Shankara: Die Welterscheinung ist nicht wirklich

 

eDie Eigenschaften, die durch Maya und ihre Auswirkungen hervorgerufen werden, projizieren unsere Unwissenheit auf Gott und die individuelle Seele. Nachdem sie vollkommen entfernt sind, bleibt weder Seele noch Gott übrig. Nimmt man dem König sein Königreich und dem Soldaten seine Waffen, dann gibt es weder König noch Soldat.

Die Schriften verwerfen jeden Gedanken einer Dualität in Brahman. Der Mensch sollte Erleuchtung suchen durch Erkenntnis Brahmans, wie es die Schriften lehren. Dann schwinden die Eigenschaften, mit der unsere Unwissenheit Brahman überdeckt.

„Brahman ist weder das grobstoffliche noch das feinstoffliche Weltall. Die Welterscheinung wird aus Unwissenheit durch unsere Einbildung hervorgerufen. Sie ist nicht wirklich. Es ist dasselbe, wie wenn man eine Schlange an Stelle eines Seils sieht. Es ist ein vorübergehender Traum.“ So sollte der Mensch Unterscheidung üben und sich vom Bewusstsein einer objektiven Welt befreien. Dann mag er über Identität von Brahman und Atman meditieren und so die Wahrheit erfahren.

aus: Shankara, „das Kleinod der Unterscheidung“

Ich mag nicht über die Einheit von Brahman und Atman meditieren und der Teufel hole Shankaras Schriften! Ich mag mich auch nicht vom Bewusstsein einer objektiven Welt befreien. Advaita und Dvaita sind nur die beiden Seiten ein und derselben Medaille. Eine Schlange an Stelle eines Seils zu sehen, ist eine Geschichte, ein Seil als Seil zu erkennen, wenn ich mich daran aufhängen will, eine andere. Der indische Buddhismus bzw. das indische Advaita sind mir echt zu abgehoben. Aber vielleicht bin ich ja auch einfach nur zu blöd dafür.

Ich muss gerade an meinen Vater denken, der einen Klempner holen musste, wenn der Abfluss vom Waschbecken verstopft war. So ungefähr stelle ich mir das mit den Brahmanen vor. Die scheinen sich auch nicht die Hände dreckig gemacht zu haben und haben stattdessen herumphilosophiert und den Parias die Drecksarbeit überlassen. Da gibt es doch diese Geschichte von dem Paria mit den vier Hunden, der Shankara entgegen kommt. „Shankara schien zu dieser Zeit den Stolz, ein Brahmane zu sein, noch nicht überwunden zu haben. Er verwies daher den Paria, dem Kastenunterschied entsprechend, an den Straßenrand. Der Paria jedoch fragte ihn, wen er denn meine, den Körper, der sich in seinen Funktionen doch von einem Brahmanenkörper nicht unterscheide, oder den Âtman, der ohne Zweites sei und deshalb schwerlich zur Seite gehen könne. Shankara erkannte seinen Fehler, fiel dem Paria zu Füßen und komponierte extempore eine Hymne, die dieses Ereignis beschreibt.“ Na ja, immerhin; hätte mein Vater nie gemacht.

Am Dienstag hat Fredo etwas über den Austausch von OFFEN-Bemerkern gesagt. Ich merkte, wie sich bei mir leicht etwas zusammenzog, als ich das las. Ich mag nicht darüber reden, habe ich ja schon gestern geschrieben. Über alles andere vielleicht, aber nicht über das. Ich kenne niemanden, der es so präzise ausgedrückt hat wie Rilke mit seinem Gedicht „Ich fürchte mich so vor des Menschen Wort.“ – „Spüren Sie’s?“ hat Heinz Butz gesagt und dann den Mund gehalten. Er hätte alles zerstört, hätte er weiter gesprochen. Das hätte ich jedenfalls so empfunden.

