Wenn der Schüler bereit ist, erscheint der Meister!


Shankara

Gestern las ich bei einem deutschen Weisheitslehrer Folgendes:

Es ist die Sangha, welche diesen Ort trägt, die inspiriert und beseelt durch den Lehrer und die innere Lehre, ihre Fähigkeiten und ihre Kraft in das Gedeihen dieses Ortes fließen lässt.

Philosophie – Gemeinschaft – Lehrer, das entspricht den 3 Säulen eines inneren Weges. Im Buddhismus werden diese 3 Säulen Dharma – Sangha – Buddha genannt. Dieses Prinzip ist auf XY verwirklicht und macht das Besondere dieses Ortes aus.

Ich erschauere. Die Ausdrucksweise des Angebots erinnerte mich fatal an päpstliche, bischöfliche oder sonstige kirchlichen „Angebote“. Huuuhhh…! Was offenbart sich da für ein Geist, frage ich mich? Da ist jemand, der hat’s – angeblich. Ein Buddha. Dann ist da die Gemeinschaft der Lernenden. Und schließlich der Lernstoff: Philosophie. Lehrer, die Gemeinschaft der Schüler und der Lerninhalt. Kennen wir ja alle aus der Schule. Ein Wissender, die Unwissenden und der Stoff aus dem die Träume sind. Während es in der Schule die Schulpflicht gibt, winkt in der Kirche oder in der Sangha eine Belohnung: Erlösung oder Erwachen. Vielleicht sogar eine Karriere als Hilfslehrer? Eine geile ABM.

Im Ch’an gibt es einen alten Spruch:
Wenn der Schüler bereit ist, erscheint der Meister.
Hach, da geht mir das Herz auf!

Wenn die Rosenknospe bereit ist, erscheint der Gärtnermeister und die Knospe öffnet sich. Pustekuchen! Sie hätte sich natürlich auch ohne Gärtnermeister geöffnet. Vielleicht blieb sie sogar verschlossen beim Anblick dieses Kerls mit der Gartenschere?

Als der große Sufi-Mystiker Hassan im Sterben lag, fragte ihn jemand: „Hassan, wer war dein Meister?“ Er antwortete: „Ich hatte Tausende von Meistern. Wenn ich auch nur ihre Namen nennen wollte, würde es Monate dauern, und dazu bleibt nun keine Zeit mehr. Aber von dreien meiner Meister will ich euch gerne erzählen. Einer von ihnen war ein Dieb. …“
Der zweite Meister war ein Hund, der dritte ein kleines Kind.

aus: Osho, „The Secrets of Secrets, Bd. 1“

Ich muss gerade an Alexander S. Neill denken, der es seinen Schülern in Summerhill frei stellte, ob sie am Unterricht teilnahmen oder nicht. Die Schüler, die vorher staatliche Zwangsanstalten besucht hatten, nutzen als Erstes ihre neue Freiheit und blieben dem Unterricht fern. So nach und nach trudelten sie dann doch ein und machten da mit, wofür sie sich interessierten.

Rosenknospen öffnen sich ganz von allein. Wenn der Schüler bereit ist, erscheint der Meister! Und der Meister kann eine Rosenknospe sein oder ein Stein oder ein Regenwurm oder eine Wolke oder … Na ja, gut, kann auch ein Mensch sein. Es gibt nichts Schöneres als zu lernen, nichts Schöneres als offen zu sein für alles, was erscheint. Wer braucht schon jemanden, der einem verklickert, wo es angeblich lang geht, jemanden, der einem ständig mit irgendeiner Karotte vor der Nase herumfuchtelt oder gar jemanden, der einen klein macht (ihr seid allzumal Sünder oder Unwissende oder etwas in der Preislage) und mit irgendwelchen Schrecklichkeiten droht?

Andrew Cohen schrieb letztes Jahr nach 27-jähriger Tätigkeit als „spiritueller Lehrer für Erleuchtung“ eine Entschuldigung:

Ich habe die einfache Wahrheit verstanden, dass wir alle Egos haben, egal wie erleuchtet wir sind, und ich habe dies während meiner Karriere sogar Tausende von Menschen auf der ganzen Welt gelehrt.

Ob er wohl irgendwann noch eine Entschuldigung für diese Entschuldigung nachschieben wird?

