Hui-neng: Dummköpfe und Gescheite


blindHört, ihr alle: Die Große Weisheit ist in allen Menschen von Anfang an vorhanden. Nur infolge der Verblendung des Geistes ist es ihnen nicht möglich, dies selbst zu erkennen. Sie müssen deshalb einen wahren, erleuchteten Meister finden, um ihr eigenes Wesen zu erkennen.

Ihr alle, Dummköpfe und Gescheite, im Buddha-Wesen gibt es ursprünglich keine Unterschiede. Nur entsprechend der Verschiedenheit von Verblendung und Erleuchtung gibt es von Fall zu Fall Dummköpfe und Gescheite.

aus: Hui-neng, „Das Sutra des sechsten Patriarchen“

Ich muss gerade wieder an die Geschichte denken, in der Osho auf der Ranch in Oregon eine Liste mit den Namen von 100 erleuchteten Sannyasins aufhängen ließ. Ich nehme an, das war so’n Gag vom Meester, um mal wieder seine Schäfchen aufzumischen. 100 „Gescheite“ – das ist natürlich Quatsch. Bei uns gab es früher Ablassbriefe zu kaufen, in den buddhistischen Ländern Erleuchtungsurkunden. Das Denken liebt solche starren Größen, solche Objektivierungen; damit kann es gut umgehen. „Gescheit“ ist aber nach meinem Verständnis keine starre Größe. „Der Erleuchtete“ ist eine starre Größe. Das ist dann so was wie „der Pfarrer“. Der Pfarrer hat Theologie studiert und dann – ich kenn mich da nicht so richtig aus – wurde er Kaplan oder Vikar und schließlich Pfarrer und irgendwann Pfarrer a.D. mit einer schönen Pension. Da weiß man, wie man dran ist. Erleuchteter a.D. – hab ich noch nie gehört. Auch nicht Erleuchtungsreferendar oder so was. Entweder du bist in diesem Augenblick erleuchtet oder nicht. Und im nächsten Augenblick bist du es vielleicht nicht, sondern ein ganz gewöhnlicher Dummkopf. Und der „Permanent-Erleuchtete“ ist genauso eine Objektivierung wie der „Pfarrer“. Ikkyû zerriss seine Erleuchtungsurkunde. Jetzt müsste ich natürlich noch definieren, was das überhaupt sein soll – erleuchtet – oder gescheit, wie es Hui-neng hier nennt, aber das überlasse ich lieber dem Hui-neng selbst.

Hui-neng sagt: „Nur entsprechend der Verschiedenheit von Verblendung und Erleuchtung gibt es von Fall zu Fall Dummköpfe und Gescheite.“ Von Fall zu Fall! Auch er spricht nicht von den Gescheiten, sondern von den „Von Fall zu Fall-Gescheiten“. Und er spricht von Verblendung. „Die Große Weisheit ist in allen Menschen von Anfang an vorhanden.“ Die Verblendung des Geistes verhindert, dies zu sehen. Sie überlagert die Große Weisheit im Menschen. Was ist die Verblendung des Geistes? Da fällt mir sofort wieder dieser wundervolle Seng-ts’an ein:

Suche nicht nach dem Wahren, hör’ nur auf, Meinungen zu hegen!

Ich könnte es auch so sagen: Versuche nicht, erleuchtet zu sein oder ein Gscheiterle, hör‘ nur auf, Meinungen zu hegen! Wer Meinungen hegt, wer an seine eigenen Meinungen glaubt, gleich, ob sie bescheuert oder sehr weise sind, ist im selben Augenblick ein Dummkopf, ein Verblendeter. Wer meinungsfrei ist (aber wer ist das schon?) oder seinen Meinungen amüsiert zugucken kann und nicht an sie glaubt, ist im selben Augenblick ein Gescheiter. Von Fall zu Fall – ein Gescheiter kann jederzeit wieder scheitern und seinen eigenen Mist glauben. Ein Gescheiter ist nichts, auf was man sich verlassen könnte. Im nächsten Moment bin ich einfach wieder nur ein Depp. Ikkyû Sôjun hat sich nicht ohne Grund einen Blinden Esel genannt. Damit hat er nicht einfach nur ein bisschen herumkokettieren wollen, um vielleicht Widerspruch zu ernten. Er wusste, dass er immer wieder nur ein Blinder Esel ist.

