Dattatreya: Das Selbst ist die Wahrheit

 dattaDas Selbst wird sicherlich nicht durch die Praxis
des sechsgliedrigen Yogas gereinigt.
Das Selbst wird nicht durch die Zerstörung
des Verstandes gereinigt.
Soviel ist sicher!
Es wird auch nicht durch die Unterweisungen des Lehrers rein.
Das Selbst ist die Wahrheit,
Es ist das selbst-leuchtende Eine.

aus: Dattatreya, „Avadhura Gita“

Es gibt keinen Verstand, der sattvisch genug ist, um das zu werden, was Selbst ist. Die Idee, dass sich das Selbst reinigen muss, ist schmutzig. Dieses Wort „Reinigung“ ist aus sich selbst heraus schmutzig, weil es davon ausgeht, dass das Selbst schmutzig ist und gereinigt werden muss, dass das Selbst also einer Reinigung bedarf, um das Selbst zu sein. Es ist einfach nur eine Idee, die dem Überlebensmechanismus des „Ichs“ entspringt, das überleben will. Durch die Idee, dass ich rein sein muss und durch das Wissen, dass ich nicht rein genug sein kann, um das zu sein, was das Selbst ist, kann ich bleiben, wie ich bin. Ich kann weiterhin das kleine „Ich“ sein. „Ich“ zu sein, ist ein Trick des „Ichs“. Alles, was aus dem Ich-Gedanken hervorgeht, dient dem Überleben des Ich-Gedankens, und du kannst das, was der Ich-Gedanke ist, nicht auslöschen.

Nur die Gnade des Selbst, die sich der Absolutheit dessen, was Selbst ist, gewahr wird, fährt mit der automatischen Auslöschung dessen fort, was nicht Selbst ist … aber nicht deshalb, weil der Ich-Gedanke etwas will. Das ist es, was Gnade genannt wird. Und nur durch die Gnade des Selbst wird das Selbst im Selbst ausruhen. Aber nicht durch irgendeine Idee, die einer Idee entspringt.

aus: Karl Renz, „Erstes und Letztes“

„Das Selbst“ – ich setze es mal in Tüddelchen, da es sonst vielleicht wieder für ein Ding gehalten werden könnte – das Selbst kann nicht gereinigt werden. Gereinigt können nur Dinge werden und die wiederum gehören ins Reich der Erscheinungen. Das ist sprachlich alles sehr schwierig, nein eigentlich überhaupt nicht und nicht einmal annähernd darzustellen. Wenn Karl Renz von der Gnade des Selbst spricht, zuckt bereits etwas in mir zusammen. Ist das Selbst etwa sich selbst gegenüber gnädig? Außerdem klingt das ja schon wieder schauderhaft dualistisch, wenn hier von einem „Ich“ her gedacht wird. Da ist das Selbst und da dieses erbarmungswürdige „Ich“, das auf die Gnade eines Zweiten angewiesen ist. Fredo hat gestern einen schönen Satz gesagt – alles scheinbar, versteht sich: „Arme Figur, warum hast du Angst vor Ohnmacht ? Wo du doch noch nie das geringste Quantum an Macht hattest …“ Eben.

Da gibt es ein Gebet der Dattatreya-Devotees an ihren Herrn und Meister:

Oh Dattatreya!
Trimurti Avatar!
Kind von Anusuya und Atri!
Vor Dir werfen wir uns nieder.
Du bist der Adi-Guru der Sannyasins.
Du bist die Verkörperung von Tyaga.
Du bist ein Avadhuta.
Dattatreya Dattatreya Pahimam
Datta Guru Datta Guru Rakshamam

 Ja, sacklzefixhalleluja, Dattatreya würde sich im Grab umdrehen, falls er eins hat. „Das Selbst ist das selbst-leuchtende Eine.“ Und dann werden Erscheinungen wahrgenommen. Erscheinungen, die scheinbar handeln können und z.B. beten oder fleißig die Selbst-Idee reinigen oder die Erleuchtungs-Idee verwirklichen. Karl Renz sagt: „‚Ich‘ zu sein, ist ein Trick des ‚Ichs‘.“ Als ob die Ich-Erscheinung tricksen könnte! Eine Erscheinung erscheint einfach und das isses dann auch schon. Können tut sie gar nichts. Und Dattatreya würde sich auch nicht im Grab umdrehen, weil – entweder ist er eine Erscheinung, dann kann er sich nicht umdrehen, höchstens scheinbar, oder er ist nur ein anderes Wort für das Selbst, das ja auch nur ein Wort für das Unsagbare ist, dann – kann sich das Unsagbare umdrehen? Also dann müsste es ja erst mal ein Ding sein. Isses das? Dattatreya sagt an anderer Stelle: „Ich kenne das göttliche Wesen nicht. Wie könnte ich es verehren? Ich bin selbst das göttliche Wesen, die höchste Wirklichkeit.“

