Verschwörungstheoretiker

 

V
Am Freitag hat uns Eno freundlicherweise „Die Anstalt“, die am 23.9. gesendet wurde, reingestellt. Vielleicht habt ihr sie euch angeschaut. Ich bringe sie heute noch einmal, aber nur einen bestimmten Ausschnitt und zwar den, in dem es um das Thema „Verschwörungstheorie“ geht:


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Also, vermutlich handelt es sich hier um ein altes Trauma von diesem Nitya, dessen Mutter ihm bei seinen wilden Verschwörungstheorien stets zu sagen pflegte: „Aber das bildest du dir sicher nur ein, mein Junge!“ Diese Reaktion beschränkte sich nicht nur auf meine Mutter, sei wurde auch von meinen Pennern auf der Penne liebevoll gepflegt. Also mit den Pennern meine ich natürlich meine Pauker und gerechterweise muss ich gestehen, dass wohl beide Seiten, Lehrer und Schüler, ausgiebig gepennt haben. Und mit Penne meine ich hier nicht, wie dem geneigten Leser inzwischen wohl klar geworden ist, diese delikate italienische Nudel, sondern die Schule. So, nachdem dies nun geklärt ist, weiter im Text. Ich merke, dass mir inzwischen jede abgeklärte Gelassenheit flöten geht, wenn ich heute mit der Reaktion meiner Mutter konfrontiert werde. Ja, das Wort ist nicht das Ding, ist schon klar, aber was soll ich armes Luder machen, ich geh ab wie eine Rakete, wann immer das passiert. Wenn beispielsweise meine Söhne geradezu großväterlich mit ihrem in ihren Augen reichlich debilen, alten Vater reden und ihm klar zu machen versuchen, dass er doch besser den „seriösen“ Quellen Glauben schenken soll als diesen dubiosen Verschwörungstheoretikern, dann geh ich senkrecht an die Decke. Scheiß auf die Gelassenheit! Gott sei Dank bin ich nicht erleuchtet und muss mich nicht irgendwie heilig benehmen! Hoch soll er also leben, an der Decke soll er kleben, dreimal hoch!

Claus von Wagner und Max Uthoff scheinen ein ähnliches Schicksal wie ich zu teilen. Man kann es an ihrer geradezu diabolischen Freude sehen, mit denen sie die „Das bildest du dir doch nur ein“-Fraktion schlachten. Natürlich steckt hinter dieser „diabolischen Freude“ auch nichts anderes als gequälte Kinderseelen, denen man ein Leben lang ein X für ein U vormachen wollte. „Wiegen Sie doch bitte noch einmal den Schinken nach! Ich glaube, Sie haben da versehentlich noch einen Finger auf der Waage gehabt.“ Das „versehentlich“ war natürlich nur der Angst vor Prügel geschuldet. Der Metzger wiegt noch einmal auf einer anderen Waage (!) nach. „Da werde ich die Waage da drüben gleich mal wieder zur Kontrolle bringen müssen. Gut, dass Sie sich gleich gemeldet haben!“ Nur nicht seine kleinen oder großen Schweinereien zugeben. Hätte ich ihm meine Beobachtung offen mitgeteilt, hätte er möglicherweise etwas von „Verleumdung“ und „Geschäftsschädigung“ gemurmelt und vielleicht sogar mit einer Strafanzeige gedroht. Schließlich war da ja noch Kundschaft im Laden.

F
Die wundervolle Marguerite Porète wurde von der Inquisition einst auf dem Scheiterhaufen verbrannt, weil sie ihre Wahrheit veröffentlichte:  „Er ist und ich bin nicht mehr.“ Diese Wahrheit hätte die Menschen vielleicht darüber nachdenken lassen, ob der ganze Schwachsinn, der ihnen da von der Heiligen Römischen Kirche beigepuhlt wurde, wirklich einfach nur Schwachsinn ist, mit dem man die dummen Schäfchen weiterhin unter der Kontrolle der Herrschenden halten konnte und vielleicht nur von der Wahrheit ablenken soll, wie sie jeder finden könnte, wenn er nur danach Ausschau halten würde.

Was ist das, was die „Das bildest du dir doch nur ein“-Fraktion da betreibt anderes als das, dem die Begine Porète zum Opfer gefallen ist? Das ist finsterstes Mittelalter, das ist das Ende des Zeitalters der Aufklärung – falls es das je wirklich gegeben haben sollte, woran ich so meine Zweifel habe, Ketzer als Ausnahmeerscheinung hat es schließlich schon immer gegeben. Wir, der angeblich so aufgeklärte Westen, mokieren uns über die Scharia, über den Islam insgesamt – wir, ausgerechnet wir! Sind wir denn wirklich besser als die Islamisten der IS? Vielleicht verlogener, aber sonst seh ich da keinen prinzipiellen Unterschied.

