Uwe Schade: Was ist es, das Du da greifst ?


greifen
Dein Fühlen ist Wahrheit
Dein Vorstellen ist Schein
Du jagst nach dem Schein
Und die Wahrheit verfolgt Dich .
Du hast Schmerz an der Welt
Und suchst Trost im Vergnügen –
Sie schnitten mit Messern durch Deine Seele
Und trösteten Dich mit Süßigkeiten .
Deine Augen machen aus tausend Strahlen eine Farbe
Deine Ohren machen aus tausend Schwingungen einen Ton
Deine Hände fühlen in tausend Bewegungen einen Körper
Dein Denken macht aus tausend Wahrnehmungen eine Idee .
Dein Wahrnehmen ist gefilterte Welt
Dein Denken ist gefilterte Wahrnehmung
Dein Streben ist gefiltertes Denken –
Was ist es, das Du da greifst ?

aus: Uwe Schade, „Die Harmonie der Welt

 Niemand kann der Wahrheit entkommen, der Wahrheit dessen, was ist. Wenn das, was ist, aber Schmerz bedeutet, besitzen Menschen die geradezu atemberaubende Fähigkeit, sich in eine Scheinwelt flüchten zu können. Meine Fresse, wie oft saß ich in meiner Kindheit und Jugend im Bett und schwelgte in meinen Phantasien. Das war natürlich das reinste Schlaraffenland. Ich könnte jetzt nicht sagen, ob mir meine Scheinwelt das Leben gerettet hat, weil ich die reale Welt sonst gar nicht ausgehalten hätte, oder ob sie mich daran gehindert hat, in der realen Welt irgendetwas real zu verändern. Meine Chancen, real etwas zu verändern, wären allerdings äußerst gering gewesen. Dafür hatte schon mein Vater, gesorgt. Hier ein Bild von ihm vermutlich als Polizeipräsident in Allenstein in den dreißiger Jahren.
PPUwe Schade: „Dein Fühlen ist Wahrheit, Dein Vorstellen ist Schein. Du jagst nach dem Schein und die Wahrheit verfolgt Dich. Du hast Schmerz an der Welt und suchst Trost im Vergnügen – sie schnitten mit Messern durch Deine Seele und trösteten Dich mit Süßigkeiten.“ Na ja, bis auf die Süßigkeiten würde ich ihm ja zustimmen. Die hab ich mir dann selbst geschenkt in Form von schönen Träumen.

So und jetzt wird’s wieder spannend. Uwe Schade sagt: „Deine Augen machen aus tausend Strahlen eine Farbe, Deine Ohren machen aus tausend Schwingungen einen Ton, Deine Hände fühlen in tausend Bewegungen einen Körper, Dein Denken macht aus tausend Wahrnehmungen eine Idee.“ Und das bedeutet: „Dein Wahrnehmen ist gefilterte Welt, Dein Denken ist gefilterte Wahrnehmung, Dein Streben ist gefiltertes Denken – was ist es, das Du da greifst?“ Die ersten Zeilen kann jeder sofort nachvollziehen. Mit den letzten Zeilen nimmt Uwe Schade jedem den letzten Halt aus den Händen. Nicht genug damit, dass ich vor der realen Welt in eine Scheinwelt auszuweichen versuche, die reale Welt entpuppt sich selbst als Schein, als Idee. Und der letzte Satz ist dann wie ein Paukenschlag: Was ist es, das Du da greifst?
l

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

23 Antworten zu Uwe Schade: Was ist es, das Du da greifst ?

  1. Strandläufer schreibt:

    Wer ist es, der das fragt?

    Gefällt mir

  2. Strandläufer schreibt:

    Wer ist es, der sich fragt, warum er sich fragt und wer wen eigentlich fragt???

