Osho: Ein Narr ist einer, der immerzu vertraut

190Ein Narr ist einer, der immerzu vertraut. Ein Narr ist einer, der trotz all seiner Erfahrungen weiter vertraut. Du betrügst ihn, und er vertraut dir; du betrügst ihn wieder, und er vertraut dir; und du betrügst ihn noch einmal, und er vertraut dir.

Nun sagst du: Er ist ein Narr; er lernt es nie. Sein Vertrauen ist
unerschöpflich; sein Vertrauen ist so rein, dass niemand es zerstören kann.
Sei ein Narr im Sinne des Tao, im Sinne des Zen. Versuche nicht, dich mit einer Mauer von Wissen zu umgeben. Egal, welche Erfahrungen auf dich zukommen, lass sie geschehen, und dann lass sie immer wieder los. Reinige deinen Geist ständig; lass die Vergangenheit immer wieder sterben, damit du in der Gegenwart – hier und jetzt – bleibst wie ein neugeborenes Baby. Am Anfang ist es sehr schwer. Die Welt wird dich übervorteilen – lass sie
gewähren. Es sind arme Kerle. Auch wenn du betrogen, übervorteilt und
ausgeraubt wirst, lass es geschehen, denn das, was wirklich dir gehört, kann dir nicht geraubt werden; was wirklich deins ist, kann dir keiner stehlen. Und jedes Mal, wenn du dich von den Umständen nicht verderben lässt, ist es eine Gelegenheit, dich innerlich zu integrieren. Deine Seele kristallisiert sich immer mehr.

1Von Augenblick zu Augenblick und mit jedem Schritt lässt der Narr die
Vergangenheit hinter sich. Er hat nichts anderes dabei als seine Reinheit, seine Unschuld und sein Vertrauen, symbolisiert durch die weiße Rose in seiner Hand. Das Muster auf seiner Weste enthält die Farben aller vier Elemente des Tarot; das heißt, er ist in Harmonie mit seiner ganzen Umgebung. Der Narr folgt nur seiner Intuition. Hier hat er die Unterstützung des Universums, um den abenteuerlichen Sprung ins Unbekannte zu machen.

Diese Karte sagt dir: Wenn du jetzt deiner Intuition folgst und das tust, was sich »richtig« anfühlt, dann kann nichts schief gehen. Deine Handlungen mögen anderen oder sogar dir selbst «närrisch« vorkommen, wenn du sie rational erklären willst. Doch die Null, an deren Platz der Narr steht, ist die zahllose Zahl, wo Vertrauen und Unschuld dich leiten – nicht Skepsis und vergangene Erfahrungen.

Karte aus dem Osho Zen Tarot: „0 – Der Narr“

Vorgestern schrieb Elwood diesen wundervollen Kommentar, den ich hier noch einmal in Erinnerung bringen möchte.

Ich vermute Belehrungen waren nie wirklich hilfreich für mich, da die Ego’s immer für sich selbst wollen. Meisterliche Kommunikation ist für mich mehr eine Begleitung, in deren Vertrauens-Schatten ein Erspüren erblüht… mehr zwischen den Zeilen und weniger in den Worten.. Willentlich ist da wohl gar nüschts zu machen..

Mein Vater war Jurist. Ein Lieblingsspruch von ihm war dieser Lenin zugesprochene Satz: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ Ich glaube allerdings, dass dieser Satz das Einzige war, was ihm an Lenin gefallen hat. Wenn ich für die Schule einen Radiergummi brauchte, fragte er mich, was ein Radiergummi kosten würde. Ich nannte ihm einen geschätzten Betrag. Mit dem Satz „Was, so teuer?“ konnte ich ziemlich sicher rechnen. Dann bekam ich die angegebene Summe abgezählt ausgehändigt, allerdings nicht eher, als bis ich den Empfang quittiert hatte. Nach dem Kauf musste ich dann den Radiergummi vorlegen, das Restgeld, so vorhanden, zurückgeben und durfte dann Zeuge der Vernichtung der Quittung sein. Damit war dann der Fall abgeschlossen. Diese kleine Geschichte steht für seine ganze Haltung zum Leben. Wen wundert’s, dass ich ganz bestimmt eines nicht werden wollte: Jurist.

Der Narr auf der abgebildeten Tarotkarte bewegt sich nicht, wie sonst oft dargestellt, hart am Rande des Abgrunds, er scheint völlig losgelöst von aller Erdenschwere frei dahinzuschweben. Wie sagte Helmut Schmidt doch mal so schön: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ Leidet der Narr unter Visionen oder Helmut Schmidt unter der Illusion der Machbarkeit der Dinge? Die Frage kann sich jeder selbst stellen, falls er Lust dazu hat.

