Johannes vom Kreuz: Du erwachst in meinem Herzen

Johannes-vom-Kreuz3Die Seele schlief nämlich einen Schlaf,
aus dem sie von selbst nicht zu erwachen vermochte.
Nur Gott konnte sie wecken und ihr die Augen öffnen,
deshalb spricht die Seele ganz richtig vom Erwachen Gottes,
indem sie sagt: Du erwachst in meinem Herzen.

Johannes vom Kreuz

Die Seele sagt: „Du erwachst in meinem Herzen.“ und gesteht damit gleichzeitig ihr Unvermögen ein, aus sich selbst heraus zu erwachen. Oh, ich hoffe sehr, dass jetzt kein edler Advaitin angeritten kommt und ruft: „Pah – das ist blanker Dualismus: Seele vs. Gott! Was mich betrifft, ich habe längst begriffen, dass es keine zwei Wesenheiten geben kann!“

Marguerite-PorèteIch habe gesagt, ich wolle ihn lieben:
Ich lüge, dies bin nicht mehr ich.
Er allein ist es, der liebt – mich.
Er ist und ich bin nicht mehr.
Nichts sonst ist mehr von Bedeutung
als was er will und was ihm teuer ist.

Marguerite Poréte

Schon wieder dieser Dualismus! „Er allein ist es, der liebt – mich.“ Schon wieder zwei Wesenheiten. Da lob ich mir den Wei Wu Wei, den Nisargadatta, den Ramesh Balsekar, den Tony Parsons oder was weiß ich wen von diesen Klar-Sprechern. Die bringen die Sache wenigstens sauber auf den Punkt. Da sind keine Zwei. Da ist auch nicht Eins. Na also, alles klar. Oder doch nicht? Gar nix klar? Gestern schrieb Fredo: „Ich behaupte ja, dass es genau um dieses ‚Ich kapiere gar nix mehr‘ geht, möglichst gewürzt mit ordentlich Zorn und Verzweiflung. Und um der Sache reichlich Dampf und Pfeffer zu geben, sollte es um ein (vorher) in Ernsthaftigkeit und Mut (Originalton Nisar) eingebettetes intensivstes intellektuelles Erforschen ‚det Janzen‘ gehen.“

Ach ja, Nagarjunas Catuṣkoṭi oder, uns geläufiger, unser wunderbares Tetralemma! Nichts, an das man sich halten könnte. Jnanamarga, der „Weg des Wissens“, ist halt auch nur eine von vielen Möglichkeiten, die mitten durch „die dunkle Nacht der Seele“ ins Nicht-Wissen führen können. Übrigens, Osho kannte nicht nur den Fredo ganz genau, wie dieser uns gestern gestehen musste, er stand auch für „keinen bestimmten Weg“, was ihm natürlich auch von allen Rechtgläubigen zum Vorwurf gemacht wurde. Er war geradezu die Inkarnation der Catuṣkoṭi. Wieso fällt mir jetzt gerade das ein:

Wohin mîn edle Frouwe ir Fûsslîn setzt
kunnt es nicht sein kein Herz sei nicht ergetzt
In rîchen Zungen, süez gezieret sungen Vôglin
daz diu Nacht gewich dem Tage hin
Und der Falschmoutgen Rede erstarb.

Also mein Herz ist sehr ergetzt, wenn die edle M.S. geheißene Frouwe sich wieder einmal dazu herablässt, ihren Honigseim über den unwürdigen Blogbetreiber und einen seiner unwürdigen Bloggäste auszugießen. Jeden Morgen stachelt mich ihre Huld zu besonderen Höchstleistungen an, ahnend, dass der Knüppel der hohen Herrin auch diesmal auf mich niedersausen wird, ahnend, dass ich die Schläge auch diesmal wieder verdient habe. So bleibt mir nichts, als endlich einmal meinen innigsten Dank an meine Wohltäterin auszusprechen. Wie könnte ich auch ohne ihre Hilfe hoffen, jemals aus tiefem Schlaf zu erwachen?!

