Adi Shankaracharya: Setz dich an einen einsamen Platz


Adi Shankaracharya
Ich habe keine Attribute, Ich lebe ohne zu atmen.
Ich bin ewig, formlos, für immer frei.

Ich bin das Gleiche in Allen,
Ich erfülle alle Wesen mit Sein,
Ich bin grenzenlos, nicht-dual,
reines Bewusstsein.

Der tiefe Eindruck „Ich bin das Selbst“
– hervorgerufen durch beständiges Üben –
beseitigt Unwissen und Unruhe,
so wie Medizin Krankheit beseitigt.

Setz dich an einen einsamen Platz,
halte deine Sinne in Kontrolle,
befreie den Verstand vom Begehren
und meditiere mit beständiger Aufmerksamkeit auf das Selbst,
das Eine ohne ein Zweites.

aus: Adi Shankaracharya, „Erkenntnis des Selbst

„Setz dich an einen einsamen Platz.“ Ich muss gerade an Oshos „Meditation auf dem Marktplatz“ denken. Meditation, die nur an einem einsamen Platz funktioniert, ist nicht viel wert. Ja – aber: Wer kann schon mit der Meditiererei mitten in einem Großraum-Büro oder autofahrenderweise in der Innenstadt einer Millionenstadt anfangen? Das ist vermutlich einfach eine praktische Erfahrung, die hier weitergegeben wird. So ein Rat hindert ja auch niemanden, es ganz anders zu probieren. Später wird dann der äußere einsame Platz vielleicht zu einem ständig präsenten inneren einsamen Platz.

„Der tiefe Eindruck ‚Ich bin das Selbst‘ – hervorgerufen durch beständiges Üben – beseitigt Unwissen und Unruhe, so wie Medizin Krankheit beseitigt.“ An diesen Zeilen wird klar, worum es geht. Unwissen und Unruhe scheinen dem Erkennen, dass ich das Selbst bin, im Wege zu stehen. Ich bin das Selbst, auch wenn es nicht erkannt wird. Aber was bringt diese Wahrheit, wenn sie für mich nicht wahr oder nur theoretisch wahr ist? Shankara empfiehlt beständiges Üben. Das Vergessen der Wahrheit, dass ich das Selbst bin, ist wie eine tiefe Hypnose. Die Kraft der Hypnose soll gebrochen werden durch regelmäßiges Erinnern, sodass die Wahrheit der Selbst-Erkenntnis immer tiefer ins Bewusstsein einsinken kann. Die Neti-Neti-Methode führt relativ schnell zur Selbst-Erkenntnis, wird dann aber meist sofort wieder vergessen. Zurück bleibt dann vielleicht rein theoretisches Wissen, das nicht viel bewirkt oder möglicherweise mehr hinderlich als förderlich ist. Das, was oft „Neo-Advaita“ genannt wird, unterscheidet sich vom klassischen Advaita vielleicht weniger durch die getroffenen Aussagen, als durch die Tiefe und Beständigkeit der Selbsterkenntnis.

Das Atma Bodha von Shankara kann leicht auswendig gelernt und dann bei passender Gelegenheit mit eigenen Worten wiedergegeben werden. So kann sich jeder Idiot erleuchtet fühlen und dies einem staunenden Publikum weismachen. Je mehr Anhänger er um sich sammeln kann, desto mehr kann er selbst an seine Erleuchtung glauben. Das Atma Bodha kann aber auch als Erinnerung benützt werden, die zu einer tiefen Meditation werden kann. Wieder und wieder und wieder – bis die Hypnose ihre Kraft verloren hat.
Kürzlich hatte ich einen Text von Tan Kalaycioglu im Blog. Ich hatte mich gewundert, warum sein Text nicht mehr verlinkt war. Wer sich diese Seite betrachtet, wird vielleicht verstehen. Vielleicht ist es möglich, kein Besser oder Schlechter daraus zu machen, sondern beide Facetten als gleich gültig nebeneinander bestehen zu lassen.

