nit möööglich: ich bin ein bekennendes Arschloch

 

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 Sei dir selbst ein Witz, der dich erheitert.

Osho

Ich bin ein Arschloch.

nitmoeglich

Ich bin natürlich kein Arschloch. Ich verfolge lediglich meine eigenen Interessen. Und das, um mit Wowereit zu sprechen, ist gut so. Insofern kann es sein, dass der Rest der Menschheit mich sehr wohl für ein Arschloch hält, denn schließlich verfolgt der Rest der Menschheit ebenfalls nur seine eigenen Interessen und findet es ziemlich wahrscheinlich nicht so doll, dass ich nicht ihren Interessen dienen will.

Nun sind wir, und das vermutlich nicht nur im sog. christlichen Abendland, nicht nur allzumal Sünder, wir sind auch allzu ungern Sünder. Also müssen wir allesamt unser Eigeninteresse verschleiern und flugs ein „ich will ja nur dein Bestes“ daraus basteln. Und weil das so ist, ist die Erde mit sog. Altruisten, Gutmenschen, Besserwissen, Oberlehrern, Pfaffen, Esoteriker, Spiris, … auf gut Deutsch mit gottverdammten Heuchlern überzogen. Ach, wenn doch nur alle bekennende Arschlöcher wären!

Vor vielen Jahren habe ich mal ein Tarot-Seminar-Wochenende mit Prembodhi Marion Montano mitgemacht. Ich erinnere noch deutlich, wie er ganz am Anfang in die Runde fragte, ob sich hier vielleicht ein Esoteriker aufhalten würde. Sollte dies so sein, so mögen sich der oder die Betreffenden ihre Teilnahmegebühr an der Kasse zurückgeben lassen und den Raum verlassen. Eine Erklärung dafür gab er nicht, aber ich vermute, dass er es mit intelligenten, offenen Leuten zu tun haben wollte und nicht mit irgendwelchen verbiesterten Gläubigen. Das ist übrigens der Grund, warum ich meinen Blog umgetauft habe. Offene Leere – nichts von heilig. Der Titel „Satyam Nitya oder ewige Wahrheit oder Philosophia perennis“ wurde mir entschieden zu heilig.

Als da vor einiger Zeit ein Einbrecher von mir dabei überrascht wurde, wie er gerade meine Terrassentür aufhebeln wollte, sagte er nicht milde lächelnd: „Ich tue das ja nur zu deinem Besten!“ Nein, es war klar, dass er da was zu seinem Besten tat. Er machte nicht einmal den Versuch, mich anzulügen. Er war ein wahrhaft aufrichtiger Mann. Ein bekennendes Arschloch. Was für eine kostbare Rarität! Na ja, ganz sicher bin ich mir da allerdings nicht. Hätte ich auf sein Klingeln hin die Haustüre geöffnet, hätte er mir wahrscheinlich irgendeine fromme Geschichte erzählt und wäre, ohne seine wahren Interessen zu offenbaren, möglichst bald wieder verschwunden. Da sind dann die echten Räuber, die einem eine auf die Mütze hauen oder „Geld oder Leben!“ zischen, vermutlich doch einen Tick aufrichtiger.

Aber zurück zum Anfang: Ich bin ein Arschloch und ich weiß, dass ich ein Arschloch bin. Und ich mache auch nicht den geringsten Hehl daraus. Weil das so ist, kann ich mich genüsslich zurücklehnen und diesem Arschloch, zu dem ich „ich“ zu sagen pflege, zuschauen und … und jetzt kommt Oshos Seifenblase wieder ins Spiel … weil das so ist, kann ich mir selbst ein Witz sein, der mich erheitert. „Und das ist gut so.“
hihiDer Teufel hole all die arroganten, bierernsten, angeblichen Nichtarschlöcher! Er hole natürlich auch die bekennenden Arschlöcher, wenn sie mich etwa wie im Wilden Westen einfach über den Haufen schießen wollen. Ich fürchte, der Teufel würde bei mir nicht so schnell arbeitslos werden.

Wenn ich mir das recht betrachte, bin ich immer noch und immer wieder für die Anarchie; allerdings eine Anarchie, die diesen Namen auch wirklich verdient hat. Und dann kann ich diesen Individualanarchisten weiterhin betrachten und mir dabei ein Witz sein, der mich erheitert.

