Karl Renz: erst KO, dann OK, dann immer okie-dokie


ok

Ich weiß unmittelbar um dein wahres Wesen,
das so offenbar wie der Himmel ist.
Alle anderen Erscheinungen
kommen dem Wasser einer Fata Morgana gleich.

aus: Avadhuta Gita, 1, 53

Frage: Es gibt also keine Art, sich in DEM zu festigen?

Karl: Nein. Es ist nur eine andere Art, dich selbst zu erfahren, es ist nur anders. Es ist nicht so beschwerlich. Dann ist das Gewahrsein weniger unerträglich. Es ist, als würde man ins Gewahrseins-Samadhi gehen, indem es nicht einmal keine Zeit gibt. Dann bist du im dritten Zustand – Zeit, keine Zeit und dann bist du die Leinwand, auf der Zeit und keine Zeit und Form und Formlosigkeit erscheinen. Dann bist du Gewahrsein – besser sogar – überragendes Bewusstsein. Das reinste überhaupt – wie ein Bildschirm, auf dem alle Projektionen, Raum und all das erscheinen, aber bei dir ist immer alles okie-dokie. Also erst KO (erster Zustand), dann OK (zweiter Zustand) und dann immer okie-dokie (dritter Zustand). Aber wenn du da ankommst; musst du früher oder später auch wieder los. Du musst aus der Nicht-Zeit in den Zustand der Zeitlosigkeit, ins Samadhi des reinen Gewahrseins. Aber in dem Augenblick, in dem du hierher zurückkommst, bist du genauso durstig wie davor. Es ist nur eine andere Möglichkeit, dich zu erfahren. Dann gehst du sogar vor diesen Zustand und bist trotz Anwesenheit oder Abwesenheit des Gewahrseins. Aber dann wachst du wieder auf. Du kannst nicht aufhören, dich zu verwirklichen.

aus: Karl Renz: Erstes und Letztes

Also der Dattatreya ist Oberklasse. Find ich jedenfalls. „Ich weiß unmittelbar um dein wahres Wesen, das so offenbar wie der Himmel ist. Alle anderen Erscheinungen kommen dem Wasser einer Fata Morgana gleich.“ Oder in anderer Übersetzung: “ Ich weiß, dass dein wahres Wesen offenbar ist wie der Himmel. Was scheinbar davon verschieden ist, ist unwirklich wie das Spiegelbild von Wasser.“ Das ist so ähnlich wie Seng-ts’ans: „Suche nicht nach dem Wahren, hör nur auf Meinungen zu hegen!“ Was bleibt, wenn ich Meinungen als bloße Meinungen erkannt habe und Erscheinungen als reine Erscheinungen? Ich werde mich hüten zu sagen, was dann bleibt.

„Dein wahres Wesen“, sagt Dattatreya und für ihn ist das so offenbar wie der Himmel. Er hätte auch „mein“ wahres Wesen sagen können, aber da sein wahres Wesen sich nicht unterscheidet von deinem wahren Wesen, ist es völlig gleichgültig, was er hier sagt. Alle anderen Erscheinungen, sagt er, bzw. was scheinbar davon verschieden ist, sind bzw. ist so unwirklich wie das Spiegelbild von Wasser. Wasser kann man trinken, das Spiegelbild von Wasser kann keinen Durst löschen. Eine Fata Morgana ist völlig unwirklich, aber als Spiegelbild hat es eine Spiegelbild-Wirklichkeit, so wie eine Erscheinung eine Wirklichkeit als Erscheinung und eine Meinung eine Wirklichkeit als Meinung hat. Sie alle sind nicht „das wahre Wesen“. In der zweiten Übersetzungsversion findet sich allerdings die Passage: „Was scheinbar davon verschieden ist …“, was darauf hindeuten mag, dass Dattatreya oder der Übersetzer damit ausdrücken will, dass „das wahre Wesen“ untrennbar eins ist mit allen seinen Manifestationen.

Von Karl Renz nur diese beiden Sätze zur Erinnerung: „Aber wenn du da ankommst; musst du früher oder später auch wieder los. … Du kannst nicht aufhören, dich zu verwirklichen.“ Was war doch gleich die Frage? „Es gibt also keine Art, sich in DEM zu festigen?“ Nein? Ja? Ach, das könnte schön sein …

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