sisyphus

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26 Antworten zu Adi Shankaracharya: Setz dich an einen einsamen Platz

  1. fredo0 schreibt:

    zu nitya … von krishna menon, einem der in der liste aufgeführten hatte ich dir ja auch berichtet … er wird als der dritte der „großen“ des advaita gesehen , neben ramana und nisargadatta …

    es entspricht der schlichten indischen tradition, diese gurutraditionen zu sehen . sie sind für den westlichen sucher n.m.m. weder nützlich noch hinderlich.
    was ich an den worten des krishna menon sehr fruchtbar finde, ist seine quasi wiedereinführung des „ichs“ in seine konzepte.
    die anfangs eher selbst-demonstrative vermeidung des wortes „ich“, gewinnt bei ihm recht schnell eine „entspanntere“ deutung.
    wer des englischen zumindest halbwegs mächtig ist, dem sind seine texte sehr zu empfehlen.
    leider gibt es meines wissens noch keine profunden deutschen übersetzungen.

    zum text des adi ….
    atma vichara , also die erforschung des „was bin ich selbst“, führt bei intensiverer übung wohl tatsächlich zu einer maximalen ausdehnung dieses „ich-selbst“ , damit wird es quasi grenzenlos und damit (indirekt) dem persönlichen enthoben.

    doch … und darauf weist karl renz so vortrefflich hin … es verbleibt damit doch als form … die erste der formen …doch immer noch … form !
    viele der heute als „spirituelle lehrer“ arbeitenden sind genau mit dieser „ersten form“ identifiziert.
    als patrick aigner zurück vom forum erleuchtung, etwas echauffiert, seinen ersten kommentar im internen fb-blog abgab, schrieb er recht erschrocken „mensch , die stecken ja alle noch im „ich bin“ fest und machen einen auf lehrer“ ( statt auf leerer ) …
    dies soll keine abwertung sein , doch ist es wohl schon von irgendeinem unterschied, ob sich ein „ich“ durch „ich-erforschung“ zum „selbst“ aufgeblasen hat , oder ob die „ich-blase“ vom SELBST (selbst) „aufgestochen“ wurde.
    es ist reichlich heikel darüber zu schreiben, da es doch sehr nah an arroganz und irgendeiner überheblichkeit klingt , es ist jedoch ( zumindest für mich ) auffallend, dass viele dieser „lehrer“ halt nicht leeren sondern lehren. das „bodhisatva-schulen“ und „bewusstseins-erweiterungen“ verkündet und den besuchern sogar avisiert werden.
    während die, die den picks der leere in die „eigene“ blase erlebten, halt auch weiterhin nur „picksen“ können.

    noch was … wenn „neti-neti“ zur methode wird, ist da wieder „machen“ und ein erpichtsein auf wirkung.
    neti-neti ist jedoch keine methode „um zu“ , sondern es ist quasi „altersweises resumee“ !
    -ich und die welt- ist in bedeutung und besonderung einfach nur „neti-neti“ und daraus folgt einfach nur > leben … eben ! mit einem weiterhin auftauchenden „ich“ und einer „welt“ aber ohne eine über dies schlichte auftauchen hinausgehende bedeutung oder besonderung . ( noch nicht einmal besondert mit einem maximal ins grenzenlose „selbst“ aufgeblasene ich, sondern höchst zufrieden mit dem stinknormalen )

    das zum „sebst“ aufgeblasene „ich“ will dies auch „sein“ . (zumindest)
    während das „gepickste“ ich einfach zurückfällt in ein schlichtes >leben … eben !

    nun ja … wohl auch nur so ein hirngewichse …😦
    ich konnte nicht verhindern, dass es sich so formulierte …

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    • IamAlways schreibt:

      Das Atma Bodha von Shankara kann leicht auswendig gelernt und dann bei passender Gelegenheit mit eigenen Worten wiedergegeben werden. So kann sich jeder Idiot erleuchtet fühlen und dies einem staunenden Publikum weismachen. Je mehr Anhänger er um sich sammeln kann, desto mehr kann er selbst an seine Erleuchtung glauben.