    Gefällt mir

  3. Chantal schreibt:

    Das frag ich mich auch. Warum greife ich nach Nitya’s Blog? Weil ich was für mich begreifen will? Weil diese obige Frage ein willkommener Einstieg ist? Ich frage mich überhaupt viel. Aber Antworten finde ich keine. Antworten entgleiten mir, wie auf einem rutschigen Boden. Nach all dem, was schon geschrieben ist, wird der Boden für mich immer glitschiger. Einfach dabei sein. Meinen Geist sich anregen lassen. Frische Luft einatmen. Nicht einschlafen. Mich lebendig fühlen. Fühlen fühlt sich lebendig an. Das ist es.🙂

    Gefällt mir

    • fredo0 schreibt:

      geht es um antwort ? hmmmm .
      es geht nicht um antwort … schon gar nicht um antworten …
      es geht (wenn es überhaupt um etwas geht ) , doch eher darum diese sehnsucht nach antwort versickern zu sehen.
      also ein leben sich selbst beantworten zu lassen , durch den simplen fortgang der ereignisse.
      fragen binden sich ja immer an vergangenheit an .
      neugier auf den fortgang ( curiosity ) jedoch ist im moment „gegründet“ und blickt in das dynamische „zi ran“ . in das was sich aus sich selbst (bereits) entfaltet .
      dazu bedarf es ja keiner fragen. denn das was sich entfalten, beantwortet bereits durch genau diese entfaltung jede frage.

      fragen sind eigentlich immer zeichen für (noch) nicht gelöste bindung an ein gestern.
      die neugier auf jetzt stellt keine fragen .
      sie wäre ja sonst lediglich vorselektierende erwartung und nicht neutrale neugier / curiosity .
      fragen wollen ein bestimmtes etwas ( antwort genannt )
      neugier/curiosity hingegen „will“ eigentlich immer wieder aufs neue durch die originelle kuriosität des geschehens verblüfft werden. es ist also in der kuriosität bereits die antwort enthalten, die jedoch nie erfragt / erwartet wurde ( dann wär es ja nicht kurios ).

      mit dieser haltung wird auch nix „begriffen“ ( = greifend festgehalten ) sondern sie fühlt sich von „zi ran“ , dem natürlichen ereignissfluss durchdrungen, und genau damit bestens und vollumfänglich „beantwortet“ .

      Gefällt mir

      • Bea schreibt:

        also fredo… bei allem „Goodwill“ … für mich liest sich dein Post – wie ein „Herumeiern“ um das Wort „Antwort/Frage“…
        aber das ist ja im Grunde auch egal…
        was sich mir mehr in den Fokus drängt ist dieses Wort *Neugier*..
        ist *Neugier*….“GIERig auf NEUes“ -nicht auch auch Frage/Antwort auf die Vergangenheit ? – also Frage/Antwort in die Zukunft?
        wer/was ist es das da nach *etwas* NEUem GIERt?

        Gefällt mir

      • Chantal schreibt:

        Lieber fredo, eine späte Antwort!!!!! Auch hier in Nidyas Blog gibt es noch Antworten. Danke für deinen Komentar zu Frage und Antwort. Erst einen Tag danach verstehe ich, was du mir zu verstehen gibst. Eintauchen in das was ist. Damit bin ich jetzt klar gekommen. Bei mir war immer noch der Fragesatz aktiv, „Wer bin ich?“ Ich sehe ein: darauf kann es keine Antwort geben. Soweit bin ich jetzt. Darauf folgt das „Ich bin“. Du lässt das „ziran“ folgen. „Es zeigt sich“, sagst du. Es zeigt sich dir in Verbundenheit, und im Verstehen. Danke, dass du hier bist, Chantal

        Gefällt mir

  4. Nitya schreibt:

    Curiosity – ich verstene dieses Wort von Fredo weniger als Neu-Gier sondern mehr als Staunen. „ein leben sich selbst beantworten zu lassen , durch den simplen fortgang der ereignisse.“ und dazustehen wie ein Kind und zu staunen.

    Oh Mann, ich staune auch, wie mein momentaner „Problemzahn“ vom “zi ran” durchdrungen wird! Ich hab mir ClO2 reingepfiffen mit der Folge, dass die Zahnschmerzen immer noch da sind und mein Blutdruck dafür in schwindelerregende Höhen kletterte, sodass ich sofort Kaffee und O-Saft in mich reinschüttete, um wieder runterzukommen. Jetzt ist mein “zi ran” völlig vermatscht und rührt sich fasst nicht mehr. Wunder über Wunder.