Ich weiß nicht, ob irgendein Mensch – bis auf die üblichen Verdächtigen – begreift, dass dieser ganze Wahnsinn, mit dem sich die Menschheit den Ast absägt, auf dem sie sitzt und von dem ihr Überleben abzuhängen scheint, darauf beruht, dass dieses „Ich“ nur eine Fiktion ist.

Buddha antwortete auf die Frage „Was haben wir in dieser Welt zu erwarten, in die wir hineingeboren wurden?“

sabbe dhamma anicca
sabbe dhamma dukkha
sabbe dhamma anatta

Alle Phänomene sind vergänglich.
Alle Phänomene sind letztlich leidhaft.
Alle Phänomene sind ohne Selbst (ohne bleibenden Kern, ohne ein „Ich“)

Diese Anatta-Lehre ist die Lehre von der Selbst-Losigkeit, die immer wieder verwechselt wurde mit irgendeiner freundlichen Vorstellung von der Selbstlosigkeit. Sie ist mindestens 2500 Jahre alt, im Grunde jedoch völlig zeitlos wahr. Wie viele Jahrtausende wird es wohl noch dauern, bis sie aufgehört hat, nur eine Lehre zu sein, und zum Bewusstsein der Menschheit geworden ist. Bis jetzt scheint sie für das „Ich“ so gefährlich zu sein, dass selbst angebliche Buddhisten es immer noch für eine Lehre halten. „Selbst-Losigkeit“ ist immer noch so was wie Verschwörungstheorie.

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11 Antworten zu Verschwörungstheoretiker

  1. Prem Kasina schreibt:

    ich erschrak.
    Genau dieser Teufel auf dem Bild, ohne Stern und ohne Hörner, ist mir einmal nachts im Traum begegnet. Es war der schlimmste Albtraum, den ich jemals hatte. Die Kraft, mit der er mich nach hinten sog, unermesslich…
    Schreiend wachte ich auf…

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  2. Gerhard Mersmann schreibt:

    Du kannst es nicht lassen!

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  3. punitozen schreibt:

    Nitya , verehrtester Grashocker !
    … “Selbst-Losigkeit” ist immer noch so was wie Verschwörungstheorie. …
    so der olle NITYA
    und so der olle MAZU DAOYI :
    “ Wenn man sich nicht auf den Gegensatz von Gut und Böse festlegen lässt ,
    der kann ein Übender des Weges genannt werden . “

    Liebe Grüße
    PUNITO

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  4. Elwood schreibt:

    Also, was diesen Verschwörungstheoretiker Daniel Herbst so durch sein Kopf rauscht, das hat was.
    Dat kann man ja auch mal durch seinen Koop rauschen lassen und wenns vibriert mutt dat ja kein schlechtes Zeichen sein, oder?