Tja, und die Permanent-Dummköpfe? Diese armen Schweine müssen laut Hui-neng einen erleuchteten Meister finden, um ihr eigenes Wesen zu erkennen. Das ist eine gefährliche Aussage, suggeriert sie doch vielleicht, dass es genüge, einen Meister zu finden. Der wird’s schon richten. Nichts wird der schon richten. Eine lange Nase wird er dir machen und mit Ikkyû sagen: „Ich würde gerne irgendetwas anbieten, um Dir zu helfen, aber im Ch’an haben wir überhaupt nichts.“ Schöne Scheiße! Vielleicht ist es ja doch besser, Seng-ts’ans Rat zu folgen: Hör nur auf Meinungen zu hegen!
Mullah

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15 Antworten zu Hui-neng: Dummköpfe und Gescheite

  1. Elwood schreibt:

    Ha, und ich hab mich schon gewundert, dass wieder nur dummes Zeug labber.
    Dachte schon mein Götze straft mich ab für Hochmut oder ähnliches, dabei ist alles nur ne Phase…
    Da bin ich ja beruhigt und warte auf den nächsten Bliss oder das nächste Makyo.
    Aber nicht das ich mir dann beim Holzhacken in Bein hau, soviel Obacht muß sein!

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  2. Eno schreibt:

    Das Fehlen von Worten, kann ja auch sehr angenehm sein!
    Weil es mir so geht und Nitya schon so vollkommen ausreichend sich der Worte bedient, habe ich heute nur etwas zur allgemeinen Erheiterung anzubieten:

    Ein echter Komiker dieser dicke Mann! Dummkopf oder Gescheiter?

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    • Prem Kasina schreibt:

      sein Schäfchen hat er bestimmt im Trockenen…
      kann so etwas ein Dummkopf sei?
      er verkauft uns für dumm. Ich würde ihn in die Asse schicken um dort mal klar Schiff zu machen…

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      • punitozen schreibt:

        …….. er verkauft uns für dumm……..
        Gernods Statement zu diesem strahlenden Thema
        L.G. PUNITO

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      • Prem Kasina schreibt:

        ja, den Gernot, den sehe ich auch gerne. Und den Pelzig in „Pelzig hält sich“ und die Neuen von „in der Anstalt. Gespannt bin ich auch auf Urbans neue Sendung zusammen mit Alfons, dem süßen Franzosen…

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  3. punitozen schreibt:

    … Die Große Weisheit ist in allen Menschen von Anfang an vorhanden. Nur infolge Verblendung des Geistes ist es ihnen nicht möglich, dies selbst zu erkennen. ……
    DER GEIST
    Der ursprüngliche Geist ist frei von Verunreinigungen
    VERUNREINIGUNGEN
    durch Sinnesbegehren,
    führt zur Anhäufungen von Befleckungen
    „Ich will das“
    trübt den Geist .
    Darum und deshalb will ich keinen erleuchteten Meister aufsuchen –
    ein “ blinder Ese l“ wie OSHO ist mir genug –
    Fragt mich einer : “ Was hat ER Dir gegeben , was hat er Dir gebracht ? “
    Sag ich : “ NICHTS ! “

    Dummköpfe und Gescheite
    Der Dummkopf mag es Erleuchtung zu erlangen –
    Der Gescheite lebt mit dem Wurm im Apfel !