    Gefällt mir

    • Bea schreibt:

      Danke… mit *Staunen* kann ich „mitgehen“..

      Gefällt mir

      • fredo0 schreibt:

        Bea … ich bin mit der deutschen wortdeutung „neu-gier“ auch nicht glücklich … und genau deshalb füg ich die englische „curiosity“ möglichst immer dazu … da diese innere haltung , in jedem ereigniss erst mal das EINmalige, kuriose zu sehen , und dies egal ob im nachhinein dann negativ oder positiv bewertet , mir die adäquate zum „zi ran“ des taoismus zu sein scheint …
        leider, leider hab ich noch kein passendes deutsches wort gefunden …
        und du weißt ja wie sehr ich worte liebe , gerade wenn sie diese oft etwas „versteckelten“ bedeutungen haben.:D

        nitya … aus eigenem mehrfachen zahnwurzelbehandlungen, ohne betäubung ( oder nur sehr sehr wenig ) da mein körper beliebt, darauf mit kollabieren zu reagieren, hilfreich war mir schmerz als farb- und temperaturereigniss zu „fühlen“ … wenns dann rot und heiß wurde, war ich oft durch diese merkwürdige „um-deutung“ so abgelenkt, dass der zahndriller seine (un)tat bereits vollenden konnte, bevor mich der schmerz dann hätte kolabieren lassen. viel mut … und die kuriosität dessen wird sich sicher zeigen …🙂 tröst 🙂.

        Gefällt mir

  5. inrayma schreibt:

    Fredo, ich bin da ganz bei dir in der Erfahrung eines Lebens vollkommen in Ziran. Seit einem halben Jahr lebe ich nun mit meinem Enkel zusammen, er ist fast 18 Monate jung und nicht eine Frage kann gestellt werden, da er noch keine Worte hat. Dennoch ist da jeden Tag Neugier in jedem Moment. Mit ihm wird ganz klar, was Leben in Ziran bedeutet – keinerlei Nachdenken, jeder Augenblick ist neu und muss von mir spontan mitgelebt werden anderenfalls fällt so ein Wesen die Treppe herunter oder rennt gegen ein Auto etc. Von ihm lerne ich, dass es vollkommen in Ordnung ist etwas zu ergreifen, man muss es nur in jedem Moment wieder loslassen. Spontanität kennt keine Fragen und keine Antworten, sie zeigt in jedem Moment die Lebendigkeit des Seins. In Spontanität beantwortet sich jede Bewegung von selbst mit einem Ergebnis, welches für dieses kleine Wesen nur reine Erfahrung bleibt ganz ohne Wertung. Manche Erfahrung bringt Freude andere Erfahrung bringt Schmerz. Auf den Stuhl klettern oder vom Stuhl fallen. Ich kann nicht sagen, dass da immer Staunen ist, manchmal ist da auch weinen bei ihm aber die freudige Neugier auf den nächsten Moment in welchem er sich auf etwas Anderes stürzt, die ist faszinierend zu beobachten. Nun gehe ich nicht soweit zu sagen, wir sollten es wie die unter 2 jährigen machen – schmunzel – aber sich daran zu erinnern, dass man selbst einmal so war, bevor alles werten begann, das stimmt mich friedvoll glücklich, weil etwas in mir bereits vollkommen in Ziran gelebt hat. Bevor ich also mein tägliches Dasein mit diesem kleinen Wesen teilte hatte ich das ganz vergessen. Erinnern tut soooo gut.