    Was das Denken dem Menschen suggeriert

    Dieser ganze Wahnsinn existiert nur, wenn ich darüber nachdenke! Das ist kaum zu glauben. Aber wenn wir nicht darüber nachdenken, dann lässt sich dieser Wahnsinn in uns nicht wiederfinden.
    Bis zu einem gewissen Grad und vor allen Dingen ab einem gewissen Grad bedeutet denken „wahnsinnig sein“. Der Wahnsinn besteht in der Annahme, dass mir durch Gedanken ein richtiges, der Wirklichkeit entsprechendes Bild der Wirklichkeit vermittelt werden kann.
    Der Wahnsinn besteht darin, überhaupt für möglich zu halten, dass sich ein solches Bild auf der Ebene von Gedanken vermitteln lässt!
    Die Denkprozesse vollziehen sich parallel zum Leben – also während das Leben aus sich selbst heraus stattfindet. Obwohl sie selbst Ausdruck des Lebens sind, können sie das Leben nicht so wiedergeben, wie es ist. Denn das Leben, von dem wir sprechen – über das wir sprechen – gibt es gar nicht! Es gibt nur den lebendigen Prozess, der sich gerade vollzieht und die gedanklichen Konstruktionen, die daraus anschließend eine Lebensgeschichte, eine Erdgeschichte, eine Weltgeschichte machen. Obwohl die mentalen Bewegungen also zum Leben gehören, konstruieren sie ein Leben, das auf Kosten des Lebens lebt. – Ein eingebildetes, rein gedankliches Konstrukt, das wir mit dem Leben verwechseln.
    Wir fürchten uns immer nur vor diesem Konstrukt. Wir fürchten uns immer nur vor unseren eigenen Gedanken. Wir kämpfen für unsere Gedanken, wir morden für sie, wir scheitern an ihnen. Das kann nicht anders sein, weil alle Gedanken zum Scheitern verurteilt sind. Sie sind zum Scheitern verurteilt, weil sie sich ständig widersprechen, von uns in ihrer Widersprüchlichkeit aber für wahr gehalten werden. Damit sind sie wie ein Stück Kuchen, das heute süß und morgen salzig schmeckt.
    Auf der Ebene der physischen Wirklichkeit würden Gedanken zu einem heillosen Durcheinander führen. Egal was wir anfassen, egal womit wir umgehen, wir wüssten nicht, wohin es führt. Wir wüssten nicht, ob ein Stuhl unser Gewicht tragen würde oder ob er unsere Masse einfach durch sich hindurchfallen ließe. Unser Herz könnte heute auf die Idee kommen, selbst denken und dafür nicht mehr schlagen zu wollen, kurz – da, wo zu viel gedacht wird, gerät das, was in einer Ordnung ist, in Unordnung. Diese Unordnung entspringt einzig und allein dem Denken, das sich einbildet, Wirklichkeit erschaffen zu können, die wirklicher als das lebendige Leben ist. – Und fatalerweise wohnt dem Denken diese Macht und Fähigkeit tatsächlich inne.
    Das erdachte Universum ist ein Universum, in dem sich das Leben den Gedanken unterzuordnen hat. Und da, wo an das erdachte Universum geglaubt wird, passiert genau das.
    Der Mensch glaubt an die Gedanken, die sich ihm zeigen. Er glaubt vorbehaltlos, was er denkt. Und das Denken suggeriert ihm, dass er selber denkt. Das ist die Verführung, der der Mensch anheimfällt: „Das alles denke ich. Es sind meine Gedanken. Ich erschaffe Wirklichkeit.“ Und so lässt sich der Mensch von den mentalen Strömungen erfassen und wird zum Sklaven seiner eigenen Gedanken – zu einem Denksklaven, der nicht nur fühlt, was er denkt, sondern es auch ausdrückt.
    Der Stuhl wird von einem Denker erdacht, der sich selbst nicht widerspricht. Und doch ist er dadurch ebenso wenig zum Stuhl geworden, wie du zur Person. „Stuhl sein“ ist seine gegenwärtige Funktion. Er ist Stuhl, bis er ins Feuer geworfen wird oder auseinanderbricht. Aber niemals wird er vor sich selbst zu so etwas wie einem Stuhl. Er wird vor sich selbst auch nicht zu etwas anderem, weil er nicht zweifach bedacht ist – sich also nicht selbst bedenkt. Der Stuhl ist völlig frei von jedem Widerspruch Stuhl. Das lässt ihn so zuverlässig funktionieren. Er ist „nur“ Stuhl, und sonst nichts. Und weil er „sonst nichts“ ist, bietet er sich allen gleichermaßen an. Natürlich bietet er sich nicht an – sein Vorhandensein ist das Angebot – von dem er nichts weiß! Lass dich in aller Einfachheit nieder …
    Frei von sich selbst ist, was einfach, also ohne Widerspruch ist. Um zu entdecken, dass die Einfachheit allem innewohnt, bedarf es für ein derart kompliziertes, weil widersprüchliches Wesen, wie es der Mensch nun einmal ist, einiger sehr tief greifender Fragen. Wo die Fragen nicht so tief greifen, muss es bei der Widersprüchlichkeit und damit beim Gefühl der inneren Zerrissenheit bleiben, weil die vielen Fragen nichts anderes im Sinn haben, als von den tief greifenden Fragen abzulenken.
