Tilopa: Das Allbewusstsein ist ungeboren


tilopa
Das Allbewusstsein ist ungeboren;
niemand kann es beschmutzen, beflecken.
Im Ungeborenen löst Erscheinung sich auf
in die wahre Natur der Dinge:
Ich-Wille und Stolz vergehen in nichts.

aus Tilopa’s Mahamudra-Unterweisung


Mir fallen wieder die toten Hosen dazu ein … äähhh das tote Land oder was auch immer für Begriffe hierfür verwendet werden. Die Genesis fällt mir ein (meine Fresse, was mir heute wieder alles einfällt): Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag. Vielleicht hat das ja jemand von euch schon ähnlich erfahren. Die Erschaffung der Welt oder sollte ich besser sagen: Die Geburt der Welt – denn da ist niemand, der irgendetwas erschaffen würde. „Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.“ Totes Land halt, obwohl ich den Ausdruck so nicht sonderlich mag, aber nicht so tot, dass nicht davon erzählt werden konnte. Und wenn ich nicht davon ausgehe, dass da wieder jemand nur mit Schlussfolgerungen gearbeitet hat, dann muss es da wohl Bewusstsein gegeben haben.

Tilopa spricht vom ungeborenen Allbewusstsein. Das ist mir entschieden näher als „totes Land“ und dergleichen. Gestern sprach mich eine Freundin darauf an, dass ich nie meine Erfahrung mit dem Thema mitteilen würde, ob da etwas ist jenseits von ICH BIN, jenseits von Bewusstsein. Na gut, meine Erfahrung, aber ich sage dazu, nur meine Erfahrung. Ich gehe davon aus, dass jeder seine ureigene Erfahrung macht und da gehe ich ganz mit inerlime konform, keiner wird je die Erfahrung eines anderen machen. So langweilig ist Gott nicht. Insofern ist das Mitteilen von angeblichen Wegen oder Erfahrungen immer etwas problematisch. „Ja, aber der Karim hat gesagt oder der Karl Renz oder Klofrau Friedelinde …“ – so als ob es da ein Richtig und ein Falsch gäbe, oder gar ein weiter, besser, höher. Wir alle, wie auch immer wir sind, sind Manifestationen des Göttlichen. Also, was soll’s? Aber kurz zu meiner Erfahrung.

Bewusstsein ist da, Raumlosigkeit, Zeitlosigkeit, absolut kein Ding, keine Bewegung, auch kein Bewusstsein bewusst zu sein. Und aus diesem – ich nenne es mal mit Tilopa Allbewusstsein heraus taucht die Welt auf. Zuerst nur als irgendein Ding, das völlig bezugslos einfach da ist, dann vielleicht wie eine Frage, von niemandem gestellt: Wer sieht das? Dann das staunende, wortlose Erkennen: ICH BIN. Ich bin alles, was ist. Dann der erste Gedanke: Ich bin der Seher dessen, was ich sehe – der erste Gedanke der Trennung, dem dann in rasender Eile weitere Gedanken entspringen, die den ganzen in 1. Mose, 1 dargestellten Prozess der Entstehung der Welt widerspiegeln. All dies jenseits von Zeit und Raum und doch wiederum gleichzeitig ganz offensichtlich in Zeit und Raum. Etwas ungeheuer Lebendiges. Auch Potenzial ist nicht tot. Kein bisschen tot. Von wegen „tote Hose“! Und es ist immer da. Das, was ich den Grundton genannt habe, der nie nicht da ist.