      Lieber Nitya, danke für das Lachen und für die treffliche Beschreibung einiger Lehrer. Was die einzelnen Methoden auf Dauer wirklich bringen, hast Du mit dem süßen, Kugel schiebenden Männeken :-))) schön dargestellt.
      Ich finde, Fredo beschreibt es sehr gut. Die Erwartungshaltung nach Verbesserung ist oft das Hindernis.

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    • IamAlways schreibt:

      Oh Gott, Fredo…..ich war mit Dir im Unfrieden, muß das jetzt mal öffentlich machen-:-)))…..fand deine Beiträge bisher hochtrabend, sehr theoretisch und vor Besonderheit triefend :-))
      Nachdem ich meine Beiträge hier, im nachhinein ebenso empfand, erkannte ich die Täuschung……I love you…..bist doch ein treuer, unerschütterbarer Diener des Herrn ;-))

      Zu Nityas Thema>
      Ramana Maharshi sagte einmal, der 1. Gedanke beim Aufwachen, ist bereits ein Ich-Gedanke. Aus meinem Verständnis und Erfahrung heraus, sagte er damit nichts anderes, als das wir, solange wir in diesem Körper und Weltgeschehen leben, in der Ich-Geschichte sind….wie könnte es auch anders sein.
      Viele machen eine Trennung zwischen Ego und Wahrheit, wo es in Wirklichkeit keine gibt. Wahrheit taucht als Ego auf und Ego sinkt in Wahrheit ein…..beides ist Eins, keine Trennung.

      Wenn man sich dieser Tatsache nähern kann und sich das verinnerlicht, dann hört jeder Kampf auf, dann kann ein Loslassen geschehen, in der die Wahrheit Raum bekommt.

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  2. Jens Gantzel schreibt:

    Im ersten Moment dachte ich, dass in dem Zitat aber ziemlich oft die Rede von ‚Ich, Ich, Ich…‘ ist. Der zweite Impuls war: „Uff, viel Bemühen…“
    Und dann hab ich aus dem Fenster geschaut, sehe den Wind durch die grünen und gelben Blätter der Robinie pusten, höre die Stimmen meiner Mitbewohnerinnen aus der Küche, den Rasemäher und Laubbläser auf den Nachbargrundstücken lärmen…
    Mittlerweile bin ich okay damit, unvollkommen und gleichzeitig achtsam sein zu können…🙂

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    • IamAlways schreibt:

      Jens, dem ICH wirst du niemals entrinnen, auch nicht dann, wenn die Bäume ihre Blätter vom Herbstwind davon tragen lassen :-)))

      ähm…meine ICH….Klugscheißer…..wie bereits bekannt :-)))

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      • Jens Gantzel schreibt:

        🙂 Ach, dem ICH will ich auch gar nicht entrinnen. Eine Schaufel Gelassenheit und locker sein mit ICH und Identifikation und Annahme ist auch ’ne Menge Wert. :))

        Klugscheißern… kann nicht sagen, dass mir das Phänomen fremd wär.😀

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      • IamAlways schreibt:

        🙂 Ach, dem ICH will ich auch gar nicht entrinnen. Eine Schaufel Gelassenheit und locker sein mit ICH und Identifikation und Annahme ist auch ‘ne Menge Wert. :))

        :-)))….also alle Hände voll zu tun :-)))

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  3. Nitya schreibt:

    „Und dann hab ich aus dem Fenster geschaut, sehe den Wind durch die grünen und gelben Blätter der Robinie pusten, höre die Stimmen meiner Mitbewohnerinnen aus der Küche, den Rasemäher und Laubbläser auf den Nachbargrundstücken lärmen…“

    Lieber Jens, danke für diese hochspirituellen Zeilen!🙂

    Ob jemand „ich“ sagt oder sich bemüht oder neti-neti als Methode benützt oder macht und tut oder sein Ich zur allumfassenden Blase aufbläst oder die Linde rauscht … nichts ist verkehrt daran. Es ist das, was zu geschehen scheint. Kein Unterschied zu dem, was Jens beschreibt.