    Die vielen Fragen wollen das Fundament nicht erschüttern, auf dem wir zu stehen glauben und allem Anschein nach auch stehen. Es ist ein Fundament, dass andere angerührt haben, ein Fundament, auf dem wir eher nicht stehen, sondern in das wir bis zum Hals eingegossen sind. Es ist unser „Glaubensbekenntnis“. Und dieses „Glaubensbekenntnis“ darf nicht ernsthaft infrage gestellt werden, denn – wer sind wir dann?  
    Als „Jemand“ auf sich selbst bestehen, der Glaube an die eigene Identität, die angebliche Übernahme der Verantwortung für das eigene Leben und der Stolz auf sich selbst, entspringen alle nicht dem Denker an sich, sondern dem eingebildeten Denker, der ich höchstpersönlich zu sein glaube. 
    Ich glaube, jemand zu sein, der viel dazu beigetragen hat, dass er jetzt so ist, wie er ist. Ich bin der Baum, der stolz auf seine Früchte ist und für sie bewundert werden will. Ich bin aber auch der Baum, der sich dafür schämt, vertrocknet und geduckt am steinigen Abhang zu stehen, ohne Aussicht auf eine eigene Blütenpracht.
    Solche Identifikationen hindern mich daran, mir selbst auf den Grund zu schauen. Sie verschleiern mich vor mir selbst und verhindern so, dass ich zu der Einsicht – und damit zu mir selbst vordringen kann. Die Einsicht ist das Sein an sich, der von der Last des Baumes befreite Baum, die von Stolz und Scham befreite Existenz, die entdeckt, dass sie es ist, die als Existenz existiert. Und schon fragt sie sich: „Was bin ich?“ – und verliert sich durch diese scheinbar einfache Frage vorübergehend selbst aus den Augen. Allein diese Frage führt zu Identifikation. Denn ich will wissen, wer ich bin – und gehe davon aus, dass ich auffindbar sein muss, um jemand zu sein. Und das ist vollkommen richtig.
    Wenn die Existenz darauf Aufmerksamkeit wird, dass sie existiert, beginnt sie, nach sich selbst zu suchen und lässt sich nur allzu schnell vom eigenen körperlichen Vorhandensein überzeugen. Schließlich lassen sich solche Fragen auf der Ebene des Körpers einfach beantworten: „Wer bin ich?“ – Ich bin dieser hier, dieser Körper. Und alle anderen Körper bin ich nicht. Alle anderen Körper sind andere Körper, die zu anderen gehören. – So sieht es auf der Ebene aus, auf der sich die Existenz mit etwas identifiziert. Das ist weder gut noch schlecht. Es passiert einfach und führt zu Problemen und Konflikten, die es anderenfalls nicht geben würde – zumindest nicht in dieser Form.
    Aber es gibt diese Konflikte – für uns. Wir halten es für vollkommen selbstverständlich, ja sogar für natürlich, auf uns selbst begrenzte, identifizierte Entitäten zu sein. Und nur weil wir das glauben, müssen wir auch unentwegt über uns selbst und die Welt nachdenken. Nur deshalb müssen wir uns zu ihr in Beziehung setzen – und das ruft das innere und äußere Chaos hervor.
    Das mit sich selbst in einer spezifischen Form identifizierte Bewusstsein ist ziemlich vordergründig und laut. Es meldet Ansprüche an, die es natürlicherweise nicht gibt. Es ist von der Erscheinung fasziniert, die es zu sein glaubt. Und weil es von ihr fasziniert ist, doktert es ständig an ihr herum. – Und das alles ist nicht persönlich! Es hat nichts mit „mir“ oder mit „dir“ zu tun. Es ist identifiziertes Bewusstsein, das sich vorübergehend an die Form verloren hat.
    Wir kommen erst als dieses Verlorensein ins Spiel. Unser Glaube an das Verlorensein bildet die Person, die uns zeitlebens begleitet und zu der wir schließlich mit Haut und Haar werden. Wir werden zu den Gedanken und Gefühlen, die eine Verbindung zwischen mir als begrenztem Wesen und der Welt herstellen.
    Ich werde zu den Gedanken und Gefühlen, die aus meinem Verlorensein ein Konstrukt werden lassen, das seine Träume leben will. Dabei kreisen alle Träume, die wir als identifizierte Wesen träumen, um Anerkennung, Liebe und Einfluss. Andere Träume können sich erst zeigen, wenn die grundlegenden Verbindungen hergestellt sind – wenn „ich“ meinen Platz im Leben „gefunden“ habe, wie es so schön unzutreffend heißt. Andere, darüber hinausgehende Träume können sich mir erst zeigen, wenn ich mich selbst nicht mehr beweisen muss. Dann wird das ganze Leben zu einem ununterbrochenen Traum, der sich nicht mehr zwanghaft mit vermeintlich eigenen Gedanken und Ideen auseinandersetzen muss und nicht immer wieder auf das konstruierte Ich zurückgreift, das aus der Vergangenheit kommt und in die Zukunft geht.
