Issa: so selbstvergessen

kreisenKiefer
obwohl kein Buddha
steht doch so selbstvergessen
die alte Kiefer

Kobayashi Issa

Berg und Baum, eigens für den verehrten Ikkyu herbeigezaubert. Irgendein witziger Wind hat den Samen für diese Kiefer einmal hochgetragen auf diese Felsnadel und ihn sich selbst überlassen.

Jesus: Siehe, es ging ein Sämann aus, zu säen. Und indem er säte, fiel etliches an den Weg; da kamen die Vögel und fraßen’s auf. Etliches fiel in das Steinige, wo es nicht viel Erde hatte; und ging bald auf, darum dass es nicht tiefe Erde hatte. Als aber die Sonne aufging, verwelkte es, und dieweil es nicht Wurzel hatte, ward es dürre. Etliches fiel unter die Dornen; und die Dornen wuchsen auf und erstickten’s. Etliches fiel auf gutes Land und trug Frucht, etliches hundertfältig, etliches sechzigfältig, etliches dreißigfältig. Wer Ohren hat zu hören, der höre! (Matthäus 13, 4-9)

Dieses Gleichnis erzählte Jesus den Menschen, die gekommen waren, ihn zu hören. Mit seinen Worten schien er seine Zuhörer darauf aufmerksam machen zu wollen, dass es mit diesen seinen Worten gehen würde wie mit den Samen des Sämanns.

Der Same, aus dem die Kiefer vor langer Zeit herausgewachsen ist, hatte offensichtlich „Glück“ trotz des wirklich abenteuerlichen Landeplatzes. Bei Menschen würde man vermutlich von Gnade sprechen. Hat der Same, der an den Weg fällt oder in das Steinige oder unter die Dornen, etwa Schuld an seinem „Unglück“? Nein, es geschieht einfach so, wie es geschieht. Und der Same, der auf gutes Land fällt, braucht sich nicht in die Brust zu werfen. Es war nicht sein Verdienst. So ist es auch bei den Zuhörern von Jesus, von Buddha oder von sonst irgendjemandem. Tausende von Jüngern hörten Buddha zu und nur bei einem fiel der Groschen. Die einen halten sich wie der verehrte Herr Ikkyu an Sätze wie „Nur eines lehre ich, jetzt wie früher: Das Leiden und das Ende des Leidens“, die anderen finden die Sache mit dem Blümelein einfach genial. Für mich hätte Buddha echt die Klappe halten können. Das Blümchen hätte völlig genügt. Nun ja, der verehrte Herr Ikkyu sieht das natürlich anders. So ist das halt, nicht nur Zeitpunkt und Landeplatz der Samen sind höchst unterschiedlich, sondern natürlich auch die Samen selbst. Was keinerlei Wertung ausdrücken soll.

So jetzt bin ich wieder ins Quasseln geraten und hab darüber ganz den Issa mit seiner Kiefer vergessen. Die Kiefer ist übrigens mein absoluter Lieblingsbaum und natürlich hab ich mir ein Bildchen rausgesucht, das für mich das Wesentliche „meiner“ Kiefer veranschaulicht. Sie steht da oben, Wind und Wetter in extremer Weise ausgesetzt und scheint wie weiland Martin Luther zu sprechen: „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen.“ Natürlich kann die Kiefer nicht anders, so wie du und ich auch nicht anders können. Die Kiefer scheint sich dessen bewusst zu sein, so trutzig, wie sie sich hier präsentiert. Das Schönste ist jedoch, dass sie sich dessen nicht bewusst ist, sondern, wie Issa es so treffend ausdrückt: „Obwohl kein Buddha, steht doch so selbstvergessen die alte Kiefer.“Issa

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10 Antworten zu Issa: so selbstvergessen

  1. ikkyu schreibt:

    Der verehrte Nitya schrieb: Tausende von Jüngern hörten Buddha zu und nur bei einem fiel der Groschen.

