Lin-chi: von nichts abhängig

 

JEs gibt nur den Menschen des WEGES, der meinem Diskurs lauscht, von nichts abhängig ist – er ist es, welcher die Mutter aller Buddhas ist. Deshalb werden Buddhas geboren aus der Nicht-Abhängigkeit. Einmal erwacht zur Nicht-Abhängigkeit, muss auch kein Buddha mehr erlangt werden. Eine Einsicht ist die wahre Einsicht.

Die Schüler verstehen dies nicht, weil sie an Namen und Redensarten haften und sich von Begriffen wie „weltlich“ und „heilig“ verwirren lassen, trüben sie ihr Dharma-Auge und können sich keinen klaren Blick verschaffen. Nehmt zum Beispiel die zwölf Abschnitte der Lehren – alle sind nur Ausführungen in geschriebenen Worten. Weil sie dies nicht verstehen, denken sie sich Erklärungen aus, die auf Namen und geschriebenen Wörtern basieren. Weil sie abhängig sind, verfallen sie der Ursächlichkeit; sie entkommen nicht dem Kreislauf von Geburt-Tod in den drei Reichen.

aus: Lin-chi, „Lin-chi lu“

„Einmal erwacht zur Nicht-Abhängigkeit, muss auch kein Buddha mehr erlangt werden.“ Hier wird ein sehr klarer Akzent gesetzt. Es geht um Nicht-Abhängigkeit. Die Buddhisten verwenden gern den Begriff des Nicht-Anhaftens. Jesus sagte: „Werdet Vorübergehende!“

Ja aber, ja aber, sind wir nicht allesamt vollkommen abhängig. Ich muss essen, ich muss trinken, ich brauche eine bestimmte Temperatur – am liebsten so um die 25°C, ich brauche meine Ruhe, ich brauche Kleidung, ich brauche Schutz vor wilden Tieren und Zitterspinnen, ich brauche Schmerzfreiheit, ich brauche, ich brauche, ich brauche, …ach, was ist der Mensch doch für ein abhängiges, bedürftiges Wesen. Selbst wenn ich jetzt ein hartes Überlebens-Training absolvieren würde, ich wäre immer noch vollständig abhängig.

Aber darum scheint es Lin-chi gar nicht zu gehen. Er sagt: „Die Schüler verstehen dies nicht, weil sie an Namen und Redensarten haften und sich von Begriffen wie „weltlich“ und „heilig“ verwirren lassen, trüben sie ihr Dharma-Auge und können sich keinen klaren Blick verschaffen.“ Es scheint ihm um Namen und Redensarten zu gehen, um Vorstellungen, Worte, Gedanken, Meinungen, Glaubenssysteme. Wer die mit dem Wirklichen gleichsetzt und ihnen am Ende gar glaubt, der ist verratzt und verloren.

Was meint ihr, warum uns ein gnädiger Gott die Priester, Politiker, Werbepsychologen und ähnliches Gesockse auf den Hals gehetzt hat? Die wollen es uns freundlicherweise endgültig abgewöhnen, noch irgendein Wort zu glauben. „Alles Lü-ü-ü-ge!“ Na, da fällt es einem doch schon entschieden leichter, nicht an irgendwelchen Worten zu haften. Ein Wort ist einfach nur ein Wort. Warme Luft und sonst nichts. Wenn die Abhängigkeit von irgendwelchen Worten verschwunden ist, erscheint Buddha höchstselbst.B

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11 Antworten zu Lin-chi: von nichts abhängig

  1. Strandläufer schreibt:

    Wunderbar! Dieser warme Wind deiner Worte… sie fast jeden Morgen zu lesen wird mir gerade zur Gewohnheit. Na hoffentlich werde ich nicht von Ihnen abhängig! :-))

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    • Nitya schreibt:

      Na, dann pass mal schön auf!
      Das wäre ja schrecklich.

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    • Elwood schreibt:

      Abhängig von Nitya‘s Worten werde ich,
      wenn ich Nitya‘s Lügen-Konstrukte Glauben schenkte….
      Glauben heißt nicht wissen…….
      Der warme Wind, den Strandläufer erwähnt,
      würde ich vielleicht als Ahnungen bezeichnen……
      Diese tauchen in mir auf und verschwinden wieder……
      Vielleicht entwickelt sich daraus eine Sehnsucht…..
      Eine Sehnsucht vielleicht, NICHT mehr zu glauben…..
      Eine Ahnung, wie tief ich im Glauben steck…..
      Eine Ahnung, wie wenig ich weiß, wie wenig ich wissen kann….
      Eine Ahnung von Unabhängigkeit….
      Unabhängig von….
      Meinen Gedanken…..
      Meinen Ahnungen….
      Da kann Nitya’s Block weder etwas dafür…
      Noch dagegen tun….
      Aber vielleicht meint Strandläufer ja den herrlichen Märchenwald,
      den Du lieber Nitya hier so beiläufig hier ins Netz pflanzt….
      Hinter jeden Baum ein anderes Monster……
      das reinste Spiegelkabinett…..

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      • fredo0 schreibt:

        eine Ahnung VON (etwas) ist oft nur verzagtes Haben wollen …

        Jedoch
        eine Ahnung von Vertrauen ( ins „un-hab-bare“ aber doch bereits (zu)gehörende ) ,
        die auch vertrauensvolle Ahnung, mit einem sich in Ahnung bescheiden ist ,
        hört sich für mich „fein“ an…

        und ist letztlich gleich zu setzen mit dem erwähnten „nicht abhängig“.

        Es bedarf einer gewissen Unterscheidung ,
        einerseits die Ahnung von „etwas“ , die immer ein „noch nicht“ enthält ….

        Und die Ahnung , die gewissermassen in Ahnung angekommen ist, da sie um das Nicht-Wissen , niemals ganz begreifen können weiß, und damit die reine Ahnung als Vollendung des „Zugangs“ erkennt..

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      • Prem Kasina schreibt:

        🙂

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  2. Prem Kasina schreibt:

    lesen, lieben, vergessen…
    ein paar Sonnenstrahlen begleiten den Tag und nichts führt im Kreis…

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    • Nitya schreibt:

      Bist du sicher, dass es um die Worte geht und nicht um die Abhängigkeit von den Worten?

      Ich mein, immerhin hast du die deutsche Sprache noch nicht vergessen, sonst würde man bei dir vermutlich Demenz diagnostizieren.

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      • punitozen schreibt:

        ….Bist du sicher, dass es um die Worte geht und nicht um die Abhängigkeit von den Worten? …..

        Tragt die Kleider, die ihr tragen wollt. Geht und sitzt nach eigenem Willen“.🙂
        L.G. PUNITO

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      • Prem Kasina schreibt:

        ich finde es geht um die Gedanken, die durch die Worte ausgelöst werden. Sie sind es, die die Abhängigkeit erschaffen…
        wenn die Worte nur wirken und dann der nächste Augenblick Beachtung findet, entsteht keine Abhängigkeit…
        NICHTS dreht sich im Kreis und ALLES dreht natürlich mit. Whirling könnte eine gute Methode sein, das Auge des Zyklons zu erreichen…

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  3. Brigitte schreibt:

    „Ein Wort ist einfach nur ein Wort. Warme Luft und sonst nichts.“ Mist🙂

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