dada

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10 Antworten zu Dattatreya: Das Selbst ist die Wahrheit

  1. Ingeborg schreibt:

    Jetzt liegen ganz viele Robben an Land.Sie haben mich erhört.
    Leider kann ich kein Beweisfoto machen.

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  2. fredo0 schreibt:

    Es ist schon ein Elend … diese Sprache … kaum formuliert, schon falsch …

    zum Beispiel der so überlieferte Satz „…ich bin selbst das göttliche Wesen … “
    hmmm … wenn gesagt wird ,“ich bin…“ schwingt ja sofort ein irgendwie bestimmtes „etwas“ hinterher … und dann wird das gemeinte …. falsch … denn es geht ja genau um nicht-etwas … was aber sprachlich nichtt ausdrückbar ist …
    selbst wenn etwas vorsichtiger formuliert würde, „das was ich (eigentlich) bin, ist das göttliche wesen“ , selbst dann ist immer noch eine etwas-aussage formuliert.

    tja … es ist zum verzweifeln …

    haaa ! … genau ! es ist zum verzweifeln … wie wunderbar …

    all diese sätze der „wissenden“ sie dienen womöglich gar nicht dem „richtigen“ , sondern dem verzweifeln ?!
    ich behaupte … ja !

    es ist genau dieser spagat im verstehen dieser sätze …. es ist da ein duft von „richtig“ von „fein hinweisend“ … und doch … ist es so … wort für wort als wahr/richtig genommen nur zum verzweifeln … weil … so … falsch …

    genau dies halte ich für die intensivste unterweisung der „wissenden“ . ihre worte führen nicht ins (richtig) verstehen, sondern ins dilemma .
    und nur dort ( so meine behauptung ) , in diesem dilemma , kann sich in kulminierter verzweiflung ob der unmöglichkeit des ver-stehens plötzlich der fluss des EIN-fachen zeigen…. möglicherweise … und in diesem möglicherweise istt die „gnade“ enthalten, die renz (und andere) erwähnen … denn wäre es berechenbar , beeinflussbar , wäre es nur wieder agieren, methode … so aber, in dem völligen ausgeliefertsein, wird es zum freien fall in den bodenlosen abgrund … möglicherweise .

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    • nitmoeglich schreibt:

      Möglicherweise, lieber Fredo. Aber du hast es fein auf den Punkt gebracht. Für die Wortkleber ist es furchtbar, ja wirklich ein unlösbares Dilemma und zum totalen Verzweifeln. Es ist ein bisschen wie in dieser Koan-Geschichte. Je mehr man sich anstrengt, desto vertrackter wird dieser Scheiß.

      Vor hundert Jahren hab ich mal Castaneda gelesen und ich glaube mich erinnern zu können, dass er mal empfohlen hat, die Dinge nicht scharf wahrnehmen zu wollen, sondern gewissermaßen aus dem Augenwinkel. Als ich damals meinen Beinahe-Unfall hatte, als ich beinahe zwischen zwei Lastern zerquetscht worden wäre und die Lage absolut aussichtlos schien, sah ich – und wirklich nur aus den Augenwinkel – diesen winzigen Feldweg auf der linken Seite. Lenkrad rumreißen und dahinein rasen waren eins. Hätte ich nach einem Ausweg gesucht, könnte ich diesen Kommentar nicht schreiben können. Dann wäre ich völlig zermatscht worden.

      Deswegen machen alle sog. Diskussionen hier absolut keinen Sinn. Mit Logik kommt hier niemand weiter.

