Milton Erickson: lass uns so tun, als ob …


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Milton Erickson sagte einmal zu Richard Bandler, welcher sich selbst nicht für einen Therapeuten hielt:

Nun, lass uns so tun, als ob … du ein Therapeut bist, der mit Leuten arbeitet. Das Allerwichtigste, … wenn du so tust, als ob…, ist, zu wissen, …, dass du es eigentlich nicht bist… Du tust nur so, als ob … Und wenn du in dem So-tun-als-ob wirklich gut bist, dann werden die Leute, mit denen du arbeitest, so tun, als würden sie sich verändern. Und sie werden vergessen, dass sie nur so tun, als ob … für den Rest ihres Lebens. Hauptsache, du lässt dich dadurch nicht täuschen.

Keine Ahnung mehr, wo ich das mal gefunden habe. Aber ich finde es immer noch spannend. Das Zitat erinnert mich natürlich sofort an den deutschen Philosophen des „Als ob“ Hans Vaihinger mit seinem von mir schon des Öfteren wiederholten Satz: „Handle, als ob du der Handelnde wärest, mit dem Wissen, dass du nicht der Handelnde bist.“ Ich  bitte auch hier, den Imperativ mit Nachsicht zu behandeln.

Milton Erickson sagt also: „Das Allerwichtigste, … wenn du so tust, als ob…, ist, zu wissen, …, dass du es eigentlich nicht bist… Du tust nur so, als ob …“ Er schreibt dann zwar auch noch was zu der möglichen Wirkung, fügt aber sofort hinzu: „Hauptsache, du lässt dich dadurch nicht täuschen.“ Es geht ihm nicht um die Wirkung, auf die sich vielleicht viele Epigonen sofort stürzen wollen: „Hauptsache, ich bin erfolgreich als Milton-Erickson-Therapeut.“ Es geht ihm um etwas viel Tieferes, um etwas, das er als das Allerwichtigste bezeichnet. „Nun lass uns so tun, als ob …“ … du Therapeut bist – oder ein Mann oder eine Frau – oder ein Atheist oder ein Buddhist – oder … hm, ja … ein Mensch. Lass uns doch einfach mal so tun, lass uns damit spielen. Du könntest es auch mal mit einer Glühbirne versuchen oder mit einem Eichhörnchen. Es kommt nicht drauf an. Hauptsache ist nicht der Erfolg, Hauptsache ist, dass du nicht vergisst, dass du nur so tust, als ob du das wärest, was du vorgibst, tatsächlich zu sein.

Ein Irrenarzt kriegt zwei neue Patienten. „Ich bin euer Arzt“, stellt er sich vor. „Und ich der Kaiser von China!“, antwortet der erste Patient. Der Arzt: „Ach? Wie kommen Sie denn auf die Idee?“ -„Das hat mir Gott gesagt!“, antwortet der erste Patient im Brustton der Überzeugung. Darauf der andere Patient: „Nein, habe ich sicher nicht!“

Schade, dass niemand auf die Idee gekommen ist, den Arzt zu fragen, wie er auf die Idee kommt, Arzt zu sein. Das Blöde ist, dass alle Welt versucht, so zu tun, als ob man wäre, was man zu sein versucht. Kaum ist das leidlich gelungen, wird vergessen, dass man nur versucht hat, etwas zu sein, was man gar nicht ist. Dieses Vergessen, macht aus jedem potenziellen Weisen einen Irren.WII.

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11 Antworten zu Milton Erickson: lass uns so tun, als ob …

  1. Elwood schreibt:

    Ich kann mich noch erinnern, wie ich als Kind diese „zu tun als ob“- Spiele mir viel Spaß machten.
    Irgendwann wurde dann dieses spielende Kind vergessen.
    Schade eigentlich…
    Aber es ist ja nie zu späht…
    Wieder spielen zu gehen….

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  2. punitozen schreibt:

    Eure Als-ob-Majestät , Wilhelm-Nitya ,
    kollosales Auf und abgeistern ,Heute-Hier .
    Hurra , hurra , hurra !
    Eurer als-ob-allergnädigster
    Hofnarr
    PUNITO

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  3. Chantal schreibt:

    Nun, lass uns so tun, als ob … Schöner Eintrag heute.
    Das haben mein Mann und ich heute auch getan, weil das 4 jährige Enkelkind da war. Da ist es so normal, dass wir die Rolle der Grosseltern spielen, uns für Stofftiere interessieren, ihnen unsere Stimmen geben, die auf Papier gemalten Schlangen wunderschön finden, und den Knetfiguren ein Leben einhauchten. Wir finden beide, dass uns der Zauber gelungen ist und das Enkelkind gerne wieder zu uns kommt.
    Ich denke, die meisten“Satsanglehrer“ machen das heute auch so. Sie zaubern eine Bühne hin, dass man sich mit ihnen zu Hause fühlt, so dass man gerne wieder kommt. Oder sie spielen den Pausen-Clown, der sich selbst nicht ernst. Doch wenn er virtuos ist, fahren manche bis nach Indien mit ihm. Ich lese gerade mal wieder Karl Renz. Der sagt ja nichts anderes, als …so tun als ob.
    Ich habe seit einiger Zeit kein Verlangen mehr nach „Wahrheiten“. Diese Gier hat sich wie eine Seifenblase aufgelöst. Jede „Wahrheiten“ wurde von einer anderen „Wahrheit“ hinweg gefegt. Genau wie hier in Nidya’s Blog. Es ist, was es ist. Nicht dies, nicht das. Alles hat Platz. Einfach unterhaltsam.
    Ob ich mich da täuschen lasse, spielt doch keine Rolle. Wenn alles Täuschung ist, alles Lila, alles Spiel?
    Auch der Tod? Das ernstete Spiel, das nicht mehr rückgängige Spiel. Und dann halt: Spiel mir das Lied vom Tod. Hab ich jetzt die Stimmung hier vermasselt? Das wäre die Nagel-Probe.:-)

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    • Nitya schreibt:

      Liebe Chantal,

      da musst du dich schon mehr anstrengen, wenn du uns hier die Stimmung vermasseln willst.

      Kleine Frage: Was ist eigentlich am Tod ernst?

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      • Chantal schreibt:

        Lieber Nitya,
        Für den Partner, der zurück bleibt, fühlt es sich ernst an. Er hat dann keinen Partner mehr zum spielen.
        Oh, jetzt hab ich in meinem Kommentar sogar deinen Namen mit „d“ geschrieben. Sorry, ich werde nachlässig. So klingt dein Name für mich niedlicher.🙂

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      • Nitya schreibt:

        Mit meiner Frage, was am Tod ernst sei, meine ich natürlich den Tod selbst.
        Dass der Tod eines Partners für den Zurückbleibenden in aller Regel eine Katastrophe darstellt, steht außer Frage.

        Niedlich ist doch hübsch, liebe Chantal.
        Du darfst auch Nidyalein schreiben.
        Aber dann darf ich auch Chandalchen schreiben.😉

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  4. Chantal schreibt:

    Chandalchen, süss, könnte auch nach einem Fisch klingen. So zum überall entschlüpfen.
    Gerade habe ich einen Tierfilm im ORF 2 angeschaut. Das harte Überleben auf der Wildbahn. Von den Jungtieren überleben nur die Fittesten oder durch Zufall. Wie die Menschen sich selbst überleben steht ja auch in den Sternen. Der Tod ist weder ernst, noch lustig. Er ist.
    Auch wir sind schon im Rachen das Tigers. Dir eine gute Nacht.🙂

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