Ein Seil ist ein Seil, da bin ich ganz handfest, und eine Schlange eine Schlange und ein Seil ist keine Schlange. Und wäre Shankara jenem Weisen begegnet, der am Ufer des Ganges hockte und auf fromme Opfer wartete, das wäre sicher ein Heidenspaß gewesen. „So so“, hätte der Weise gesagt, „du willst also Unterscheidung üben und dich vom Bewusstsein einer objektiven Welt befreien. Na, wart nur, Bürscherl, dir werde ich’s zeigen.“ Und dann hätte er ihn gepackt und gaaanz lange unter Wasser gehalten. Und wenn er ihn wieder rausgezogen hätte, hätte er den Shankara gefragt: „Na, hast du dich jetzt vom Bewusstsein einer objektiven Welt befreit oder an was hast du gedacht?“ Ich bin ziemlich sicher, dass Shankara nur nach objektiver Luft gejapst hätte.

Luft

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19 Antworten zu Shankara: Die Welterscheinung ist nicht wirklich

  1. punitozen schreibt:

    Lieber Nitya ,
    manchmal frag ich mich : “ Wat is`n mit dem ollen Nitya los ?
    ……Ich mag nicht über die Einheit von Brahman und Atman meditieren und der Teufel hole Shankaras Schriften! Ich mag mich auch nicht vom Bewusstsein einer objektiven Welt befreien. Advaita und Dvaita sind nur die beiden Seiten ein und derselben Medaille ….

    Wen `ste nischt über die Einheit von Brahman und Atman , oder die Einsichten von
    Klofrau Elfriede meditieren magst – dann ist das so – Punkt !
    Huhn oder Ei , oder Ei oder Huhn oder Ei und Huhn – oder Beides eins , oder doch nicht
    oder wie ???
    Da wird doch “ der Hund in der Pfanne verrückt “ , wenn die Legendenbildung aus stinknormalen
    Lebens-geist-einsichten , die da nach 40 Jahren hocken nebst Nahrungsverstoffwechselung von
    EINEM ausgeschieden wurden , ein Riesentrara veranstaltet wird – das DIESES , darauf kannst Du
    Strophantin nehmen , oder ES unterlassen , niemals die Anspruchshaltung der Urheber gewesen war ihre Inneneinsichten zu leblose Dogmen erstarren zu lassen . Sie suchten auch keine spirituellen Nachplapperer ihrer Komplentations-Erkenntnisse , da hätten sie doch gleich den Papageien das Sprechen beibringen können ,
    Was soll denn das Rumgeschreie von “ Mein Gott , mein Buddha , mein Jesus , mein Mohammed
    meine Religionszugehörigkeit ?
    Wann ist es denn mal genug mit den Gezänk “ spiritueller Eierköpfe “ , die der Ansicht sind ,
    es gäbe nur ausschließlich „IHRE EINZIGARTIGE WAHRHEIT“ , direkt von Oben ( wo immer
    auch oben sein mag ) per Geburt mit dem goldenen Löffelchen in den Mund geträufelt ?
    Die Gemeinsamkeit des Menschen und Mistkäfer findet sich im Augenblick .
    Dieses inne wohnende Mysterium , im Menschen und Mistkäfer zu schauen , offenbart sich ,
    Dieses DAS – NICHT-BESCHREIBLICHE -,das Leben spendendende und Leben nehmende.
    Jetzt vor der torlosen Schranke stehen , welch ein Schwindel – neti , neti —–
    Sei herzlichst gegrüßt
    PUNITO

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  2. Prem Kasina schreibt:

    viele, viele Äpfel schnitten, häckselten und pressten wir heute. Welch köstliche Illusion!!! Ein Teil wird mit Sherryhefe zu Wein angesetzt, der Rest ganz frisch getrunken…hmmmmm… das tröstet doch glatt über die weniger freundliche Illusion der kaputten Zylinderkopfdichtung hinweg…

    Das Wort Illusion lebt in meiner Vorstellung als zartes Luftgebilde. Regenbogenfarben schillerndes Seifenblasenspektakel…
    Wenn sich mir diese Illusionen dann aber offenbaren, erscheint mir die Luft doch stark verdichtet…

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  3. Brigitte schreibt:

    Romen im Gespräch mit Subhash gibts jetzt übrigens im Video zu sehen. Hach MEIN Subhash. Er ist genau so wie ich ihn von innen gespürt habe. Unglaublich. So schön🙂

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  4. fredo0 schreibt:

    ich hab gerade das Video angesehen … herr subash … wunderbar … ein bruder im geiste nennt man es wohl … fast schade, dass ich dessen forum nie kennengelernt habe … aber dafür hatte ich heut das vergnügen …😀

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