    Verehrter Nitya, wie kommst du zu dieser Aussage ? Ist dies deine logische Schussfogerung, nachdem du den Palikanon studiert hast oder hältst du dich an dieser „Blumenlegende“ fest (die übrigens nicht im Palikanon überliefert ist, sondern aus dem Zen ein „Koan“ darstellt!) Die 10 engsten Schüler des Buddha: Mahakashyapa, Sariputta, Ananda, Maudgalyayana, Rahula, Upali, Subhuti, Aniruddha,Mahakatyayana, Mogalana und Sariputta galten als Erleuchtet. Wobei hier zu sagen ist, das Ananda ein Spätzünder war. Bei ihm hats erst eingeschlagen, als der Buddha schon in Paranirvana eingegangen ist ….
    _( )_

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    • Nitya schreibt:

      Verehrter Ikkyu,

      du scheinst den miesen Charakter von diesem geistig unterbelichteten Nitya nicht zu verstehen. Der phantasiert sich da einfach so’n Zeug zusammen, wie’s ihm gerade in den Kram passt. Der ist weder Buddhist noch Historiker noch sonst irgendwas Unanständiges. Der hört lieber den Eichhörnchen und den Kiefern zu und die haben ihm das so erzählt. Keine Ahnung, ob die mehr wissen als der Palikanon. Ob der verehrte Ikkyu mehr weiß? Ist doch alles bloß angelesenes Zeugs. Kein Fitzelchen authentisches Wissen, gelle? Und so was von nebensächlich.

      „Mahakashyapa, Sariputta, Ananda, Maudgalyayana, Rahula, Upali, Subhuti, Aniruddha,Mahakatyayana, Mogalana und Sariputta galten als Erleuchtet.“ So so, was meinste, wie wurscht mir das ist. Osho hat mal in Oregon eine Liste von 100 Erleuchteten aufgehängt. Es soll tatsächlich ein paar Sannysins gegeben haben, die das ernst genommen haben. Sich die Haut nach einem Bad trockenrubbeln – das ist authentisches Wissen. Aber ich glaube, darüber ist im Palikanon nichts zu finden. Darüber auch nichts:

      Wir kommen in die Welt,
      um zu essen, zu schlafen und zu scheißen
      Danach gibt es nur noch eins zu tun:
      Sterben.

      Ikkyû Sôjun

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      • ikkyu schreibt:

        Der verehrte Nitya schrieb : du scheinst den miesen Charakter von diesem geistig unterbelichteten Nitya nicht zu verstehen. Der phantasiert sich da einfach so’n Zeug zusammen, wie’s ihm gerade in den Kram passt.

        …. Verehrter Nitya …. bitte verzeihe mir, das ich dir dies nicht abnehme. Hinter deiner künstlichen Schale und Tarnung, genannt „Mieser Charakter“, ist ein sehr ernsthafter, tiefsinniger Mensch zu sehen !

        Verlorene Erleuchtung
        Macht alles nichtig.
        Die Zukunft wird sei
        Wie das Vergangene.
        Gold oder Messing?
        Das Echte vom Falschen zu scheiden,
        Ist selbst für Buddha schwer.
        Buddha oder Dämonen?
        Man sagt,
        Der Unterschied
        Sei dünn wie Papier

        Ikkyu Sojun

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      • Nitya schreibt:

        Mit dem Dämon könnte ich mich glatt anfreunden.

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      • Eno Silla schreibt:

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      • Nitya schreibt:

        Süß!🙂

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  2. zaungast schreibt:

    Die Wald-Kiefer (Pinus sylvestris)
    – eine bescheidene Schönheit mit zähem Überlebenswillen –

    Die Wald-Kiefer (Pinus sylvestris L.), ist eine der schönsten immergrünen Baumarten – wenn sie sich frei entwickeln darf, nicht eingezwängt zwischen anderen Kiefern. Zudem ist sie seit langer Zeit der „Brotbaum“ der norddeutschen (und ost-/nordeuropäischen) Forstwirtschaft. Ihre Verbreitung ist durch den Menschen großflächig gefördert worden; von Natur aus ist sie dagegen konkurrenzschwach und ständig auf der Suche nach einer Nische – ein wahrer Überlebenskünstler also.

    Quelle: http://www.karl-schlegel.de/aktuell/baum_des_jahres/2007_waldkiefer.html

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  3. Savitri schreibt:

    oft ist auch ein Vogel der „Sämann“…😉
    wundersam manchmal, wie das Leben sich Wege sucht.
    Kiefern mag ich auch sehr, besonders die, wo die Nadelbüschel so „weich“ aussehen.

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  4. Caro schreibt:

    Ich liebe Kiefern auch sehr!
    Neulich habe ich ein schönes Bild gefunden, von genau der Kiefer vom gif

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