    Gefällt mir

  6. fredo0 schreibt:

    ich bin ja bekennender fan der denke der taoisten …
    und sie hat mir gerade durch ihre simplizität immer wieder anlass geboten, tiefer in dieses simple zu sinken .
    viele jahre hatte ich mich da „um verstehen bemüht“ auf den begriff tao gestürzt .
    natürlich vergeblich … und doch blieb da immer diese merkwürdige ahnung, wenn überhaupt irgendwelche worte/konzepte einen hinweis auf „wahrheit“ bieten, dann dieses merkwürdig unverstehbare … tao .
    tao – das ja in seiner undeutbarkeit auch immer unkorrumpiert blieb, was für mich allein schon fast die höchste qualität von begriff ist.

    als mir dann der satz “ dao fa zi ran“ im zweiten kapitel des dao-de-ging etwas später über den weg lief ( den ich mitlerweile für einen der „brauchbarsten“ sätze dieses kleinen büchleins halte ), und den man wohl ganz gut mit
    „das tao zeigt sich / offenbart sich im (einfach) so-sein der dinge und ereignisse“, wurde mir der begriff „tao“ , obwohl es mir abstrakt nach wie vor unbegreifbar blieb, durch eben dieses „zi ran“ plötzlich zur konkret erlebbaren „wahrheit“ .
    eine „wahrheit“ die keiner frage bedurfte, da sie sich ja durch „zi ran“ kontinuierlich „ins leben hinein“ bewies .

    in dem was sich entfaltet ( als jetzt-ereignis ) zeigt / erweist sich tao .
    die schlichte so-heit aller formen zeigt ihre durchdringung durch tao .

    … dao fa zi ran … i mog di … 🙂

    Gefällt mir

    • Nitya schreibt:

      Wenn Sie einmal verstanden haben, daß die Person nur ein Schatten der Realität ist, doch nicht die Realität selbst, hören Sie auf, sich zu sorgen und unruhig zu sein. Sie lassen sich von innen leiten, und das Leben wird eine Reise ins Unbekannte.

      (Sri Nisgargadatta Mahahraj)

      Heute bei Ronny gefunden.

      Gefällt mir

    • Marianne schreibt:

      als mir dann der satz ” dao fa zi ran” im zweiten kapitel des dao-de-ging etwas später über den weg lief ( den ich mitlerweile für einen der “brauchbarsten” sätze dieses kleinen büchleins halte ), und den man wohl ganz gut mit
      “das tao zeigt sich / offenbart sich im (einfach) so-sein der dinge und ereignisse”, wurde mir der begriff “tao” , obwohl es mir abstrakt nach wie vor unbegreifbar blieb, durch eben dieses “zi ran” plötzlich zur konkret erlebbaren “wahrheit” .
      eine “wahrheit” die keiner frage bedurfte, da sie sich ja durch “zi ran” kontinuierlich “ins leben hinein” bewies .

      Lieber Fredoo,

      bin neugierig geworden … An dieser Stelle habe ich offensichtlich eine Bildungslücke.
      Was steht da genau im dao-de-ging und wie wird das (von wem) interpretiert?
      Würde mich über ein bisschen „Nachhilfe“ (mit wenigen Worten) freuen.🙂

      Liebe Grüße
      Marianne

      Gefällt mir

  7. fredo0 schreibt:

    zu marianne
    tante wiki gibt zu „zi ran“ einige recht gute hinweise.
    dieser recht zentrale begriff des taoismus ist merkwürdigerweise gar nicht so bekannt, obwohl er genau dieses „hinschauen“ des taoismus recht gut erfasst.
    ich werd mal nach den genauen texten ( samt übersetzungsversuchen ) suchen.

    soviel vorab.
    während die meisten wahrheitskonzepte der menschheit eine (selbst)beeinflussung der person durch praxis , lebensführung, oder glaubenshaltung propagieren, enthält sich der ( ursprüngliche ! ) taoismus ganz bewusst jeglicher beeinflussung , sowohl der person , wie auch der sie umgebenden welt .
    in schierer betrachtung der „so-heit“ ( besagtes zi-ran) löst sich die trennung zwischen mensch und umgebung in genau dieser „so-heit“ auf , so die „botschaft“ der alten herren lao-tse und djuang-tse. wobei auch die „betrachtung“ nicht als handlung sondern als ebensolche „so-heit“ gesehen wird.
    In diesem konzept gibt es auch weder erwachen noch gar erleuchtung , da ist einfach nur diese „so-heit“ , die sich aus tao ergibt.
    und eine „so-heit“ braucht weder befreiung noch wahrheit , denn das was halt „so“ ist , ist immer bereits genau „so“ wahr und frei von jeglichem „nicht-so“ .

    ein in seiner gnadenlosen schlichtheit mir immer mehr ans herz wachsendes konzept..

    dao fa ziran..

