Jeschua: Sprecht keine Lüge!

jeschua
Seine Schüler fragen ihn und sagten: Willst du, dass wir fasten? Und wie sollen wir beten? Sollen wir Almosen geben? Welche Speiseregeln sollen wir befolgen? Jeshua sagt: Sprecht keine Lüge! Was ihr hasst, sollt ihr nicht tun, denn alles ist offenbar vor dem Himmel. Es gibt nichts Verborgenes, das nicht offenbar würde und nichts Verdecktes, das nicht aufgedeckt würde.

aus: Jeschua, „Thomas-Evangelium, Vers 6“

Das ist spannend. Da kommen Jeschuas Schüler und sind unsicher, ob sie die jüdisch-pharisäischen und die Kaschrut-Vorschriften der Thora befolgen müssen oder nicht und sie befragen deshalb Jeschua. Der sagt: „Was ihr hasst, sollt ihr nicht tun.“ Ich kann das nur so interpretieren, dass er ausdrücken will, dass das völlig belanglos ist, ob sie irgendwelche Vorschriften einhalten oder nicht. Also was mich betrifft, ich könnte niemals ein orthodoxer Jude sein oder Muslim oder Christ oder sonst irgendetwas Orthodoxes. Dafür bin ich viel zu undizipliniert und chaotisch. In diesem kleinen Satz von Jeschua steckt aber für mich noch ein anderer Sinn verborgen: Nicht zu tun, was ich hasse, offenbart meine Wahrheit. Zu tun, was ich hasse, macht aus mir einen Lügner und Heuchler.

Warum tun die meisten Menschen, was sie hassen? Mein Kater hat nie getan, was er hasste. Die Eichhörnchen und die Meisen und Eichelhäher in den Lärchen auch nicht. Ich hab’s in meiner Jugend immer mal versucht. In einem Internat flog ich deshalb immer wieder raus. Wenn ich die Menschen frage, warum sie eigentlich ständig lügen, kriege ich Antworten so zahlreich wie die Sandkörner am Meeresstrand. Meist ist es Angst vor Bestrafung. Oder es ist der Versuch, mit einer Lüge etwas zu erreichen oder zu behalten. Dann gibt es auch die Spiris, die sich einen besonders geilen Trick haben einfallen lassen: Wer nur tut, was er nicht hasst, wer nur dem Lustprinzip folgt, der folgt immer nur seinem Ego. Huuh, da kann es einem echt vergehen, irgendwie spirituell sein zu wollen. „Sprecht keine Lüge!“ Jeschua war da ganz klar. Schluss mit all den Ausflüchten!

Was ist Wahrheit? Darüber lässt sich trefflich herumphilosophieren. Der Typ, der gerade seine Partnerin betrogen hat, weiß sehr genau, was er seiner Partnerin verschweigt: Die Wahrheit. Und mit Wahrheit ist gemeint: Das, was geschehen ist: Er ist mit einer anderen Frau in der Kiste gewesen und nun hat er Angst, dass ihn seine Partnerin verlässt oder dass sie ihm das Nudelholz über den Schädel haut, wenn sie diese Wahrheit erfährt. „Sprecht keine Lüge!“ sagt Jeshua. Warum sagt er das? War er so ein Moralapostel? Oder glaubt er, so verhindern zu können, dass diese Hallodris in fremde Betten hüpfen, wenn die wüssten, dass sie hinterher alles beichten müssen?

Ja, dann steht er da, der arme Tor und sagt sich: Einerseits wird mir erlaubt, zu tun, wonach immer mir ist, andererseits, soll ich dazu stehen und krieg dann eins auf die Mütze. Doofes Spiel.

Worauf will Jeshua eigentlich hinaus, wenn er so etwas empfiehlt? Ich vermute, ihm war klar, dass jede Lüge Zeichen einer „Wachstums-Verweigerung“ ist. Verweigert wird die Auseinandersetzung mit dem, was ist. Und was ist? Unser Kandidat hatte Lust auf ein kleines Abenteuer. Und seine Partnerin hatte nicht die geringste Lust auf seine Abenteuer. Das ist ein klassischer Interessenkonflikt. Dem versucht unser Kandidat mit seinem Verschweigen aus dem Weg zu gehen. So kann es in dieser Beziehung keine Entwicklung geben. Und was sich nicht entwickeln kann, stirbt. Und das gilt auch für die Ent-Wicklung der beteiligten Menschen.

Jeschua sagt: „Alles ist offenbar vor dem Himmel“. Alles ist offenbar vor dem, was alles sieht. Was bleibt der Person, die das irgendwie mitbekommt, anderes übrig, als sich von dem, das alles sieht, von diesem lästigen Zeugen zu trennen? Und das ist die eigentliche Katastrophe. Mein Kater musste sich von gar nichts trennen, weil er nie etwas verborgen hat.
Kater

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