    Sag ich mal so vor mich hin. Scheiße, jetzt hab ich schon wieder „ich“ gesagt! Das gibt jetzt aber einen Punktabzug.😦

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  4. Hanna schreibt:

    hallo nitya, ich lesen hier über einen gast schon seit einigen Zeit mit, und now eine frage an dich. dem advaita wird oft vorwurf gemachen, das es „nihilisitisch“ sein. was ist dein verstehen von „nihilismus“
    Vielen Dank

    Hanna

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    • Nitya schreibt:

      Liebe Hanna,

      nimm das jetzt bitte nicht als Abschmettern deiner Frage. Es ist nur so, dass ich mich außerstande sehe, sie zu beantworten.

      Das fängt ja schon an mit diesem Advaita. Wie kann man dem Advaita einen Vorwurf machen? Advaita ist einfach ein Wort und steht nach allgemeinem Verständnis für Nicht-Zweiheit. Es ist also nur ein Fingerzeig. Ein Finger, der auf „Kein Ding“ verweist. Kein Ding ist nicht „Nichts“. Im Deutschen haben wir leider kein Wort für „Kein-Ding“. Da ist das Englische mit seinem „No-Thing“ besser dran. Wenn wir das jetzt rüberschieben auf die philosophiosche Ebene, dann wäre Nihilismus der falsche Begriff. Wir müssten einen neuen Begriff kreieren. Nachdem dies meines Wissens bisher nicht geschehen ist, werden wir es wohl auch weiterhin mit diesem völlig unpassenden Nihilismus zu tun haben. Dabei wird uns eine Definition des Begriffs Nihilismus auch kein bisschen weiter helfen. Wie gesagt, der Begriff passt aus meiner Sicht einfach nicht. Insofern macht es keinen Sinn, sich mit diesem Vorwurf zu befassen.

      Einen lieben Gruß
      Nitya

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  5. Giri schreibt:

    „Ich lebe ohne zu atmen.“

    Nicht zu atmen, und sei es nur für 10 Minuten, befreit von so fast allem.

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  6. fredo0 schreibt:

    mal mein versuch ….

    nihilismus … verneint den wert jegliches objektes … aber halt nicht das objekt an sich … es bleibt halt ein ( wertloses ) objekt im denken des nihilismus …

    advaita … weist darauf hin , dass jedes objekt nur erscheinung ist … also ohne (echte) eigen-existenz ist … jedoch als erscheinung durchaus seinen (erscheinungs)wert hat …

    nihilismus ist rein wertend … indem es einen nicht-wert von allem behauptet …
    advaita ist rein hinweisend … indem es auf das einzige „wirklich“ existierend EINE hinweist , dass dann alles (nur) erscheinen lässt .

    oder noch anders
    nihilismus verneint wirklichkeit als basis der welt
    advaita betont sogar dass wirklichkeit die einzige basis der welt ist, nur ist halt nur das EINE = Wirklichkeit, während Alles = Abbild ( aus dem EINEN ohne ein zweites ) ist.

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    • Hanna schreibt:

      viele danke fredo für dein worte. du schreiben, das es das EINE gibt. was ist unterschied zwischen EINE und erscheinung ? ist erscheinung subjektiv und das EINE wahr ? was ist unterschied zwischen EINE und ERSCHEINUNG ? haben sie beziehung ? welche rolle spielen ERSCHEINUNG ? wenn es NUR das EINE gibt, ist dann erscheinung auch das EINES ? oder wird unterschied zwischen EINE und erscheinung nur im kopf gemacht
      Hanna

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      • fredo0 schreibt:

        werte hanna … ich will dir gerne antworten … doch zuvor , warum willst du das wissen, bzw.erfragen ?
        was soll dir die formulierung einer „letzten wahrheit“ eines anderen nutzen ?

        und … die frage drängt sich mir ebenfalls auf … wie kommt es zu deiner sprache ? einerseits recht hochqualifiziertes deutsch und dann irgendwie ins als ob nicht so richtig deutsch gequetscht ? dies liest sich nicht sonderlich authentisch … sondern irgendwie gekünstelt …
        nach deiner anwort, werde ich gerne ins weltanschauungsbefragungsquiz einsteigen.

