Sri Dattatreya: ohne Bedeutung für es


Dat
Ob die Zeiten günstig sind
oder ungünstig,
ist ohne Bedeutung für es.
Unvollständige Erleuchtung
ist ohne Bedeutung für es.
Doch reine Wahrheit steht nie
im Widerspruch dazu.
Was klagst du also,
wenn alles eins ist?

aus: Sri Dattatreya, „Avadhuta Gita“

Gestern schrieb inrayma in einem Nebensatz: „nachdem mir ‚Erwachen‘ geschenkt war“. und ich dachte so bei mir, dazu könnte ich ja vielleicht was schreiben. Ich bin ja immer wieder dankbar für solche Steilvorlagen. Dann schnapp ich mir den Ball und stürme damit wie ein Blöder auf das nächstbeste Tor los. Also, was hat es eigentlich mit diesem Erwachen auf sich? Ich persönlich habe mich höchstens im Zustand der Volltrunkenheit als erwacht bezeichnet, aber das mit der Volltrunkenheit ist sicher schon ein paar Jahrzehnte her. Ich bin mindestens ein so Blinder Esel wie mein geliebter Ikkyû Sôjun. Da ist jetzt um Gottes willen keine tiefe Einsicht und Ausdruck meiner Bescheidenheit, sondern das, dem ich jeden Tag aufs Neue begegne.

Also mir fällt ja ständig irgendwas Blödes ein, diesmal also die Erinnerung an den Text von Sri Dattatreya in diesem Wahnsinnsbuch „Avadhuta Gita“: Kap. 5, 24. „Ob die Zeiten günstig sind oder ungünstig, ist ohne Bedeutung für es.“ sagt er da. Müsste er eigentlich gar nicht sagen, weil für „es“ nichts von Bedeutung ist. Aber da er auf etwas Bestimmtes hinauswill, präzisiert er das noch. Dattatreya fährt also fort: „Unvollständige Erleuchtung ist ohne Bedeutung für es.“ Na klar, wenn alles ohne Bedeutung ist, dann auch unvollständige Erleuchtung. Vollständige Erleuchtung natürlich ebenso, falls es die überhaupt geben sollte. Aber da müsste ich natürlich sofort fragen: Wer um Gottes willen sollte denn da erleuchtet sein? Der Herr Meier oder die Frau Huber vielleicht? Tut mir leid, eine Person kann niemals erleuchtet sein.

Jetzt wird’s spannend: „Doch reine Wahrheit steht nie im Widerspruch dazu.“ Hmm, was kann denn im Widerspruch und wozu stehen? Also das Wozu ergibt sich aus den Sätzen davor. Die Rede ist von „es“, für das alles ohne Bedeutung ist. Und zum Was fällt mir ein: Im Widerspruch zu dem, was ohne Bedeutung ist, kann nur das stehen, für das alles Bedeutung hat. Und genau das zeichnet die unvollständige Erleuchtung aus.

Und wie ist es mit der vollständigen Erleuchtung? Für die müssen Herr Meier und Frau Huber erst einmal verschwunden sein. Und wenn sie verschwunden sein sollten, gibt es nur noch – „es“. Wie könnte je reine Wahrheit zu sich selbst im Widerspruch stehen?

Was folgert der Oberschlaumeier Nitya daraus? Es kann unmöglich eine erleuchtete oder erwachte Person geben, sondern höchstens eine Person, die glaubt, erleuchtet oder erwacht zu sein. „Erleuchtet“ ist immer nur „es“. Das ist seine innerste Natur und war es schon immer von Ewigkeit zu Ewigkeit. Aaamän.

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14 Antworten zu Sri Dattatreya: ohne Bedeutung für es

  1. Tom schreibt:

    So isses, Nitya!🙂 Sehr schöner Kommentar!

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  2. Prem Kasina schreibt:

    Ob die Zeiten günstig sind oder ungünstig, ist ohne Bedeutung für es.
    Unvollständige Erleuchtung ist ohne Bedeutung für es.
    Doch reine Wahrheit steht nie im Widerspruch dazu.
    Was klagst du also, wenn alles eins ist?

    ich in meiner Unwissenheit würde das anders deuten:
    ich stelle mir vor, dass jemand sich über ungünstige Zeiten und unvollständige Erleuchtung beklagte.
    Darauf wurde diesem Jemand erklärt, dass beides ohne Bedeutung für „es“ wäre. Was „es“ ist, wird wohl vorausgesetzt. Ich stelle mir „es“ als „Sein/Nichtsein“ vor.
    Unter dem wozu die reine Wahrheit nie im Widerspruch steht, stelle ich mir die ungünstigen Zeiten und die unvollständige Erleuchtung vor.
    und zwar deshalb, weil alles eins ist: günstige und ungünstige Zeiten, unvollständige und vollständige Erleuchtung.
    Für „es“ ist alles ohne Bedeutung und Wahrheit enthält alles…

