Lin-chi: Was immer euch begegnet, tötet es sofort

SchwertJünger des WEGES, wenn ihr Einblick erlangen wollt in den Dharma so, wie er ist, fallt nicht auf die irreführenden Ansichten anderer herein. Was immer euch begegnet, entweder innen oder außen, tötet es sofort: Wenn ihr einen Buddha trefft, tötet den Buddha, wenn ihr einen Patriarchen trefft, tötet den Patriarchen, wenn ihr einen Arhat trefft, tötet den Arhat, wenn ihr eure Eltern trefft, tötet eure Eltern, wenn ihr einen Verwandten trefft, tötet euren Verwandten, und ihr erlangt Befreiung. Wenn ihr nicht an den Dingen haftet, werdet ihr leicht und frei sein. Unter all den Schülern aus jeder Himmelsrichtung, die Jünger des WEGES sind, sind bis jetzt noch keine vor mich hingetreten, die nicht von irgendetwas abhängig waren.

aus: Lin-chi im „Lin-chi lu“

Tötet den Buddha, tötet den Patriarchen, töten den Arhat, tötet … tötet den, der euch gesagt hat, ihr sollt, was immer euch begegnen, sofort töten! Derjenige, der versprochen hat, dass ihr leicht und frei sein werdet, wenn ihr nicht an den Dingen haftet, muss zu allererst getötet werden. Ich muss gerade an die AAO-Kommune des Otto Mühl denken. Auch er wollte die Abkehr von der bürgerlichen Gesellschaft mit all ihren Normen und Fesseln. Symbolisch stand dafür die Inszenierung des Vatermordes. Wer mehr dazu lesen will, hier gibt es einen interessanten Artikel dazu. Das Elend war, dass derjenige, der den permanenten Vatermord befahl, sofort selbst zur Vaterfigur mutierte und – NICHT geschlachtet werden durfte.

Nicht zu vergessen bei diesem ganzen Schlachtfest ist allerdings, dass Buddha, Arhat usw. nur Symbolfiguren sind, die für all unsere Konditionierungen, Glaubenssysteme und Meinungen stehen. Den Slogan „BILD dir deine Meinung!“ sollten wir getrost ganz schnell wieder aus unserem Gedächtnis löschen und uns stattdessen an Seng-ts’ans dringende Empfehlung erinnern: „Suche nicht nach der Wahrheit, hör nur auf, Meinungen zu hegen!“ Dabei wäre es sicher sinnvoll, erst einmal herauszufinden, was überhaupt eine Meinung von uns ist. Wenn ihr hier die Kommentare durchlest, werdet ihr vermutlich Meinungen zuhauf finden. Blogs und Foren sind ja geradezu eine einzige Herausforderung dafür, zu zeigen, dass man zu allem und jedem eine eigene Meinung hat. „Hör nur auf, Meinungen zu hegen!“ Wer sind wir eigentlich ohne unsere lausigen Meinungen? Eben. Auf all unsre Meinungen ist glatt gepffiffen. Ganz besonders dann, wenn wir glauben, dass sie die Wahrheit repräsentieren. Wenn uns bewusst ist, dass unsere Meinungen nichts als Blabla sind, können wir sie auch gern zum Besten geben und uns hoffentlich über den eigenen Blödsinn königlich amüsieren. Aber diejenigen, die eine andere Meinung haben, soll allesamt der Teufel holen! In diesem Sinn wünsch ich euch allen einen vergnügten Tag!

0Meinungsaustausch

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

19 Antworten zu Lin-chi: Was immer euch begegnet, tötet es sofort

  1. Nitya schreibt:

    BILD dir eine Meinung:

    Gefällt mir

  2. Prem Kasina schreibt:

    Dass meine Meinung blabla ist, weiß ich. Außerdem fehlt die Zeit, sie wenigstens zu fundieren. Wenn aber auf sie gepfiffen wird, kann ich sie mir eigentlich sparen. Es bleibt dann mehr Zeit zu lesen und zu meditieren. Wenn mir etwas gefällt, und ich das Gefühl habe, dass es mich bereichert, dann möchte ich gerne etwas zurückgeben. Jetzt muss ich lachen. Meine Geschenke sind vielleicht erbsengrün und versauern die Suppe…

    Gefällt mir

  3. fredo0 schreibt:

    Einer der ersten , der in Begegnung mit Ramesh Balsekar das OFFENE bemerkte, war ein außergewöhnlich netter herzensguter älterer Mann aus den USA mit Namen Henry.
    Er stellte eine einzige Frage … und es machte CLICK … das OFFENE wurde bemerkt …
    Dies geschah quasi vor den Augen einer größeren Zuhörerschaft und da diese natürlich nur eine Ahnung hatten, was da geschah, begannen sie Henry und Ramesh zu „insistieren“ und um Erklärung zu bitten.
    Nach längerem Abwarten gab es dann so etwas wie eine Bestätigung von Ramesh ( zumindest wurde es so interpretiert ) und Henry wurde zum „Satsang / Zeugnisgabe“ gedrängt.
    Der begann dann auch Worte von sich zu geben . ( anders kann man es nicht bezeichnen )
    Jedoch …. von Satz zu Satz wurde andere , teilweise wiedersprüchliche Sprachkonzepte benutzt …
    die Zuhörer blieben nur noch verwirrter vor ihm sitzen.
    Für Henry selbst war das sichtlich unangenehm, denn er war ein sehr emphatischer Mensch, der doch nur zu gern anderen geholfen hätte. Doch nichts änderte sich an diesem Hüpf zu Hüpf Konzept. Irgendwie konnte er es anders gar nicht in Worte fassen … und die Zuhörer gaben es nach und nach auf …
    Da musste nix mehr „gemordet“ werden, denn das tat bereits der Folgesatz .
    Und das Festhalten , das zu lösen wäre, wurde erst gar nicht möglich .
    Ich habe es sehr bedauert, ihn niemals persönlich kennengelernt zu haben , bzw. nur als stillem Mitbesucher , aber womöglich wäre diese meine Erwartung ja auch zu „killen“ .