    Gefällt mir

    • fredo0 schreibt:

      Letztlich umschreibt das „sich von innen leiten lassen“ des von Nitya und Ronnie zitierten Nisargadatta genau diese Betrachtung des „zi ran“ .

      In der schlichten Betrachtung ( nicht wollende Beobachtung ) dessen was ist , löst sich Trennung zwischen Betrachter und Betrachtetem auf , und alles wird zu diesem „von innen heraus“ .
      Dieses „innen“ meint ja nicht ein im Gedanken Er“innertes“ sondern das was man inneres Wesen der Dinge nennen kann . Und dies „Wesen“ der Dinge ist nix anderes wie diese „so-halt-heit“ , besagtes „zi-ran“ .

      „Betrachtung“ meint hier genau die von mir erwähnte Neugier/curiosity .
      Ein von Neugier/Curiosity durchflossen werden, könnte man diese „Betrachtung“ nennen.

      Gefällt mir

      • Ikkyu schreibt:

        Der Verehrte Fredo schreibt : In der schlichten Betrachtung ( nicht wollende Beobachtung ) dessen was ist , löst sich Trennung zwischen Betrachter und Betrachtetem auf , und alles wird zu diesem “von innen heraus” . Dieses “innen” meint ja nicht ein im Gedanken Er”innertes” sondern das was man inneres Wesen der Dinge nennen kann . Und dies “Wesen” der Dinge ist nix anderes wie diese “so-halt-heit” , besagtes “zi-ran” .

        Wunderbar Wunderbar Fredo …. also da versuche ich dir seit Jahren klar zu machen was Zazenpraxis eigentlich ist und endlich mehr oder weniger darauf kommst du darauf …. :-))))) …. in der Erfahrung …. (oh Gott, bitte jetzt keine Litanei und Erbsenspaltere, „wer“ da erfährt“) …… dessen, wenn die Dinge „Ich“ und „Es“ ineinanderfallen, zeigt es sich vn selber, das diese künstliche Schranke zwischen „Ich“ und „Es“ nie wirklich existiert hat, sie nur eine Fehlinterpretation unseres unerwachten Geistes ist …. Amen 🙂

        Gefällt mir

      • Ikkyu schreibt:

        …. jenseits von Unerwachtheit gibt es nichts ….

        Gefällt mir

    • Ikkyu schreibt:

      Der verehrte Fredo schrieb : während die meisten wahrheitskonzepte der menschheit eine (selbst)beeinflussung der person durch praxis , lebensführung, oder glaubenshaltung propagieren, enthält sich der ( ursprüngliche ! ) taoismus ganz bewusst jeglicher beeinflussung , sowohl der person , wie auch der sie umgebenden welt .
      in schierer betrachtung der “so-heit” ( besagtes zi-ran) löst sich die trennung zwischen mensch und umgebung in genau dieser “so-heit” auf …..

      Verehrter Fredo …. na ja… das ist so ein bisschen ein alter Hut was du da beschreibst, auch wenn du es sehr clever (gut) formulierst …🙂 Wenn ich das besagte von dir betrachte, dann kann ich das ohne grosse Probleme als Zazen oder Shikantaza sehen.
      Was genau ist dieses „Betrachten“ denn ? … WIE genau betrachtest du und wie würdest du jemanden das „Betrachten“ erklären oder unterrichten oder weitergeben oder was auch immer …. vermutlich kämest du nicht daran vorbei Erklärungen zu wählen die eigentlich dem Zazen entsprechen …. ZenMeister Dogen schreibt im Shobogenzo/Bussho:

      Die Buddhanatur ist immer das ganze der Existens, eben weil das Ganze der Existenz die Buddhanatur ist. Das ganze der Existenz ist aber weder materiell noch spirituell. Weil es nichts anderes als unser Tun und Handeln im gegenwärtigen Augenblick ist.