Sei dir selbst ein Licht, das dich erleuchtet!
Buddha
Und falls das Ego es wieder gar zu doll treibt:
Sei dir selbst ein Witz, der dich erheitert!
Osho
hihi
Meister aller Meister

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53 Antworten zu Wenn der Schüler bereit ist, erscheint der Meister!

  1. Ingeborg schreibt:

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  2. fredo0 schreibt:

    das mit dem durch den Schüler zum Lehrer gemacht werden, ist übrigens für den „erwählten“ Lehrer nicht immer ein Honigschlecken.

    ich erinnere nur zu genau den entsetzen Blick des Whayne Liquorman als ihn Ramesh so wie „aus Versehen“ vor versammelter Besucherschar als „befragbar“ outete .
    Whayne darauf (frei übersetzt ) : „Mist, jetzt belagern mir die Sucher die Terasse und ich kann nie mehr in Frieden frühstücken. “ …. genau so ist es gekommen ….

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  3. inrayma schreibt:

    JA, es ist für das Ego eine schlimme Vorstellung sich irgendwem unterwerfen zu müssen. Gerade, wenn es meint bereits kurz vor der Öffnung der Knospe zu stehen und denkt sich, ach das kann ich auch allein, bin ja auch bis hierher gekommen, ich brauche keinen Lehrer, ich brauche Niemanden, schließlich bin ich Gott😉

    Aus meiner Erfahrung kann ich allerdings sagen, mein Meister tauchte auf als ich bereit war für den Meister. Das hat nicht ausschließlich mit der Knospe zu tun, die öffnet sich oder auch nicht. Es gibt allerdings für das Öffnen von Knospen ein paar Bedingungen. Wasser und Nährstoffe z.B. und es gibt Blumen, die wachsen an unwirtlichen Orten, wo sich Knospen von allein und aus eigener Kraft nicht öffnen, weil es an Wasser und Nährstoffen fehlt. Da ist ein guter Gärtner schon was wert, wenn er fleißig mit seiner Arbeit das Wasser und die Nährstoffe zur Blume trägt und sie damit liebevoll behandelt. Natürlich bleibt es dann noch immer ein Geheimnis, ob sich die Knospe öffnet, allerdings hatte die Blume so oder so ein besseres Dasein mit ausreichend Wasser und Nährstoffen, auch wenn sich die Knopse niemals öffnet hat sich die Blume ihr ganzes Dasein über besser gefühlt, weil sie gepflegt und gehegt wurde – man kann es an ihren Blättern sehen auch ohne Blüten. Warum also nicht eine gepflegte Blume sein, die keine Blüten trägt dafür aber gesunde Blätter?😀

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    • Nitya schreibt:

      Das ist aus meiner Sicht der klassische Standpunkt und ein sehr beliebtes Totschlagargument: „JA, es ist für das Ego eine schlimme Vorstellung sich irgendwem unterwerfen zu müssen.“

      Nicht der Lehrer macht aus einem Menschen einen Schüler, sondern der Schüler macht aus einem Menschen einen Meister, seinen Meister – aus einem Menschen oder einer Rosenknospe oder einem Stein oder einem Regenwurm oder aus einer Wolke oder aus was auch immer.

      Osho hat das mal in Bezug auf Liebende so auf den Punkt gebracht:“Gib dich nicht dem Ego des anderen hin. Gib dich der Liebe selbst hin!“ Das Ego kennt nur Herrschen oder Unterwürfigkeit. Das Ego kann sich überhaupt nicht hingeben. Was wird denn hingegeben? Die Vorstellung von einem Ego natürlich. Und die wird nicht hingegeben, sondern sie fällt ab.

      „JA, es ist für das Ego eine schlimme Vorstellung sich irgendwem unterwerfen zu müssen.“ Mich gruselt bei so einem Satz. Der hätte vom Papst kommen können.

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      • inrayma schreibt:

        „Das ist aus meiner Sicht der klassische Standpunkt und ein sehr beliebtes Totschlagargument:“

        Da muss ich schmunzeln lieber Nitya, genau DAS sagt der Satz doch aus:

        „Mich gruselt bei so einem Satz“ EBEN – wer ist es denn, den es nun gruselt?
        Der, der sich vor Unterwerfung gruselt.
        Wann hast du dich zuletzt genüsslich unterworfen? Wann hast du es je genossen, dich zu unterwerfen anstatt immer dagegen anzukämpfen?
        Warst du mal in Bangalore und hast dem von dir so gern zitierten Bhagwan mit seinen Unterwerfungsriten beigewohnt?
        Es gibt eine Art der Unterwerfung um die man nicht herumkommt, wenn man „sein“ Ego kennenlernen möchte, wie es wirklich tickt.