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17 Antworten zu nit möööglich: ich bin ein bekennendes Arschloch

  1. Gerhard Mersmann schreibt:

    Hallo Wilhelm,
    Du magst auch Oskar Maria Graf, stimmt es?
    Gruß
    Gerd

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  2. Elwood schreibt:

    als Gläubiger will ich ja die Welt von Arschlöchern befreien!!!…
    so darf mein eigenes keinesfalls vor meinem Auge erscheinen….
    niemals nicht….
    meine Glaub-Würdigkeit wäre erschüttert….
    mein Selbstbild könnte nicht Stand halten…
    meine Vorstellungen und Meinungen hätten sodann keinen Messpunkt mehr..
    sie würden von Augenblick zu Augenblick wie Seifenblasen zerplatzen….
    mich könnt ich glatt vergessen…
    zum Glück bin ich ja kein Gläubiger….oder?…

    Die alten Kôan sind bedeutungslos
    und wollen bloß Tugend vortäuschen.
    Diese traumhaft junge Metze freilich
    trägt einen seidenen Umhang,
    der gerade einen Spalt weit offen steht.

    Ikkyû Sôjun

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    • nitmoeglich schreibt:

      zu der traumhaft jungen Metze haste kein Bild?😉

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      • Elwood schreibt:

        Jetzt hast mich am Haken, echt miese Arschlochfrage…..
        aus Respekt vor den jungen Mädels in unseren Sklavenbordellen kann ich hier nur das Bild einer jungen Bordsteinschwalbe anbieten:

        Ich hoffe als Arschloch – Gutmensch ist die Frage damit beantwortet…..

        Bin ja schließlich auch nur ein sexistisches Männerarschloch…….

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  3. Ingeborg schreibt:

    Die ham gesagt ,ich soll sagen mach ne’n Handstand.

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  4. zaungast schreibt:

    Ich denke, wenn der letzte Rest von Spiri-Idealen den Bach untergeht, dann schlägt das Pendel über zum letzten Rest Arschloch-Ideal…
    und dann wird es sich wohl auspendeln… zum echten Spiri-Arsch😉

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  5. punitozen schreibt:

    Wenn ich mir das recht betrachte, bin ich immer noch und immer wieder für die Anarchie; allerdings eine Anarchie, die diesen Namen auch wirklich verdient hat. …..

    Heute machte mir heitA!

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    • nitmoeglich schreibt:

      Ach ja. Hat sich nix geändert. Alles wie gehabt.
      Hat schon mein Vater selig nach zwei Weltkriegen gewusst:
      Der Staat ist der größte Verbrecher.

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    • Brigitte schreibt:

      Und noch ein Gedicht … warum auch nicht …

      GEDICHT FÜR DANTE
      Dante, Baby, das Inferno
      ist hier und jetzt.
      Ich wünschte, du könntest
      es sehen. Eine Zeitlang
      hatten wir die Macht
      die Welt in die Luft zu sprengen
      und jetzt entdecken wir die
      Möglichkeit, sie zu verlassen,
      doch die meisten werden
      hierbleiben müssen und
      sterben. Entweder durch die Bombe
      oder die Leichenhaufen
      oder was sonst noch
      hingekippt wird −
      Scheiße und Glas und Ruß.
      Dante, Baby, das Inferno ist
      hier und jetzt.
      Und die Leute sehen sich noch
      Rosen an, fahren Fahrrad,
      drücken Stechuhren,
      kaufen Häuser und Gemälde,
      sie werden auch weiter
      kopulieren, überall,
      und die Jüngeren
      sehen sich um und
      schreien nach einer
      besseren Welt, wie es
      die Jungen immer getan
      haben – und dann wurden sie
      alt und haben das gleiche
      Scheißspiel mitgemacht.
      Nur sind inzwischen die
      schauderhaften Verbrechen
      der Jahrhunderte angewachsen
      zu einer Belastung, die wir
      nie mehr abtragen können.
      Manche versuchen es noch.
      Wir nennen sie Heilige,
      Dichter, Verrückte, Narren.
      Dante, Baby, o Dante, Baby
      du solltest uns jetzt mal sehen.
      Charles Bukowski

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  6. Strandläufer schreibt:

    Hoch lebe die Anarschie !

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  7. Chantal schreibt:

    Scheiss drauf.🙂

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  8. Chantal schreibt:

    Träume in letzter Zeit ganz viel, wo alles hinten rauskommt. Was reingeht, muss ja auch irgendwo wieder rauskommen. Alles nur Energie. Ein Arschloch ist wie ein kleines Weltall, wenn ich ein Vergrösserungsglas benütze.

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  9. Strandläufer schreibt:

    Du bist aber gelenkig! ;-))

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