      Wenn du von „schierer Betrachtung“ schreibst lieber Fredo, dann kann ich dir mit deinen eigenen Argumenten entgegnen, dass diese „schiere Betrachtung“ ein „Ich“ oder ein „Jemand“ voraussetzt, der da betrachtet ….. Absolut Absurd, denn du unterminierst damit das von dir propagierte ….
      Was unterscheidet dein „schieres Betrachten“ denn nun z.B. von „meinem Betrachten“ oder jenes kultivierte Betrachten des Zazen ? Du willst mir jetzt vermutlich sagen, das im Zazen etwas Erreicht werden will (im Gegensatz zum Taoistischen „Betrachten“) …..
      Natürlich können wir da in einer abstrakten Form von „Anderen“ sprechen, die da „willentlich“ versuchen würden, zu praktzieren …. aber lieber Fredo, dass sind doch nur „Pappkameraden“ …..

      Gefällt mir

    • Marianne schreibt:

      ein in seiner gnadenlosen schlichtheit mir immer mehr ans herz wachsendes konzept.

      Kann ich nachfühlen … und so ganz ohne „Erwachte“!! 😉
      Danke fürs Erläutern.
      Marianne

      Gefällt mir

  8. inrayma schreibt:

    „enthält sich der ( ursprüngliche ! ) taoismus ganz bewusst jeglicher beeinflussung , sowohl der person , wie auch der sie umgebenden welt .“

    Wunderbar, das ist die Anerkennung des Determinismus in Reinkultur und damit der größte Liebesdienst, den man einem Menschen erweisen kann. Bedeutet es schließlich, dass ich in vollkommener Harmonie lebe, wenn ich dem, was geschieht nichts entgegensetze. In dieser Harmonie ist Einssein mit allen Erscheinungen.
    In der Lebenspraxis heißt das nämlich nicht, dass ich stehen bleibe, wenn ein kleines Kind auf die Fahrbahn läuft sondern, dass ich meinem Impuls es zu beschützen ohne Nachdenken folge.
    Es heißt eben Nicht-tun und nicht Nichts (!) tun.
    Sich jeglicher Beeinflussung zu enthalten bedeutet somit auch (!) seinen Programmierungen zu folgen so lange sie eben vorhanden sind.
    Einzig die Beobachtung der Programmierung kann zu einer Veränderung führen, die natürlichen Ursprungs ist und nicht gemacht wird.
    Für mich ist die reine Wahrnehmung dessen, was erscheint das vollkommene Glück und tiefe Dankbarkeit durchströmt mich, wenn ich dann erlebe, dass die Person und auch die umgebene Welt in einem harmonischen Einssein fließen, dem ich (!) nicht mehr im Wege stehe.
    So bin ich Werkzeug der einen Kraft die alles lenkt und jeglicher Last enthoben, es hätte irgendetwas mit mir zu tun.
    Dafür ist Erwachen der eine Moment, der das bestätigt, denn in Erwachen wird klar, dass eben nichts mit mir zu tun hat, wenngleich alles, was (mir) erscheint nur deshalb erscheint, weil ich es wahrnehme.
    Es ist kein leichter Weg, sich darüber bewusst zu werden, was – sich jeglicher Beinflussung zu enthalten – tatsächlich bedeutet. Auf den ersten Blick sieht es aus wie der Unwille Verantwortung zu übernehmen. Die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass ich mich eben nicht in den Weg stelle, wiegt mir noch immer zu Weilen viel schwerer als die Ich-Idee alles würde von meiner Einmischung abhängen, von meinem Willen die Welt besser zu machen etc.Wenn es jedoch gelingt eine Weile in diesem Ziran zu leben erscheint das, was wahr ist – selbstoffenbarend. Ich kann gar nicht oft genug wiederholen, was für eine Erleichterung dann eintritt. Endlich frei, endlich gelöst, endlich Sein.

    lieben Gruß in die Runde

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s