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      • froeschin schreibt:

        …komisch, diese Beschreibung und vor allem Vehemenz und Ironie erinnert mich eher an Sado- Maso. Liegt vielleicht daran, dass ich gerade im Ersten den Film über die Odenwaldschule sehe.

        Genüssliches Unterwerfen … so, wie Du schreibst, geht es da wohl mehr um De Sade, als um das Thema.

        … und wer könnte sich überhaupt wem unterwerfen? Meinst Du wirklich, dass Erleuchtung/Erweckung davon abhängig ist? Kein „Jemand“ kann erleuchtet werden. auch kein Unterwürfiger.

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      • Nitya schreibt:

        Nun, liebe inrayma, genüsslich unterworfen habe ich mich noch nie. Auch nicht in Bangalore. Ich wüsste auch gar nicht, was ich da je verloren gehabt hätte. Tut mir sehr leid, ich teile in keiner Weise deine Unterwerfungsvorlieben und ich werde bis zum letzten Atemzug gegen jeden Versuch der Unterwerfung ankämpfen. So ist der Charakter von diesem Nitya nun mal gestrickt und sein Ego sowieso. Und da ich, wie ich mehrfach beteuerte, kein bisschen erleuchtet bin, kann ich mir diesen Luxus auch aus tiefster Seele gestatten. Irgendwie erinnerst du mich mit deinem Post gerade an die Mutter von Harold in „Harold and Maude“, die ihre Fragen vorsichtshalber immer gleich selbst beantwortete, damit ihr Selbstbild nicht durcheinander geriet.

        Und im Übrigen: Ich liieeebe mein Ego!

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      • Prem Kasina schreibt:

        Harold und Maud…
        mein liebster Film…

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  4. Elwood schreibt:

    Vieleicht unterwirft sich das Ego nur allzu gerne, wenn die Belohnung lockt.
    Dann schaut man lieber auch nicht so genau hin, ob die Karotten überhaupt verdaut werden können. Sie kommen nicht mal in die Nähe der Verdauungssäfte, da sonst das Ziel der Belohnung nicht mehr so schön frohlocken könnte.
    Zum Schluß gibet dann nur Arbeit für Meister Propper.

    Meisterlich, dieses Häschen…..

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  5. fredo0 schreibt:

    es ist seltsam … ich persönlich hatte nie diese „meister“-erwartung an den „davorne“ ( oder wo auch immer ) …
    all diese gurus haben mich stets eher abgeschreckt … sogar ein herr osho hatte zwar stets meinen respekt, aber war für mich als „meiner davorne“ völlig inakzeptabel …
    ob das mein frei-geist-getue war oder meine rebellische infragestellung eigentlich jeder autorität bereits aus sehr linken jugendzeiten vermag ich nicht zu sagen .

    das erste und einzige mal wo ich dann doch länger vor einem „davorne“ sitzen blieb , und auch immer gerne wiederkam ( ohne ihn jedoch jemals meinen „guru“ zu nennen oder es so zu empfinden ) war bei herrn ramesh …
    und wenn ich beantworten sollte warum … dann würde ich sagen gerade weil ihm halt jede „meister“-attitüde fremd war, und er gerade das persönlich un-meisterliche nicht im geringsten verdeckt hielt. … dieser höchst bescheidene, und zurückhaltende mann, war einfach als schlichte persönlichkeit für mich so liebenswert, dass ich jederzeit auch ohne jede „meisterliche“ information nur zu gerne einen tschai mit ihm getrunken hätte … und ja auch gelegentlich habe …
    Ein „meister“ der seine schüler ins private wohnzimmer einlädt, und dessen ehefrau dabei tee und kekse reicht und der manchmal mehr über seine enkel schwatzte als über dieses merkwürdige erleuchtungs-ding ist mir zumindest höchst sympatisch … und da hat meine chronische autoritäts-aversion irgendwie auch keinen ansatzpunkt gefunden …
    vielleicht ja genau der trick dieses „meisters“ , sich die „un-be-meister-baren“ vorzunehmen ?
    wer weiß ?

