Daniel Herbst: Ich verstecke mich im Schrank


ick

Die Metapher vom Meer und der Welle ist so bekannt, wie die vom Seil und der Schlange. Das Fatale an tausendmal gehörten Sinnbildern ist, dass sie uns – da sie nun einmal bekannt sind – nicht mehr überraschen können. Ein Versteckspiel, das mit dem Hinweis „Ich verstecke mich im Schrank“ beginnt, ist, noch bevor es begonnen hat, vorbei. Ebenso ergeht es einem Sinnbild, das uns seinen Sinn nicht mehr vermitteln kann, weil da jemand ist, der gelangweilt abwinkt.

Natürlich bin ich sinnbildlich gesprochen eine Welle im Meer, eine Ausformung in den unendlichen Weiten des Seins. Aber das nützt mir nichts! Es ist einfach so. Es nützt mir auch nichts, in die namenlose Weite zu expandieren, denn da bin ich schon! Das ist die einzige Realisation, die wert ist, Realisation genannt zu werden! Realisation meint hier – ich realisiere, dass die Idee eingreifen zu müssen oder zu können, ein hinderlicher Gedanke ist. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn das nach Hause gekommen ist, geht es nicht mehr um spirituelle Kosmetik. Dann kann ich tiefer schauen.

aus: Daniel Herbst, “ ICH OHNE MICH“

Wer kennt das nicht. Dieser ganze Advaitakram ist einfach grottenlangweilig. Alles schon hundertmal durchgekaut, immer dieselben Bilder, dieselben Sprüche, dieselben Kapazitäten. Gibt’s eigentlich noch irgendwas, was nicht sterbenslangweilig ist?

Daniel Herbst sagt, was für ihn Realisation ist: „Ich realisiere, dass die Idee eingreifen zu müssen oder zu können, ein hinderlicher Gedanke ist.“ Daniel Herbst ist kein Idiot. Er schreibt Bücher, er hat einen eigenen Verlag ins Leben gerufen, ich vermute, er macht seine Steuerklärung, er kocht vielleicht, kauft ein, putzt sich die Zähne, ….. sprich: er greift ein.

Okay, um diesen Aspekt geht es ihm gerade nicht. Und es geht ihm nicht um langweilige Advaita-Theorie. Eigentlich stellt er eine Frage: Wie ist es, wenn ich davon ausgehe, dass die Idee eingreifen zu müssen oder zu können, ein hinderlicher Gedanke ist? Oder: Wer wäre ich ohne den Gedanken, eingreifen zu müssen oder zu können? Im Rückentext des Buches findet sich der Satz:

In dem Augenblick, in dem mir offensichtlich wird, dass ich ein lebendiger Ausdruck des Göttlichen bin, verliere ich das Interesse daran, mich als Person zu kultivieren.

Mich als Person zu kultivieren, wäre beispielsweise so ein Eingreifen. „Wenn das nach Hause gekommen ist, geht es nicht mehr um spirituelle Kosmetik.“ sagt Daniel Herbst. Das alles ist keine Aufforderung, nicht mehr einzugreifen oder von mir aus keine Schattenarbeit zu betreiben oder was weiß ich. Ich nehme an, Daniel Herbst schreibt von seiner Erfahrung. Mit einem Mal ist das ganze Bemühen um Verbesserung abgefallen. Nicht, weil das eine richtig und das andere falsch ist. Da war einfach etwas nicht mehr da, was vorher da war. Da war kein Bedürfnis mehr da, kein Suchen, … wenn du nach Hause gekommen bist. Solange das nicht der Fall ist, ist da dieses Bemühen und Suchen.

Und danach – ist einfach das da, was da ist. Und von Langeweile kann nicht mehr die Rede sein. Mit einmal bekommt das Leben eine ganz unglaubliche Intensität, auch wenn scheinbar überhaupt nichts passiert, was der Rede wert wäre. „Hermann, was machst du?“ – „Nichts. Ich mache nichts.“
Hermann

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5 Antworten zu Daniel Herbst: Ich verstecke mich im Schrank

  1. Pingback: Ich verstecke mich im Schrank | Inspiration, Stille, Freiheit

  2. Eno Silla schreibt:

    nur dies bleibt
    alle worte
    alle vorstellungen
    alle konzepte von sein
    fallen weg
    werden verweht
    wie blätter im wind
    nur dies bleibt
    weil es ist
    gnadenlos
    wie es ist

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  3. Elwood schreibt:

    Kultivieren als Ausdruck von Lebensfreude…
    Kein „muss“, für wen auch?
    Keine Notwendigkeit….
    Wenn nichts ist, wie es scheint…
    Welche Kultivierung, welches Eingreifen ist richtig?
    Welche falsch?
    Unendliche Perspektiven…..
    Ich gebe auf…

    weil es ist
    gnadenlos
    wie es ist (Eno Silla)

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  4. Elwood schreibt:

    Manchmal erweckt man den Eindruck, schätzt man Menschen wie Ramana Maharshi, oder John Sherman, man “krieche ihnen in den Arsch” …

    Wer das so sieht, verkennt, von was sie sprechen. Sie sagen “du bist das Selbst” … du bist schon DAS, eins mit der Realität, bedarfst “keines Zweiten”, bedarfst keiner Lehre, um zu sein, was du bist; bedarfst keines Glaubens, um zu sein, was du bist; bedarfst keiner Unterordnung, unter einen Meister, um zu sein, was du bist; bedarfst nicht der “richtigen oder falschen Tat”, um zu sein, was du bist; bedarfst nur dir selbst, unmittelbar, um zu sein, was du bist.

    Erwachen ist Emanzipation, in diesem ekelhaften Herdenritual der Unterordnung, um zu sein, was man ist. Sei radikal, befreie dich von jeder Vorstellung einer notwendigen Unterordnung, um zu sein, was du bist. Du bist dein einziges Licht, und niemand, niemand, gibt es dir, oder nimmt es dir; niemand kann es dir geben, niemand kann es dir nehmen.

    Erwache zu dir selbst. Davon sprechen sie, davon künden sie. Du bist dein Licht, und es hängt in keinerlei Weise davon ab, welcher Vorstellung du genügst, oder welcher du nicht genügst. Das Licht des Seins besteht aus sich selbst.

    Tobias Knittel (Jeder kann Erwachen)
    http://ewig.es/

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