„Im Ungeborenen löst Erscheinung sich auf in die wahre Natur der Dinge: Ich-Wille und Stolz vergehen in nichts.“ Im Ungeborenen löst nicht nur Erscheinung sich auf, aus dem Ungeborenen wird auch ständig Erscheinung geboren.

ouroboros

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

15 Antworten zu Tilopa: Das Allbewusstsein ist ungeboren

  1. punitozen schreibt:

    Guten Morgen Nitya ,
    Aaaahhh , heute Morgen haste mir janz aus dem Herzen gesprochen .
    Vielen Dank
    PUNITO
    P.S . Zu deinem Satz : “ Wir alle, wie auch immer wir sind, sind Manifestationen des Göttlichen. “
    kam mir just noch mal dieser Geschichtenerzähler in den Sinn :

    Gefällt mir

  2. Ingeborg schreibt:

    Noch ’ne Geschichte.

    Gefällt mir

    • Prem Kasina schreibt:

      interessant und einleuchtend und wie zu erwarten, keine Antwort…
      Buddha drang vor bis zum Nichts ohne Empirik. Es gibt also vermutlich effektivere Erkenntniswege…

      Gefällt mir

  3. Brigitte schreibt:

    Gefällt mir

  4. fredo0 schreibt:

    fein formuliert Nitya … sehr fein …

    ( und ich finde, so etwas muss auch mal gesagt werden. was soll da die vornehme Zurückhaltung in Sprachlosigkeit, im Wissen dass ES unwörterbar ist ….. da wird man halt immer wieder an der exaktheit der Worte scheitern… na und ? )
    Aber wie sollen denn die Suchenden denn sonst erahnen, dass es nicht nur diese Bewusstseins-Explosionen in ein ichBIN gibt ?
    ich will mich mal anschließen und meine „Ungefähr-Version“ des Offenen Momentes hier abliefern.