    Gefällt mir

  4. Blümchen schreibt:

    Ich habe mal gedacht: „Es gibt keine „eigene“ Meinungen“…..ich pflücke aus das Feld der Gedanken und Meinungen etwas das sich an einem bestimmten Moment gut anfühlt, oder zu mir passt……..aber „eigen“ ist es nicht……..Im „Orbit“ schweben Milliarden „Meinungen“ ………

    Gefällt mir

  5. Strandläufer schreibt:

    Ich muss meinen Gedanken nicht glauben, ebenso wenig anderen Gedanken. Aber muss ich gleich alles töten, was mir begegnet? Das ist mir viel zu aktiv.😉

    Gefällt mir

  6. Blümchen schreibt:

    Alles zu lieben was ist, scheint mir einen besseren Auftrag, als der Botschaft von Lin Chi. Ich verstehe was gemeint wird, aber es gibt leider zu viele die solche „Tötungsaufträge“ wortwörtlich nehmen…..

    Gefällt mir

  7. Jens Gantzel schreibt:

    Jack Kornfield zitiert in „Frag den Buddha und geh den Weg des Herzens“ oft einen Mönch namens Achaan Chah, dessen Äußerungen auch durch Humor (Ach, welch wichtige Eigenschaft😉 auffallen. So z.B.: „Leute, die Meinungen haben, laufen herum und gehen anderen Leuten auf die Nerven. “
    Klingt ein Stück weit auch nach mir…😉

    Gefällt mir

  8. Jens Gantzel schreibt:

    Noch was vergessen: das Thema AAO und blinde Flecke hatte mich im vorigen November auch mal zu einem Artikel angeregt. Wer mag:
    http://wuenschenwollentun.wordpress.com/2013/11/22/blinde-flecken-jeder-mensch-hat-sie-du-sie-ich-jede-und-jeder/

    Gefällt mir

  9. Eno Silla schreibt:

    alles in mir
    alles
    wird wieder und wieder getötet
    wieder und wieder
    muss ich lassen
    gehen lassen
    das schöne
    das liebe
    und es erscheint
    das harte
    das schwere
    wieder und wieder
    kein entkommen
    ich bin
    hier jetzt
    einfach so
    vollkommen
    hilflos

    Gefällt mir

    • Blümchen schreibt:

      Sehr schön, deine Worte, Eno Silla.
      Bleibe lachen……auch, wenn einiges als „vollkommen hilflos“ erscheint.
      Ich lese folgendes auf deine Profilseite:
      „Da alles nur eine Erscheinung ist,
      vollkommen im Sein, was es ist,
      nichts mit gut und böse zu tun hat,
      mit Anerkennung oder Ablehnung,
      tut man gut daran, laut aufzulachen.“
      Longchenpa

      Gefällt mir

      • Eno Silla schreibt:

        Liebes Blümchen,
        ein schönes Wortgebilde von Shantideva las ich heute und es scheint mir eine gute Antwort auf deine Worte zu sein:

        „Selbst wenn die ärgsten Widrigkeiten mich befallen, darf ich meine Heiterkeit nicht erschüttern lassen. Denn auch in der Unzufriedenheit liegt kein Vorteil, das Gute aber geht verloren.“

        Natürlich wird meine Heiterkeit erschüttert, wann immer sie erschüttert wird. Aber sie ist doch immer wieder da und die Auf und Abs dieses seltsamen Daseins erscheinen in einem milderen Licht…

        Herzliche Grüsse
        Eno

        Gefällt mir

    • punitozen schreibt:

      Es ist nicht nötig,
      nach dem Grossartigen,
      Wunderbaren
      zu suchen,

      DAS,

      was grossartig
      und
      wunderbar ist,
      kommt von
      SELBST .
      ( Lin Ji )

      Lieber ENO
      Hilflosigkeit hat
      ENO
      gut Reimen lassen .🙂 .

      Herzliche Grüße
      PUNITO

      Gefällt mir

      • Eno Silla schreibt:

        Lieber Punito,
        Hilflosigkeit macht mit mir was sie will…
        Wie ein Blatt im Wind werde ich von ihr umhergetrieben…
        Manchmal sitze ich auch wie ein Kind im Karussell und meine den Leichenwagen wunderbar zu lenken…
        Schön, dass du wieder hier bist!
        Liebe Grüsse
        Eno

        Gefällt mir

  10. Eno Silla schreibt:

    nichts und niemand kann ich fallen lassen
    wohin sollte es auch fallen
    als auf mich
    lustig
    ne?

    Gefällt mir

  11. Dieter schreibt:

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s