ich schau den Krähen und Elstern zu, wie sie sich die Erdnüsse aneignen, die eigentlich zur Abwechslung mal den Eichhörnchen zugedacht waren. Ob die Krähen und Elstern da in’s Unnatürliche gegangen sind, die alten Schlawiner? Diese Entgleisung mündet ganz bestimmt im Materialismus, im Kapitalismus. Oder?

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