    Irgendwann so um 2005 saß fredo in einer eigentlich nur als Lager der Rest-Möbel gemieteten recht schäbbigen Kellerwohnung im Haus seiner Ex auf seinem ziemlich versifften Teppich .
    Er hatte gerade seine Firma verloren, samt Villa, samt Mercedes, samt Konto, samt Familie, samt Liebster, und war gerade von einem Job aus Asien zurückgekehrt, in ein jetzt doch recht „leeres“ Leben wieder in Deutschland.
    Die Kinder waren bereits in die Welt gereist, und erste recht dramatische Erkrankungen seines alternden Körpers kündigten sich an. Er hatte gerade so richtig die Schnauze voll, von all seinen spirituellen Suchereien, den diversen Gurubesuchen und Aschramkontakten, all den heiligen Schriften und Satsängereien, er war gerade mal wieder erneut an den Texten des WieWuWei grandios gescheitert, was besonders wurmte, da er eine Art Wahrheit darin zu riechen glaubte, die er aber auf Teufel komm raus einfach nicht kapieren konnte.
    Das erste Buch über Karl Renz, was parallel gelesen wurde, brachte noch das fehlende extra FrustSahnehäubchen. Es schien, als ob ein sanftes Gleiten in eine graue Depression begann. (obwohl er eigentlich überhaupt nicht zu dieser Gemütsverfassung neigte).
    Irgendwie saß er da , allein und krank, in einer jämmerlichen Kellerwohnung, nahezu pleite, abgeschoben und unabwendlich mit der eigenen Armseligkeit konfrontiert.
    Und alles war eigentlich nur noch zum (bitteren) Lachen.
    Er schaute ein wenig fern, ohne jedoch überhaupt hinzusehen, nur das Geplärre der Fernsehstimmen erfüllte wie ein Säuseln den Raum.
    Er saß einfach … so … da . quasi warm geborgen in der Lebens-Scheiße ..🙂
    Und … so erstaunlich das klingt , das war gar nicht so übel … sondern irgendwie … einfach so halt …
    Da veränderte sich etwas . Ganz plötzlich und völlig ohne jede erkennbare Ursache.
    Anfangs ganz langsam. Dann immer schneller. Später geradezu rasend.
    Aber zwingend wie von einem überdimensionalen Magneten erzwungen.
    Aufsaugend, ist seit dem des fredo Wort dafür.
    Ganz anders, wie die schon öfters und bereits in Kindheit erlebten (Samadi)Einheitserlebnisse, .die seine (!) Wahrnehmung in eine quasi Totalität aufgeblasen hatten, begann sich diesmal die
    Wahrnehmung „in sich selbst zurückzuziehen“ .
    Der Fokus des „Sehens“ ging vom Augenvordergrund zum Hintergrund, dann „in das Hirn hinein“ , durch den Kopf hindurch , immer mehr ins Dahinterliegende, (der anfangs noch wahrgenommene fredo wurde zum punkt, um letztlich völlig zu verschwinden), die Wahrnehmung zog sich weiter immer weiter in den offenen Raum zurück, um dann endlich in sich selbst zu „kollabieren“ . PLING .
    DA … da war (nur noch) ABSOLUT …. unendlicher Frieden nannte ich später das die Erinnerung daran „dekorierende“ Gefühl „about it“… doch DA war nur …. tja ….(stilles) ABSOLUT … majestetisch … hmmm … leer doch auch unendlich gefüllt … hmmm …. all diese spirituell vertrauten Vokabel wurden DA „gesehen“ , doch es war kein An-Sehen (von Außen) , sondern ein Ein-Sehen (von innen) .
    Der Satz „ABSOLUT schaut sich ABSOLUT“ an, wurde genau so „erlebt“ .
    Und doch wurde nix erlebt, denn es fehlte der Referenzpunkt des Erlebenden.
    ES wurde einfach zu Gewissheit „dass ich selbst dies, genau dies, und nix anders sein muss“, denn da war ja nur das …. EINE … und halt kein zweites „erlebendes“ . (aber „ich“ war ja doch da ! jedoch nicht auch ! )
    Eigentlich war „ich“ tot , und doch unendlich „am sein“ .
    Dies „Totes Reich“ zu nennen, gefällt mir durchaus, obwohl ich „mein“ Absolut immer noch bevorzuge. ( Ich wechsele aber gern mal die Begriffe , denn keiner „stimmt“ je zur Gänze )
    Und ….
    da war noch etwas … für mich im Nachhinein sehr erstaunlich, hatte dieses „noch etwas“ doch das EINE als nur das EINE später erstmal intellektuell in Frage gestellt.
    da war das, was ich später das „Gewusel“ nannte , ein dynamisch vibrierendes Kompendium von Erscheinungen ( wohl als „die“ Dualität zu sehen ) . Diesmal jedoch nicht zur EINHEIT aufgeblasen, sondern wie eine Art „Wurmfortsatz“ an der Nabelschnur des ABSOLUT …
    Und ein Teil dieses Gewusels war auch fredo , der jedoch keinerlei Besonderheit oder bevorzugter Eigenheit mehr hatte , sondern einfach nur eine Form unter vielen war, und dessen hypotetisches Ende in diesem Moment nicht den geringsten Unterschied gemacht hätte.
    Und …
    zwischen dem was ich später ABSOLUT und dem was ich „Gewusel“ nannte, gab es eine Verbindung !
    diese Verbindung später sogar mit „liebevoll“ zu titulieren, fiel mir in den ersten Jahren gar nicht ein, da ich eine gewisse Aversion gegen die Vokabel „Liebe“ pflege. Aber letztlich war der Charakter der Verbindung nix anderes … nährend … erschaffend … liebend …. durch neugierig-interessierte Wahrnemung „be-lebend“ … von ABSOLUT zu „Gewusel“ … und auch zurück ! ……..
    Ich nenne es die „nährende Nabelschnur“ , die später selbst dem „fredo im Gewusel“ nach dem „wieder Ausgespuckt werden“ in unbezweifelbarer Gewissheit verblieb.

    so … zwar erneut gescheitert … aber den Versuch wars wert …
    😀

    Gefällt mir

  5. Nitya schreibt:

    Seng-ts’an: Suche nicht nach dem Wahren, hör’ nur auf, Meinungen zu hegen.

