Altern und Reifen – der horizontale und der vertikale Weg


Symbol
Es gibt zwei Wege: Der eine verläuft horizontal – von der Kindheit zur Jugend, zum Alter, zum Tod. Der andere verläuft vertikal – von der Kindheit zur Jugend, zum Alter, zur Unsterblichkeit. Diese zwei Dimensionen haben eine völlig verschiedene Qualität; sie sind unendlich verschieden. Ein Mensch der bloß jung ist, alt wird und stirbt, hat sich nur mit seinem Körper identifiziert. Er hat nichts von seinem Wesen erfahren, denn das Wesen wird nie geboren und stirbt nie. Es ist immer da – es ist immer schon dagewesen und es wird immer da sein. Es ist die ganze Ewigkeit. Auf der vertikalen Ebene wird aus dem Kind ebenfalls ein Jugendlicher, aber dieser Jugendliche wird anders sein als der auf der horizontalen Ebene. Seine Kindheit ist unschuldig, aber von da aus tun sich ihm ganz andere Dimensionen auf. Die Jugend auf der horizontalen Ebene besteht nur aus Sinnlichkeit, Sexualität und allem möglichen Unsinn. Auf der vertikalen Ebene ist Jugend eine Suche nach Wahrheit, eine Suche nach dem Leben – ist sie eine Sehnsucht danach, sich selbst zu erfahren.

Auf der Horizontalen bedeutet Alter nichts als Todesangst, Heulen und Zähneklappern. Hier denkt der alte Mensch nur noch ans Grab und ans Dunkel, das von Tag zu Tag dunkler wird, kennt er sich selbst nur als Skelett. Auf der vertikalen Linie ist das Alter ein Fest, ist es so schön, wie es für den Menschen nur sein kann

Die Jugend ist zwangsläufig ein bisschen töricht, weil sie unerfahren ist. Doch das Alter hat seine Erfahrungen gemacht – die guten und die schlechten, die richtigen und die falschen – und hat nun ein Stadium erreicht, wo es von nichts mehr beeinflusst wird, was mit Körper oder Verstand zu tun hat. Alles ist ein Willkommenheißen! Auf der vertikalen Ebene hält das Alter dem höchsten Gast die Türen offen, auf dass er eintreten kann. Da ist es nicht das Ende, sondern der Anfang eines wirklichen Lebens, eines authentischen Seins.

Deshalb betone ich ständig den Unterschied zwischen Altern und Reifen. Nur wenige Menschen haben das Glück, je reif zu werden. Der Rest der Menschheit wird lediglich alt und geht auf den Tod zu. Nur auf der vertikalen Ebene gibt es keinen Tod, denn da geht es in die Unsterblichkeit, ins Göttliche. Und ein Mensch, der in dieser Dimension alt wird, besitzt Würde um Schönheit, Mitgefühl und Liebe.

aus: Osho, „The Imitation #27“ – http://www.aging-alive.de/osho.html

Na, dann will ich mich mal wieder als Seifenblasenrestaurator betätigen. Ich liebe einfach Oshos Seifenblasen. Also, da sagt er, der Herrlichste von allen: „Auf der Horizontalen bedeutet Alter nichts als Todesangst, Heulen und Zähneklappern. Hier denkt der alte Mensch nur noch ans Grab und ans Dunkel, das von Tag zu Tag dunkler wird, kennt er sich selbst nur als Skelett.“ Ach du grüne Neune! Tu ich das etwa? Also nee, da hab ich echt was Besseres zu tun.

Was Osho da sagt, ist im Grunde genau das, was Jesus mit seinem „von der Welt – nicht von der Welt“ angesprochen hat. Und natürlich hat das nichts mit einem Entweder-Oder zu tun.

