Der Prediger Salomo: Fürchte Gott und halte seine Gebote


Prediger SalomoLasst uns die Summe aller Lehre hören:
Fürchte Gott und halte seine Gebote;
denn das soll jeder Mensch!
Denn Gott wird jedes Werk ins Gericht bringen,
samt allem Verborgenen,
es sei gut oder böse.

aus: Das Buch Kohelet

 Ich habe eine Weile mit diesen letzten Versen des Buches Kohelet gehadert. Sie wollten mir einfach nicht schmecken. Gebote – wer braucht schon Gebote? Und Gott fürchten? Was bildet sich dieser Kerl, den es gar nicht gibt, eigentlich ein? Nein, dachte ich dann, so blöd kann der Prediger Salomo nicht sein, dass er so einen Stuss verzapft. Dazu, ist alles, was er vorher gesagt hat, viel zu intelligent. Vielleicht sind „Gott“ und „Gebote“ ja nur Metaphern, die für etwas anders stehen?

Der letzte Vers weist vielleicht darauf hin, was mit der Forderung des vorletzten Verses gemeint sein könnte: „Denn Gott wird jedes Werk ins Gericht bringen, samt allem Verborgenen, es sei gut oder böse.“ Huiuiuiuiui – ohGottohGott! Ich musste daran denken, wie ich als Junge einmal in einem Laden etwas geklaut hatte. Die Ladenbesitzer waren ganz normale Leute, eher von der freundlichen Art. Jedenfalls hatte ich keinerlei Grund, sie zu fürchten. Aber ich fürchtete sie plötzlich nach meiner Freveltat. Die Gefahr, nachträglich noch erwischt zu werden, tendierte gegen Null, und trotzdem war da diese Furcht. Natürlich projizierte ich sie auf die Ladenbesitzer. Ich betrachtete sie argwöhnisch, ich machte sie geradezu zu meinen Feinden. Jetzt fällt mir noch eine Stelle aus dem Alten Testament ein, in der es um Furcht geht: Der berühmte Sündenfall.

Und Adam versteckte sich mit seinem Weibe vor dem Angesicht Gottes des HERRN unter die Bäume im Garten. Und Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Ich hörte deine Stimme im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich.

Adam und Eva hatten sich nicht an Gottes Gebot gehalten und nun fürchteten sie sein Gericht. Und dieses Gericht geschah nicht etwa irgendwann am sog. Jüngsten Tag, sondern unmittelbar. Das Paradies war verloren. Adam und Eva hatten vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen gegessen. Adam und Eva sind aus der Nicht-Zweiheit mitten in die Zweiheit geplumpst. Dem folgte die „Strafe“ auf dem Fuße.

Nein, es geht nicht um irgendeine Person namens „Gott“ und seine despotischen Gebote. Es geht um so etwas wie ewige Gesetze. Es geht um die Wahrheit des Wirklichen und darum, das Unwirkliche des Unwirklichen zu erkennen, das Unwirkliche der Lebenslüge.

Gott oder den Prediger Salomo oder sonst irgendeinen Menschen zu fürchten, ist einfach verrückt. Aber solange ich in der Lüge lebe, werde ich mir irgendjemanden suchen, vor dem ich mich so richtig doll fürchten kann. Wenn ich meine Wahrheit verloren habe, ist augenblicklich die Furcht da.

Gestern hat mir ein Wesen aus einer früheren Inkarnation gemailt, wie sehr sie mich fürchten würde. Oh, mein Gott und Vater, hab ich gedacht. Sollte ich wirklich so ein Arschloch gewesen sein, vor dem man zittern muss? Wer kann das schon selbst beurteilen? Vielleicht habe ich ja da einen riesigen blinden Fleck? Es wäre natürlich schmeichelhafter, so eine Art Gott oder wenigstens so eine Art Salomo zu sein, vor denen man sich fürchtet, weil man weder Gott gefürchtet noch seine Gebote gehalten hat. Aber was kümmert mich die Furcht anderer Menschen? Die Frage ist doch: Fürchte ich mich? Das ist in diesem Zusammenhang die einzig relevante Frage. Die Frage, vor wem ich mich fürchte, ist daneben schon ziemlich irrelevant. Fürchte ich mich? Wenn ich die Frage bejahen muss, wäre vielleicht die Frage hilfreich: Was will ich eigentlich nicht sehen? An welche Geschichte will ich um jeden Preis weiter glauben?

Fürchte ich mich? Also wenn ich da an so ein zähnefletschendes Hundemonster denke, das auf mich zurast, … ja … ja … ich erinnere mich: ich fürchtete mich. Sonst fällt mir im Moment wirklich nichts ein. Vor dem Tod nicht, vor dem Gebissenwerden ggf. schon.