Vorgestern schrieb die edle Frau u.a.: „(leicht nimmt es auch die Klofrau Friedelinde)  Sehr lange funzt das aber nicht…Wie lange nimmst du’s leicht? Ein kleiner Piekser nur und schon bist du wieder drin im Emo-Zirkus und der nächste Unliebsame fliegt aus deinem Blog. By the way: Was geschah eigentlich mit dem User ‚Alles ist Bewußtsein!?'“ Man darf ja bei der teuren Gräfin nicht kommentieren, sonst hätte ich ihr vielleicht geschrieben: Die Worte der Klofrau Friedelinde waren natürlich Lin-chis Worte. Ätschibäh. Auch das „s“ war sein Verbrechen, falls es nicht die Übersetzer vermurkst haben. Und was den „Alles ist Bewusstsein“ betrifft, hat er vermutlich keine Lust mehr gehabt, in meinem unerleuchteten Blog zu schreiben. Ich wüsste nicht, dass ich ihn rausgeschmissen hätte. Aber bei meiner zunehmenden Demenz – wer weiß? Vielleicht sollten sich mal alle Rausgeschmissenen bei der Heiligen Inquisition melden, damit sie nicht den Überblick verliert. MaulBaer – oder wie du dich gerade nennst – bitte vortreten! Dich armen Kerl schmeiß ich ja fast schon mehrmals täglich raus. Ja, ich weiß, ich bin ein richtiges Charakterschwein. Ach ja. Wie schön, dass mich meine spirituelle Stalkerin doch immer wieder bei meinen Untaten ertappt.

So, das musste jetzt auch mal sein. Wo war ich stehen geblieben? Ich wollte sagen, dass ich das große Glück hatte, dass mir als erster Botschafter dessen, was bei uns Mystik genannt wird, Meister Eckhart „über den Weg gelaufen“ ist. Und deshalb sind mir auch Menschen wie Johannes vom Kreuz oder Marguerite Porète sehr nah. Und so ist mir auch dieses Du vertraut. Dieses Du, das für Ikkyû Sôjun das einzig wichtige Kôan war. Das „du erwachst in meinem Herzen“ des Johannes vom Kreuz kann zum „er ist und ich bin nicht mehr“ der Marguerite Porète werden, wenn es eben in meinem Herzen erwacht. Und natürlich ist da niemand, der dieses Erwachen bewerkstelligen könnte. Wenn es geschieht, geschieht es eben „ohn all Verdienst und Schuldigkeit“. Gott sei Dank! Wenigstens ein Gebiet, in dem „Leistung“ keinen Lohn einklagen kann

Demut
Es gibt kein Du.
Es gibt ein Du.
Es gibt sowohl ein Du wie es kein Du gibt.
Weder gibt es ein Du noch gibt es kein Du.

Und friedlich rauscht die Linde.

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9 Antworten zu Johannes vom Kreuz: Du erwachst in meinem Herzen

  1. fredo0 schreibt:

    manchmal verbleibe ich ja kommentarlos schmunzelnd als leser des täglichen nitya ….
    manchmal will dann wenigstens dieser umstand erwähnt sein …
    😀

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  2. Marianne schreibt:

    Hab‘ mich gerade bei „frouwe“ ein wenig umgesehen:

    Ich bin eine Früchte-Leserin, ich erkenne die faulen Früchtchen an ihren Dornen, d.h. ihren Abwehrmechanismen und Identifizierungen.

    Da kann ich nur zustimmen … ich auch!😉

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    • Marianne schreibt:

      Vor ein paar Tagen habe ich mich mit dem Nachbarn (einem Bauern) über seinen Apfelbaum unterhalten: Der produziert Jahr für Jahr mehr als die Hälfte verfaulte und wurmige Früchte. Ändern könnte man das nur durch Spritzmittel-Einsatz, was er nicht möchte. Die „gute Ernte“ ist also im Lauf des Natürlichen offensichtlich nicht ohne „schlechten Beifang“ zu kriegen.
      In dem Zusammenhang mag ich besonders gerne die Geschichte vom „Sprung in der Schüssel“: http://www.erkenntnisweg.de/weisheit/sprung.php

      Herzlich ♥
      Marianne

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  3. zaungast schreibt:

    keine Bange Nitya, madame Lolo findet in allem ihren Meister… je öfter du also Prügel erhälst, desto eher kannst du von ihrer Würdigung ausgehen😉

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  4. punitozen schreibt:

    Nur das Freiwerden der Seele, die „Nacht“ von Sinn und Geist, das völlige Leerwerden des
    Menschen, der Verzicht auf alles menschenmögliche Erkennen, die völlige Verneinung aller Begierden –
    das eröffnet das Licht, das dann zwangsläufig zu scheinen beginnt. So wichtig dabei der Glaube ist: erst die Liebe ist Anfang und Vollendung des mystischen Weges.
    ( Auszug aus dem Heiligen-Lexikon )

    und Nitya ? “ Ja, ich weiß, ich bin ein richtiges Charakterschwein. “
    Wetten Nitya – darüber hätte sich Osho vor Vergnügen auf den “ roten Teppich “ gekugelt .
    siehe wie folgt :

    Unfehlbarkeit

    Perfektionismus ist eine neurotische Vorstellung. Unfehlbarkeit ist gut für dumme Polacken-Päpste aber nicht für intelligente Menschen. Ein intelligenter Mensch wird begreifen, dass das Leben ein Abenteuer ist, eine ständiges Nachforschen: Versuch und Irrtum. Dies ist gerade die Freude daran, der wirkliche Saft des Lebens!

    Ich möchte nicht, dass ihr perfekt seid. Ich möchte euch so perfekt unperfekt wie nur möglich. Freut euch über eure Unvollkommenheiten! Freut euch gerade über eure Gewöhnlichkeit! Hütet euch vor sogenannten „Eure Heiligkeit“ – es sind alles „Eure Scheinheiligkeit“. Wenn ihr auf große Worte wie „Eure Heiligkeit“ steht, dann nehmt den Titel „Eure Reine Gewöhnlichkeit“ an – E.R.G., nicht E.H.
    Ich predige Gewöhnlichkeit. Ich erhebe keinen Anspruch auf irgendwelche Wunder; ich bin ein einfacher Mensch. Und ich möchte, dass auch ihr sehr einfach seid, so dass ihr diese beiden Polaritäten los werdet: die Schuld und die Scheinheiligkeit.
    Genau in der Mitte liegt das Gesunde.
    Osho, Die Gans ist raus!, Kapitel 5

    Einen erbaulichen Spätsommertag
    wünscht Dir
    PUNITO

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  5. Prem Kasina schreibt:

    Mist. alles weg… alles nochmal… ach ja, das aufgeblasene Gehirnfurzjucken in meinen Fingern ist stärker als meine Netzphobie…
    ——-
    Christliche Mystik fasziniert mich auch. Am liebsten mag ich Franz von Assisi und seine Geschichte von der vollkommenen Freude. Er taucht tief, tief in das Leid und findet an seinem anderen Ende die Freude. Heute erscheint es mir oft umgekehrt. Wir suchen Spaß und wer weiß, vielleicht finden wir am Ende das Leid…
    Nächstenliebe, Dienen, Demut, Gehorsam, Leiden, die christlichen Werte haben ausgedient. Es sind Fischewerte und wir leben im Zeitalter des Wassermann. Doch stehen die Fische am Ende des Kreises, sind das nebulöseste, mystischste und geheimnisvollste aller Zeichen. Eine sehr schöne Geschichte von Martin Schulman gibt es dazu: Gott lässt alle seine zwölf Kinder vortreten, verteilt ihnen Aufgaben und beschenkt sie dann. Zum Schluss ruft er Fische: Dir Fische, gebe Ich die schwierigste Aufgabe von allen. Du sollst die Sorgen aller Menschen sammeln und sie mir zurückgeben. Deine Tränen werden schließlich meine Tränen sein. Das Leid, das du auf dich nimmst, ist die Folge des menschlichen Missverstehens meiner Idee, doch du sollst Erbarmen mit ihnen haben, damit sie es noch einmal versuchen können. Für diese schwierige Aufgabe erhältst du das größte Geschenk von allen. Du wirst das einzige meiner zwölf Kinder sein, das mich versteht. Doch diese Gabe ist nur für dich allein, denn wenn du versuchst, sie auszustreuen, wird man dir nicht zuhören.

    Daskalos wäre ich so gerne begegnet. Ein zypriotischer Heiler und Mystiker. Ein Christ. Als ich von ihm erfuhr, lebte er leider nicht mehr. Ein Buch über ihn habe ich gelesen: Der Magus von Strovolos.

    Die Texte oben gefallen mir und auch das Foto von dem betenden Muslim…

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  6. Elwood schreibt:

    Die Veränderung nimmt ihren lauf…
    Da kann ich so gar nichtS tun….
    Schietbumsegal was ich dafür, dagegen mache…
    Jeder wie er es braucht….
    DU hast es in der Hand….

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