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    • Nitya schreibt:

      Ein “meister” der seine schüler ins private wohnzimmer einlädt, und dessen ehefrau dabei tee und kekse reicht und der manchmal mehr über seine enkel schwatzte als über dieses merkwürdige erleuchtungs-ding ist mir zumindest höchst sympatisch …

      Lieber Fredo,

      nett, dass du den Meister in Anführungszeichen gesetzt hast. Andererseits – was ist so besonders daran, dass dich so’n Typ ins Wohnzimmer eingeladen hat? Ist doch auch nur’n Mensch oder? Und wenn er geselliger Natur ist, dann hat er einfach gerne Leute bei sich zum Tee. Ich bin zum Beispiel weder gesellig noch erleuchtet, also lade ich auch niemanden zum Tee ins Wohnzimmer – schon allein deshalb, weil ich sowas gar nicht hab und außerdem trinke ich lieber Kaffee.

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      • fredo0 schreibt:

        tja … werter nitya … du gastgeberstoffel😀 … du umgibst dich halt lieber mit lebensmüden eichhörnchen … statt mit „erleuchteten“ teetrinkern …
        aber zur not geht halt auch ein kaffee ( dampft gerade neben dem pc ) wenns auch ein wenig milch im hause hat …

        egal wie … ich kann zwar auf nen meister verzichten … aber kaffee oder tee ? … das wäre schon sehr hart …

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      • Nitya schreibt:

        Wie kann man nur seinen Kaffee mit Milch versauen! Also das ist nun wirklich gänzlich unerleuchtet. Übrigens bin ich kein Gastgeberstoffel, sondern überhaupt kein Gastgeber. Die angeblich lebensmüden Eichhörnchen umgeben sich übrigens mit mir und nicht umgekehrt.

        Aber in einem stimme ich dir unbedingt zu: Nie würde ich meinen Kaffee gegen einen sog. Meister eintauschen. Stell ich mir gerade mal so vor: Es klingelt. Madhukar steht vor der Tür.
        Um Gottes willen! Tür zu!

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      • Prem Kasina schreibt:

        🙂

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  6. Elwood schreibt:

    „Wenn der Schüler bereit ist, erscheint der Meister.“

    Obwohl ich Dieter Bohlen ganz so gar nicht mag, hatte er doch in manchen Zeiten so was meisterliches für mich. Er war so ganz anders wie dieser Gutmensch Elwood.

    Es gab mal einen Polizisten im Big Brother Container, der danach noch eine Ehrenrunde in den Privatsendern drehte. Seine Botschaft lautete:“Es ist so geil ein Arschloch zu sein!“.
    Damals eine meisterliche Botschaft für mich. Er blieb nicht lange auf’n Schirm, vermutlich fanden es die Fersehtreibenen nicht so meisterlich.

    Naja, da gibs ja noch die Konserven von Klaus Kinski…
    und Monty Python….
    .
    Und die Katzen in unseren Garten….
    zusammen mit den Vöglein…Uhjui..
    und, und, und….

    alles zu seiner Zeit….
    an seinem Ort….

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  7. Elwood schreibt:

    Ich such mir ein Bild aus (Google Bilder such du Hund, Smileys webseiten, tumbl etc.),
    mit Maus Rechtsklick – Grafik anzeigen, URL makieren – copy und hier reinsetzen.
    Und wenn ich son richtig geiles Arschloch bin, schaltet der King of Freischalter „Nitya“ die Links frei……..

    Mikado-Meister:

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  8. fredo0 schreibt:

    oh gott … jetzt geht die smilie und videoseuche hier auch los …. war bisher so schön wortgemütlich hier … das D-doppelpunkt-grinsen hat mir völlig gereicht …
    jetzt muss ich nach einem bunte-bilder-kotz-würg-smilie ausschau halten …

    misst … jetzt brauch ich die doppelte dosis milch im kaffee …

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  9. Eno Silla schreibt:

    Privilegien, wo sind meine Privilegien geblieben?
    Was hat WordPress gemacht, dass nun alle Bilder hier veröffentlichen können?
    Interessant, interessant…

    Son Mist, ich musste es noch auf die alte, umständlichere Art machen!

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