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  4. Prem Kasina schreibt:

    Mit Erleuchtung habe ich mich noch nie intensiv beschäftigt. Osho sagte einmal etwas, das ungefähr so bei mir ankam: Im Augenblick der Erleuchtung weiß man und dieses Wissen bricht sich den Weg nach außen: „mein Vater und ich sind eins (Jesus)“, „ich bin das (Seher der Upanishaden“, „ich bin die Wahrheit (Mansoor)“. Vorstellen kann ich es mir auch bei Porète:

    Ich habe gesagt, ich wolle ihn lieben:
    Ich lüge, dies bin nicht mehr ich.
    Er allein ist es, der liebt – mich.
    Er ist und ich bin nicht mehr.
    Nichts sonst ist mehr von Bedeutung
    als was er will und was ihm teuer ist.

    Also dachte ich mir, falls es mir passieren sollte, werde ich es bestimmt nicht verpassen und damit war das Thema für mich eigentlich abgehakt…

    Unabhängig davon habe ich zu dem Wort Erleuchtung natürlich Vorstellungen, die sich mit denen von Nitya nicht so wirklich decken. Ich stelle mir Erleuchtung schon als Zustand vor. Ein Auf- und Abtauchen von Erleuchtungserfahrungen verbinde ich in meiner Vorstellung eher mit Satori. Allerdings stelle ich mir den Erleuchtungszustand nicht statisch vor, sondern als eine Entdeckungsreise durch skies upon skies upon skies. Ich denke nicht, dass ein Erleuchteter allwissend ist, aber ich stelle mir vor, dass er auf einer anderen Ebene lebt und anders wahrnimmt… Ist natürlich alles nur Spekulation und damit Null und nichtig…

    aber hierzu mache ich mir des Öfteren Gedanken:

    „Die Große Weisheit ist in allen Menschen von Anfang an vorhanden. Nur infolge der Verblendung des Geistes ist es ihnen nicht möglich, dies selbst zu erkennen“

    ich kann mir vorstellen, dass Naturvölker (soweit es das noch gibt) sehr viel näher an der Quelle leben als wir Zivilisierten. Es fühlt sich für mich so an, als wären wir schon so sehr entfremdet, dass ein nach Hause kommen immer schwieriger wird. Wenn ich sehe, wie irre die Welt ist und in welche Richtung alles abdriftet und immer künstlicher wird, dann stelle ich mir vor, dass es in Zukunft fast unmöglich sein wird, sich überhaupt zu erinnern, dass es so etwas wie eine Quelle gibt…
    und dann wünsche ich mir, niemals wiedergeboren zu werden…

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    • Nitya schreibt:

      Suche nicht nach dem Wahren, hör’ nur auf, Meinungen zu hegen!

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      • Prem Kasina schreibt:

        Nity, ich bin ein hoffnungsloser Fall…
        Das Wahre suchte ich schon als Kind… die Kirche war mein Lieblingsort, bis sich mit 12 Jahren mein Gottesbegriff so weit ausdehnte, dass alles Gott war und Gott alles. Damit war er unverbindlich geworden und ich verlor den Boden unter den Füssen und konnte Kirchen nur noch leer ertragen. Mit Psychologie beschäftigte ich mich jetzt und fiel in eine tiefe Depression und danach noch viel, viel tiefer… Später ein paar Semester Philosophie. Tausend neue Fragen wuchsen aus meinen Fragen, was nicht wirklich hilfreich war. Dann ein Monat Veeresh in Zist… Hier begegnete mir Osho… seither suche ich nicht mehr…
        Aber Meinungen????
        Wie verhinderst du, dass Worte Vorstellungen erzeugen???

