Yongjia: die eine Natur des Tathâgata Ist eins mit allem Dasein


TetraDu brauchst die Wahrheit nicht zu etablieren,
Denn Verblendung ist im Grunde leer.
Wischst du Sein und Nichtsein gänzlich beiseite,
Dann ist selbst die Nicht-Leere leer.
Die zwanzig Tore der Leere
Führen im Grunde nirgendwo hin,
Denn die eine Natur des Tathâgata
Ist eins mit allem Dasein.

Der Herz-Geist ist die Wurzel,
Die Phänomene sind bloß Staub –
Diese beiden gegensätzlichen Ansichten
Sind wie Flecken auf dem Spiegel.
Erst wenn wir die Flecken entfernen,
Wird das Licht hell und klar sichtbar.
Sind Herz-Geist und Phänomene beide entfernt,
Zeigt sich augenblicklich die Wirklichkeit.

aus: Yongjia Xuanjue, „Zhengdaoge“

Gott ist seine Wirklichkeit – und muss es nicht wissen.

Daniel Herbst

Der Satz von Daniel Herbst findet sich in der letzten Zeile des Textes, den ich gestern bei Ronny gefunden habe. http://www.daniel-herbst.de/html/hhe.html Eigentlich ist mit diesem Satz alles gesagt. Das ganze Gezänk zwischen Dualisten und Nondualisten könnte damit ganz von selbst aufhören. „Sind Herz-Geist und Phänomene beide entfernt, zeigt sich augenblicklich die Wirklichkeit.“ sagt Yongjia. Und Ikkyû Sôjun hat es mit diesem wundervollen Haiku auf den Punkt gebracht:
bootNa ja, ist klar, dass auch Nagarjunas Catuṣkoṭi, hier unter dem Namen Tetralemma bekannt, nicht fehlen darf. Zur Erinnerung: Etwas erscheint

  • als wahr (und nur als wahr)
  • als falsch (und nur als falsch)
  • als sowohl wahr wie auch als falsch
  • als weder wahr noch als falsch

Die vier Sichtweisen, die alle als Sichtweisen ihre eigene Gültigkeit haben, relativieren einerseits jede Sichtweise, verstellen aber möglicherweise genau damit den Blick auf die Wirklichkeit. Die zeigt sich erst dann, wenn … ja, und hier fängt möglicherweise schon wieder das Gezänk an:

A – Wenn alle Sichtweisen verschwunden sind oder
B – Wenn alle Sichtweisen als bloße Sichtweisen erkannt wurden.

Ich bevorzuge ganz ohne Zweifel die letzte Version.

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2 Antworten zu Yongjia: die eine Natur des Tathâgata Ist eins mit allem Dasein

  1. Eno schreibt:

    „Bis zum heutigen Tage verstehe ich weder irgendetwas noch den Busbahnhof.“
    Eugen Egner

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  2. Eno Silla schreibt:

    eine winzigkleine spinne
    fast durchsichtig
    an einem hauchdünnen faden
    durchstreift unendlich verletzbar
    ihr winzigkleines zartes leben

    augenblicklich
    erkenne ich mich
    in ihr

    Gefällt mir

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