Dattatreya: Gib jedes Verlangen auf


Geist

Warum, Verstand, irrst du umher
wie ein verwirrter Geist?
Begreife das Selbst
als den Zustand der Ausgeglichenheit.
Gib jedes Verlangen auf
und sei glücklich

Wahrlich, du allein
bist die Wirklichkeit,
frei von Veränderung,
unbewegt
das Eine
im Zustand völliger Freiheit.
Anhaftung und Loslösung
betreffen dich nicht.
Warum schaffst du dir Sorgen
mit deinen Begierden?

Alle Schriften lehren
das Selbst sei ohne Eigenschaften,
rein, unerschöpflich, gestaltlos
und ausgeglichen.
Begreife, das bin ich.
Es ist kein Platz für Zweifel,
also zweifle nicht.

aus der Avadhuta Gita

„Gib jedes Verlangen auf!“ als Forderung, ist natürlich Quatsch und war vermutlich nie so gemeint. Das ist wieder so ein Beispiel, wie man aus so einer vermeintlichen Aufforderung gleich wieder eine ganze Religion basteln könnte, in der bis auf das Verlangen, das Verlangen aufzugeben, jegliches Verlangen aufgegeben werden soll. „Begreife das Selbst als den Zustand der Ausgeglichenheit.“ sagt Dattatreya und Alle Schriften lehren, das Selbst sei ohne Eigenschaften, rein, unerschöpflich, gestaltlos und ausgeglichen. Begreife, das bin ich.“ Wer verlangt denn, wenn ich ohne Eigenschaften, rein, unerschöpflich, gestaltlos und ausgeglichen bin, dass ich irgendetwas begreifen soll? Das, was so beschrieben wird, sicher nicht. „Wahrlich, du allein bist die Wirklichkeit, frei von Veränderung, unbewegt das Eine im Zustand völliger Freiheit.“ Dattatreya stößt fast mit jeder Aussage den Leser immer wieder auf die Frage: Wer bist du denn wirklich? Das ständig Verlangende, Begehrende, das nie satt zu kriegen ist, oder das, was von Ewigkeit zu Ewigkeit frei von jeder Veränderung ist, das Eine, unbewegt?

Es geht also ganz sicher mal wieder nicht darum, etwa auftauchendes Verlangen nach was auch immer zu unterdrücken, sondern in das unbewegte Eine einzutauchen. Das klingt jetzt auch schon wieder wie ein Machen: Ich zieh die Badehose an, greif mir meine Schnorchel-Ausrüstung und springe kühn hinein mitten ins unbewegte Eine. Aber da ist nix. Kein Objekt weit und breit. Nichts zu tun. Kein Wunder, dass der Verstand umherirrt wie ein verwirrter Geist? Er kann es nie verstehen.

Begreife, das Selbst ohne Eigenschaften, rein, unerschöpflich, gestaltlos und ausgeglichen, das bin ich! Mit „Begreifen“ kann nicht das Verstehen mit dem Verstand gemeint sein. Und das kann jeden, der das zu begreifen versucht, in totale Verzweiflung stürzen. „Wieso lächelt dieser Mahakashyapa so komisch? Wie so macht ihn Buddha zu seinem Nachfolger? Was begreift der, was ich nicht begreife? Ich bin doch nicht blöd, komm mir aber so saumäßg blöd vor! Oh, Mann, ich geb mir gleich die Kugel. Scheiß Blümchen! Das könnt ihr mir noch 1000 mal vor die Nase halten. Ich starr bloß drauf und vesteh Bahnhof.

Blume

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7 Antworten zu Dattatreya: Gib jedes Verlangen auf

  1. Prem Kasina schreibt:

    ich verkürze mal (Dattatreya verzeih mir, dass ich verunstalte):

    Begreife das Selbst
    als den Zustand der Ausgeglichenheit.
    Wahrlich, du allein
    bist die Wirklichkeit,
    Es ist kein Platz für Zweifel,
    also zweifle nicht.

    die Mitte, der Augenblick
    Wirklichkeit
    Vertrauen…

    und der Himmel öffnet sich…

    (ich höre das Rauschen in der Linde…)

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  2. Elwood schreibt:

    „Er kann es nie verstehen.““

    Was für eine gute Nachricht….
    Was für eine Erleichterung….
    ICH bin nicht zu blöd…..
    ICH bin nicht zu schlau….
    ES IST- nicht zu verstehen…..
    Punkt!…
    Die Kleider des Verstandes fallen ab….
    Der Schleier des „Verstehen müssen“ lichtet sich….
    Keine Chance sich zu verbergen…
    Vergebung durchströmt…
    Wo es keiner Vergebung bedurft….
    Keine Scham, keine Schuld….
    Kein Ziel…..
    Vergangenheit und Zukunft ihrer Bedeutung beraubt….
    Vom Zweifel entlassen….
    Gibt es NICHTs zu verstehen….
    Da ES schon immer gewusst….
    Tief verankert……
    Ohne Worte…
    Nackt……
    Die Karawane zieht weiter….
    Ohne Anfang….
    Ohne Ende…

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  3. Savitri schreibt:

    be-greife…
    in diesem Körper…
    wenn man sich selbst an die Nase fasst, ist ein „Kreis“ geschlossen…
    spür mal nach…🙂

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