 

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6 Antworten zu Der Prediger Salomo: Fürchte Gott und halte seine Gebote

  1. Strandläufer schreibt:

    Und vor dem Keller und den Spinnenweben! :-))

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  2. Prem Kasina schreibt:

    Das Video vom Prediger Salomo ist beeindruckend und steht, finde ich, in krassem Gegensatz zu dem Vers oben, der die Seite einleitet…
    Gott fürchten, seine Gebote einhalten, zulassen, dass auch noch das Verborgene krank macht und dies alles in Erwartung eines letzten Gerichts… die beste Basis für Unterdrückung und die Ausübung von Macht… Mit diesem Text mich anzufreunden gelingt mir nicht… Ich habe sogar Probleme, mir vorzustellen, dass dieser Text und die Worte des Predigers im Video von dem selben Autor stammen…
    Die Sicht des Predigers ist absolut nihilistisch… Ob das denn nun so ganz stimmt, kann natürlich auch niemand wissen… Aber seinen Vorschlag, das Leben jetzt voll und ganz zu genießen, den nehme ich doch gerne an…

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  3. Elwood schreibt:

    Wie passend Dein heutiger Text….
    Versinke ich doch gerade wieder in Ängsten…
    Hat alles seine Zeit….
    So die Zeit in sich zu lauschen…
    Was zum Thema in mir pfeift:

    Mein Glaube in der Getrenntheit – was Besseres oder Schlechteres als die anderen zu sein, lässt mich fürchten. Die Projektion in die Zukunft lässt mich mit Gewinn und Verlust für diese Mühsal der Verbesserung hadern, so kann ich mich vor meiner Furcht fürchten und nicht mal vor ihr weglaufen……

    Mein eigener Gott (Götze, Ego) richtet mich….
    Die Sau….!
    Hat ER mir nicht erst diese Verbesserungsvorschläge gegeben?
    Wahrscheinlich weiß der Depp gar nicht, was besser oder schlechter ist, alles nur Einbildung…
    Alles zusammen geglaubt…..
    Ich zweifle…..
    Alles hat seine Zeit……

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  4. fredo0 schreibt:

    der Zweifel

    lässt er sich denn gedanklich „bearbeiten“ ?
    diese Idee wäre ja (leider) bereits (wieder) Zweifel

    tja

    was wäre dann zu tun, wenn der Zweifel so richtig quält ?

    der olle Gurdijeff hatte da nen feinen Tipp
    „wenn dich Ideen quälen, führe sie in sich selbst zurück“
    was bedeuten würde ( mal tipmäßig formuliert )
    beginne Zweifel zu bezweifeln.

    dies löst natürlich nicht den Zweifelknoten per se,
    denn der wird ja mit jedem aufkommenden Gedankenbild neu geschnürt,
    aber doch …
    es gibt die Gelegenheit von > Lücken
    denn zumindest ist dann der Zweifel mit Selbstbezweifelung kurzfristig beschäftigt,

    und es verbleibt, zumindest für gewisse Augenblicke, eine > Lücke,
    die nicht nur wohltuend ist, weil still ( zweifellos ), und damit nährend
    wie ein stilles Ruhen im Schoss der Mutter,
    sondern es bietet auch Gelegenheit dass sich die in uns allen bereits vorhandene
    Ahnung um das EIGENTLICHE ( was ja Stille ist ) „aufladen“ kann.

    Genau diese >Lücken zu ermöglichen, ist ja die hinter vielen Anweisungen und Methoden steckende Intention.
    Ob Gebet oder Meditation oder Trance oder Rausch oder was auch immer „beschäftigen“ kann.
    es geht eigentlich darum, Gelegenheiten zu ermöglichen, in denen diese Stärkung der Ahnung geschehen kann.

    Dies kann man den „aufbauenden“ Weg nennen.

    Und selbst dies für Konzept zu halten, ist Teil des „Bereinigenden / Entleerenden“.
    Das sogar den Weg als Begriff bereinigt / entleert hat.

    Denn wie sagte Subash so wunderbar.
    „Was im Weg liegt, ist der Weg.“

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  5. inrayma schreibt:

    Danke Fredo, mal wieder sonnenklar formuliert😀

    “Was im Weg liegt, ist der Weg.”

    Das muss man auch ersteinmal verknusen, meistens kommt es mir nicht so vor als ob das, was nun schon wieder stört oder angezweifelt wird, der Weg sei.
    Wenn es dann aber wieder zu Bewusstheit kommt, dann sind da ein Haufen Emotionen, die zu fühlen manchmal keine Kraft vorhanden ist.
    Dann kann man sich retten in die Gottesfürchtigkeit oder in was auch immer für ein Konzept, bei der Lebensbewältigung hilft mir das allerdings gar nicht. Es ist ja nur ein Nachdenken über das, was erscheint aber das, was erscheint muss so oder so ertragen oder gewuppt werden. Ohne Denken darüber geht es leichter finde ich, daher finde ich deinen Hinweis auf die Lücken sehr erholsam.

    ne Runde barfuß laufen über Wiesen und warme Steine hilft mir z.B. und geschieht völlig zweifelsfrei😉

    Vielleicht ist es mal eine spannende Sache sich auf das zu besinnen, was zweifelsfrei geschieht.
    Schlafen oder atmen😉

    lieben Gruß aus der Schweiz mit sommerlichem Sonntagswetter

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