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    • Prem Kasina schreibt:

      irgendwie macht das sich Eindenken doch Spaß.
      ich spinne den Gedankengang mal weiter egal wie schief er schon jetzt daneben liegt…
      Wenn die reine Wahrheit alles enthält, heißt das dann, dass sie alles ist oder ist sie größer als alles und enthält es nur?
      Wenn die reine Wahrheit alles ist, dann ist die reine Wahrheit ohne Bedeutung für „es“…

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      • fredo0 schreibt:

        gut gesponnen
        reine wahrheit ist bereits ein absurdum …. denn was wäre dann unreine wahrheit ?
        und wie könnte wahrheit „etwas“ enthalten ? oder gar „alles“ (=alle etwasse)

        also ist hier „reine wahrheit“ ein aus mangelnder besserer sprachlicher möglichkeit so formulierter hinweis auf eine LEERE Wahrheit … also ohne das geringste „etwas“ …
        eine Wahrheit die noch nicht mal >eine Wahrheit ist , und auch keine Wahr->heit ( als Zustand ) sondern einfach SO , aus sich selbst heraus, und sich selbst genug – WAHR .
        ( und noch nicht mal … wahr >ist … um das sprachliche Spärenzienspiel noch fortzuführen 😀 )

        dieses WAHR ist bestimmt nicht gemeint.
        es ist

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      • Prem Kasina schreibt:

        enthalten fühlt sich nicht richtig an. Es steht nicht im Text.
        Was ist der Unterschied zwischen der reinen Wahrheit und „es“?

        und schon wieder taucht mein Icon rechts oben in der Leiste auf. Peinlich. Ist es möglich, dass meine Beiträge nicht in die Leiste springen? Noch besser wäre überhaupt kein Icon (auch nicht vor dem Text) und kein Springen.

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      • Prem Kasina schreibt:

        Nitya hat mich an den Ring gelegt…
        ich verschwinde…

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      • Prem Kasina schreibt:

        ein aller letztes noch:
        in einer Hindi-Lecture regneten die Blüten zum ersten Mal…

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      • Nitya schreibt:

        Was soll der Nitya jetzt schon wieder gemacht haben?

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    • Prem Kasina schreibt:

      nichts hast du gemacht…
      Plötzlich das Bild:
      ich werde am Nasenring im Kreis geführt…
      Aufspringen…… niiiiiieeeee wieder…

      Nitya, wie kann ich dieses gräßliche Icon ändern und wie kann ich diese wunderschöne Geschichte von heute liken?

      Die Nüsse fallen…
      grüße deine Eichhörnchen von mir…

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  3. fredo0 schreibt:

    den Gedanken weitergesponnen …
    auch Konzepte der Erweiterung von Erwachen (was immer das sei), oder gar dort vermutete hierarchische „BewusstseinsStufen“ sind einfach nur ( und ausschließlich ! ) Ausdruck eines Bedürfnisses von Erweiterung und Kategorien und Systemen .
    Dieses typische Bedürfnis ( und Bedürfnis ist immer Ausdruck eines bedürftigen, haben wollenden Ich-Gedankens ) findet häufig seinen Ausdruck in den Konzepten der Epigonen von „Wissenden“.
    Von denen, die als Schüler im SchülerDenkFeld „ver-lassen“ wurden. Sei es durch den Tod des Lehrers oder dessen Nicht-Mehr-Verfügbarkeit.
    Die Geschichten aller Religionen sind voll von diesen „Bedürftigkeiten“ und ihren Auswirkungen in ein tradiertes Religions-System hinein.

    Ebenso häufg finden sich diese Konzepte bei denen, die sich einen eigenen ErwachensTraum zugelegt haben, und die das dann ja zu vermissende „AHA“ durch dieses „Erweitern / Kategorisieren / Vervollständigen“ zu ersetzen versuchen.