    Nein, dann bin ich hier und in diesem Hiersein entfaltet sich der Traum des Lebens. Hier höre ich auf, ihn vorwegnehmen zu wollen. Hier will ich ihn nicht mehr kontrollieren und steuern. Hier höre ich auf, mich und die Welt zu „wissen“. Hier muss ich mich nicht mehr vor der imaginären Angst schützen, die mich seit grauer Vorzeit begleitet. Hier weiß ich nicht, was das Leben ist. Hier entfaltet es sich.
    Die Entfaltung des Lebens wird von Gedanken und Gefühlen begleitet, die ihren eigenen Gesetzen folgen und sich zeigen, wenn sie es für richtig halten. Diese Gedanken und Gefühle sind nicht mehr meine Gedanken und Gefühle. Es sind einfach Gedanken und Gefühle, die das Leben „hat“. Deshalb muss ich nicht mehr für sie kämpfen, sie nicht mehr verteidigen, verbergen oder manipulieren. Wenn sie sich zeigen, dann wird es im Traum des Lebens so erlebt, wenn sie sich aussprechen oder ausagieren, dann sprechen sie sich aus oder führen zu Handlungen. Wenn es dadurch zu Konflikten oder Übereinstimmungen kommt, kommt es dadurch zu Konflikten oder Übereinstimmungen.
    Hier, in diesem Traum, der sich gerade entfaltet, findet das Interesse, sich selbst zu konstruieren, keinen Verbündeten mehr. Hier schert es mich nicht mehr, was ich über mich denke. Ich kann schon allein deshalb nicht mehr über mich nachdenken, weil Gedanken in mir auftauchen, wann sie es für richtig halten. Sie zeigen sich und sind dann schon wieder unterwegs – nach nirgendwo. Ich nehme nur einen Bruchteil der Gedanken, die sich mir präsentieren wollen, bewusst wahr. Die meisten von ihnen treffen mich also gar nicht bewusst an, weil sie nicht „bis zu mir“ vordringen. Die Gedanken, die ich zu mir nehme, bilden „meine“ Wirklichkeit, und dieser meiner Wirklichkeit sind in mir alle Türen geöffnet. So dürfen mich die immer selben Gedanken bestürmen, wodurch ich zu dem Schluss komme, dass diese Gedanken und die sich daraus ergebenden Gefühle der Wirklichkeit entsprechen. Und ja, natürlich sind sie wirklich – für dich oder für mich oder für denjenigen, der an ihre Wirklichkeit glaubt. Die Gedanken, die mir plausibel erscheinen, werden zu meiner Wirklichkeit – und ich kann nichts dagegen tun, weil ich auch nichts dafür tun kann.
    Egal was sich mir zeigt, es wird zu einem Teil meiner Wirklichkeit und bestätigt bzw. komplementiert damit das Weltbild, an das ich glauben muss. – Oder auch nicht. Dann wird die Welt meiner Gedanken für mich zu einem Traum. Dann wird erkannt, dass ich samt meinen Gedanken ein Traum bin, dem ich nicht entkommen kann und auch nicht mehr entkommen muss. Es ist ein Traum, der sich um sich selbst kümmert und mich überhaupt nicht fragt, was als Nächstes passieren soll. Er läuft einfach so ab, wie er sich zeigt, immerzu, gerade jetzt.
    In diesem Traum bilde ich mir nicht mehr ein, Dirigent oder Schöpfer des Ablaufs zu sein. Hier strömt alles durch mich hindurch, ohne dabei so etwas wie eine eingebildete Steuerzentrale zu konstituieren. Hier passiert nur, was sich im Augenblick von selbst enthüllt – und sonst gar nichts. Darin finden selbst Erinnerungen, Gedanken, Geschichten, Hoffnungen, „die Zukunft“, Vorlieben, Abneigungen und alles andere Unterschlupf, weil die Entdeckung der Wirklichkeit des Träumens eben nicht heißt, dass ich dann in tiefer Versenkung vor mich hindämmere oder alles der Unwirklichkeit bezichtige. Die Entdeckung der Wirklichkeit des Träumens zeigt diese Wirklichkeit als alles, was ist. Es gibt nur Traum, kein Du und kein Ich. Der Traum ist alles und zeigt sich als alles, so auch als du und als ich.

    Daniel Herbst [Lebenslänglich lebenslang]

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  5. Prem Kasina schreibt:

    Nein, dann bin ich hier und in diesem Hiersein entfaltet sich der Traum des Lebens. Hier höre ich auf, ihn vorwegnehmen zu wollen

    sehr viel Vertrauen braucht man um alles einfach geschehen zu lassen ohne der Versuchung zu erliegen, es vorab steuern zu wollen…

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