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      • Ikkyu schreibt:

        Sehr gute Frage …. he he he ….. yep, WAS ist eine Erscheinung Verehrter Fredo und aus welcher Substanz besteht sie im Gegensatz zum EINEN ? Im welchen Verhältnis und in welcher Beziehung stehen Erscheinung zueinander?. IST Erscheinung nur eine Erscheinung in unserem Kopf oder ist sie „objektiv“ ? Wenn Advaita das EINE ohne ein ZWEITES ist wie du es propagierst, dann IST Erscheinung doch ein Zweites, also etwas das neben oder VOR dem EINEN steht …. BEDINGEN Erscheinung und das EINE sich gegenseitig ? Warum gibt es Erscheinung ? Warum wird Erscheinung als ERSCHEINUNG wahrgenommen ? IST Erscheiung eine getäuschte Wahnehmung aufgrund unseres getäuschten (Unerwachtheit) Bewustseins ? WAS ist Erscheinung im Moment des Erwachten Bewustsein ? Was ist Erscheinung im Moment des „Durchtröpfelns“ ? Ist Erscheinung nur deshalb Erscheinung, weil im „Nachhinein“ (in der nachträglichen Erinnerung des EINEN) die Erscheinung als Erscheinung Interpretiert ?

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      • Ingeborg schreibt:

        Für Fredoo,der aus Buchstaben ganz lange Sätze zaubärn kaan.Den Künstleer der sprache.LG.Ingeborg

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  7. Chantal schreibt:

    „Die Kraft der Hypnose soll gebrochen werden durch regelmäßiges Erinnern, sodass die Wahrheit der Selbst-Erkenntnis immer tiefer ins Bewusstsein einsinken kann. Die Neti-Neti-Methode führt relativ schnell zur Selbst-Erkenntnis,“ schreibt Nitya oben.
    Ludmilla und Roland, sie nennen sich Neti Neti wollen dieses Wissen auf ihrer Platform „Netzwerk Erleuchtung“ auf ihre Weise weitergeben. Da geht es auch um’s üben, hinter den Beobachter zu schauen.
    Wenn ich ganz gedankenverloren in ein Bild schaue, oder auf eine Blume da passiert mir das auch, dass da nichts mehr in mir etwas will. So ein absichtsloses Gewahren. Einverstanden sein, mit dem, was sich zeigt. Aber Fenster putzen könnte es dann auch sein. Hingabe. Es fühlt sich aber nicht nach Glück an, das wäre ja ein Gefühl, sondern einfach Stille.
    Hier die beiden.

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  8. fredo0 schreibt:

    „“was ist unterschied zwischen EINE und erscheinung ?““

    tja … das ist bereits tricky … denn erscheinung und das EINE kann nicht verglichen werden, da nur objekte (=erscheinung ) untereinander zu vergleichen sind .
    letztlich lässt sich über das EINE (ohne ein zweites) gar nix sagen, außer, dass es halt das EINE (ohne ein zweites) ist.
    jede aussage über das EINE / BEWUSSTSEIN / ABSOLUT / GOTT / ES / DAS und und und ist immer nur andeutend, hinweisend und damit … letztlich … stets falsch, gar eine Lüge zu nennen. .
    dies liegt aber nicht an dem EINEN und und und , sondern an der eigenart unserer sprache , die halt immer nur in zwei ( ! ) und halt nicht in EINEM formulieren kann.