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      • Nitya schreibt:

        Irgendjemand hat seine Erfahrung Erleuchtung genannt. Er hätte es besser bleiben gelassen. Seitdem stellt sich jeder irgendetwas darunter vor. Aber das sind alles nur erfundene Geschichten, die den Weg zu dem versperren, um was es eigentlich geht: Um authentische Erfahrung. .Wenn sich jemand an der Herdplatte verbrennt, macht er eine authentische Erfahrung. Die Erfahrung kann er nicht weitergeben. Fredo verwendet den Begriff ABSOLUT. Für ihn macht dieser Begriff Sinn, weil dahinter seine Erfahrung steht. Für keinen anderen macht dieser Begriff denselben Sinn. Deshalb wie Seng-ts’an daraufhin, keine Meinungen, keine Vorstellungen zu hegen. Schon Heraklit sagte: „Lasst uns keine beliebigen Vermutungen anstellen über die höchsten Dinge.“ Oder J. Krishnamurti wiederholte immer wieder sein „Das Wort ist nicht das Ding.“ Und natürlich darf Lao-tse nicht fehlen mit seinem Hinweis: „Das Tao, das beschrieben werden kann, ist nicht das Tao.“ Auch Veeresh legte wie sein Meister Wert auf unmittelbare Erfahrung und konnte das „Reden über“ nicht ab.

        Was deine Frage am Schluss betrifft: Es genügt, die Vorstellungen als Vorstellungen, als reine Fiktionen zu erkennen. Ob die geäußert werden oder die Linde rauscht, hat ungefähr die gleiche Bedeutung. Das ist halt einfach Blabla.

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  5. fredo0 schreibt:

    Es gibt zwei Möglichkeiten …
    Einmal den klugen Spruch des Seng ts-an beherzigen.
    Oder aber ein Konzept zu wählen ( eigentlich egal welches )
    und das dann mit intensivster Ernsthaftigkeit zu durch-denken,
    bis dass der Kopp qualmt .

    Ich hatte mir den Qualmweg gar nicht bewusst erwählt,
    denn ich war so überzeugt von meiner Denk-Kraft ,
    dass sich genau dies ergab – bis dass der Kopp qualmt !
    Qualm ensteht durch Hitze .
    und Hitze führt nun mal gern auch zur Explosion der Denkgase …

    Hätte ich den Seng Ts-an zu beherzigen vermocht,
    wär mir diese explosive Implosion erspart geblieben …
    irgedwie muss es an meinen dramatischen Naturell liegen.

    womöglich …

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    • Nitya schreibt:

      Lieber Fredo,

      ich halte mal fest: dein ABSOLUT war deine Erfahrung und keine Theorie über ABSOLUT. Wie es zu dieser Erfahrung gekommen ist, kann nicht einmal der Fredo wirklich wissen. Dazu hat er eine Theorie. Ich behaupte mal ganz frech: Ob die stimmt, wissen die Götter. Implosion ist geschehen. Punkt.

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      • fredo0 schreibt:

        Ich hab bereits seit Kindheit ein Faible für ABSOLUT gehabt.
        Es war ( und ist ) mir wie eine Art vertrautes Unsichtbares.
        So wie manche Kinder einen unbekannten Beschützer benennen,
        den nur sie selbst an „vorhanden“ sehen, war ABSOLUT immer
        an meine Seite. ( und dies existenziell und nicht nur philosophisch )..
        Ein Referenzpunkt und … ja anfangs auch … Fluchtpunkt.
        Ohne ihn je zu erreichen oder gar zu begreifen.
        Einfach so . war da ABSOLUT .
        vertraut und doch untangiert vom „eigenen“.

        Ich hab mich halt dran gewöhnt.
        😀

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      • Nitya schreibt:

        Das ist doch wunderschön.
        Du nennst es ABSOLUT, ich nenn es von mir aus Grundton.
        Worum es geht, ist eben, dass das keine Philosophie ist.
        Über Philosophie lässt sich streiten, über ABSOLUT oder Grundton sicher nicht.

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  6. Eno Silla schreibt:

    hier ist mir heute noch was zum lachen (na ja, nicht nur) ins haus geflogen:

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