    Ich hätte mir eigentlich gewünscht, dass zu diesem Thema nicht nur philosophische Meinungen kundgetan werden, sondern vielleicht eigene Erfahrungen beigesteuert werden zum Thema: Ist da etwas jenseits des Bewusstseins und jenseits von ICH BIN?

    Gefällt mir

    • Prem Kasina schreibt:

      wozu?

      Gefällt mir

      • Nitya schreibt:

        Seng-ts’an: Suche nicht nach dem Wahren, hör’ nur auf, Meinungen zu hegen.

        Es gibt nichts Langweiligeres, als Meinungen von etwas zu lesen, wovon der Meinungsäußerer keine Ahnung hat.

        Also, Butter bei die Fische!

        Gefällt mir

      • Prem Kasina schreibt:

        🙂 Butter bei die Fische…
        und was ist mit m e i n e r Insel, die außer mir ohnehin niemand betreten kann?

        ich lag in den Wehen. Mein erstes Kind. Die erste Wehe so stark wie die letzte, aber das konnte ich nicht wissen. Mein Gott, wenn das der Anfang ist, wie ist dann das Ende? fragte ich mich. Mit Mühe überredete ich meinen grade eingeschlafenen Ex die Hebamme zu holen (25km entfernt, durch Eis und Schnee. Sie war schon über 70 und fuhr selbst nicht mehr). Jule saß dann noch neben mir. Ganz still und ohne mich zu berühren. Anwesend. Mit meinem Atem tauchte ich immer tiefer in die Wehenschmerzen. Sehr kurze Abstände. Plötzlich war der Schmerz verschwunden und mit ihm ich. Wie Wasser floss mein Körper davon in einen sich öffnenden, grenzenlosen Raum. „Das Baby“, dieser plötzliche Gedanke holte mich mit fast einem Schlag zurück…
        —-
        etwas ganz anderes:
        ungefähr ein Jahr bevor sie starb, unterhielt ich mich mit Oma über den Tod. Ob sie an ein Weiterleben glaube, fragte ich sie. Sie zuckte die Achseln: das werde ich ja bald schon erfahren, meinte sie. „Oma, kannst du mir einen Gefallen tun?“ „Kommt ganz drauf an was…“ Ich fragte sie, ob sie mich nach ihrem Tod besuchen käme, wenn ihr das möglich wäre… Oma grinste schelmisch. Ich kann´s ja mal versuchen, meinte sie…
        Sie kam…
        —-
        Wichtiger für mich waren andere Grenzerfahrungen, z.B.:
        eine Bioenergetik Gruppe… sie puschten und puschten uns… ich konnte nicht mehr, wurde unglaublich wütend und machte aber weiter… weiter, weiter… plötzlich wurde alles federleicht… mein Körper flog fast, ich spürte keine Schwerkraft mehr… das Gefühl, ewig weitermachen zu können…
        Seit diesem Tag weiß ich, eines geht immer: der nächste Schritt. Sehr, sehr viel hat mir das schon geholfen.

        Gefällt mir

      • Nitya schreibt:

        „und was ist mit m e i n e r Insel, die außer mir ohnehin niemand betreten kann?“

        D e i n e Insel ist d e i n e Insel, die außer dir niemand betreten kann – und betreten soll. Einer der Väter der Gestalttherapie, Walter Kempler, hat es mal so formuliert: „Gespräch ist wechselitige Selbstfarstellung.“ Über die Erfahrungen eines anderen zu diskutieren, macht keinen Sinn. Nur über Selbstdarstellung ist das Kennenlernen eines anderen möglich, nicht über einen Meinungsaustausch.

        Danke also für deine Geschichte.

        Gefällt mir

    • Eno Silla schreibt:

      „Ist da etwas jenseits des Bewusstseins und jenseits von ICH BIN?“
      Aber was sollte denn da sein? Ist das ein Test?
      Mir fällt da nichts ein!

      Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s