Wenn Osho sagt: „Es gibt zwei Wege: Der eine verläuft horizontal – von der Kindheit zur Jugend, zum Alter, zum Tod. Der andere verläuft vertikal – von der Kindheit zur Jugend, zum Alter, zur Unsterblichkeit.“, dann liest sich das vielleicht so: „Also, da gibt es zwei Wege. Entscheide dich, ob du den linken oder den rechten Weg gehen willst. Einer von beiden ist der falsche, aber das wirst du erst hinterher begreifen.“ Also so habe zumindest ich das nie erfahren. Es waren immer zwei Wege, die sich gegenseitig durchdrungen haben. Mal lag der Akzent mehr auf dem einen Weg, mal mehr auf dem anderen. Wenn ich zwei Eichhörnchen zuschauen, wie sie um eine der beiden Lärchen herumtollen, immer eines hinter dem anderen im ständigen Wechsel den Baum rauf und runter, dann erinnert mich das ein wenig an das, was ich sagen will. Es ist wie ein Spiel der beiden Wege. Den Rest meines Lebens im Samadhi hocken und nicht mehr am Leben teilhaben – das wäre eine totale Gruselvorstellung für mich. Und genauso ist es eine Gruselvorstellung, von dem abgeschnitten zu sein, was mich ein Leben lang getreulich begleitet hat.

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9 Antworten zu Altern und Reifen – der horizontale und der vertikale Weg

  1. Giri schreibt:

    Nitya hat sich vorgenommen, mir Osho zu vermiessen. Naja. Also geb dir Mühe.

    Der horizontale Weg ist der der Transzendenz (Mindfuck pur), der vertikale (es gibt nur den – der Weg des fliessenden Jetzt) ist der der Immanenz. Aber dieser muss ja nicht ein ängstlicher sein. Zhuangzi und Laotse vertreten z.B. ein nur vertikaler Weg.

    „Der Wahre Mensch des Altertums kannte weder die Liebe zum Leben noch die Angst vor dem Tod; er freute sich nicht hervorzutreten, noch widersetzte er sich der Rückkehr. Beiläufig ging er dahin, beiläufig, beiläufig kam er wieder. Er vergaß nicht, was sein Ursprung war, und suchte nicht zu wissen, was sein Ende sein würde. Fröhlich nahm er an, und seiner selbst vergessend, kehrte er zurück. Das ist gemeint mit ‚dem WEG nicht mittels des Verstandes schmälern, dem Himmel nicht mittels des Menschlichen aufhelfen‘. Das ist es, was wir den Wahren Menschen nennen. “

    „Woher weiß ich denn, ob mich die Freude am Leben nicht in die Irre führt? Woher weiß ich denn, ob ich, wenn ich den Tod verabscheue, nicht wie ein schwaches, junges Kind bin, das sich verirrt hat und nicht weiß, dass es heimkehrt?“

    Zhuangzi

    „Leben und Tod bilden eine Einheit. Dennoch allein für das Leben eine Vorliebe zu haben
    bedeutet, dass Wünschen und Wandel in einem Widerspruch zueinander stehen. Also weiß man (im Leben) noch nicht, ob die Vorliebe für das Leben nicht (vielmehr) eine Verwirrung ist.“

    Guo Xiang

    Und das ganze Horizontale Gesox, egal ob Unsterblichkeit oder Bewusstsein, ist letztlich eine Vorliebe fürs Leben zu haben. Das Jetzt ewig ausdehnen zu wollen.

    Und noch einen aus Griechenland und einen aus Japan:

    „Der Weg hin und her ist ein und derselbe“
    „Alles fleisst und alles vergeht“
    Heraklit

    Und das ist gut so.

    „Wenn du stirbst, stirb einfach.“
    Kodo Sawaki (Aber ähnliche Aussagen gibts auch im Jodo Shinshu)

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  2. Marianne schreibt:

    Danke für diesen schönen Text und das neue Banner…🙂

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  3. Brigitte schreibt:

    Keinerlei Botschaft,
    Sommer und Winter wechseln.
    So sind die Dinge.
    Chögyam Trungpa

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  4. Elwood schreibt:

    nit möööglich!

    Manitas De Plata konnte mit neun Jahren schon meisterhaft Gitarre spielen ohne eine Note lesen zu können. Ein Gespür für Klang gespeist aus dem Grundton in eine Lebensform überführt.
    – das ist nit möööglich „zu machen“. Es reift oder es reift nicht.
    Sacht der Elwood mal so…
    außerdem freut sich Elwood wie ein kleines Kind über Dein neues Blog-Bild lieber Nitya(oder gibet ein neuen Nickname?)
    Herzlichen Gruß allen Clown’s

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  5. nitmoeglich schreibt:

    Es reift oder es reift nicht.
    Sacht der Elwood mal so…

    Na, wenn der Elwood dat mal so sacht, dann isset wohl so

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