    „“ist erscheinung subjektiv und das EINE wahr ?““

    tja … die eigenart der erscheinung ist halt, dass sie, um zu erscheinen, einen bemerker, also ein subjekt braucht … damit „ist“ aber erscheinung nicht subjektiv ( dann gäbe es ja ein tatsächlich vorhandenes subjekt ) … sondern sie erscheint subjektiv … soll heißen , die erscheinung (= objekt/objekt) UND ein (als ob) wahrnehmendes subjekt (= subjekt/objekt) treten gleichzeitig auf … gewissermassen ist das „subjekt“ eine nebeneffekt der erscheinung .
    damit ist auch eine erscheinung, samt begleitenden (als ob) subjekt nie „wahr“ sondern immer nur „als ob“ wahr (im moment der erscheinung) .
    WAHR kann immer nur das dauerhafte sein, das ewig bestehende, das, was IST.
    Und das, was IST, ist das EINE (ohne ein zweites) .
    was jedoch , um leben möglich zu machen „in erscheinung treten muss“.
    dazu folgendes . bezüglich des „muss“ .
    das EINE beinhaltet in unendlicher potenz alles noch nicht erschienene/erschaffene ( = die unendliche fülle gottes ) , damit dies aber potenz (!) bleiben kann, MUSS es auch erscheinung/schöpfung geben. denn eine nicht „realisierende“ potenz, wäre unfruchtbar und halt nicht potent. wenn nun aber sich die unendliche potenz ( des EINEN) in schöpfung sich um das geschöpfte tatsächlich vermindern würde , wäre die potenz nicht mehr unendlich ( weil halt vermindert ) . also kann alles „aus der potenz entlassene“ immer nur ab-bild sein, und damit erscheinung .

    „“was ist unterschied zwischen EINE und ERSCHEINUNG ? haben sie beziehung ?““

    der unterschied wurde schon ausgedrückt. die beziehung ist DIE beziehung überhaupt . und doch ist es (eigentlich) keine be-ziehung, denn be-ziehen können sich nur zwei ( ! ) zu einander .
    gott und schöpfung haben keine beziehung, sondern sie „sind“ ein und das selbe …
    hier versagt erneut unsere zwei-sprache …
    aber manchmal sind da bilder hilfreich .
    das EINE und die dualität (= erscheinungswelt ) sind wie lampe und licht .
    die lampe IST und das licht „erscheint“ .
    letztlich gehört beides zusammen .
    und nur beides zusammen macht helligkeit ( = leben ) möglich.

    „“welche rolle spielen ERSCHEINUNG ?““

    genau die , Leben möglich zu machen.

    „“ wenn es NUR das EINE gibt, ist dann erscheinung auch das EINE ?“

    jain … da kommen wir in die region des paradox. beziehungsweise der sprachlichen ebene des verstehens.
    das EINE IST … punkt … als EINziges …. punkt …
    und doch lässt sich sagen , dass auch erscheinung ist …
    jedoch ist das kein (eigenständiges) „ist“ sondern ein „ist“ aus IST .
    erneut ein bild dazu :
    die wellen des ozeans sind zwar erscheinende (individuelle) wellen …und doch , in substanz , nur und ausschließlich ozean … also IST die welle ozean, der als welle „ist“ (erscheint ) …

    „“ oder wird unterschied zwischen EINE und erscheinung nur im kopf gemacht““

    yep … zweifellos … der kopf kann gar nicht anders , als zu unter-scheiden …
    er muss ein (scheinbares) objekt, in wahrnehmung von allem anderen unter-scheiden.
    denn nur so kann der in die savanne hinaustretende homo-sapiens, den löwen „davorne“ von den gräsern des hintergrundes unter-scheiden.
    objekt-erschaffung in wahrnehmung ist also uberlebenswichtig , und damit keinesfalls falsch.

    es wird nur dann zum problem, und zur quelle von leid, wenn es zur fixierten wahrnehmung wird.

