Sri Siddharameshwar Maharaj: Stolz

 

SiddharameshwarSei dir sicher, dass sich der Mensch in eisernen Fesseln bei demjenigen bedanken wird, der ihn befreit, währen der Mensch mit goldenen Fesseln demjenigen an die Kehle gehen wird, der ihn zu befreien versucht. Er wird sein bestes versuchen, seine Hände für immer in goldenen Fesseln zu halten. Welche Kraft steckt hinter alledem? Wer ist in diesem Beispiel der „freundliche Feind“, der bewirkt, dass man sich so glücklich in seinen Fesseln fühlt? Der wahre Erzfeind des Aspiranten ist der Stolz, den er auf seine guten Taten hat. Dieser Hochmut ist der Feind, der den Weg zur „Letztendlichen Wahrheit“ (Paramartha) versperrt. Deshalb ist es notwendig, auf allen Stolz zu verzichten, den man in Bezug auf gute Taten hat. Das könnte größte Bemühungen erforderlich machen. Aber wenn man dem Stolz nicht vollkommen abschwört, kann der Aspirant niemals Anspruch auf sein Vermächtnis erheben, das im Reichtum des „Wissens“ besteht.

aus: Sri Siddharameshwar Maharaj: „Der! Schlüssel zur Selbstverwirklichung“

Vorgestern hatte Marianne das Thema „Stolz“ am Wickel. Zuerst fiel mir das hier ein: „Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler, die da gerne stehen und beten in den Schulen und an den Ecken auf den Gassen, auf dass sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin.“ (Matthäus 6,5) Dann erinnerte ich mich an den Guru von Nisargadatta Siddharameshwar, von dem die Worte oben stammen. „Es notwendig, auf allen Stolz zu verzichten, den man in Bezug auf gute Taten hat.“ Der Erzfeind ist der Stolz, deshalb sollte auf ihn verzichtet werden, was größte Bemühungen erforderlich machen könnte.

Und wenn der Aspirant es geschafft hat, auf seinen Stolz zu verzichten, ist er dann stolz auf den Erfolg seiner Bemühungen oder wie? Nee, irgendwie schmeckt mir die Suppe nicht. Solange dieses Bemühen, dieses ganze Rumgemache nicht aufhört, fürchte ich, wird der arme Aspirant immer weiter in seinem Hamsterrad herumrennen. Geht’s denn nicht ganz ohne „Erzfeind“, den es zu bekämpfen gilt?

Solange es da jemanden gibt, der sich bemüht, wird es auch jemanden geben, der stolz auf „seine“ Taten ist. Und daran wird auch alles Verzichten nichts ändern. Wenn gesehen wird, dass da kein Handelnder ist, fällt der Schwachsinn einfach fort. Dann ist da nur so etwas wie die berühmte weiße Wolke, die von den Winden hierhin und dorthin getrieben wird, ständig ihre Form verändernd oder sich auflösend und sich neu bildend. Keiner Wolke würde es einfallen, darauf stolz zu sein. Sind meine Lungen stolz darauf, dass sie sich in schöner Regelmäßigkeit mit Luft füllen und sich von ihr entleeren? Oder das Herz? Oder die Nieren – deren Arbeit wird nicht einmal bemerkt. Genügt es nicht, „seinen“ Organen, soweit sie bemerkt werden, einfach zuzuschauen, wie den weißen Wolken am Himmel? Genügt es nicht, zu sehen, dass kein „Ich“ seine Finger im Spiel hat? Genügt es nicht, „seinen“ Gedanken zuzuschauen, die wie aus dem Nichts auftauchen und wieder verschwinden? Genügt es nicht, so wie es Niútóu Fǎróng vorschlug, einfach ein Nickerchen zu machen in leerem Raum? Ich hab’s nicht so mit dem Bemühen. Aber wer meint, sich bemühen zu müssen – auch das ist nicht seine Wahl. Da hat ihn halt der Wind in diese Richtung geblasen.Wolke

 

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6 Antworten zu Sri Siddharameshwar Maharaj: Stolz

  1. Jens Gantzel schreibt:

    Tja, das ist so eine Sache mit dem Bemühen und dem Stolz. Ich teile, dass es mit dem eifrigen Bemühen, ‚es doch endlich besser, spiritueller, entwickelter zu machen‘ nicht unbedingt weiter führt, durchaus aber mal in Sackgassen.
    Und ich sehe in der Arbeit, dass es vielen Menschen gut tut, erst einmal stolz sein zu dürfen, zu können, sich es erlauben, stolz auf etwas zu sein.
    Demut mag vielen Menschen gut stehen.
    Selbstwertschätzung (auch mal Stolz) steht auch vielen Menschen gut zu Gesicht.

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    • Nitya schreibt:

      Lieber Jens,

      in einem Psychotherapie- oder Coaching-Kontext würde ich sagen: Warum nicht? Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Im Kontext von Nondualität kann ich nur sagen: Stolz ist ein Symptom des Split-Minds. „Ich“ bin das Subjekt, auf das „ich“ stolz bin. „Ich“ ibedeutet grundlegende Trennung und Ursache des Leids. Selbstwertschätzung mag in diesem Kontext ein vorübergehend wohltuendes Trösterchen sein, kann aber nicht das Leiden am grundlegenden Getrenntsein beenden.

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