Subhash: Drittens möchte ich noch vor der Halbheit warnen.



Subhash
Der eine oder andere erinnert sich sicher an Subhash, der im Abgesang zu seinem Forum u.a. Folgendes schrieb:

„Drittens möchte ich noch vor der Halbheit warnen. Dazu aus dem Gedicht ‚Gleichnis des Buddha vom brennenden Haus‘ von Bertolt Brecht:

‚Diese, dachte ich,
Müssen verbrennen, bevor sie zu fragen aufhören. Wirklich, Freunde,
Wem der Boden noch nicht so heiß ist, dass er ihn lieber
Mit jedem anderen vertauscht, als dass er da bliebe,
Dem habe ich nichts zu sagen.‘ So, Gothama, der Buddha.

Und ich, der ehemalige Betreiber dieses Forums, der es eröffnet und geschlossen hat, gehe mit Brecht noch weiter:

Aber auch wir, nicht mehr beschäftigt mit der Kunst des Duldens
Eher beschäftigt mit der Kunst des Nichtduldens und vielerlei Vorschläge
Irdischer Art vorbringend und die Menschen beschwörend
Ihre menschlichen Peiniger abzuschütteln, meinen, dass wir denen, die
Angesichts der heraufkommenden Bombenflugzeuggeschwader des Kapitals noch allzu lang fragen
Wie wir uns dies dächten, wie wir uns das vorstellen
Und was aus ihren Sparbüchsen und Sonntagshosen werden soll nach einer Umwälzung
Nicht viel zu sagen haben.“

Subhash warnt vor der Halbheit, und er meint damit, wenn ich das richtig verstehe, jede verbindliche und damit immer auch einengende Aussage über was auch immer. Advaita kann z.B. zu einer einengenden Feststellung werden: „Alles, was offensichtlich Zweiheit bedeutet, kann es nicht sein.“ Das wäre so eine einengende Feststellung. Oder: „Politik interessiert mich nicht. Das ist einfach ein Traum, eine Fata Morgana, das ist nicht wirklich.“ Brecht: „Aber auch wir, meinen, dass wir denen, … nicht viel zu sagen haben.“ Warum haben wir denen nicht viel zu sagen? Weil all diese Aussagen halb sind. Form ist Form. Leere ist Leere: das ist halb. Form ist Leere, Leere ist Form: das ist nicht halb. Wer sagt „Ich meditiere und meide Politik wie der Teufel das Weihwasser“, ist halb und schließt aus. Die folgenden Gespräche sind genauso spirituell wie das Meditieren. Wer hier einen Unterschied macht und in seiner spirituellen Arroganz auf diejenigen herunterblickt, die noch nicht einmal begriffen haben, dass es keine Instanz namens Ich gibt, hat ganz offensichtlich noch herzlich wenig erkannt.

Vielleicht habt ihr ja Lust, euch das Folgende anzuhören. Ich kann es euch nur empfehlen.

1914„28.08.2014 — Die Rosa-Luxemburg-Stiftung lud am 28. August 2014 gemeinsam mit der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag zu einer szenischen Lesung und anschließenden Diskussion ein. Im Fokus standen die damaligen Reichstagsdebatten zum Beginn des Ersten Weltkriegs. Welche Rolle spielte das damalige Parlament bei der Vorbereitung des Krieges und welche Reden wurden gehalten? Und die Bedeutung der einhundert Jahre alten Argumente, Voten und parteipolitischen Positionen für heute? Um diese Frage geht es in der anschließenden Diskussion, die wir hier dokumentieren. Es diskutierten: Peter Gauweiler, Gregor Gysi, Oskar Lafontaine und Willy Wimmer. Es moderierten: Jakob Augstein und Luc Jochimsen.“

Der Mitschnitt der szenischen Lesung findet sich hier.


.
Und hier noch ein Video mit Gregor Gysi zum Thema Kriegsgegner:

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Subhash: Drittens möchte ich noch vor der Halbheit warnen.

  1. punitozen schreibt:

    Lieber Nitya ,
    bin zornig – darum zitiere ich meiner Stimmung nach , wie folgt :

    Ein Zitat samt Abwandlung
    Ich möchte, und dies sei der letzte und der sehnlichste meiner Wünsche, ich möchte dass der letzte der Könige erwürgt werde mit den Gedärmen des letzten Priesters.

    Der ehemalige Priester Jean Meslier (* 1664; † 1729) in seinem zu Lebzeiten nicht veröffentlichten Testament.
    Die Menschheit wird erst dann frei sein, wenn der letzte Kapitalist mit den Gedärmen des letzten Bürokraten erhängt worden ist.

    Poster in der Pariser Sorbonne, Mai 1968. Manchmal auch wiedergegeben mit “wird erst glücklich sein”, statt “frei sein”. Sehr wahrscheinlich geht es auf die S.I. Situationistische Internationale zurück.

    Gefällt mir

  2. fredo0 schreibt:

    vor was wurde denn erstens und zweitens gewarnt ? ….🙂

    Gefällt mir

  3. fredo0 schreibt:

    ich habe schon subhashs interview mit romen sehr „genossen“ …😀

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s