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  3. fredo0 schreibt:

    Karl Renz sagt: “‘Ich’ zu sein, ist ein Trick des ‘Ichs’.”
    Nitya sagt : „Als ob die Ich-Erscheinung tricksen könnte!“

    beides richtig … beides falsch … wieder Dilemma …

    „(als ob) Ich zu sein“, ist ein automatischer Nebeneffekt der kontinuierlich im biologischen Kompendium des Körpers auftauchenden „Ich“-Erscheinung …
    die Ver-Erinnerung der Ereignisse mit/um diesen Körper als Bilder-Geschichte lässt zusätzlich (!) zur besseren BeBilderung dieser Geschichte einen „Helden“ dieser Geschichte erscheinen … das besagte „Ich“ .
    damit ist dieses „Ich“ genau genommen eine Erscheinung in der Erinnerung von Erscheinung.
    Und diese Ich-Erscheinung in einer Erinnerungsgeschichte ist ein Trick … ein Trick des Erinnerungssystemes in der Cortex des Hirnes … es ist also kein Trick des „Ichs“ , sondern das „Ich“ ist der Trick … der besseren, schnelleren, bunteren, intensiveren Erinnerung von Geschehen geschuldet .

    so würde ich es (natürlich auch „falsch“) heute formulieren.
    😀

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  4. fredo0 schreibt:

    ich weiß … auch nur konzept …
    aber
    hat jemand was anderes im angebot …😉

    für die biologie ist es ein durchaus sinnvoller konstrukt … und nur in ich-sebst-betrachtung ja ein „trick“ … damit der homo sapiens in der entstehenden gras-savanne ostafrikas überleben konnte, da ihm die bäume zum rückzug nicht mehr zur verfügung standen, musste er seinen blick ( vorsicht hinter dem busch ist ein löwe ) quasi permanent in fokussiertem modus halten … und nicht nur gelegentlich wie in der baum-zeit … und er musste strategie und taktik entwickeln, also nicht nur ein gefühl für „den anderen in der horde“ entwickeln, wie bei den primaten, sondern ein vorstellung für die gemeinsame jagd , wie denn dieses „du“ , dieser andere bei der jagd agieren wird … damit wurde vergangenheit ( da hat er sich so und so verhalten ) und zukunft ( da wird er sich voraussichtlich so und so verhalten ) zum unverzichtbaren teil des alltäglichen „bedenkens“ , und damit wurde auch ein „ich“ als agierendes zweit-„du“ geradezu unverzichtbar … nur so ist eine erfolgreiche strategie funktionsfähig …
    aus sicht der biologie ist diese ganze „ich“-nummer ja höchst effektiv und mehr als erfolgreich … gerade wenn das dann zu einer vermehrung bis zu 7 milliarden führt… was wäre daran falsch ? … da jubelt jedes arterhaltungsprogramm der natur … und dass da einzelne der gattung so etwas wie „leid“ empfinden ( im sinne des herrn gautama ) geht besagter natur recht sicher am arsch vorbei …

    also … in dem sinne … nix falsch an der „ich“-nummer … und schon gar nix zu korregieren daran .

    ( auch wenn die löwen in unserer region recht selten noch hinter büschen hocken … aber dafür womöglich jetzt ein grimmiger salafist ….;) )

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    • nitmoeglich schreibt:

      Für die Biologie? Weißt du, was für die Biologie gut ist? Ich stelle mal dagegen: Für die Biologie gaaanz schlecht. Ein ungehindertes Wachstum auf der Seite der sog Menschen auf Kosten der gesamten Artenvielfalt. Das ist biologisch gesehen eine Katastroiphe. Aber ich weiß so wenig wie du, was letztlich im Sinne der Biologie ist.

      Karl Renz sagt: “‘Ich’ zu sein, ist ein Trick des ‘Ichs’.”

      Nitya sagt : “Als ob die Ich-Erscheinung tricksen könnte!”

      Fredo sagt: Kein Trick des ‚Ichs‘ , sondern das ‚Ich‘ ist der Trick.“

      Nitya sagt: „Wer trickst denn da?“

      Fredo sagt:“Ich weiß … auch nur Konzept …
      aber
      hat jemand was anderes im Angebot … ;)“

      Nitya sagt: „Trixen ist nur eine Interpretation.
      Alles nur eine Erscheinung und niemand, der trixt.
      Sieht nur so aus, als ob …“

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