Niútóu Fǎróng: ein Nickerchen machen in leerem Raum


N
Denkt man unter allen Bedingungen nicht an ein Ergebnis,
Resultiert daraus ein Geist, der dem Samadhi entspricht.
Du solltest keinen Dharma-Sitz aufstellen,
Sondern ein Nickerchen machen in leerem Raum.

Erfreust du dich voller Gelassenheit des Dao,
Wanderst du in Muße in der wahren Wirklichkeit.
Du hast nichts zu tun, es gibt nichts zu erreichen –
Dich auf nichts stützend, manifestierst du dich von selbst.

aus: Niútóu Fǎróng, „Das Gedicht Xīn Míng“

Niútóu Fǎróng, der Gründer der Ochsenkopfschule, ist ein feines Beispiel für die enge Verknüpfung des Daoismus mit dem Buddhismus. Ein Nickerchen in leerem Raum – wie könnte man es schöner ausdrücken? Ich habe keine Ahnung, was ein Dharma-Sitz sein soll. Ich stell mir erst mal so eine Art Thron für den Ch’an-Meister vor. Vielleicht so etwas:

DNiútóu Fǎróng sagt: „Denkt man unter allen Bedingungen nicht an ein Ergebnis, resultiert daraus ein Geist, der dem Samadhi entspricht.“ Wird bei so einem Thron nicht bereits an ein Ergebnis gedacht? Wie in der Schule? Also bei uns war das noch so und wer es nicht mehr kennt, möge sich z.B. den Prof. Bömmel in der Feuerzangenbowle auf seinem Dharma-Sitz angucken. Da sitzt der Bömmel auf einem Podest hinter seinem Pult und hat möglicherweise die Absicht, seinen Jungs das Funktionsprinzip der Dampfmaschine beizubringen.

„Du solltest keinen Dharma-Sitz aufstellen, sondern ein Nickerchen machen in leerem Raum.“ empfiehlt Niútóu Fǎróng. Worin unterscheidet er sich dann eigentlich vom Prof. Bömmel? Vielleicht überhaupt nicht. Schließlich scheint es den nicht sonderlich zu interessieren, ob ihm auch nur eine Sau zuhört. Auch er scheint unter allen Bedingungen nicht an ein Ergebnis zu denken.

„Erfreust du dich voller Gelassenheit des Dao, wanderst du in Muße in der wahren Wirklichkeit. Du hast nichts zu tun, es gibt nichts zu erreichen – dich auf nichts stützend, manifestierst du dich von selbst.“ Alles manifestiert sich von selbst. Einer versteckt dem Bömmel seinen Schuh, andere spielen Mühle, andere scheinen sich lebhaft für ein Streichholz zu interessieren und einer schläft den Schlaf des Gerechten. Das ist alles perfekt. Da ist niemand, der irgendetwas manifestieren würde. Ob der Bömmel das weiß? Bei seiner heiteren Gelassenheit könnte man es fast vermuten. Irgendwie fühlt er sich an wie ein wahrer Daoist, der sich voller Gelassenheit des Dao erfreut und in Muße in der wahren Wirklichkeit herumspaziert.
B

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Eine Antwort zu Niútóu Fǎróng: ein Nickerchen machen in leerem Raum

  1. fredo0 schreibt:

    und der werte Pfeiffer mit drei F lauscht Bömmels Nickerchen …😀

    Gefällt mir

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