    Warum ist der Gedanke an Erweiterung oder Vervollkommnung in diesem Kontext geradezu absurd ?
    Was wurde denn „offenbar“ oder „deutlich“ oder, in anderen Worten, in was wurde da ein Aufsaugtwerden bemerkt ?
    es ist ja (das) EINE … (das) SIMPLE … (das) UNMITTELBARE … das was ich gerne (das) EIGENTLICHE nenne. ( und was nunmal unwörterbar ist, ja, sein muss, da es „hinter“ Subjekt-Objekt ist ).
    das aber nicht als wandelbares Objekt „erkannt“ / „gesehen“ / „offenbar“ wurde, sondern als ABSOLUT , als unbegrenzte LEERE (von Objekten) …
    dies ist das allen „Erwachens-Erfahrungen“ gemeinsam erwähnte (sprachliche) Beschreibungs-Phänomen.. auch wenn in hundertausend verschiedenen Formulierungen kommuniziert.
    WAS da deutlich wurde / erkannt wurde / offenbar wurde, ist also nicht nur das gleiche …
    es ist zwingend DASSELBE !

    Und … wie könnte es von DASSELBE jemals eine Erweiterung oder Steigerung oder höhere Stufe geben ? Welch absurder Gedanke … beziehungsweise welch amüsante Verwechslung .
    Verwechslung deshalb weil da Ursache mit Wirkung verwechselt wird .
    Wie sagte doch Nisar ( so oder ähnlich , ich erinnere nur Sinn aber nicht Wortlaut ) .
    Die Offenbarung ist allumfassend , in sich total erfüllt, jedoch ist deren Auswirkung ein nicht endender Prozess . (… in ein Leben hinein… möchte ich mal hinzufügen ).

    Dies bedeutet also , dass jede Erweiterung , jede Vervollständigung einer Erleuchtung ( um Sri Dattatreya zu erwähnen ) immer nur ein Prozess in eine Bewusst>heit hinein sein kann .
    Also stets vergänglicher Zu-Stand eines Konzepte lieferndes Verstandes ist.
    Wer sagt denn, dass der keine feinen Leistungen abliefern kann ? Und dass diese „Erweiterungen“ recht komfortable Resultate aus Bemühen sein können ?
    Jedoch … es sind niemals „Erweiterungen“ des im OFFENEN MOMENT deutlich gewordenen EIGENTLICHEN. Dies ist in einem perfekten Punkt stets PERFEKT .
    Um es sprachlich anzudeuten, reden wir von KLARHEIT, ist KLARHEIT nur dann KLAR, wenn sie uneingeschränkt, voll umfänglich KLAR ist . Nur dann kann KLARHEIT KLAR genannt werden. Ein einziges atomares Relikt von Unklarem lässt dann nur Klarheit ( als Ideal ) gedanklich erscheinen, aber nicht das, was mit KLARHEIT gemeint ist.
    Mit dieser quasi „ABSOLUTen“ Eigenschaft ( vorsicht ! nur sprachlicher Konstrukt ) von KLARHEIT ist diese aber auch nicht steigerbar oder erweiterbar !!!
    Also ist da KLAR, ist da (nur) KLAR in seiner bereits seit Ewigkeiten bestehenden „majestätischen EIGENPracht“.

    Alles was da später noch zusätzlich erweitert oder gesteigert werden möchte , ist also zwingend nur das, was an Erinnerung und dessen Konsequenzen in Bewusstheiten hinein im Individuum auftaucht. Da bläst sich also ein Gehirn mit „noch mehr“ auf.
    ( ich bin ja von Beruf Designer . Ich nenne so etwas schlicht „overdecorated“ )

    Es entspricht einfach persönlicher Preferenz , dass mich dies nie sonderlich interessiert hat, da ich das Privileg eines recht selbstzufriedenen persönlichen Lebens habe, und mir deshalb Gedanken und Konzepte eines Wilber oder eines Brügge schlicht am A. vorbeigehen.
    Zumindest soweit, dass sie mir nicht doch Anlass sind nochmal darauf hinzuweisen, dass man sich wohl besser erstmal um das „eigentliche“ kümmern sollte, bevor man dies EIGENTLICHE noch in Konzepten zu erweitern versucht.
    Dieser Versuch ist kein Fehler oder gar so etwas wie Sünde , es ist einfach oft genug simpler Versuch der Beschäftigung, für „forschende Geister“ .
    Denen die SIMLIZITÄT und unwörterbare UNMITTELBARKEIT des EIGENTLICHEN anscheind manchmal so richtig auf die beschäftigungsgeile Zwiebel geht.

    ( es gewittert grade hier in Kassel, das lässt wohl auch meine Worte „gewittrig“ klingen … nur nicht zu ernst nehmen … aber auch nicht zu wenig ….😀 )

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