Alan Watts: wahre Siddhi sind, was im Weltall geschieht


ruhen
Der Hsien-Taoismus mit seinen Praktiken mittels Yoga und Alchemie Unsterblichkeit oder zumindest ein sehr hohes Alter zu erreichen, war beinahe schon die Antithese der Lehren des Lao-tzu und Chuang-tzu. Solche Praktiken gab es schon zu Chuang-tzus Zeiten, weil er sich über sie lustig macht:

Ausatmen und einatmen, das Ausstoßen des alten Atems und das Einsaugen des neuen, das Räkeln wie ein Bär und Recken wie ein Vogel – all das ist ein künstliches Tao [tao-yin], das die Hygieniker pflegen in der Hoffnung, so lange zu leben wie P’eng Tsu.

Dies erinnert an den Unterschied im Buddhismus zwischen dem Weg der Weisheit (prajna) und dem Weg der Macht (siddhi). Möglicherweise erlangt man durch intensive Erkenntnis übernatürliche Kräfte, insofern diese nicht gewaltsam herbeigewünscht oder in Anspruch genommen werden; oder man erlangt sie nicht, denn die wirklich Erwachten wissen, dass ihre wahren siddhi all das sind, was im Weltall geschieht. Andererseits können siddhi wie Telepathie und Hellseherei durch bestimmte Disziplinen erlernt werden, so wie man Übungen zur Körperpflege macht. Bringt man es aber in den Disziplinen auch noch so weit, sie führen nicht zu prajna, sondern behindern es eher, indem sie die Art von Egozentrik fördern, die man oft bei großen Sportlern oder Schauspielern findet.

aus: Alan Watts, „Der Lauf des Wassers“

Man erlangt siddhi oder man erlangt sie nicht. Shitegal. Solange siddhi als persönliche Errungenschaften gesehen werden ist eh Hopfen und Malz verloren. „Die wirklich Erwachten wissen, dass ihre wahren siddhi all das sind, was im Weltall geschieht.“ Wenn klar ist, dass alles aus sich selbst heraus geschieht, muss wei wu wei nicht mehr „gemacht“ werden.

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8 Antworten zu Alan Watts: wahre Siddhi sind, was im Weltall geschieht

  1. fredo0 schreibt:

    Ich muss sagen, dass für mich die Erwartung/Behauptung einer speziellen „Präsenz“ dessen „davorne“ auch eine Art Erwartung von Siddhi ist.

    Ich habe da eher eine linkische Körperhaltung oder gar Mundgeruch bemerkt .
    Und doch waren die Worte irgendwie „wirkend“ .

    Irgendwie war mir diese Übertragung von inspirierenden Worten auf eine besonders „präsente“ Person nie vergönnt.

    ob ich zu vermissen habe ?

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  2. Chantal schreibt:

    Männer unter sich. Ich passe.🙂

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  3. Ikkyu schreibt:

    Zen-Meister Dogen in seinen Kommentaren über Siddhi :

    „Wasser holen und Brennholz tragen,
    welch übernatürliche Kraft
    und welch wunderbahres Wirken“ ….

    _( )_

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