Ich weiß nicht, ob ihr die Geschichte von Milarepa kennt. Er war so voller Hingabe an seinen Meister, dass die anderen Devotees dachten, der Meister würde ihn zu seinem Nachfolger machen. Also wollten sie ihn umbringen. Da sie sahen, dass er der reine Narr war, sagten sie zu ihm: „Spring hinunter in den Abgrund. Wenn dein Vertrauen groß genug ist, kann dir nichts geschehen.“ Milarepa sprang. Als man nach ihm sah, saß er da und war völlig unverletzt. Das nächste Mal war es ein brennendes Haus. Milarepa lief hinein und rettete eine Frau und ein Kind. Wieder geschah ihm nichts. Beim dritten Mal ging es um eine Flussüberquerung. Milarepa wurde aufgefordert, über das Wasser zu laufen, was dieser auch alsbald tat. Als der Meister von der Geschichte hörte, dachte er sich: Wenn mein Schüler im Vertrauen auf mich über das Wasser laufen kann, müsste ich selbst das auch mit Leichtigkeit schaffen. Als auch er den Fluss überqueren wollte, wurde er von einer Welle mitgerissen und ertrank jämmerlich. Was Milarepa immer wieder gerettet hatte, war nicht die Kraft dieses Scharlatans von Meister, sondern sein absolutes Vertrauen.

War der Geschichtenerzähler ein Dampfplauderer oder nicht? Als das Oregon-Experiment schmählich scheiterte, waren viele Sannyasins völlig verstört, da sie alles getan hatten, was Oshos Sekretärin ihnen während seiner Schweigephase aufgetragen hatte. Hatte Osho nicht immer wieder von Vertrauen und Hingabe gesprochen? Und was sagte er jetzt? „Habe ich euch gesagt, dass ihr blöd sein sollt?“ Was für ein Koan! Ich denke gerade an Matthäus 10, 16: „Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.“ Oder an Lukas 20, 25: „So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“

„Sei ein Narr!“ Wer will schon ein Narr sein? Wer will sich schon ungeschützt der Bestie Mensch ausliefern? Oder könnte da vielleicht doch was dran sein, dass das Leben erst dann lebenswert wird, wenn unser Vertrauen grenzenlos ist? Vertrauen ist immer grenzenlos oder es ist gar kein Vertrauen, sondern Berechnung. Die Antwort auf diese Frage kann jeder nur für sich finden. Übrigens hat Osho nicht gesagt: „Sei ein Narr!“, sondern: „Sei ein Narr im Sinne des Tao, im Sinne des Zen!“ Das ist ja vielleicht doch noch ein bisschen was Anderes. Oder?

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3 Antworten zu Osho: Ein Narr ist einer, der immerzu vertraut

  1. punitozen schreibt:

    Lieber Nitya ,

    …. “Sei ein Narr im Sinne des Tao, im Sinne des Zen!” ….
    Du bist wohl wohl DADA ?
    Det jebe ick Dir HIER schriftlich :
    “ Nitya ist ein Null-ehr-würdigendes
    taoistisch-zen-sinnendes
    Pferde-Yakschweifhaar
    Palmenfliegenwedel-Wesen !“

    .

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  2. HubiHiddinfog schreibt:

    Tach Nitya!
    Beim googeln nach „Esel Mohrrübe“ bin ich über Deinen Blog gestolpert, und finde zu meinen nicht geringen Erstaunen ein Portrait von mir.
    Bin wohl zu tief verwurzelt in der modernen westlichen Kultur um mit Buddha und Bibelzitaten allzuviel am Hut zu haben, aber John Cage half mir einst den Zen zu meistern, und statt der Meditation nutze ich autogenes Training.

    Ich habe also gelernt meine Visionen und Illusionen zu geniessen, da hilft wohl auch kein Arztbesuch mehr.

    Aus rein existenziellen Gründen interessiert aber nun schon wie die Geschichte von Milarepa weitergeht.
    Sind die schlimmsten Befürchtungen seiner Mit-Devotees wahrgeworden und er hat seinen Meister abgelöst? Oder hängt er immer noch dumm ‚rum in der Luft, während sich die Möchtegern-Scharlatane untereinander bekriegen und ihn ihn einfach verschimmeln lassen??

    Ratlos, haltlos, zweifelnd
    Hubi:-(

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