    wir haben irgendwann mal die „floatende“ wahrnehmung vergessen, die wir als babys hatten.
    damit entsteht aus der neuen fixierten wahrnehmung völlig zwangsläufig die vorstellung von wirklichkeit der objekte ( einschließlich des subjekt-objekts „ich“ ).
    eine „floatende“ wahrnehmung hat diesen effekt nicht … da schwimmt die wahrnehmungswelle auf dem ozean ( EINES ) in ständiger veränderung, einzig der beständigkeit des ozeans gewiss . und in dieser gewissheit mit ozean „identisch“ und halt keine „eigene, getrennte“ wirklichkeit imaginierend.
    der „weiche“ blick der frischlinge … nix anderes ist das, was „erwachen“ genannt wird …

    und doch … eines sei noch erwähnt … nix ist falsch am „fixierten“ blick , denn nur der kann den homo-sapiens vor dem löwen retten, oder heute vorm zu schnellen audi …
    alles zu seiner zeit … und nix exclusiv … so mein credo …
    deswegen ist auch de vorstellung eines „abgeschafften“ egos so absurd , wer sollte da den audi bemerken ?
    und ebenso absurd ist die vorstellung eines dauerhaften „reinen gewahrseins“ als ein besserer zustand … reiner quatsch von erwachenserträumern …
    da hättecder löwe ganz schnell ein nettes fressi …
    😀

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    • Ikkyu schreibt:

      Herzlichen Dank verehrter Fredo für deine Ausführliche Antwort. Ich werde mich in deinen Text etwas vertiefen und bei Gelegenheit was dazu schreiben ….

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    • Marianne schreibt:

      verschiedene Blickwinkel … sehe ich auch so! 🙂

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    • Ikkyu schreibt:

      Nur ganz schnelle Fredo, muss gleich weg, aber dieses Zückerchen will ich mir nicht entgehen lassen. Du schreibst ;

      tja … das ist bereits tricky … denn erscheinung und das EINE kann nicht verglichen werden, da nur objekte (=erscheinung ) untereinander zu vergleichen sind .
      letztlich lässt sich über das EINE (ohne ein zweites) gar nix sagen, außer, dass es halt das EINE (ohne ein zweites) ist.

      Eigentlich ist das ganz einfach verehrter Fredo …. Die Erscheinung könnte man als „FORM“ bezeichnen und das EINE könnte man als „LEERE“ bezeichnen … und schwups, schon sind wir wieder im Herzsutra gelandet …. und wie heist es doch so schöne im Herzsutra; „Form ist Leere, Leere ist Form“ :-)))

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      • fredo0 schreibt:

        werter ikkyu … das sehe ich auch so … letztlich lässt sich form und leere nicht trennen … wozu auch … dies >trennen ist ja nur „denk-trick“ des in formen (ausschließlich) fixierten …
        egal ob form ob leere

        es findet sich stets im >leben …eben ! ein ….

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  9. Elwood schreibt:

    „Ein kleiner Fisch schwamm zum König der Meere
    und fragte ihn:
    Woher komme ich?
    Wohin gehe ich?“
    Der König antwortete:
    „Du kommst aus dem Meer
    Du bist aus Meer gemacht
    Du wirst ins Meer zurück gehen
    Und alles was Dich umgibt ist das Meer“

    (Aus der Erinnerung
    gelesen in einem buddhistischen Märchenbuch)

    Darin…Damit…Dadurch…

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  10. Ikkyu schreibt:

    Der verehrte Fredo schrieb : werter ikkyu … das sehe ich auch so … letztlich lässt sich form und leere nicht trennen … wozu auch … dies >trennen ist ja nur “denk-trick” des in formen (ausschließlich) fixierten … egal ob form ob leere

    Es ist eigentlich kein „Denktrick“ sondern es ist, wie es der Buddha sagte, das grundlegende „Missverstehens“ unserer wahren Natur. In diesem Sinne ist das Herzsutra auch keine „Welterklärung“ sonder eine „Praxiserklärung“ … eine Erklärung, was Paxis (Beobachten in Fredos Sinne) ist und welche Konsequenz sich daraus ergibt ….🙂 Eine zusammenfassung Buddhistischer PRaxis, um diese grundlegende „Ignoranz“ zu verstehen

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